03.11.2013 Persönlicher Glaube

Kreuz und Nachfolge - Eine Andacht

Wenn Du die Zeitung am Samstagmorgen aufschlägst, fällt Dir eine ganze Sammlung an Werbeblättern und Flyern für die neuesten Handyverträge und Autofinanzierungen entgegen. Verlockende Angebote, auf den ersten Blick total begeisternd und kaum zu toppen - wenn da nicht immer diese kleinen schwarzen Ziffern im Angebot ständen, die auf die Vertragsbedingungen hinweisen und die wirklichen Kosten für den Endverbraucher offenlegen würden. Um die Bedingungen genau lesen zu können, schnappst Du Dir besser eine Lupe, damit Du auch nichts überliest und hinterher eine teure Überraschung erlebst!

Ist es mit der Nachfolge hinter dem Herrn Jesus her genauso? Ein attraktiver Ruf in die Jüngerschaft mit versteckten Bedingungen? Sind die Risiken kalkulierbar? Wie hoch sind die Kosten?

Der Jünger folgt einem gekreuzigten und verworfenen Herrn


„Und er fing an, sie zu lehren, dass der Sohn des Menschen vieles leiden und verworfen werden müsse von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten, und dass er getötet werden und nach drei Tagen auferstehen müsse. Und er redete das Wort mit Offenheit. Und Petrus nahm ihn zu sich und fing an ihn zu tadeln. Er aber wandte sich um, und als er seine Jünger sah, tadelte er den Petrus und sagte: Geh hinter mich, Satan! Denn du sinnst nicht auf das, was Gottes, sondern auf das was der Menschen ist." (Markus 8,31-33)
 
Kurz bevor der Evangelist Markus diese Begebenheit berichtet, schreibt er davon, dass der Herr Jesus seine Jünger gefragt hatte, was sie und die Menschen glaubten, wer er sei.  Ein Prophet? War er Elia? Oder doch Johannes der Täufer? Petrus hatte es auf den Punkt gebracht: „Du bist der Christus!" - im Matthäusevangelium sagt er noch mehr: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!" Es kam nicht aus ihm selbst heraus, er hatte es sich nicht ausgedacht, Gott der Vater hatte es ihm geoffenbart (Matthäus 16,16f) Ja, Jesus war der Messias, der Christus, und das war auch die Hoffnung, die die Jünger mit ihrem Meister verbanden. Sie hofften, dass er Israel endlich von der Herrschaft der so verhassten römischen Besatzungsmächte befreien würde - und dann würden sie mit dem Herrn Jesus regieren! Das waren ihre Vorstellungen.
 
Dann folgt unsere Begebenheit. Jetzt beginnt der Herr Jesus seine Jünger darüber zu belehren, dass er leiden müsse, verworfen werden und schließlich sterben und auferstehen würde. Was muss in diesem Moment in Petrus vorgegangen sein? Was erzählte sein Herr dort? Leiden, Verwerfung, Tod? Irgendetwas passte hier gar nicht. Petrus liebte seinen Herrn sehr, aber was Dieser jetzt sagte, passte so gar nicht in seine Vorstellungen von dem Messias.
 
Was jetzt passiert ist sehr bemerkenswert: Petrus nimmt den Herrn Jesus zur Seite und fängt an Ihn zu tadeln. Er wollte sein Meister vor den Leiden bewahren: „Gott behüte dich, Herr! Dies wird dir nicht widerfahren!" (Matthäus  16,22) Das konnte unmöglich sein, warum noch erst leiden, wenn er doch schon heute mit Macht ein Reich gründen könnte? Die Antwort des Herrn Jesus ist sehr deutlich und trifft den Kern. Er dreht sich um und sieht die Jünger an, dann sagt er zu Petrus: „Geh hinter mich, Satan!"  Als der Herr Jesus die Jünger anschaut, hat man den Eindruck als wolle er sagen, dass doch nur durch Seinen Tod und Seine Auferstehung die Jünger gerettet werden könnten. Er sieht Thomas, der einmal zweifeln würde - Er hat Petrus vor sich, der Ihn verleugnen würde - Judas, der Ihn verraten würde - Wie sollte es anders Hoffnung für diese Männer geben? Wie anders sollte es Hoffnung und Errettung für Dich und mich geben? Jesus musste gekreuzigt werden und auferstehen.
 
