05.05.2003Jesus Christus / Gott | Persönlicher Glaube | Lukas

Einfalt

Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß die Finsternis! Niemand kann zwei Herren dienen“ (Matth. 6,23.24).

Was ist Einfalt?

Einfalt ist wie ein Blume, die ihre Blüte ausschließlich der Sonne öffnet, gleichgültig, was sich sonst noch für Gegenstände um sie her befinden. Einfalt ist eine eindeutige, alles andere ausschließende Herzensrichtung auf Christum hin.

Die Einfalt des Herzens, von der das Wort redet, steht in direktem Gegensatz zum Eigenwillen, zum eigenen Ich. Wahre Einfalt ist das Vergessen des eigenen Ichs und aller übrigen Dinge, außer Einem - Christus; alle Teile des Herzens sind in innigem Kontakt mit Gott. ...

Die Lampe des Leibes

Um in dieser finsteren Welt Gott wohlgefällig wandeln und wachsen zu können, benötigen wir Licht. Wir haben es nicht in uns selbst. „Das war das wahrhaftige Licht, welches, in die Welt kommend, jeden Menschen erleuchtet“ (Joh. 1,9). Gott hat sich in Christus völlig offenbart. Er ist es, „der in unsere Herzen geleuchtet hat zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Christi“ (2. Kor. 4,6). Doch die Wertschätzung und der Genuss dieses wunderbaren Lichtes hängt von unserem „Sehvermögen“ ab, hängt davon ab, ob unsere „Lampe“ im richtigen Zustand ist. ... Das stellt uns unter Verantwortlichkeit.

Das Licht hat noch nie so strahlend geleuchtet wie heute, nachdem der Herr Jesus Christus in dem Charakter des Lichtes gekommen ist, um durch sich selbst einerseits die Dinge in sittlicher Beziehung offenbar zu machen und anderseits seinen Gott und Vater darzustellen und vollkommen zu offenbaren. Doch sollten wir uns fragen: Ist mein Organ der Wahrnehmung, ist mein Auge für dieses Licht empfänglich? Ist es einfältig? ...

Einfalt und Erkenntnis gehen zusammen

„Wenn nun dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht sein.“ Der Herr Jesus macht die Erkenntnis seiner Selbst und die Erkenntnis seines Willens von der Einfalt unseres Auges, d.h. von unserem sittlichen Herzenszustand abhängig.

Wenn unser Auge einfältig auf Ihn gerichtet ist, um einfach durch Ihn geleitet zu werden, dann wird Er uns bezüglich jeder Frage erleuchten und uns seinen Willen kundtun. Unser Leib wird ganz licht sein; d.h. das Licht wird der Beweggrund unseres Verhaltens und unserer Wege sein. Wenn jeder Teil unseres Herzens mit Ihm in Kontakt ist, dann kann Er uns durch sein „Auge“ leiten: „Mein Auge auf dich richtend, will ich dir raten“ (Ps. 32,8). ...

Ist dein Auge einfältig? Ist Christus dein einziger Gegenstand? Ist Christus dein Licht? - Liebe macht das Auge einfältig.

Das Auge ist entweder einfältig oder böse

Der Gegensatz ist nicht „einfältig oder zwiespältig“, sondern „einfältig oder böse“. Wenn nicht Christus mein Herzensgegenstand ist, dann habe ich irgend einen anderen, und das ist böse. „Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein“ (Matth. 6,23). Umgekehrt ausgedrückt: Wenn mein Leib nicht voll des Lichtes ist, so beweist dies, dass mein Auge nicht in allen Teilen einfältig ist. Wir haben irgend etwas nicht aufgegeben! ... Als Folge davon ist unser Leib finster; ... wir sind in Unklarheit über die Gedanken und Absichten Gottes. Dann fragen und sagen wir vielleicht auch: „Warum darf ich das nicht tun?“ - „Ich sehe nicht ein, dass…“ ...

Solange ich etwas bei mir dulde, worin mein Auge nicht einfältig ist, solange kann es keinen freien Herzensverkehr mit Gott geben. Wenn ich meinen eigenen Willen nicht dem Willen Gottes unterordne, so kann ich auch nicht „einfach“ von Gott geleitet werden. Zudem fehlt mir ein gesundes Urteilsvermögen der Dinge und Umstände. Alles dieses ist die Folge davon, dass meine Herzenszuneigungen von ihrem eigentlichen Gegenstand, von Christus, weggewandert sind.

Wenn unser Herz im richtigen Zustand zum Herrn ist, so wird der „ganze Leib licht“ sein und keinen finsteren Teil haben; wir werden den Willen Gottes rasch erkennen. Ist das Auge einfältig, ist alles einfach, obwohl es auch auf diesem Wege Schwierigkeiten und Prüfungen geben wird. ...

„…wie groß die Finsternis!“

„Siehe nun zu, dass das Licht, welches in dir ist, nicht Finsternis ist.“ Wir sind gehalten, uns dem Lichte, das in die Seele fällt, willig zu unterwerfen. Mit welch ernsten Worten warnt uns der Herr davor, trotz des empfangenen Lichtes und wider bessere Erkenntnis unseren fleischlichen Gedanken, unserem Eigenwillen zu folgen! Wir tun das nicht ungestraft. „Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß die Finsternis!“ Wenn wir nicht in der Kraft dessen vorangehen, was uns vom Herrn geschenkt ist, so wird uns das Licht bald genommen werden, und statt dessen wird uns tiefe Finsternis ergreifen. Was ich heute noch klar erkenne, werde ich vielleicht morgen schon nicht mehr sehen.

