08.05.2014 Versammlung / Gemeinde

Versammlung (Gemeinde) – das Thema geht alle an! (FMN)

Grundsätze - Konfliktbereiche - Ausdrucksweise

Die Versammlung - wertvoll für unseren Herrn!

Wenn man das Thema „Versammlung" (Gemeinde, Kirche) im Neuen Testament untersucht, stellt man fest, dass es zu den zentralen Themen gehört. Es handelt sich nicht um einen Nebengedanken Gottes. Immerhin schreibt der Apostel Paulus: „Christus hat die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben" (Eph 5,25). Ähnlich spricht der Herr Jesus selbst, wenn Er in gleichnishafter Form über sich und seine Versammlung sagt: „Als er [der Kaufmann - ein Hinweis auf den Herrn Jesus] aber eine sehr kostbare Perle [ein Hinweis auf die Versammlung] gefunden hatte, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie" (Mt 13,46).

 

Unserem Retter und Herrn war die Versammlung so wertvoll, dass Er bereit war, dafür sein Leben zu geben. Alle Ansprüche, die Er auch als Mensch mit Recht besaß, hat Er aufgegeben, um diese eine Versammlung zu besitzen. Zu diesen Rechten gehört zum Beispiel, ewig leben zu können oder als König sofort anerkannt zu werden. Wenn die Versammlung Ihm so wichtig ist, sollte sie nicht auch uns am Herzen liegen? Je wertvoller uns die göttlichen Gedanken über die Versammlung des lebendigen Gottes werden, umso mehr werden wir sie verwirklichen wollen.

 

Die Versammlung - alle Erlösten „dabei"

Wir werden uns daher bemühen, in einer angemessenen Weise über diese Versammlung zu sprechen. Wenn der Geist Gottes über die Versammlung spricht, meint Er immer alle Erlösten, die Jesus Christus als Retter angenommen haben, nie eine Gruppe von Gläubigen. 1 Der Ausdruck „Versammlung" hat auch noch eine andere Bedeutung, wie man 1. Korinther 14,19 entnehmen kann: „Aber in der Versammlung will ich lieber fünf Worte reden mit meinem Verstand ...". Dort bezieht sich der Ausdruck „Versammlung" auf die Zusammenkunft als solche. Da diese Verwendung allerdings missverständlich ist, wird man sie nur verwenden, wenn eindeutig klar ist, dass man die Zusammenkunft meint. Dieser Hinweis ist gerade in einer Zeit wichtig, in der sich die Christen in viele verschiedene Gemeinschaften aufteilen. Immer mal wieder hört man beispielsweise: „Franz-Xaver ist zwar errettet, geht aber nicht zur Versammlung [gemeint ist: sondern z.B. zu Gemeinde X]." Was ist von einer solchen Aussage zu halten? Soll damit gesagt werden, dass eine Gruppe von Gläubigen den Begriff „Versammlung" für sich reserviert hat? Damit würden alle anderen Gläubigen nicht der Versammlung Gottes, sondern irgendwelchen Glaubensgemeinschaften zugeordnet. Das wäre falsch! Zur Versammlung Gottes gehören alle Erlösten (weltweit, 1. Kor 1,2; auch bezogen auf einen Ort, z.B. Hamburg oder München) und damit auch Franz-Xaver. Leider versammeln sie sich nicht alle zusammen bzw. nach den gleichen Grundsätzen, wie es zu Beginn der frühchristlichen Zeit noch möglich und richtig war (vgl. 1. Kor 14,23). Das ist traurig. Als Christen, die wir in Gesinnung und Tat oft versagen, werden wir uns bewusst sein, dass wir an diesem Zustand der Zersplitterung nicht unschuldig sind.

 

„Sektenbildung" durch wahre Christen?

