04.02.2003Ehe & Familie

Anregungen für Verlobte (04) – „seelische" Voraussetzungen für Verlobte

Und als Abigail zu Nabal kam, siehe, da hatte er ein Mahl in seinem haus wie ein Königsmahl; und das Herz Nabals war fröhlich in ihm, und er war trunken über die Maßen. Und sie berichtete ihm weder Kleines noch Großes, bis der Morgen hell wurde. ... Und sein Herz erstarb i seinem Innern, und er wurde wie ein Stein" (1. Samuel 25,36-37).

Nachdem wir beim letzten Mal gesehen haben, dass es „geistige" Voraussetzungen für die Verlobung und Ehe gibt – dass wir diese Komponente nicht vernachlässigen sollten – wollen wir diesmal über den „seelischen" Teil der beiden Menschen nachdenken, die sich verloben.

Die Seele hat mit unseren Empfindungen zu tun

Vielleicht kann man am besten sagen, dass mit der Seele des Menschen, wenn man der Dreiteilung von 1. Thessalonischer 5,23 in Geist, Seele und Körper folgt, die Empfindungswelt gemeint ist. An anderen Stellen finden wir, dass es gerade das Herz ist, das uns diesen Themenkreis näher bringt. Wir dürfen fröhlich sein – aber wir werden zuweilen auch traurig sein und weinen. Das hängt mit unserer Seele zusammen, die in dieser Weise Schwankungen unterliegt. Solche Schwankungen sind nicht unnatürlich, wenn sie nicht zu extreme Schwingungen unternehmen.

Nun ist die Gefühlswelt zwischen Mensch und Mensch sehr unterschiedlich. Vielleicht unterscheiden sich Menschen gerade in diesem Teil besonders drastisch – jedenfalls spielt das häufig eine nachhaltiger Rolle als Geist und Körper. Denn die „Körperbeschaffenheit" kann man unmittelbar sehen, die geistigen Fähigkeiten kann man teilweise trainieren. Die seelischen Schwankungen kommen jedoch häufig so plötzlich, dass wir leicht überfordert werden, mit ihnen in der rechten Weise umzugehen.

Haben wir die Gefühlswelt unseres Partners kennengelernt?

Nun gibt es, was die Verbindung von zwei Menschen betrifft, zwei Theorien: Die eine besagt, dass sich Gegensätze anziehen. Die andere hält es für besser, wenn möglichst viele Gemeinsamkeiten vorhanden sind. Ich will an dieser Stelle keine Bewertung vornehmen. Wichtig scheint mir nur zu sein, dass wir uns – auch schon vor der Verlobung – klar werden, dass es sehr unterschiedliche Empfindungswelten gibt: schon zwischen den Menschen ganz allgemein, aber besonders auch zwischen Frau und Mann.

Frauen können auf einmal – nahezu ohne Grund – in Weinen oder auch Lachen ausbrechen. Und wir Männer sind dann leicht überfordert. Aber wenn wir nicht lernen, auf diese Gefühlsschwankungen einzugehen, kommt schnell ein Keil zwischen die Verlobten oder auch die Eheleute. Daher halte ich es für sehr wichtig, dass man auch über Gefühle SPRICHT. Wir dürfen Gefühle zeigen – und sollten das auch. In der Verlobung (aber natürlich auch später) ist besonders die Umarmung und der Kuss ein Zeichen der „Gefühle". Allein schon die Art des Kusses macht dem anderen deutlich, wie es um die Seele des Gegenüber steht – genauso wie der Händedruck oder die Art der Umarmung.

Wir sollen Gefühle nicht unterdrücken ...

Wir dürfen und müssen aber auch Weinen und Lachen zulassen und sollten dies keineswegs bei unserem Verlobten oder Ehepartner einfach zu unterdrücken suchen. Denn Gefühle sind das Atmen der Seele, das diese nötig hat. Aber wir müssen uns auf die Gefühlswelt unseres Gegenüber einstellen.

Wir lesen davon ein – wie mir scheint – interessantes Detail im Leben von Isaak und Rebekka: „Und Isaak bat den Herrn für seine Frau, denn sie war unfruchtbar" (1. Mose 25,21). Isaak war zu dieser Zeit ein einfühlsamer Mann. Er erkannte, dass seine Frau sehr traurig war, weil sie keine Kinder bekam. Und er ging nicht über ihre Gefühle hinweg, sondern betete für sie. Später finden wir bei Jakob und Rahel eine komplett andere – und falsche Handlungsweise (1. Mose 30,1-2). Sie macht ihm Vorwürfe, dass sie keine Kinder bekommt, und als Antwort entbrennt sein Zorn gegen sie. Das zeigt, dass diese beiden nicht in der Lage waren, auf die Gefühle des jeweils anderen einzugehen. Offenbar haben sie nicht über ihre Gefühle und ihre Nöte – auch das gehört zur Seele – geredet.

... sondern angemessen reagieren

Genau das war auch das Problem in der Ehe von Nabal und Abigail. Nabal hatte kein Interesse an den Gefühlen seiner Frau. Sein Herz freute sich, wenn es ihm äußerlich gut ging. Und es erstarb, als er merkte, dass Gott mit ihm redete. Auf seine Frau konnte er offenbar überhaupt nicht eingehen – von Kindern lesen wir im übrigen auch nichts.

Warum ist dieses Thema für eine Verlobung von Wichtigkeit? Weil wir uns in der Regel schwer tun, über unsere Gefühle zu reden. Und in einer Zeit, in der man sehr verliebt ist, spielt das vielleicht auch nicht die große Rolle. Erst später stellen wir vielleicht fest, dass wir so unterschiedlich sind – und die Gefühlswelt des jeweils anderen gar nicht gut verstehen.

Sind wir empfindsam genug, um auf Empfindungen einzugehen?

Nicht die unterschiedliche Gefühlswelt ist das Problem. Die Schwierigkeit liegt darin, dass ich nicht bereit bin, mich auf die Empfindungen meiner/s Verlobten einzustellen. Daher sollte dieser Punkt schon relativ früh in der Beziehung aufgegriffen werden. Ein Verlobter sollte ein großes Interesse an den Empfindungen des anderen haben. Wir müssen diese nicht erklären können, sollten aber doch eine Vorstellung davon haben, wie der andere auf diesem Gebiet „tickt".

Und wir müssen vor der Verlobung gelernt haben, mit unseren eigenen Gefühlen „umzugehen". Im ersten Teil habe ich darauf hingewiesen, dass Gefühlsschwankungen an sich kein Problem sind. Wenn ich jedoch ständig von himmelhoch jauchzend in einen zu Tode betrübten Zustand wanke und wieder zurück, fehlt mir noch eine gewisse Reife. Wir sollten auch in diesem Bereich eine gewisse Ausgewogenheit gelernt haben, die es dem anderen möglich macht, uns „zu ertragen". Denn durchaus nicht immer ist der andere „schuld", wenn es mit den Gefühlen nicht richtig klappt!

Dann sind wir später viel leichter in der Lage, aufkommende Konflikte zu lösen – kommen werden die immer! – ohne die Gefühle des anderen zu verletzen. Und das müssen wir alle lernen.
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