13.06.2014Persönlicher Glaube | Gute Botschaft

Zum Tod von Frank Schirrmacher

Bild: Foto von der FAZ, 13.6.2014

Der Journalist

 

Es gibt keinen Journalisten, dessen Texte ich mit größerem Genuss und mit mehr Aufmerksamkeit gelesen habe. Zeitungsartikel haben es an sich, nicht „zu lang" zu sein. Auch wenn sie in der heutigen Fast-Food-Gesellschaft schon wieder zu komplex und anspruchsvoll sind: Die Artikel von Schirrmacher waren „leicht" zu lesen. Aber man musste sie zweimal lesen, um einen Hauch dessen zu erfassen, was er mit Hintersinn und zwischen den Zeilen sagen wollte. Denn seine Zeilen hatten es (fast) immer in sich.

 

Schirrmacher war ein brillanter Analytiker, der mit einer unter Journalisten unerreichten Weitsicht gesellschaftliche Strömungen analysierte und kommentierte. In den letzten Jahren widmete er sich den Folgen der Digitalisierung unserer Gesellschaft und den Folgen von Google et al. Selten hat ein Mann Entwicklungen derart vorausgesehen und in ihrer Komplexität nicht nur erfasst, sondern auch verständlich artikulieren können.

 

Der Herausgeber

 

Bereits vor 20 Jahren wurde Frank Schirrmacher, als er gerade einmal 34 Jahre alt war, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeine Zeitung. Angesichts des konservativen Zuschnitts dieser Zeitung war das geradezu ein Wunder. Sein Metier war der Feuilleton. Hier war er maßgeblich verantwortlich für eine erstaunliche Liberalität, die nicht selten zu gegenteiligen Schlüssen kam als die konservative politische oder wirtschafts-unternehmerische Redaktionsseite. Vielleicht war das auch der Schlüssel für den Erfolg dieses Zeitungsteils. Man war „frei". Dabei nahm sich Schirrmacher in anderer Hinsicht keine Freiheiten: Er war durch unermüdlichen Einsatz und Fleiß geprägt.

 

Ein Großer

 

Das ist die eine Seite, die mich beschäftigt, wenn ich an Frank Schirrmacher denke.

 

Er war ein Großer unter den Menschen. Er hat Bestseller geschrieben. Die Nachrufe, anfangend von dem des Bundespräsidenten bis hin zu denen seiner Redaktionskollegen lassen erahnen, was für eine Wertschätzung er nicht nur in der Branche genoss. Es gibt Stimmen, die von einem „einzigartigen" Menschen (was ja für jeden wahr ist) sprechen, von einem unersetzbaren.

 

Die zweite Seite: das „Jenseits"

 

Aber es gibt auch noch eine zweite Seite. Und diese ist viel, viel wichtiger. Wo wird Frank Schirrmacher jetzt sein? Vor einigen Wochen hat er selbst einen beeindruckenden Nachruf auf Marcel Reich-Ranicki geschrieben. Nun sind beide im „Jenseits".

 

Ein Wiedersehen gibt es nur im Paradies - im Hades, dem „Vorort" der Hölle, ist jeder allein, vollkommen einsam. Dort gibt es kein Wiedersehen, keine Gemeinschaft, nichts Gemeinsames mehr.

 

Jesus Christus - der Retter

 

Wir wissen nicht, ob Frank Schirrmacher die Gelegenheit ergriffen hat, sich vor Gott als Sünder anzuerkennen und Jesus Christus als Retter anzunehmen. Er selbst setzte auf „geistige Freiheit". Einer seiner engeren Mitstreiter schreibt heute: „Es ging Frank Schirrmacher vielmehr um die Rettung des Ich als eines frei denkenden Subjekts ..." Das macht skeptisch, dass sich Schirrmacher bewusst war, dass dieses Ich Gott verantwortlich ist und keiner absoluten Freiheit unterliegt. „Was uns keiner nehmen kann, ist unser Geist. Er ist unser Kapital. Also seien Sie selbstbewusst!" - so waren seine Worte.

 

Große und Kleine - vor Gott

 

Gibt es vor Gott „große Menschen" und „kleine Menschen"? Ja, das gibt es.

 

Johannes, der Apostel, beschreibt eine Gerichtsszene, die in der Zukunft Realität sein wird. Er sieht den Herrn Jesus Christus auf dem Richterstuhl. Vor Ihm versammeln sich alle Menschen, die Gott als Herrn, Jesus Christus als Retter abgelehnt haben. Sie werden dort als Tote beschrieben, weil sie alle gestorben und bis zum Ende des großen Friedensreiches Christi nicht auferweckt worden sind.

 

„Und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Thron stehen, und Bücher wurden geöffnet; und ein anderes Buch wurde geöffnet, welches das des Lebens ist. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken ... Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buch des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen" (Off 20,12-15). Das ist die Hölle, das ewige Verderben. Hier gibt es keine Vernichtung, sondern ewige Strafe dafür, dass man gesündigt hat. Und dass man Jesus Christus, das einzige Rettungsmittel, das es gibt, abgelehnt hat.

 

Dort stehen Große und Kleine. Die einen hatten einen großen Namen auf der Erde und waren bekannt. Sie mögen viel erreicht, viele Bücher geschrieben oder auch viele Tore geschossen haben. Aber vor diesem Richter der Ewigkeit bedeutet dieser Name nichts. Dort zählt allein, ob jemand die Strafe für die eigene Schuld getragen hat.

 

Zwei Menschen - zwei Aufenthaltsorte?

 

Vor wenigen Tagen wurde ein väterlicher Freund und Ratgeber beerdigt. An seinem Grab standen nur sehr, sehr wenige. Zur Beisetzung von Frank Schirrmacher wird eine Kirche, wird eine Halle mit Menschen von nah und fern gefüllt sein. Viele „Namen" werden anwesend sein. Das zählt vor Menschen. Vor Gott hat derjenige, der in Stille begraben wird, aber Ihm mit ganzer Kraft gedient hat, einen ewigen Namen. Denn er hat das Erlösungswerk seines Sohnes Jesus Christus für sich persönlich angenommen. Das zählt.

 

Im Jenseits ist es zu spät. Alles entscheidet sich im jetzt und heute. Das gilt und galt auch für Frank Schirrmacher.

 

P.S.: Ein Leser zog folgenden, interessanten Vergleich mit Paulus: "Er" wurde als Saulus ("der Gefragte" / "der Begehrte") geboren, hat als Saulus Karriere gemacht, hat sich als Saulus bekehrt und wurde als solcher berufen zum Dienst für den Herrn. Als er in die Öffentlichkeit ausgesandt wird (Apg 13) und seine genialen Reden hält - die man auch mehr als zweimal lesen muss - ist er Paulus ("der Kleine") und achtet das "Saulus-Leben" für Dreck.