Wenn ich die Versammlung Gottes (an einem Ort) auf diejenigen reduziere, mit denen ich mich versammle, schneide ich einen erheblichen, meistens sogar den größeren Teil der wahren örtlichen Versammlung (an einem Ort) einfach ab. Dieser Gedanke ist sektiererisch - nach der biblischen, nicht nach der landläufigen Definition des Begriffes „Sekte":

 

Sekten oder Parteiungen sind dann vorhanden, wenn man durch eine besondere Lehrmeinung 2 Das kann zum Beispiel die Überbetonung eines Teils der Wahrheit des Wortes Gottes sein, natürlich auch eine falsche Lehre. oder durch das Herausheben einzelner Personen eine separate Gruppe bildet. Diese sondert sich von anderen Gläubigen ab. Die Bibel dagegen lehrt uns, Kinder Gottes aufzunehmen, sofern sie nicht bewusst Böses praktizieren und lehren bzw. mit Bösem in Verbindung stehen. Wenn Gläubige den Herrn aus reinem Herzen anrufen (2. Tim 2,22), sind sie am Tisch des Herrn (1. Kor 10,21) herzlich willkommen. Solche haben den Wunsch, dem Wort Gottes in allem gehorsam zu sein. Sie nehmen biblische Belehrungen daher an, beispielsweise auch die über die eine Versammlung Gottes (Eph 4,1-16).

 

Wenn jemand meint oder sagt, er und die wenigen Gläubigen, mit denen er die Gemeindestunden besucht, seien die Versammlung am Ort, hegt er - vielleicht ohne sich darüber klar zu sein - sektiererische Gedanken. Das gehört nach Galater 5,20 zu den Werken des Fleisches. Wir dürfen nicht einmal in unseren Herzen den Gedanken zulassen, dass die wenigen, mit denen wir uns am Ort versammeln, die Versammlung Gottes an diesem Ort wären.

 

Die" Versammlung oder „als" Versammlung?

Gläubige, die sich im Namen des Herrn Jesus versammeln (vgl. Mt 18,20), indem sie die Belehrungen des Neuen Testaments über Christus und seine Versammlung uneingeschränkt beherzigen wollen, können „als Versammlung" zusammenkommen (1. Kor 11,18), ohne die Versammlung zu sein. „Als Versammlung" bedeutet, dass das Zusammenkommen dem Charakter der Versammlung Gottes (insgesamt) entspricht. Da Gottes Wort - auch in diesem Punkt - zeitlos gültig ist, kann diese Wahrheit bis heute praktiziert werden. Selbst eine zerrissene Christenheit ändert nichts daran, dass man in diesem Charakter auch heute versammelt sein kann.

 

„Als Versammlung" zusammenzukommen beinhaltet den Genuss jeden Segens, der mit der örtlichen Versammlung nach den Belehrungen des Wortes Gottes verbunden ist. Dazu gehören unter anderem die Leitung des Heiligen Geistes und die Ausübung der Gnadengaben usw. aber schließt gleichermaßen ein, die Verantwortung anzunehmen, die Christus seiner Versammlung übertragen hat. Dazu zählen die Aufnahme und der Ausschluss aus der Gemeinschaft der Gläubigen (vgl. Mt 18,18). Man handelt dann auch nicht als autonome örtliche Versammlung, sondern immer im Blick auf die ganze Versammlung, wie sie in dem Neuen Testament unter dem bildhaften Ausdruck des „ganzen Leibes" gesehen wird (vgl. Eph 4,1-6).

 

Setzt das nicht voraus, dass alle Gläubigen einer örtlichen Versammlung zusammen sein müssen? Wenn das notwendig wäre, könnte die Wahrheit von der einen Versammlung in der heutigen Zeit nicht mehr realisiert werden. Dann aber hätte Gott uns in seinem ewig gültigen Wort diese große Wahrheit nicht aufschreiben lassen. Und Er hat uns sagen lassen, dass wir so zusammenkommen können, „bis Er kommt" (1. Kor 11,26).

 

Nein, solche, die sich im Namen des Herrn versammeln, dürfen sich auf die Verheißung stützen: „Da bin ich in der Mitte" (Mt 18,20) - und seien sie nur einige wenige. Sie sind daher „berechtigt", Beschlüsse zu fassen, d.h. Gläubige in diese Gemeinschaft aufzunehmen - oder auch davon auszuschließen (vgl. Mt 18,18).

