11.06.2015Jeremia | Persönlicher Glaube

Die Morgenandacht mit Jeremia: Das ist aber viel ... (FMN)

Üblicherweise ...

Normalerweise nehme ich mir vor, morgens eine bestimmte Anzahl an Bibelversen oder Abschnitten zu lesen. Damit es eine Andacht wird, sollte man sich ja auch Zeit nehmen, über das Gelesene wenigstens kurz nachzudenken und zu beten, damit es zum persönlichen Besitz wird.

Wenn dann diese langen Prophetenbücher wie Jeremia und Jesaja „drankommen", weiß man, dass es über einen längeren, ja langen Zeitraum geht. Wenn man ein Kapitel pro Morgen liest, ist man nahezu zwei Monate mit Jeremia beschäftigt. Wenn man zwei Kapitel liest, ist es immer noch fast ein ganzer Monat. Da diese Bücher nur wenig Handlung enthalten, ist das für mich jedes Mal wirklich „anstrengend" zu lesen, echt viel. Und das geht dann jeden Morgen ein oder zwei Monate lang so ...

 

Ein Experiment

Wegen dieser Erfahrungen hatte ich mir für den letzten Sommerurlaub einmal etwas anderes überlegt. Zugegeben: Das war auch eine Herausforderung, aber sie hat sich gelohnt! Ich habe mir nämlich vorgenommen, Jeremia in drei, vier Tagen durchzulesen. Klar, je nach Lesegeschwindigkeit kann man an diesen Tagen nicht viel anderes machen. Und natürlich behält man dann auch nicht so viele Einzelheiten. Aber: Wie viele hat man, wenn man das Buch langsamer liest, nach einem oder zwei Monaten noch in Erinnerung?

Für mich war das eine wirklich gute Erfahrung. Denn erstaunlicherweise war das Lesen in großen Abschnitten viel leichter zu bewältigen. Es ging auch - neudeutsch: gefühlt - viel schneller (nicht nur durch die drei Tage). Ich hatte zu keiner Zeit den Eindruck: „Oh, ist das ein langes Buch ohne Handlung, wie lange geht das denn noch ..." Gerade, wenn man die Bibel auf einem elektronischen Gerät liest und dann nicht immer sieht, wie viele „Seiten" noch anstehen, kann das auch leichter zu handhaben sein. Mir jedenfalls geht das schon mal so.

 

Meine Lektionen

Was habe ich an diesen drei Tagen (unter anderem) gelernt:

