19.12.2013 Persönlicher Glaube | Fragen und Antworten

Kann ein Christ modeln? (FMN)

Frage:

Hallo liebes „Folge-mir-nach"-Team,

mir brennt seit längerem schon etwas auf dem Herzen. Vor ein paar Tagen wurde mir ein Angebot in der Modelbranche geboten, indem ich für eine Kleidermarke, Fotoshootings machen könnte. Meine Frage jetzt an euch: Kann man als Christ solch ein Angebot annehmen?

M.

Antwort:

Liebe M.,

herzlichen Dank für Deine Frage, auf die ich zunächst eine grundsätzliche Antwort geben möchte, dann aber auch konkret auf Dein aktuelles Angebot eingehe.

Der Apostel Paulus fordert uns auf zu arbeiten: „Wenn jemand nicht arbeiten will, so soll er auch nicht essen" (2. Thes 3,10). Das heißt, wir haben die Pflicht, uns eine Arbeitsstelle zu suchen. Dabei ist es nicht leicht, einen Arbeitgeber zu finden, dessen Geschäftsidee und -inhalte der biblischen Ethik entsprechen.

Kann ein Christ in einer Bank arbeiten, die teilweise mit den Einlagen ihrer Kunden in ethisch fragwürdigen Bereichen spekuliert und zur Geldliebe antreibt (vgl. 1. Tim 6,10)? Für mich hängt die Antwort auf diese Frage damit zusammen, ob die konkrete Tätigkeit, die ich ausübe, sündiger, unbiblischer Natur ist, oder ob ich mich in einem weltlichen Umfeld als Christ bewähren kann. Es gibt heute fast kein Unternehmen mehr, das (uneingeschränkt) auf biblischer Basis tätig ist. Denn die Unternehmen dieser Welt sind auf Gewinnmaximierung getrimmt - und damit per Definition Teil des Systems dieser Welt. Dennoch kann man sich als Christ in solchen Unternehmen rein bewahren, wenn man seine Tätigkeit in Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit, in Treue und für Gott tut (vgl. Kol 3,23). Also auch in einer Bank, solange man persönlich darauf achtet, die Menschen nicht zur Geldliebe anzureizen. Aber man sollte seine eigenen Möglichkeiten nicht überschätzen. Jemand, der spekulieren will, wird es auch weiter tun. Ein Sklave zur Zeit des Neuen Testaments konnte auch nicht sagen: Das, was mein Herr vorhat, ist ethisch nicht vertretbar. Er sollte sich diesem unterordnen (1. Pet 2,18), gerade auch, wenn dieser „verkehrt" war. Nur dann, wenn von uns jemand verlangt, etwas zu tun, was direkt gegen Gott und seine ausdrücklichen Anweisungen gerichtet ist (vgl. Apg 5,29).

Damit stellt sich die Frage, was ich als Christ konkret mit meiner Arbeit verfolge. Und hier ist deutlich, dass ein Gläubiger nur Tätigkeiten ausführen kann, in denen er nicht lügen muss, in denen er ehrlich arbeiten kann und durch die er den Namen seines Herrn nicht verunehrt. Wie ist das beim Modeln?

Der Apostel Paulus weist Frauen an: „Ebenso [will ich] auch, dass die Frauen sich in bescheidenem Äußeren mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit schmücken, nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarer Kleidung, sondern - was Frauen geziemt, die sich zur Gottesfurcht bekennen - durch gute Werke" (1. Tim 2,9.10). Petrus fügt im Blick auf gläubige Frauen hinzu, „deren Schmuck nicht der äußere sei durch Flechten der Haare und Umhängen von Goldschmuck oder Anziehen von Kleidern, sondern der verborgene Mensch des Herzens in dem unvergänglichen Schmuck des sanften und stillen Geistes, der vor Gott sehr kostbar ist" (1. Pet 3,3.4).

Kann man unter Beachtung dieser Hinweise einen Beruf ausüben, in dem der Körper geschminkt, geschmückt und in „attraktiver" Pose zur Schau gestellt wird? Die Frau soll gerade nicht durch ihr Äußeres, sondern durch ihre (innere) Gottesfurcht „auffallen". Es geht um den verborgenen Mensch des Herzens, nicht um ihren Körper, den Models anderen Frauen, aber nicht zuletzt auch Männern, die sich oft lüstern leicht bekleidete Frauen und deren Reize schauen, zur Schau stellen. Ist das nicht eine Verherrlichung des Körpers? Was willst Du, wenn Du eine solche Arbeit annimmst, bei den Betrachtern auslösen, seien sie Männer oder Frauen?

