16.05.2015Matthäus | Menschliches Zusammenleben

Das Gleichnis vom Sauerteig

Hier vergleicht der Herr das Königreich mit Sauerteig. Wovon spricht der Sauerteig? Er hat die Eigenschaft, durch seine Gärung von sich aus alles das zu durchsäuern und aufzublähen, womit er in Verbindung kommt.  So ist es mit der Sünde. Sie breitet sich aus, wenn sie nicht gerichtet und bekannt worden ist. Es bedarf keiner Anstrengung, keiner zusätzlichen Energie, um Sünde zu verbreiten. Das tut sie von ganz allein.

Nur das Feuer (Hitze) kann die Verbreitung des Sauerteigs verhindern. Das weiß jede Hausfrau. So ist der Sauerteig ein Bild von ungerichteter Sünde, oftmals auch von böser Lehre. Es ist hilfreich, die verschiedenen Vorkommen von Sauerteig im Neuen Testament zu vergleichen:

1.      Matthäus 16,6 spricht vom Sauerteig der Pharisäer. Lukas 12,1 ergänzt, dass dieser Heuchelei ist. Auch geht es sicher um die Gesetzlichkeit, durch welche die Pharisäer gekennzeichnet waren.

2.      Matthäus 16,6 nennt auch den Sauerteig der Sadduzäer. Sie glaubten nicht an die Auferstehung und eine unsichtbare Welt. Sie waren Rationalisten. So spricht der Sauerteig hier vom Unglauben. Aus Matthäus 16,12 können wir schließen, dass die beiden ersten Punkte zu einer regelrechten Lehre weiterentwickelt worden sind. Während die Pharisäer daran denken lassen, dass die biblische Lehre zu einer reinen Form degeneriert und durch eigene Gebote angereichert wird, zeigen die Sadduzäer, wenn man besonders die christliche Epoche vor Augen hat, ein irdisches Christentum, in dem Auferstehung und das „Jenseits" keine Rolle mehr spielen.

3.      In Markus 8,15 lesen wir vom Sauerteig der Herodianer. Das war die damals politisch führende Klasse. Hier kann man beim Sauerteig besonders an die Gleichförmigkeit mit der Welt im geistlichen Bereich denken. Auch das ist zu einer gewissen Lehre geworden. Offenbarung 2 nennt das die Lehre der Nikolaiten (vgl. Off 2,6; 3,14.15).

4.      In 1. Korinther 5,6-8 finden wir den Sauerteig böser Moral, böser Praxis.

5.      In Galater 5,9 lesen wir schließlich von dem Sauerteig böser Lehre, hier besonders von dem Stützen auf Werkgerechtigkeit, Gesetzlichkeit.

6.      Schließlich wird Sauerteig in unserem Vers genannt. Es ist das erste Vorkommen im Neuen Testament. Daher kann man es als eine Art Überschrift über das Thema Sauerteig verstehen, wo alle genannten Facetten mit eingeschlossen sind.