Was für jeden einzelnen von uns gilt, hat ebenso für das gemeinsame Zeugnis Gültigkeit. Hat der, welcher zwischen den sieben goldenen Leuchtern wandelt, nicht auch warnend zu Ephesus gesagt: „Wenn aber nicht, so komme ich dir und werde deinen Leuchter aus seiner Stelle wegrücken“? (Offbg. 2,5).

Das Abwenden von der Einfalt gegen den Christus

„Ich fürchte aber, dass etwa, wie die Schlange Eva, durch ihre List verführte, also auch euer Sinn verderbt und abgewandt werde von der Einfalt gegen den Christus“ (2. Kor. 11,3). Ist diese Befürchtung des Apostels Paulus nicht auch gerade in bezug auf unsere Tage des Endes berechtigt und begründet? Oh, wenn unser Sinn verderbt und abgewandt wird von der Einfalt gegen den Christus und gegen sein Wort, wenn unser bräutliches Verhältnis zu Ihm nicht mehr verwirklicht und genossen wird, dann ist dem Eindringen böser Lehren und Praktiken in die Versammlung Tür und Tor geöffnet. Es besteht dann die Gefahr, dass wir gar nicht mehr sehen, dass dies ein anderer Christus, ein anderer Geist, ein anderes Evangelium ist, die da gebracht werden - was ja kein Evangelium mehr ist (Gal. 1,7). ... Fehlt die Einfalt, fehlt auch das Licht. ...

Ist dagegen Einfalt vorhanden, so bleiben wir angesichts des traurigen Niederganges nicht allein vor dem Abirren, vor Selbstvertrauen und Selbstgefälligkeit, sondern auch vor Entmutigungen bewahrt...: „Ich habe Vertrauen zu euch im Herrn“ (Gal. 5,10).

„…auf dass die Hereinkommenden den Schein sehen“

In Korinth war bei einigen das Licht verdunkelt. Die Lampen bedurften der priesterlichen Aufmerksamkeit und Bedienung, damit sie wieder ihr volles Licht gaben, „auf dass die Hereinkommenden den Schein sehen“. Gott sei gepriesen, dass es unter den Heiligen noch eine Sphäre, einen Platz gibt, wo Gott dafür sorgt, dass sein göttliches Licht hell scheint!

Es handelt sich hier nicht so sehr um das „Licht der Welt“, sondern um die „Hereinkommenden“. Wenn wir uns zum Namen des Herrn hin versammeln, dann werden sie „den Schein sehen“. Es ist dann nicht so, dass wir beständig über unsere Zusammenkünfte Klage führen, dass sie zu arm, die Dienste so schwach seien. Hinter solchen Klagen verbirgt sich oft ein „böses Auge“. Ist der Herr der alleinige Mittelpunkt, wird unser Zusammenkommen vom göttlichen Licht gekennzeichnet und nie so arm sein, dass nicht immer etwas zur Verherrlichung Gottes und seines geliebten Sohnes gesagt wird. Kommen dann Leute herein, werden sie den Schein sehen.

Klug wie die Schlangen, einfältig wie die Tauben

Als der Herr Seine Jünger aussandte (Matth. 10), da tat Er es in dem Bewusstsein, dass Er sie wie Schafe inmitten von Wölfen aussandte. Es war daher Weisheit und Einfalt nötig: „Seid nun klug wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben“ (V. 16). ...

Wie tröstlich, dass dieses „Sehet nun zu…“ in der Herrlichkeit nicht mehr nötig sein wird! Dort ist alles vollkommen, alles heilig. Aber in dieser Welt, inmitten des Bösen, ist Weisheit, gepaart mit Einfalt, nötig. Die Gläubigen in dieser Welt brauchen, um dem Bösen zu entgehen, nur einfältig auf die Stimme des guten Hirten zu hören und Ihm zu folgen. Das setzt voraus, dass sie vor dem „Fremden“ fliehen, weil sie seine Stimme nicht kennen (Joh. 10,4.5).

Der Christ hat nicht nötig, mit dem Bösen vertraut zu werden. ... Christus ist die wahre Weisheit, das wahrhaftige Licht. Er gibt uns die volle und göttliche Kenntnis des Guten in der Mitte des Bösen. Wenn nur Christus unseres Herzens einziger Gegenstand ist, und wir also einfältig sind wie die Tauben, dann besitzen wir bezüglich aller Dinge die Weisheit, geistliche Weisheit („der geistliche Mensch beurteilt alles“ - 1. Kor. 2,15). Dann werden wir als solche, die „an der Bosheit Unmündige“ sind (1. Kor. 14,20), trotz der Gegenwart und Wirksamkeit Satans fähig sein, das „Gute zu wirken gegen alle“ (Gal. 6,10); wir werden Zeit für Gott haben und Gelegenheit finden, Ihm zu dienen. ...

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Erschienen in: Halte Fest Jahrgang 1966 - Seite: 69