Die Antwort des Herrn Jesus ist in dieser Szene so scharf, weil Petrus hier ein Werkzeug des Teufels ist, der Ihn auch von dem Weg der Leiden über das Kreuz abhalten wollte. Damals in der Wüste hatte der Teufel dem Herrn Jesus ein Reich unter seinen Bedingungen angeboten. Aber unser Herr widerstand allen Versuchungen, weil er nicht sündigen konnte. (Matthäus 4)
 
Der Herr Jesus hat mit Offenheit über seinen Weg bis zum Kreuz gesprochen und seinen Jüngern nicht verheimlicht, welchen Weg er gehen würde. Kannst Du Dir vorstellen, was Dein und mein Herr dabei empfunden haben muss, im Voraus jedes Detail Seines Leidenswegs zu kennen? Wie muss es Ihm wehgetan haben, dass seine Jünger so wenig von dem verstanden, was er Ihnen ankündigte? (Lukas 18,34)
Er wusste, dass sein glühender Nachfolger Petrus Ihn verleugnen und sich gemeinsam mit Seinen Feinden im Hof des Hohepriesters die Hände wärmen würde, währendem Seine Neider und Verfolger Sein Todesurteil aushandelten. Jesus wusste, dass schlussendlich alle das „Handtuch werfen" und Ihn verlassen würden. Auch der Höhepunkt Seiner Leiden war Ihm bekannt: Ganz allein, zwischen Himmel und Erde, von Gott verlassen in der Finsternis, mit meiner und Deiner Schuld beladen - „Jesus nun, wusste alles, was über Ihn kommen würde!" (Johannes 18,4)
 
Kein Platz für den Herrn Jesus
 
Unser Herr war während Seines Lebens der Verworfene und das ist auch heute noch so. Als der Herr Jesus, der ewige Sohn Gottes, Mensch und in Bethlehem geboren wurde, da war kein Raum in der Herberge, deshalb legte man Ihn in eine Krippe. Ist das nicht tief beeindruckend, dass für Andere Platz genug in der Herberge war, aber für meinen und Deinen Herrn, den Schöpfer des ganzen Universums, kein Platz dort war? Man legte Ihn in eine Krippe, die vielleicht auf freiem Feld stand - Es war kein Platz für Ihn. (Lukas 2,7)
 
Einmal kam ein Schriftgelehrter zu dem Herrn Jesus und wollte Ihm nachfolgen: „Lehrer, ich will dir nachfolgen, wohin irgend du gehst!" Wirklich ein ehrbarer Wunsch, den der Schriftgelehrte hatte - aber der Herr Jesus antwortete ihm: „Die Füchse haben Höhlen, und die Vögel des Himmels Nester, aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo er das Haupt hinlege." (Matthäus 8,20) Die Menschen hatten für den Herrn Jesus einfach keinen Platz, wo er hätte zur Ruhe kommen können. Nachfolge hinter dem Herrn Jesus her ist nicht mit Ehre und Anerkennung verbunden. Der Herr Jesus ist der Verworfene und Verachtete. In den Herzen der meisten Menschen ist kein Platz für Ihn.
 
Erst ganz am Ende Seines Lebens, am Kreuz, da fand Dein und mein Heiland einen Platz für Sein Haupt. Es macht mich sehr betroffen, dass der Herr Jesus erst dann einen Platz fand, wo er Sein Haupt hinlegen konnte, wo er ausruhen konnte als Er das Erlösungswerk vollbracht hatte.
 
„Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und er neigte das Haupt (oder ‚er legte das Haupt hin‘) und übergab den Geist." (Johannes 19,30)
 
Wenn wir den Herrn Jesus jetzt so gesehen haben, dann sollen wir hieraus lernen, dass wir einem gekreuzigten und in dieser Welt verworfenen Herrn folgen! Das war es auch, was Petrus lernen musste. Folgst Du Ihm auch?
 