Solche Christen sind dann natürlich nicht die Versammlung (Gemeinde) an diesem Ort, sondern kommen „nur" in dem Charakter dieser einen Versammlung zusammen. Aber wenn das wirklich der Fall ist, erleben sie die großartige Verheißung der Gegenwart des Herrn Jesus.

 

Dieses Prinzip lässt sich auch anhand der Staatsorgane illustrieren: Der Bundestag ist auch dann beschlussfähig und „als Bundestag" zusammen, wenn nur ein Teil der Abgeordneten zugegen ist. Wenn sich die Abgeordneten aber einfach zu einem Kaffeetrinken treffen - es mögen dieselben Personen sein - ist das nicht „der Deutsche Bundestag". Man muss bewusst „als Bundestag" zusammentreten.

 

Die Versammlung - der Herr in der Mitte!

In Matthäus 18,20 lesen wir davon, dass der Herr Jesus seinen Jüngern gesagt hat: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte." Heute hört man gelegentlich zwei gegenläufige Aussagen zur Frage, inwieweit man beurteilen kann, ob der Herr persönlich in der Mitte von Erlösten ist.

 

Manche sagen, man könne spüren, erleben, dass der Herr in der Mitte von Gläubigen sei (beim Brotbrechen). Daher könne man persönlich auch frei sein, an diesen Orten, wo man die Gegenwart des Herrn „erlebe", am Brotbrechen teilzunehmen. Man stützt sich dann auf Bibelverse wie: „Wenn nun die ganze Versammlung an einem Ort zusammenkommt ... Wenn aber alle weissagen, und irgendein Ungläubiger oder Unkundiger kommt herein, so wird er von allen überführt, von allen beurteilt; das Verborgene seines Herzens wird offenbar, und so, auf sein Angesicht fallend, wird er Gott anbeten und verkündigen, dass Gott wirklich unter euch ist" (1. Kor 14,24.25).

 

Nun muss man bedenken, dass dieser Vers vom Wirken Gottes spricht, nicht von der persönlichen Gegenwart des Herrn Jesus. Zudem weist uns Gottes Wort nicht an, eine gefühlsmäßige Beurteilung vorzunehmen, ob der Herr zugegen ist, sondern zu prüfen, ob eine Versammlung „in seinem Namen" stattfindet, ob also das Wort Gottes beachtet wird und man die Autorität Gottes durch sein Wort anerkennt. Im Übrigen ist Gott souverän zu wirken, wo Er will, selbst wenn der Mensch sich Ihm nicht unterwirft. Ungläubige wie Judas Iskariot und Bileam sind dafür beredte Beispiele. Es geht also nicht darum, dass wir etwas spüren oder meinen, etwas zu erleben. Die Grundlage der Beurteilung bleibt allein Gottes Wort.

 

Andere sagen, es wäre Anmaßung, beurteilen zu wollen, ob an einem anderen Ort der Herr in der Mitte ist oder nicht. Das stünde uns nicht zu. Nun müssen wir diese Frage gar nicht beantworten. Denn der Herr nennt uns eine Voraussetzung für seine persönliche Gegenwart: versammelt zu sein in seinem Namen. Und das können, ja müssen wir prüfen, wenn wir mit einer örtlichen Versammlung (Gemeinde) zu tun haben, also, ob nach den biblischen Grundsätzen über das Versammlungsleben gehandelt wird. Denn wo immer man „im Namen des Herrn zusammenkommt", sind wir verpflichtet, auch praktische Gemeinschaft am Tisch des Herrn zu pflegen (vgl. 1. Kor 10,17-22). Wo immer diese Voraussetzung aber nicht erfüllt ist, können wir eine solche Gemeinschaft nicht pflegen. Wir müssen uns also die Grundsätze ansehen, die ein örtliches Zusammenkommen verwirklicht bzw. zu verwirklichen sucht. Sind sie in Übereinstimmung mit Gottes Wort, werden wir eine freudige Gemeinschaft pflegen können. Zu dieser Beurteilung werden wir nur in Gemeinschaft mit unseren Glaubensgeschwistern am Ort kommen, denn auch hier gilt der Grundsatz der Einheit.

 

Die Versammlung - AV? NV? Zeugnis?