Selbst wenn es nur darum ginge, Mäntel und vollständige Bekleidung zu tragen: Du kehrst letztlich die Wertestellung Gottes: Geist, Seele, Körper um. Vor allem geht es den Prospektherstellern darum, ihre Kleidung zu verkaufen. Bis heute gilt: „Sex sells". Dafür braucht man den Blick auf den Körper. Und daher werden Posen und Blicke fast immer so gewählt, dass selbst bei vollständig bekleideten Models ein Eindruck erweckt wird, den wir als Christen ablehnen sollten. Selbst bei Schuhwerbung sieht man heute spärlich bekleidete Damen: Verunehrt das nicht unseren Herrn?

Zudem stehst Du in einem Katalog zusammen mit solchen, die weniger bekleidet sind und mit entsprechenden Posen abgelichtet werden, selbst wenn Du Dich selbst auf „bekleidete" Fotos beschränken können solltest. Und Schritt für Schritt wird man selbst weniger empfindlich, weil Du Dir diese Hefte und entsprechende Aufnahmen regelmäßig anschauen müsstest.

Damit in Zusammenhang steht noch ein weiteres Thema, das Du nicht übersehen darfst. Der persönliche Lebensweg vieler Models - jedenfalls der bekannten, der erfolgreichen - ist in moralischer Hinsicht sehr problematisch. Dir wird nicht unbekannt sein, was im Blick auf Alkohol, Drogen, Magersucht und Hurerei in diesem Sektor leider tägliche Realität ist. Das ist nicht viel anders als in der Filmbranche - zum Teil durch den Berufsstress ausgelöst, zu einem großen Teil aber auch dadurch, dass man sich in einer Weise sieht und näher kommt, die oft unanständig ist. Die Hemmschwelle zur Sünde wird zunehmend niedriger.

Die genannten Problembereiche sind auch uns Christen leider nicht fremd. Ist nicht gerade vor diesem Hintergrund ein Beruf, bei dem man sich täglich fragen muss: „Bin ich schön genug, bin ich schlank (genau genommen: dünn) genug, bin ich attraktiv und herausfordernd genug, erreiche ich ausreichend die Emotionen und Begierden der Kaufkundschaft?" ein Beruf, der meinem geistlichen Leben mit dem Herrn Jesus schadet?

Du siehst - ich kann Dir nicht dazu raten, ein solches Angebot anzunehmen. Ich warne geradezu davor. Aber die Entscheidung musst Du selbst vor Deinem Herrn fällen. Gerade bei einer solchen Wahl sind die Prüffragen aus Philipper 4,8.9 sehr nützlich:

  • Wäre das, was Du tust, wahr? Wäre es wirklich wahr, dass der Körper und seine Bekleidung diese Bedeutung haben sollen, wie sie durch die von Dir verkörperte Werbung suggeriert wird?
  • Wäre es gerecht, also in Übereinstimmung mit dem Wort Gottes, was Du beim Modeln tust? Wäre diese Branche nicht in großem Maß durch Unmoral geprägt?
  • Wäre es rein, was Du bei Männern, die Dich so sehen würden, auslöst?
  • Wäre es lieblich, also schön für Gott, wenn man sich auf diesen Weg begibt?
  • Würden die Kommentare von Betrachtern „wohllauten"?
  • Gehört modeln zu christlichen Tugenden (Aktivitäten)? Könntest Du bei diesem Beruf Menschen zum Herrn Jesus führen?
  • Könntest Du in diesem „Aufzug" Gott loben?
  • Könnte man eine solche Tätigkeit bei Paulus „lernen"? Er hat mit seinen eigenen Händen gearbeitet - kann man sich vorstellen, dass darunter eine solche Tätigkeit fallen würde?
  • Hättest Du beim Modeln den Gott des Friedens, der innere Ruhe schenkt, auf Deiner Seite?

Bitte denke in Ruhe einmal über diese Fragen nach. Dann wird Dir Gott die richtige, Ihm wohlgefällige Antwort auf Deine Frage geben.

Herzliche Grüße im Herrn Jesus

Manuel

Folge mir nach - Heft 12/2013