02.05.2003Jesus Christus / Gott | Persönlicher Glaube | Judas

Ein besonderer Lobpreis

Ein ernster Brief

Mit diesem großartigen Lobpreis Gottes beendet Judas seinen kurzen Brief, den er an Gläubige geschrieben hat. Der Inhalt seiner Botschaft ist sehr ernst. Unter der Leitung des Heiligen Geistes hatte Judas den Auftrag, die traurige Negativentwicklung innerhalb des christlichen Bekenntnisses darzustellen. Schon zu seiner Zeit hatten sich Menschen in die Mitte der Gläubigen eingeschlichen, die nur dem Namen nach Christen waren. Diese verkehrten einerseits die Gnade Gottes in Ausschweifung und anderseits verleugneten sie die Autorität des Herrn Jesus (V 4). Mit wenigen, aber sehr deutlichen Worten beschreibt Judas sowohl den Charakter dieser Menschen als auch das Gericht, das ihnen sicher ist.

Doch er endet seinen Brief nicht mit der Beschreibung dieser Personen. Er endet auch nicht, indem er auf unsere Verantwortung hinweist - eine Verantwortung, die ohne jede Frage vorhanden ist. Nein, Judas schließt seinen Brief damit, uns auf Den hinzuweisen, der uns sowohl ohne Straucheln zu bewahren als auch vor seiner Herrlichkeit untadelig darzustellen vermag. Und die Erinnerung daran hat diesen im Neuen Testament einzigartigen Lobpreis zur Folge.

Die Zeit, die Judas in seinem Brief beschreibt, ist die Zeit, in der wir leben. Wenn wir um uns her sehen, dann könnten wir leicht mutlos werden. Wir wissen auch, dass sich die Dinge in der Christenheit nicht zum Besseren entwickeln werden. Im Gegenteil: Die negativen Trends, die wir auf nahezu allen Gebieten feststellen, werden weiter fortschreiten. Unmoral und Sittenlosigkeit auf der einen, und das Verleugnen der Autorität des Herrn Jesus auf der anderen Seite, werden zunehmen. Aber nicht nur das: Die Gefahr, dass wir davon direkt beeinflusst werden, ist nicht zu unterschätzen.

Göttliche Hilfsquellen

Und doch hat Gott uns nicht ohne Hilfe gelassen. Obwohl wir die Situation realistisch einschätzen sollen, bleiben wir nicht bei den Umständen stehen. Obwohl wir unserer Verantwortung entsprechen wollen, bleiben wir auch nicht bei uns selbst stehen. Nein, wir wenden uns zu Dem, bei dem alle Hilfe zu finden ist und den Judas hier nennt: „Der aber ...". Hilfe finden wir nur im Aufblick zu unserem großen Gott im Himmel.

Judas weist uns auf zwei Dinge hin:

Gott allein ist in der Lage, uns ohne Straucheln zu bewahren. Straucheln bedeutet, die Standfestigkeit zu verlieren und vielleicht auch zu fallen. Festigkeit finden wir nicht in uns selbst, sondern nur in Gott. „Wir alle straucheln oft", schreibt Jakobus (Kapitel 3,2), und die Erfahrung bestätigt die Wahrheit dieser Aussage. Trotzdem schreibt der Apostel Petrus: „Darum, Brüder, befleißigt euch umso mehr, eure Berufung und Erwählung fest zu machen; denn wenn ihr diese Dinge tut, so werdet ihr niemals straucheln" (2. Petrus 1, 10). Wir erkennen also, dass es einerseits unsere Verantwortung ist, so zu leben, dass wir nicht straucheln, anderseits wissen wir aber sehr genau, dass wir es aus eigener Kraft nicht können. Daher weist Judas uns auf Den hin, der uns ohne Straucheln zu bewahren vermag. Gott appelliert einerseits an unsere Verantwortung, anderseits zeigt Er uns seine große Gnade und Macht, wodurch Er uns vor dem Straucheln bewahren kann. Ist das in den Tagen des Endes, die durch so viel Schwäche gekennzeichnet sind, nicht eine großartige Ermutigung?

Gott ist in der Lage, uns vor seiner Herrlichkeit untadelig darzustellen. Paulus stellt uns den gemeinschaftlichen Aspekt vor und schreibt von dem Augenblick, da Christus die Versammlung sich selbst verherrlicht darstellen wird, „die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern dass sie heilig und untadelig sei" (Epheser 5,27). Hier bei Judas ist Gott der Handelnde, und es geht um jeden Einzelnen von uns. Gott vermag uns untadelig darzustellen, und Er wird es tun. Wenn wir uns heute selbst beurteilen, dann finden wir vieles, das zu beklagen und zu tadeln ist. Aber der Tag kommt, wo alles hinter uns liegen und wo nur noch die Herrlichkeit unseres Herrn in uns gesehen werden wird. Auch dieser Gedanke macht uns Mut und gibt uns Kraft in schweren Tagen.

Der alleinige Gott, unser Heiland

So wird hier Der vorgestellt, der alles vermag. Er ist der alleinige Gott. Nichts und niemand ist Ihm zu vergleichen. Keine Macht im Himmel und auf der Erde kann es mit der Allmacht und Größe Gottes aufnehmen. Und gleichzeitig ist Er unser Heiland, d.h. derjenige, dem wir unser Heil und unsere Rettung verdanken.