Im Zeitalter von SMS und Facebook hat sich eine Abkürzungswelle über alles hergemacht, was früher noch einen verständlichen Namen bekam. Leider wird auch im Blick auf das Zusammenkommen als Versammlung (Gemeinde) inzwischen mit Begriffen wie „AV" (alte Versammlung), „NV" (neue Versammlung), „blockfrei" usw. hantiert.

 

Solche Begrifflichkeiten sind außerordentlich unglücklich gewählt. Gerade durch sie setzt sich nämlich der unbiblische Gedanke fest, es gäbe verschiedene Gemeindearten, ja unterschiedliche biblische Gemeinden. Sie geht in die NV, er in die AV, jener in eine blockfreie (Gemeinde). „Ist der Christus zerteilt?" (1. Kor 1,13), fragte der Apostel Paulus einmal die Korinther, die sich hinter einzelnen Personen versammelten. Denn durch ihr Handeln stellten sie sich in einen Gegensatz zu anderen Gläubigen und Führern inmitten der Gläubigen.

 

Zwar mag mancher solche Ausdrücke verwenden, um nicht lange Formulierungen wählen zu müssen. Letztlich offenbart die Verwendung dieser Ausdrücke aber oftmals entsprechende Überzeugungen. Und diese zeugen zumindest von einer gewissen Unkenntnis über die biblische Wahrheit von der einen Versammlung (Gemeinde). Denn Christen, die sich zum Namen des Herrn Jesus hin versammeln, haben keine zusätzliche oder eigene Identität. Genau das aber ist das Kennzeichen von christlichen Gruppierungen und Gemeinschaften, die sich einen Namen, ein Glaubensbekenntnis und somit auch eine „Identität" geben. Denn durch diese Dinge soll ihre Identität und ihr Unterscheidungsmerkmal von anderen Christen und Gemeinschaften (Gruppen) in Worte gefasst werden.

 

Manchmal wird auch von einem „Zeugnis der Versammlung in ..." gesprochen. Den Gedanken, dass die örtliche Versammlung ein Zeugnis ist, kann man aus Offenbarung 1-3 ableiten. Dort wird das örtliche Zusammenkommen mit einem Leuchter verglichen (Off 1,12.20; 2,1.5). Dabei geht es um die Aufgabe der örtlichen Versammlungen, ein Zeugnis von Christus zu sein in der dunklen Welt. Aber wer wirklich ein Zeugnis ist, beurteilt der Herr. Es von „sich" zu behaupten, wäre Anmaßung, ob man sich dessen bewusst ist oder nicht. Wenn dann noch verkürzt einfach von einem „Zeugnis" gesprochen wird, wird dieser Ausdruck schon fast zu einem Ersatzbegriff für einen eigenen Namen einer Gruppe, was gewiss verkehrt ist. Zudem ist die Formulierung für Besucher solcher Zusammenkünfte unverständlich.

 

Wenn wir uns stattdessen schlicht an die Wahrheit des Wortes Gottes über die eine Versammlung halten, werden wir auch mit der richtigen Wortwahl darüber sprechen. „Als Versammlung zusammenkommen" und „zum Namen des Herrn Jesus hin versammelt sein" sind zum Beispiel Beschreibungen, die biblisch sind. Dass sie nicht von allen Gläubigen sofort verstanden werden, bleibt unbestritten. Deshalb sind zuweilen ein paar Worte mehr notwendig, um sie interessierten Christen zu erläutern. Wichtig ist zudem, dass man die Wahrheit nicht allein in der Theorie beherrscht, sondern sie auch überzeugend praktiziert. Sie sollte stets mit einem Herzen der Liebe verwirklicht werden. Und diese Liebe zum Herrn und zu den Gläubigen wird auch davor bewahren, in Gruppen wie „AV" oder „NV" zu denken oder zu reden.

 

Die Versammlung - kollektiver Ausschluss möglich?

