10.08.2015 Persönlicher Glaube

Glaube für Jungbekehrte (6): Kann man das Essen „segnen“? (FMN)

Viele haben ein solches Gebet sicher schon einmal gehört, oder bereits selbst gesprochen: „Wir danken dir für das leckere Essen und bitten dich dafür um deinen Segen!" Vielleicht sprechen wir einen solchen Satz aber nur als eine Formel, ohne weiter darüber nachzudenken? Oder wir sagen nach dem Gebet „Amen", ohne eigentlich zu wissen, was das eigentlich für ein „Segen" sein soll, der dem Essen zuteil wird?

 

Keine Formel!

Ein guter Gedanke, sogar ein Wort Gottes, kann, wenn man es formelhaft verwendet, seinen eigentlichen Sinn verlieren. Manchmal liegt das auch daran, dass ein Ausdruck oder Satz aus Zeitgründen verkürzt wird. Dann weiß eine nachfolgende Generation überhaupt nicht mehr, was er bedeuten soll. Ein gutes Beispiel dafür ist das in Süddeutschland zum Teil übliche: „Grüß Gott", das einem entgegenschallen kann. Ursprünglich hieß das: „Grüß(e) dich Gott" und bedeutete: Gott grüße dich = Gott segne dich. Viele wissen das heute nicht mehr, noch weniger denken daran, wenn sie diese Grußformel verwenden.

Ähnlich könnte es auch sein, wenn man um Segen für das Essen betet. Vielleicht kommt dieser Ausdruck aus den bemerkenswerten Worten über das Handeln von Samuel: „Das Volk isst nicht, bis er gekommen ist, denn er segnet das Schlachtopfer, danach essen die Geladenen" (1. Sam 9,13). Samuel hat also das Friedensopfer, an dem auch das Volk Anteil hatte und von dem es essen durfte, ausdrücklich gesegnet.

 

Bedeutung des Segnens

Was heißt nun „segnen"? Es bedeutet einfach, dass Samuel für das Essen dankte und Gott die Speise anvertraute, damit sie zum Segen für alle wäre, die davon essen. Man könnte auch sagen: damit sie ihnen gut tut und keinen Schaden anrichtet. Dass Segnen diese Bedeutung des Dankens hat, wird durch einen Vergleich von Matthäus 14,19 mit Kapitel 15,36 deutlich. Bei den beiden Brotspeisungen segnete und dankte der Herr Jesus seinem Vater für die Gaben. In diesem Sinn kann man zum Beispiel auch seine Kinder jeden Morgen segnen, wenn sie aus dem Haus gehen: indem man sie Gott und seiner bewahrenden Fürsorge im Gebet anvertraut.

Ein solches Dankgebet stimmt mit der biblischen Belehrung überein, die Paulus seinem Mitarbeiter Timotheus gab: „Denn jedes Geschöpf Gottes ist gut und nichts verwerflich, wenn es mit Danksagung genommen wird; denn es wird geheiligt durch Gottes Wort und durch Gebet" (1. Tim 4,4.5). Paulus schreibt, dass es für uns Christen keine Einschränkungen bei der Auswahl des Essens gibt. Das war bei den Juden anders, die nur „reines" Fleisch essen durften. Wir dürfen heute auch Fleisch vom Schwein oder anderen „unreinen" Tieren zu uns nehmen. Denn alles wird durch Gottes Wort und Gebet geheiligt.

 

Danksagung - Gottes Wort - Gebet

Drei Einzelheiten aus den Worten des Apostels in 1. Timotheus 4,4.5 möchte ich aufgreifen:

 

  1. Zunächst einmal: Paulus setzt voraus, dass wir nicht nur dankbar sind, sondern diese Dankbarkeit Gott im Gebet ausdrücken. Daher spricht er von „Danksagung".
  2. Er fügt dann hinzu, dass Gottes Wort das Essen heiligt. Das bedeutet, dass Gottes Wort uns die Freiheit gibt, alles zur Speise zu verwenden. An anderer Stelle (Apg 15,29) lesen wir, dass es zwei Ausnahmen gibt: Blut (wie Blutwurst) und Ersticktes (Fleisch, das nicht ausgeblutet ist). Ansonsten dürfen wir - wie immer in Maßen - alles essen.
    Die Heiligung des Wortes Gottes bedeutet nicht, dass die Bibel das Essen heilig macht. Jede Nahrung ist und bleibt gewöhnliches Essen und Materie wie zuvor. Aber auf der Grundlage des Wortes Gottes ist jede Speise für einen Gott gemäßen Gebrauch bereitgestellt.
    Es ist hier also nicht gemeint, dass wir in Verbindung mit einer Mahlzeit Gottes Wort lesen, so gut und empfehlenswert das ist. Nein, Gottes Wort belehrt uns darüber, dass wir alles mit Danksagung annehmen dürfen, weil Gott es zu einem Ihm wohlgefälligen Gebrauch abgesondert hat.
  3. Schließlich ergänzt der Apostel, dass die Nahrung auch durch Gebet geheiligt ist. Das unterstreicht, dass Dankbarkeit nicht nur eine grundsätzliche Haltung ist. Sie wird auch durch das Gebet in Verbindung mit einer Mahlzeit konkret ausdrückt. Es ist alles andere als selbstverständlich, immer etwas zu essen zu haben. Frühere Generationen haben Hunger erlebt; in vielen Ländern der Erde ist das heute noch so. Und keiner von uns weiß, ob nicht „morgen" wieder eine solche Mangelzeit auch in unserem Land beginnt.
    Durch das Dankgebet bekommt das Essen den von Gott gewünschten Platz für uns. Es ist etwas Großartiges, dass wir einen freien Zugang und sogar Austausch im Gebet mit Gott haben dürfen. Sogar über so gewöhnliche Dinge wie das Essen dürfen wir mit Ihm sprechen.
    Der Herr Jesus ist dafür unser vollkommenes Vorbild. Kürzlich fiel mir auf, dass Er bei der zweiten Speisung (der 4.000) nicht nur für die sieben Brote dankte, sondern danach, als Er noch einige kleine Fische verteilte, ein zweites Mal zu seinem Vater betete (Mk 8,6.7). Das sollte uns motivieren, es im Blick auf die Nahrung, die wir mit dankendem Herzen aus der Hand Gottes annehmen, ebenfalls freudig zu tun.

Wir verstehen also, dass das Gebet „um den Segen Gottes" keinen mystischen Sinn enthält. Dem Essen werden keine geheimen Kräfte eingehaucht. Nein, wir danken für das Essen, das Gott uns gibt, und erbitten Nutzen für unseren Körper, für unser Wohl. Um Missverständnisse zu vermeiden, kann man auch dafür beten, dass Gott die Speise an uns segnet.

Folge mir nach - Heft 8/2015