16.10.2013Jesus Christus / Gott | Buchbesprechungen

Gute Gründe, an Gott zu glauben

Der Philosoph Kurt Flasch ist der Meinung, Glaube und Vernunft passten nicht zueinander. Dieser Historiker nimmt sich dabei nicht, wie ein Kommentator süffisant anmerkt, die „Wischiwaschi"-Theologen wie Eugen Drewermann und Anselm Grün vor. Oder solche, die das Thema Homosexualität in der Bibel relativieren wollen. Nein, er geht gegen die Theologie von Joseph Ratzinger, Benedikt XVI., vor. „Da ihr Gott der einzige Gott sein soll, muss er es für alle sein", schreibt Flasch. Und das könne man überprüfen.

Was sind seine „Gegenargumente", die er in seinem Buch „Warum ich kein Christ bin" sammelt. Kurt Flasch war Christ - was auch immer das bedeutet hat bei ihm. Aber jetzt ist er es nicht mehr - und das wollte er mit 83 Jahren begründen. Er hat Christen im zweiten Weltkrieg erlebt, die wirklich geholfen haben - das hat ihn sicher nicht vom Christentum distanziert. Aber offenbar wollte er weg von der Bibel, von Gott. Denn die Auswahl dessen, was er sich für seine Argumente aus der Bibel herausgreift, ist geradezu gesucht. Er meint beispielsweise, dass der zornige Gott im Alten Testament doch nicht derselbe sein könne wie der liebende Gott im Neuen Testament.

Flasch meint, widersprüchliche Oster-Zeugnisse vorgefunden zu haben. Nun ist es tatsächlich nicht so ganz einfach, die vier Berichte chronologisch zu „sortieren". Das ist überhaupt nicht der Sinn des inspirierten Wortes Gottes. Aber es gibt gute Beispiel in Bibelauslegungen, wo genau das geschehen ist: eine Chronologie. Es bedarf vielleicht einer gewissen Sorgfalt - aber sie ist möglich. Denn eines ist klar: Gott sagt nie die Unwahrheit! Mit seinem Spott - „Wäre ich der zuständige Polizeikommissar gewesen mit dem Auftrag, das Verschwinden der Leiche eines prominenten Mannes aufzuklären, wäre ich zu dem Ergebnis gekommen, das sei bei diesen Zeugenaussagen unmöglich" - geht Flasch auf billigen Fan-Fang. Unwissende (Thema: Vernunft ...) Christen mag er damit wie der Rattenfänger von Hameln fangen. Aber jeder, der sich ein bisschen eingehender mit den Evangelien befasst, wird ihm widersprechen.

Ist die Auferstehung „bewiesen" im juristischen Sinn- Absolut! So viele Zeugen, wie Paulus in 1. Korinther 15 anführen kann - und damals hätte man ihm zweifellos widersprochen, wenn es nicht wahr gewesen wäre - gibt es nie. Paulus führt sogar, nach damaliger „Rechtsauffassung", ausschließlich männliche Zeugen an. Sonst wären es noch mehr ...

Flasch wendet sich auch gegen den „Ungedanken vererbbarer Schuld" - das ist vermutlich sein Kernproblem. Denn natürlich gibt es Rettung und damit das Bekenntnis des wahren Gottes nur dann, wenn man sich als Sünder anerkennt. Das geht gegen den Hochmut, der sich in jedem natürlichen Menschen - in uns allen von Geburt aus - aufbaut.

Und dann meint Flasch, man könne ohne Philosophie nicht glauben. Glaube sein keine reine Entscheidung, kein Abenteuer als Sprung in eine ungewisse Zukunft. „Wer springt, möchte doch wissen, wohin er springt und warum er das tun soll", so Flasch. Recht so. Dafür aber muss man anerkennen, dass das, was Gott uns in seinem Wort aufgeschrieben hat, wahr ist. Gott sagt uns, wohin die Reise geht. Aber Glaube ist eben, diesen Weg zu gehen, auch wenn man ihn „vernunftmäßig" nicht erfassen kann. Um diesen Weg nicht beschreiten zu müssen, lehnt er Erbsünde, Hölle und Erlösung ab. Wenn er auf diesem Weg bleibt, geht er ewig verloren. Abgesehen davon, dass er keine Sinnerfüllung erkennen und damit weitergeben kann, bleibt für Flasch somit nur ein sinnloses Leben im Diesseits, im Rahmen der Philosophie, die er betreibt.

Wie gut, dass Gott, der eine wahre Gott, den wir kennen, uns eine andere Sinnerfüllung geben weiß. Können wir Gott beweisen- Nein, aber müssen wir das- Müssen wir beweisen, dass es die Sonne gibt- Wir erleben sie, genauso wie Gott. Und seine Botschaft für Christen ist, was ein sinnvolles Leben betrifft, wie Paulus schreibt: „Das Leben ist für mich Christus". Wenn Christus unser Lebensinhalt ist, dann sind wir glücklich. Philosophen ziehen den Blick nach unten - Christus aber nach oben!