04.02.2003Ehe & Familie

Anregungen für Verlobte (03) – geistige Voraussetzungen für Verlobte

Menschen, die sich verloben und dann heiraten, sind „ganze“ Menschen – was keine besonders geistreiche Aussage ist. Aber sie wird in ihrer Konsequenz leicht übersehen. Denn der Mensch besteht nach 1. Thessalonischer 5 aus Geist, Seele und Leib. Und diese drei „Teile“ hat sowohl der Mann als auch die Frau. Da der Geist des Mannes in der Ehe im besonderen mit dem Geist der Frau zu tun hat, die Seele mit der Seele und der Körper mit dem Körper, erscheint es mir sinnvoll, über diese drei Bereiche kurz nachzudenken.

Geist und Geist müssen zusammenpassen

Der höchste Teil des Menschen ist der Geist, der zu Gott zurückkehrt (Prediger 12,7). Es ist der Geist des Menschen, bei dem der Geist Gottes in einem Menschen anknüpft. Zwar sind Verstand und Geist des Menschen nicht das gleiche. Aber wenn man den Verstand des Menschen einer der drei Bereiche zuordnen will, dann dem Geist des Menschen. Dieser benutzt den Verstand. Es ist der Geist des Menschen, der das verantwortliche Element in ihm darstellt.

Wenn sich nun zwei Menschen verloben, hat der Geist des einen mit dem Geist des anderen zu tun. Das mag sich sehr theoretisch anhören. Aber es ist nicht so. In früheren Zeiten legte man sehr viel Wert darauf, dass die Frau einer Klasse angehörte, die nicht zu weit unter der des Mannes sein durfte – umgekehrt war es praktisch ganz verpönt. Diese Fragen spielen heute eine eher untergeordnete Rolle.

Auch in der Verlobung soll man rational bleiben

Wenn sich heute jedoch zwei Menschen verlieben, sind sie (wir, die wir inzwischen verheiratet sind, waren es ja letztlich alle) blind und taub in Bezug auf manche rationalen Fragen. Glaubst du, dass eine wirklich im positiven Sinn herausfordernde Ehe für beide Seiten möglich ist, wenn einer der Beiden dem späteren Ehepartner geistig sehr deutlich unterlegen ist? Ich habe erhebliche Zweifel! Es gibt – wie bei vielen Punkten – immer Ausnahmen. Gewiss! Bist du sicher, dass du diese Ausnahme darstellst?

In der Verlobungszeit ist man verliebt. Zum Glück! Aber dadurch sieht man viele Dinge durch eine rosarote Brille. Es gibt, da man den anderen häufig noch nicht so gut kennt, so viele Dinge, die man gemeinsam (auch persönlich am anderen) entdeckt, dass man sich über ein solches Thema keine Gedanken macht. Für den Mann – gerade, wenn er eine entschiedene Haltung im Christenleben einnimmt und vielleicht sogar schon einen teilweise öffentlichen Dienst im Reich Gottes tut – ist es unabdingbar, dass seine Frau auch mental/geistig in der Lage ist, ihm Paroli zu bieten.

Der Mann braucht eine geistig fordernde Ehefrau

Es geht nicht darum, dass sie ihm widerspricht. Es geht auch nicht darum, dass sie sich ihm nicht unterordnet. Aber es geht darum, dass wir Männer Korrektur brauchen. Jeder von uns! Und leider gibt es manche Beispiele von an sich wirklich hingebungsvollen Brüdern, denen eine geistliche Frau fehlt, die auch geistig in der Lage ist, die richtige Korrektur zu gewährleisten.

Lieber junger Mann: Lass Dich nicht allein durch ein attraktives Äußeres – sagen wir (ich bin jetzt mal so frei, auch wenn es eigentlich despektierlich Frauen gegenüber ist – aber wir Männer haben es eben nötig!) durch Oberweite, Augenaufschlag, einen durchdringenden Blick oder den Minirock – einfangen. Vergiss nicht, dass Schönheit vergehen kann. Auch geistig können wir „abnehmen“. Aber in aller Regel ist das der länger andauernde „Wert“.

Die Frau braucht einen geistig fordernden Ehemann

Aber dieses Thema gilt natürlich auch für Frauen. Auch sie benötigen Korrektur. Auch für sie ist es wichtig, dass sie im „geistigen“ Sinn wirkliche Achtung vor ihren Männern haben. Deshalb solltest du dich nicht durch ein attraktives Äußeres oder einen beeindruckenden Karrierestart blenden lassen.

Vergesst nicht, dass ihr ein Leben lang zusammen und hoffentlich miteinander leben werdet. Und damit dies schön ist, brauchst du – neben den glaubensmäßigen Bedingungen – auch geistige Herausforderungen. Das sollte niemand unterschätzen!

Was kann man tun?

Wie kann man nun eine gewisse Sicherheit in diesem Gebiet bekommen? Indem man die Verlobungszeit nutzt – oder auch schon die Zeit vorher (mit diesem Thema wollen wir uns später beschäftigen) – und sich auch über Themen unterhält, die einen auf geistigem Gebiet interessieren. Der eine hat gerne Literatur gelesen, der andere hört gerne gute klassische, romantische oder Barockmusik. Wieder ein anderer ist an kulturellen oder auch politischen Themen interessiert. Und natürlich gehört auch das Interesse an biblischen Themen und Auslegungen zu diesem Bereich.

Wenn man feststellt, dass der Gegenüber zu den Themenbereichen, die einen selbst sehr interessieren, keinen Zugang hat, dann mag man sich in einem nüchternen Moment schon ein paar Fragen stellen!

Unterschätz nicht die Wichtigkeit dieser Dimension!

Mancher mag einwenden, dass dieses Fragestellungen nur materieller Natur sind und keinen Ausschlag geben, ob der Herr diese Frau oder diesen Mann als Ehepartner für mich vorgesehen hat. Es ist wahr: Dieses Kriterium allein muss man sehr vorsichtig handhaben. Aber es ist auch wahr, was wir in 1. Mose 2 lesen: „Aber für Adam fand er [Gott] keine Hilfe seines Gleichen“ (Vers 20). Deshalb hat Gott Eva geschaffen. Sie war wirklich „seinesgleichen“ – entsprechend den Fähigkeiten von Adam. Eine auch in dieser Weise entsprechende Beziehung wünsche ich Dir von Herzen!