Zuweilen liest man auch davon, dass in einzelnen Regionen Versammlungen (gemeint sind örtliche Zusammenkommen) hinausgetan (oder hinausgeworfen) wurden. Das ist ein Argument, was übrigens von Gläubigen in England schon im 19. Jahrhundert vorgebracht worden ist (als es in Sheffield eine Trennung unter Gläubigen gab, 1860-63). Trifft dieses Argument zu? Zunächst einmal müssen wir sagen: Nein, so etwas kennt die Schrift nicht. Daher sollten wir einen solchen Gedanken auch nicht pflegen. Interessanterweise wurde und wird dieser Punkt vor allem von solchen vorgebracht, die ihre Versammlungspraxis verändert haben.

 

Es stellt sich die Frage: Was ist wirklich geschehen? Es ist wahr, dass eine Versammlung nur so lange auf der Grundlage der Schrift zusammenkommt, wie sie Gottes Wort gehorsam ist. Nun gibt es sicher unterschiedliche Ursachen dafür, dass Gläubige die biblische Wahrheit über das Versammlungsleben nicht mehr verwirklichen. Ein Grund mag darin liegen, dass sie an einzelnen Orten zwar von der biblischen Lehre hören, diese dort aber nicht richtig oder nicht in einer guten Gesinnung praktiziert wird. Dann mag man in der grundsätzlichen Lehre über den einen Leib übereinstimmen, in der Verwirklichung jedoch zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen. Oder Gläubige haben die Auffassung, dass sie alle Entscheidungen prüfen und nach ihrer Beurteilung handeln müssen, selbst wenn das im Gegensatz zur Handlungsweise anderer örtlicher Zusammenkommen steht. Wieder andere wollen gerne mehr Freiheit für sich erhalten, usw. Gerade wegen dieser Vielfalt an Gründen ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen, diesen Themenkomplex in Ruhe anhand von Gottes Wort miteinander zu besprechen.

 

Wenn man nach solchen, geduldigen Bemühungen feststellen muss, dass die Überzeugungen auf Basis der Heiligen Schrift nicht mehr in Übereinstimmung gebracht werden können, ist das allen Beteiligten nachvollziehbar vorzustellen. Die Lehre des Zusammenkommens ist ja auch nicht so kompliziert, dass sie nicht auch heute noch verstanden und verwirklicht werden könnte. Wenn ein örtliches Zusammenkommen dann weiter einen Weg verfolgen will, der letztlich Ungehorsam gegenüber Gottes Wort ist, hört es auf, im Namen des Herrn zusammenzukommen. Es kann sich nicht mehr auf Matthäus 18,20 berufen. Denn wie könnte der Herr seinen Namen mit Ungehorsam verbinden? Brüder, möglichst aus umliegenden Zusammenkommen, müssen in einem solchen Fall ihrem örtlichen Zusammenkommen eine Beurteilung vorlegen. Am Tisch des Herrn werden die Gläubigen dann - versammelt im Namen des Herrn „als Versammlung" - feststellen, dass man mit einem solchen Zusammenkommen keine praktische Gemeinschaft pflegen kann. Wünschenswert ist der umgekehrte, positive Fall. Hier wird man (freudig) feststellen, dass ein Zusammenkommen auf der Grundlage der Schrift zusammenkommt. So war das in Antiochien in der Anfangszeit der Fall (vgl. Apg 11,23).

 

Die Versammlung - unabhängige Grundsätze?

Häufig hört man den Ausdruck „unabhängige Grundsätze". Manche meinen, das seien reine Schlagworte geworden, die so in der Schrift nicht zu finden seien. Andere sagen, man benutze diese kritisierenden Worte, um die Einheit eines Verbundes von Versammlungen einer bestimmten Gruppierung zu verteidigen. Natürlich ist es wahr, dass man diesen Ausdruck „unabhängige Grundsätze" als solchen im Wort Gottes nicht findet. Das Prinzip und die Sache als solche gibt es allerdings sehr wohl.