Judas hatte ursprünglich die Absicht gehabt, über das gemeinsame Heil der Kinder Gottes zu schreiben, aber er war durch den Geist anders geleitet worden. Doch jetzt, am Ende seines Briefes, kommt er noch einmal auf diesen Gedanken zurück und erinnert seine Briefempfänger an den Heiland-Gott, den Ursprung und die Quelle alles Heils. Paulus stellt den Römern die Frage, ob der Gott, der seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, uns mit Ihm nicht auch alles schenken wird (Römer 8,32). So dürfen auch wir daran denken, dass der große Gott, der alles zu unserem Heil und Leben gegeben hat, nicht zulassen wird, dass eines seiner Kinder in das Gericht kommt. Dieses ist den bösen Menschen vorbehalten, die sich zwar nach Christus nennen, Ihn aber als Herrn ihres Lebens ablehnen und damit das Heil von sich weisen, das Gott ihnen in seinem Sohn anbietet. Nein, Gott ist unser Heiland, unser Retter. Er hat uns vom ewigen Tod gerettet. Er wird uns auch vor allen Gefahren retten, die uns auf dem Weg drohen. Eine ähnliche Zuversicht drückt der Apostel Paulus am Ende seines Lebens mit den Worten aus: „Der Herr wird mich retten von jedem bösen Werk und bewahren für sein himmlisches Reich; dem die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen" (2. Timotheus 4,18).

Jesus Christus, unser Herr

Alle Zuwendungen Gottes an uns haben wir in der Person unseres Herrn. In Ihm hat Gott uns Heil und Leben geschenkt (vgl. Apostelgeschichte. 4,12). In Ihm werden wir auch in der Zeit bewahrt (Judas 1). Aber mehr noch: Auch Lob, Dank und Anbetung bringen wir unserem Gott durch unseren Herrn Jesus. Die Aussage „durch Jesus Christus, unseren Herrn" können wir also einerseits auf die vorangegangene Aussage beziehen. Sie ist aber auch wahr in Bezug auf das, was in diesem Vers noch folgt. Der Herr Jesus ist der Mittelpunkt von allem.

Es fällt auch auf, dass der Herr hier mit seinem vollen Titel genannt wird. Er ist „Jesus Christus, unser Herr". Er war als Mensch auf dieser Erde, hat als der eine Mittler zwischen Gott und Menschen sein Leben am Kreuz gegeben. Er ist der Gesalbte Gottes, der jetzt zu seiner Rechten hoch erhoben ist und dem alle Ehre gehört. Er ist aber auch unser Herr. Gerade in einer Zeit, da viele Menschen die Ehre des Herrn mit Füssen treten es ist die Zeit, über die Judas schreibt -, dürfen wir Ihn nicht nur mit seinem vollen Titel nennen, sondern Ihn und seine Autorität über unser Leben auch tatsächlich anerkennen.

Alle Ehre unserem Gott

Genauso wie Paulus in der soeben angeführten Stelle in 2. Timotheus 4,18 Gott die Ehre gibt, so tut es auch Judas. Ihm „sei Herrlichkeit, Majestät, Macht und Gewalt vor aller Zeit und jetzt und in alle Ewigkeit! Amen". Es ist sicher nicht ohne Bedeutung, dass sowohl der 2. Timotheus-Brief als auch der Judas-Brief in dieser herausragenden Weise enden. Beide Briefe beschäftigen sich mit dem Verfall innerhalb des christlichen Zeugnisses. Beide Briefe tragen einen sehr ernsten Charakter und doch enden beide mit einem herrlichen Lobpreis Gottes, mit der Anbetung Dessen, dem allein alle Anbetung gehört. Wenn wir Herrlichkeit, Majestät, Macht und Gewalt suchen, dann finden wir sie bei Gott. Aber es ist doch gleichzeitig der Wunsch Gottes, dass wir in einer Herzensverfassung sind, Ihm allein diese Dinge auch wirklich zuzuschreiben. Wie dunkel und wie ernst die Zeit auch sein mag, in der wir leben, Gott wartet immer auf die Anbetung unserer Herzen. Wir sollten uns von den Umständen, in denen wir leben, nicht abhalten lassen, Gott die Anbetung zu bringen. Ohne Frage ist unsere Zeit dazu angetan, «für den einmal den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen» (Judas 3). Ohne Frage ist unsere Zeit auch dazu angetan, traurig zu sein über unser eigenes Fehlverhalten. Aber das alles darf kein Hindernis sein, Gott auch weiter die Ehre und die Anbetung zu bringen. Auch dazu dürfen wir uns ermuntern lassen.

Der Ausdruck „vor aller Zeit und jetzt und in alle Ewigkeit" findet sich nur an dieser Stelle und stellt somit eine gewisse Einmaligkeit dar. Er umfasst die gesamte „vergangene" Ewigkeit, die gegenwärtige Zeit und schließt die noch vor uns liegende Ewigkeit mit ein. In welche Richtung wir auch immer unsere Gedanken schicken, Herrlichkeit, Majestät, Macht und Gewalt sind immer bei unserem Gott zu finden. Dieser Gedanke darf uns trösten, er darf uns erfreuen, und er darf uns neuen Mut machen.