  • Es ist erstaunlich, wie deutlich und oft Gott das Volk zur Zeit Jeremias vor falschen Wegen gewarnt hat. Und doch haben sie nicht gehört.
    Wie oft ermahnt und warnt mich Gott - vielleicht durch die Eltern, vielleicht direkt durch die Bibel, manchmal auch durch das gepredigte Wort - und ich will dennoch nicht darauf hören.
  • Gott hat Zedekia, den letzten König in Juda vor der Zerstörung Jerusalems mehrfach durch Jeremia darauf hingewiesen, dass Jerusalem von Babylon eingenommen werden würde. Und Jeremia hat Zedekia immer wieder ermahnt: „Ergib dich dem König Nebukadnezar, und du wirst leben. So, und nur so wirst du eine Zukunft haben." Zedekia hat aus Menschenfurcht, nämlich aus Angst vor seinen Fürsten und Obersten, nicht auf Jeremia hören wollen. So musste er mit ansehen, wie seine Söhne geschlachtet wurden. Unmittelbar danach wurde er selbst geblendet. Damit war er blind. Das Letzte, was seine Augen gesehen hatten, war die Hinrichtung seiner Söhne.
    Wie oft tue ich Dinge nicht, weil ich Angst vor Menschen habe, obwohl ich weiß, dass Gott mich dazu auffordert zu handeln und von Ihm zu zeugen?
  • Alles traf genauso ein, wie Gott es vorhergesagt hat. Wenn Gott etwas sagt, dann ist es auch so.
    Glaube ich wirklich daran, dass Gottes Wort exakt so eintrifft, wie Er es mir sagt oder sagen lässt?
  • Nach der Zerstörung Jerusalems ließ Nebukadnezar einen schwachen, elenden Überrest in Jerusalem zurück. Statt diese Situation zu nutzen und in Frieden zu leben, lässt sich einer von ihnen durch einen feindlichen König anstiften, die anderen umzubringen.
    Wir leben heute in einer Zeit, in der viele Christen im übertragenen Sinn in großem Elend leben. Sie trennen sich nicht mehr von der unmoralischen Welt, trennen oder hängen falschen Lehren an. Was machen nun diejenigen, die sich praktisch und lehrmäßig für Gott heiligen wollen? Sind sie ihren Glaubensgeschwistern eine Hilfe, oder bedrängen und „treten" sie nur?
  • Diejenigen, die am Ende übrigblieben, kamen wieder zu Jeremia, um durch ihn Gott zu befragen. Gott ließ ihnen durch Jeremia sagen, dass sie im Land bleiben und nicht nach Ägypten fliehen sollten. Sie hatten so oft erlebt, dass Jeremia und nur er recht behalten hatte. Würden sie ihm jetzt glauben? Nein, sie glaubten ihm wieder nicht und handelten im Eigensinn, so dass sie später in Ägypten ebenfalls durch Nebukadnezar überwältigt wurden.
    Auch wir haben nun so viele Beweise, dass Gott recht hat und dass es für uns persönlich nur einen Weg des Segens unter der guten Hand des Herrn gibt: wenn wir Ihm im persönlichen und gemeinschaftlichen Glaubensleben gehorsam sind. Warum tue ich mich dann so schwer, Ihm einfach zu glauben und nach der vielfachen Erfahrung, dass Er und sein Wort recht haben, Ihm zu vertrauen?
  • Der Prophet Jeremia musste ein schweres Werk ausführen. Er war ein Gerichtsprophet, der ständig Gericht ankündigen musste. Trotzdem hat Gott ihn über viele Jahre bewahrt und immer wieder seine gute Hand der Fürsorge und des Schutzes über ihn gehalten. Selbst, wenn es einmal so schien, als ob alles aus wäre, hatte Gott noch einen Äthiopier, der Jeremia half.
    Wir leben in viel leichteren Zeiten - jedenfalls in Deutschland. Warum habe ich dann so viel Angst, die Aufträge des Herrn auszuführen, obwohl Er doch verheißen hat, uns nicht zu verlassen und nicht zu versäumen?
  • Hatte Jeremia nicht jeden Grund, auf das Volk zu schimpfen und sein Gericht immer wieder herbeizurufen? Wie erstaunlich, dass er mit dem Volk „mitlitt" und so auch die „Klagelieder" schrieb - nicht als Gericht über das Volk, sondern als Mitleiden mit dem Volk.
    Wie stehe ich eigentlich dem geistlichen und zahlenmäßigen Niedergang des Volkes Gottes gegenüber? Bin ich manchmal schadenfroh, dass es jemand „erwischt" hat, der mir Böses getan hat? Oder leide ich mit den Gläubigen? Meine ich, dass ich etwas Besseres bin, oder stelle ich mich unter das Urteil Gottes über das Volk Gottes, wie es sich heute zeigt?

Für mich war das Lesen des Propheten Jeremia in diesem Urlaub ein echter Segen. Ich wünsche dir, dass du Mut hast, auch mal ein längeres Bibelbuch anzugehen; vielleicht mit einer anderen „Methode" als sonst ...


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Alternative für etwas Zaghaftere

Die Gedanken des Artikels im Hinblick auf die Bibellektüre des Propheten Jeremia kann sicher jeder ernsthafte Bibelleser gut nachvollziehen. Ist dir die Herausforderung, Jeremia in ein paar Tagen zu lesen, zu groß? Bevor du es dann ganz lässt, empfehle ich dir, es mit dem LightKeeper in kleineren Portionen zu versuchen. Diese Bibelerklärungen kannst du beim Herausgeber dieser Zeitschrift (www.csv-verlag.de) bekommen. Der Text über Jeremia steht in Band 1, Seite 171-247.

Es ist wie im Artikel beschrieben: Der Prophet Jeremia wird dich etwas länger als zwei Monate beschäftigen. Du kannst das jedoch abkürzen, wenn du dich nicht am Datum der Tageslese orientierst, sondern zum Beispiel ein Kapitel am Tag liest. Die jeweilige Tageslese enthält eine kurze Erklärung zum Bibeltext, Fragen zum Text, Infos und einen „Gedankenanstoß" für den Tag.

 

 

Folge mir nach - Heft 6/2015