 

Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass die örtliche Versammlung wesensgleich ist mit der weltweiten. Der Herr Jesus selbst benutzt den Begriff „Versammlung" ohne weitere Erläuterungen einmal für die Summe aller Erlösten von Pfingsten bis zur Entrückung (Mt 16,18), ein anderes Mal für die Gläubigen an einem Ort (Mt 18,18). Auch Paulus verbindet die Bedeutungen sehr bemerkenswert in Apostelgeschichte 20,28. Daher wird die Versammlung in Korinth „Christi Leib" genannt, die Versammlung weltweit „der Leib des Christus" (vgl. Eph 4,12; 1. Kor 12,27). Die Versammlung in Korinth ist also in ihrem Wesen nichts anderes als die weltweite Versammlung, allerdings beschränkt auf den Ort Korinth. Daher verwundert es nicht, dass der Apostel Paulus sich einsmachte mit dem Handeln der Korinther, wenn sie den Hurer (Unzüchtigen) ausschließen würden. Paulus selbst war in Ephesus, wo die Entscheidung in Korinth nicht extra „anerkannt" werden musste. Die weltweite Versammlung hatte ja durch die Gläubigen in Korinth, welche die Darstellung der weltweiten Versammlung an diesem Ort war, bereits gehandelt. Das galt somit auch für Ephesus und jede andere örtliche Versammlung.

 

Die Handlung einer örtlichen Versammlung, die das Aufnehmen und Ausschließen einer Person aus der Gemeinschaft betrifft, gilt folglich für alle örtlichen Zusammenkommen. Wenn die Versammlung in Ephesus dem Charakter nach der weltweiten entspricht, nur eben beschränkt auf Ephesus, so ist auch die Versammlung in Korinth dem Wesen nach nichts anderes als die weltweite, nur beschränkt auf Korinth. Mit anderen Worten: Wer in der Versammlung in Ephesus aufgenommen wurde, war zugleich auch in Korinth aufgenommen. Wer in Korinth nicht (mehr) an der Gemeinschaft der Gläubigen teilhaben konnte, weil er in Sünde lebte (vgl. z. B. 1. Korinther 5), der konnte auch in die Gemeinschaft der Christen in Ephesus nicht mehr aufgenommen werden. Das Binden und Lösen (Ausschluss und Wiederaufnahme) einer örtlichen Versammlung gilt eben nicht nur für den betreffenden Ort, sondern „auf der [ganzen] Erde" (Matthäus 18,18).

 

Wenn nun die Versammlung in Thessalonich die Meinung vertritt, sie müsse die Entscheidungen der Versammlung in Kolossä grundsätzlich erst prüfen (dürfen), bevor sie diese übernimmt, handelt sie „unabhängig" von der weltweiten Versammlung. Denn sie muss davon ausgehen, dass die Versammlung in Kolossä „im Namen des Herrn versammelt ist". Wer also grundsätzlich erst prüft (oder sich dieses Recht beimisst), verneint die Einheit der Versammlung Gottes und ihre Autorität. 3 Wir reden nicht von einer Abhängigkeit der örtlichen Versammlungen untereinander. Aber eine örtliche Versammlung kann nicht von der weltweiten getrennt werden, somit auch nicht von den anderen örtlichen. Das Gegenteil von Unabhängigkeit ist in diesem Zusammenhang nicht Abhängigkeit, sondern Einheit. Denn wenn jede örtliche Versammlung nach ihrem persönlichen Gewissen handeln würde, gäbe es nicht eine Versammlung (Gemeinde), sondern viele. Denn jeder handelt, wie er es für richtig hält, unabhängig davon, was die anderen Versammlungen tun. Eine solche Haltung aber zerstört die Wahrheit von der einen Versammlung.

 

Das trifft auch auf folgenden Fall zu: Eine örtliche Versammlung A hält weiter Gemeinschaft mit einer örtlichen Versammlung B, obwohl umliegende Versammlungen das Miteinander aufgrund des unbiblischen Verharrens von B beendet haben. Autonomes Handeln örtlicher Versammlungen verhindert eine konsequente gemeinschaftliche Absonderung vom Bösen. Denn wenn individuell und nach unterschiedlichen Maßstäben geregelt wird, mit wem man Gemeinschaft macht und mit wem nicht, kann das Böse insgesamt nicht konsequent abgewiesen werden.

