20.09.2013Gute Botschaft | Persönlicher Glaube

Ein sehr großer Mann!?

In seinem großen Feuilleton-Aufmacher überschreibt Frank Schirrmacher, einer der Herausgeber der FAZ, seinen Artikel mit: „Ein sehr großer Mann"

Nun gibt es keinen Zweifel, dass der Literatur-Kritiker Marcel Reich-Ranicki einer wenn nicht der größte seiner und damit unserer Zeit war. Er hat als verfolgter Jude in der Zeit des dritten Reichs unwahrscheinlich viel mitgemacht; auch in der Zeit danach. Er war belesen und wissbegierig, bekannt und gefürchtet, begabt und enorm fordernd. Man könnte sagen: am Rand eines Genies. Insofern kann man das menschliche Urteil gut verstehen: „Ein sehr großer Mann". Und natürlich versteht man ebenso die Emotionen eines nicht weniger begabten jüngeren Zeitgenossen, der 28 Jahre mit diesem Menschen zusammenarbeiten durfte.

Nur eine Frage, die anscheinend niemand stellt, ist viel wichtiger: Für WEN war Marcel Reich-Ranicki ein „sehr großer Mann"? Ich könnte auch anders formulieren: Wo befindet sich dieser unter Menschen so bekannte Literaturkritiker heute? Es gibt nur zwei Orte: das Paradies und den Hades. An einem dieser beiden Orte hat er seine Augen aufgeschlagen. Und nach allem, was wir in den vergangenen Jahren von diesem Hochbegabten lesen und hören konnten, müssen wir befürchten: Er hat sich nicht bekehrt, hat nicht Jesus Christus als seinen Retter angenommen. Und damit ist er verloren - für ewig verloren! Was nützt ihm da der Ruf unter Menschen, der donnernde Applaus vieler Nachrufe und Nachrufer?

Frank Schirrmacher sprach in dem Interview heute davon, dass wenn Reich-Ranicki jetzt von dessen Ort aus zusehen könnte, er seinen Nachruf redigieren würde; in dem Sinn: Hier komme ich aber nicht gut genug weg. Es steht zu befürchten, dass er für solche „Späße" nie wieder Zeit haben wird. Denn den Himmel kann man sich nicht durch beeindruckende und bestechende Literaturkritik oder durch andere Werke erarbeiten. Man muss Jesus Christus als Retter annehmen, sonst geht man verloren. Ewig verloren. Das ist die Hölle, der Feuersee, wie Gott in seinem Wort unmissverständlich klar macht. „Es ist den Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht" (Heb 9,27).

Das, was Marcel Reich-Ranicki in einem Interview im letzten Jahr sagte, ist erschütternd. Auf die Frage nach dem Jenseits antwortete er im Focus: "Nein. Es gibt kein Weiterleben nach dem Tod. Das ist Wunschdenken. Marx nannte Religion Opium fürs Volk. Es ist wichtig, die Wirklichkeit so zu sehen, wie sie ist. Auch wenn mir nicht gefällt, was ich sehe. Es hat keinen Sinn, sich selbst zu betrügen. Religion ist wie eine Brille, die den Blick auf die Wirklichkeit trübt, die bittere Realitäten hinter einem milden Schleier verschwinden lässt. Deshalb wehren sich die Anhänger der Religionen auch so vehement, diese Brille jemals abzusetzen. Aber für mich ist das nichts. Selbst im Ghetto habe ich versucht, die Dinge so zu sehen, wie sie sind und mir nichts vorzumachen." - Jetzt wird er wissen, dass die Realität eine andere ist, dass er sich - wenn er sich nicht in den letzten Augenblicken seines Lebens bekehrt haben sollte - in einer furchtbaren Realität des Jenseits wiedergefunden hat - ewigen Qualen. Möge sich jeder warnen lassen vor der Illusion: Das, was ich nicht sehe, gibt es nicht. Es wird sonst auch für dich einmal zu spät sein.

Es gibt sie, die „sehr großen Menschen", auch in den Augen Gottes. Isaak war so jemand (1. Mo 26,13), und auch Mose (2. Mo 11,3). Ihre wahre Größe resultierte aber nicht aus ihren Fähigkeiten oder Errungenschaften, sondern daraus, dass sie eine lebendige Beziehung mit Gott hatten und pflegten. Das allein macht einen Menschen wirklich „groß". Dann will er nicht groß sein, sondern er ist es. In den Augen Gottes. Und allein darauf kommt es an.

Nachtrag

Ein guter Weggefährte und Freund von Marcel Reich-Ranicki, Salomon Korn, sagte auf der Trauerfeier am 26. September - ganz zum Schluss: "Als ich mich kurz vor seinem Tod an seinem Krankenbett, in dem er unruhig atmend im Dämmerzustand lag, von ihm verabschiedete, öffnete er unverhofft noch einmal die Augen, sah mich an und – er, der nicht an Gott glaubte – hauchte kaum hörbar „Adieu“." (zitiert nach www.faz.net). Ob dieser Mann doch noch in den letzten Tagen seines Lebens Gott gefunden hat? Wir werden es auf der Erde nicht mehr erfahren.