Der Jünger folgt gekreuzigt dem Herrn

„Und als er die Volksmenge samt seinen Jüngern herzugerufen hatte, sprach er zu ihnen: Wer irgend mir nachkommen will, verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach." (Markus 8,34)
 
Ich glaube jetzt ist es an der Zeit noch einmal die Frage vom Anfang zu stellen: Gibt es versteckte Bedingungen in der Nachfolge Jesu?  Nachdem der Herr Jesus Petrus klargemacht hatte wie unumgänglich das Kreuz für Ihn sein würde, kommt er jetzt auf die zu sprechen, die Ihm nachfolgen wollen! Die Bedingungen Jesu zur Jüngerschaft sind immer sehr radikal und unverblümt: Selbstverleugnung. Kreuzaufnehmen. Nachfolge.
 
Heute sind es noch die gleiche Bedingungen - Der Herr Jesus sagt ganz klar auf welchem Weg wir seine Jünger sein können: „Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachkommt, kann nicht mein Jünger sein." (Lukas 14,27)
 
Es ist eine sehr krasse Aussage, dass wir, Du und ich, nicht Jünger des Herrn Jesus sein können, wenn wir nicht seine Bedingungen akzeptieren und danach leben. Er sagt: „[...] kann nicht mein Jünger sein!" Nicht halber Jünger oder nah dran an Gott Maßstäben - sondern „nicht mein Jünger". Mal ehrlich, ist das nicht eine Bedingung der Jüngerschaft, die wir lieber auslassen und umgehen würden? Es ist jedenfalls die Bedingung, mit der wir wahrscheinlich die meisten Probleme haben.
 
Selbstverleugnung - Ich glaube, dass Selbstverleugnung sehr praktisch in mein und Dein Leben hineinspricht. Es bedeutet das eigene „ICH" im Leben zu enttrohnen. Wenn ich mich selbst verleugne, dann möchte ich nicht mehr immer meinen eigenen Willen behaupten und durchsetzen, sondern möchte mich bewusst Gottes Willen unterordnen. Erst dann, wenn unsere eigenen Wünschen, Interessen und Träume hinter Gottes Pläne für unser Leben zurücktreten, können wir dem Herrn Jesus ungehindert nachfolgen. Es bedeutet aber auch auf die eigene Kraft, die eigenen Anstrengungen zu verzichten und sich vorbehaltlos dem Herrn Jesus hinzugeben.
 
Kennst Du das auch aus Deinem Leben: Du hast vorgefertigte Pläne und Wünsche, die keinen Spielraum mehr für Gottes Korrektur lassen, Du hast Dich schon festgelegt? Stehst Du gerne im Mittelpunkt? Fühlst Du Dich wohl, wenn sich einmal alles um Dich dreht? Du bist leicht verletzt, wenn Dir etwas „quer" kommt, aber hast ein Problem Dein Verhalten zu korrigieren, zu verändern, wenn Dich jemand auf ein Fehlverhalten hinweist? Gott möchte mich und Dich von der Selbstsucht befreien!
 
„Ich bin mit Christo gekreuzigt und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir!" (Galater 2,20)
 
Kreuzaufnehmen - Wer in biblischen Zeiten sein eigenes Kreuz trug, für den stand der Tod schon fest. Er ging den letzten Weg zu seiner Kreuzigungsstätte, wo er schmachvoll hingerichtet wurde. Unser Kreuz, das wir täglich aufnehmen sollen, meint, dass auch wir schon als junge Menschen mit der Verwerfung der Welt rechnen müssen. An dem Ort, wo der Herr Jesus verworfen ist und starb, da sind wir Seine Nachfolger und erleben nichts anderes als er es von Seiten der Welt erlebt hat. (Johannes 1,10.11) Das Kreuz beinhaltet Leiden, Spott, Verwerfung und Opferbereitschaft um des Herrn Jesus willen.
 
Ist es nicht leider bei uns oft so, dass wir ein Leben ohne das Kreuz in unserem eigenen Leben viel attraktiver und angenehmer finden? Ein Leben angepasst an die Welt ohne Unannehmlichkeiten?
 
Nachfolge. Ich bin überzeugt, dass es kein einfacher Weg ist, dem Herrn Jesus so nachzufolgen, aber es ist ein Lebensstil, der wirklich unter dem Segen Gottes steht. Wir wollen uns motivieren lassen, dem Herrn Jesus konsequent zu folgen - Ihm nach, den Weg des Kreuzes, den Weg des Gehorsams und Unterordnung unter Gottes Willen. Es ist eine tägliche Herausforderung!