 

Die Versammlung - die Einheit des Geistes bewahren als biblischer Auftrag

Manche junge Christen fragen, was es eigentlich bedeutet, die Einheit des Geistes zu bewahren (Eph 4,3). Aus Epheser 4,4 wissen wir, dass es den „einen Leib" gibt, der aus allen Erlösten besteht. Wir werden allerdings nicht aufgefordert, diesen einen Leib zu bewahren. Denn er besteht zu jeder Zeit aus allen Erlösten, und zwar unabhängig davon, wie wir Christen uns verhalten. Gott sucht nicht Einheit um jeden Preis, sondern Einheit im Gehorsam seinem Wort gegenüber und unter der Führung des Geistes Gottes.

 

Gott wusste im Voraus, dass es Entwicklungen geben würde, die eine praktische Gemeinschaft mit allen Erlösten unmöglich macht. Denn die Sünde und leider auch ein sündiger Zustand können auch im Leben von Gläubigen vorkommen. Daher werden wir ermahnt, die Einheit des Geistes zu bewahren. Wir müssen diese Einheit nicht herstellen, denn sie ist das Ergebnis des Wirkens des Heiligen Geistes. Er bewirkt in uns das Bewusstsein, dass wir zusammen mit allen Erlösten den einen Leib bilden. Dazu müssen wir sie kennen und zu verwirklichen suchen.

 

Jemand hat die Aufgabe dieser Bewahrung einmal so beschrieben: Wir beachten in der Verwirklichung der Gemeinschaft die Absichten und Ziele, die der Heilige Geist in der Bildung des einen Leibes und in der Aufrechterhaltung dieser Einheit verfolgt (Eph 4,1-6). Das heißt, dieses Bewahren ignoriert alle nationalen und sozialen Unterschiede und hat alle Glieder des Leibes Christi im Blick. Andererseits schließt es alles und alle aus, was mit Bösem in Verbindung steht und sich mit unbiblischen Grundsätzen einsmacht, weil diese den Absichten und Zielen des Heiligen Geistes entgegenstehen (vgl. 2. Tim 2,19.22).

 

Dass die Aufforderung, die Einheit des Geistes zu bewahren, sich nicht nur auf den Ort bezieht, an dem wir zusammenkommen, sondern eine weltweite Auswirkung hat, macht der Zusammenhang von Epheser 4 deutlich. Zum einen beziehen sich die ersten Verse des Kapitels auf den Schluss von Kapitel 2 (Kapitel 3 ist ein Einschub). Dort spricht der Apostel über die Versammlung als Leib und als Haus in ihrem weltweiten Charakter. Zudem begründet Paulus die Notwendigkeit, die Einheit des Geistes im Band des Friedens zu bewahren, mit der Tatsache, dass da „ein Leib ist" - nämlich weltweit. So haben wir Christen die wichtige und wertvolle Aufgabe, am Ort und darüber hinaus dazu beizutragen, dass die vom Heiligen Geist bewirkte Einheit praktisch bewahrt und sichtbar wird.

 

Ich hoffe, dass diese Hinweise nützlich sind, einige immer wieder zu hörende Begriffe richtig zu verstehen und in biblischer Weise zu verwenden.

 

Folge mir nach - Heft 5/2014

Fußnoten:

1 Der Ausdruck „Versammlung" hat auch noch eine andere Bedeutung, wie man 1. Korinther 14,19 entnehmen kann: „Aber in der Versammlung will ich lieber fünf Worte reden mit meinem Verstand ...". Dort bezieht sich der Ausdruck „Versammlung" auf die Zusammenkunft als solche. Da diese Verwendung allerdings missverständlich ist, wird man sie nur verwenden, wenn eindeutig klar ist, dass man die Zusammenkunft meint.

2 Das kann zum Beispiel die Überbetonung eines Teils der Wahrheit des Wortes Gottes sein, natürlich auch eine falsche Lehre.

3 Wir reden nicht von einer Abhängigkeit der örtlichen Versammlungen untereinander. Aber eine örtliche Versammlung kann nicht von der weltweiten getrennt werden, somit auch nicht von den anderen örtlichen. Das Gegenteil von Unabhängigkeit ist in diesem Zusammenhang nicht Abhängigkeit, sondern Einheit.