12.07.20131. Mose | Persönlicher Glaube

Beschneidung

Toleranz ist ein wesentliches Schlagwort unserer Zeit. Sie wird von allen eingefordert. Aber gerade bekennenden Christen wird mit einer großen Intoleranz begegnet. Bestes Beispiel ist die aktuelle Kampagne gegen Eltern, die ihre Kinder nicht in eine Kita geben, sondern zu Hause für den ihnen anvertrauten Nachwuchs sorgen wollen. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie sich nicht integrieren und damit der gesellschaftlichen Moderne entgegenarbeiten.

Das Ritual der Beschneidung

An anderer Stelle waren es wieder einmal die Juden, denen ein wichtiger Teil ihrer Religionsausübung in Deutschland unmöglich gemacht werden sollte. Natürlich ist körperliche Unversehrtheit von Kindern ein hohes Gut. Beschneidungen, in Wirklichkeit Verstümmelungen, wie sie in manchen Ländern an Mädchen und Frauen vorgenommen werden, stellen hier einen schlimmen Eingriff dar. Aber kann man daran zweifeln, dass Gottes Gebote immer das Wohl der Menschen im Auge haben?

Gott hat das Gebot der Beschneidung in einer Zeit gegeben, als die körperliche Hygiene vermutlich weit hinter der zurückblieb, die wir heute kennen. Heute wissen wir, wie nützlich diese Vorschrift allein aus gesundheitlicher Sicht für die Männer und Jungen in der Wüste und später im Land war. Aber Gott hat sein Gebot für die Nachkommen Abrahams nicht in erster Linie mit einer Reinlichkeitsvorschrift verbunden. Er hat damit ein „Zeichen" gegeben, das Abraham und seine Nachfahren verstehen sollten. Und wir dürfen nicht übersehen, dass Er dieses Gebot für sein irdisches Volk nie verändert oder zurückgenommen hat.

„Alles Männliche werde bei euch beschnitten. Und ihr sollt am Fleisch eurer Vorhaut beschnitten werden. Und das soll das Zeichen des Bundes sein zwischen mir und euch. Und acht Tage alt, soll alles Männliche bei euch beschnitten werden nach euren Generationen, der Hausgeborene und der für Geld Erkaufte, von allen Fremden, die nicht von deinen Nachkommen sind" (1. Mo 17,10-12).

Gottes Fürsorge im Blick auf die Beschneidung

Bevor wir die Bedeutung der Beschneidung untersuchen, noch diese Frage: Warum hat Gott diese Anordnung für den achten Tag gegeben? Abgesehen davon, dass immer die geistliche Bedeutung im Vordergrund steht, ist Folgendes interessant: Am achten Tag besitzt ein Kind mehr Prothromine, durch welche die Blutgerinnung bewirkt wird, als an jedem anderen Tag vorher und nachher in seinem Leben (110%) 1 Vgl. Moderne Wetenschap in de Bijbel, Drs. Ben Jobrink, S. 78. Wir selbst haben vor Jahren bei einem Kind das Zungenband durchtrennen lassen müssen. Dieser Eingriff geschah „zufällig" am achten Tag. Die Kinderärztin war total überrascht, dass es keine Blutung gab. Das heißt, an diesem Tag ist die Blutungsstillung besser als an jedem anderen Tag. Hinzu kommt, dass Kinder bis zum Alter von drei Wochen nur bei dem Eingriff selbst einen Schmerz empfinden, der dann sofort wieder vergessen ist. Der Unterschied zu den Männern in Sichem, die tagelang Schmerzen hatten (1. Mo 34,25) und zum Volk Israel in Gilgal (Jos 5,8) ist deutlich. Wir können staunen über Gottes vollkommene Weisheit! Wenn Er etwas anordnet, dann immer so, dass es zum Segen für den Menschen (die gesundheitlichen Vorzüge der Beschneidung sind allgemein bekannt, gerade für die damalige Zeit) und ohne größere Schmerzen möglich ist.

Bedeutung der Beschneidung

Was ist nun der Sinn, der hinter der Beschneidung steht? Aus Gottes Wort lernen wir:

  1. Durch die Beschneidung sollten die Nachkommen Abrahams als Gott gehörendes Volk bestätigt werden. Gott schloss mit Abraham und seinen Nachkommen einen Bund - sie waren nun sozusagen vertraglich an Ihn gebunden. Somit war die Beschneidung ein Zeichen, dass sie Gottes Eigentum waren.
  2. Durch die Beschneidung gab es einen Unterschied zwischen allen Völkern und dem Volk Israel. In diesem Sinn war die Beschneidung ein Zeichen der Absonderung des Volkes von anderen Völkern. Aber Absonderung hat immer zwei Seiten: weg von dem Bösen, hin zu dem Guten. So auch die Beschneidung: Durch die Beschneidung war das Volk Gottes dem Herrn „heilig" (vgl. Lk 2,22.23; 2. Mo 13,2), abgesondert zu Ihm hin.
  3. Der Zustand eines Unbeschnittenseins wird immer wieder mit Unreinheit und Unheiligkeit verbunden. In 3. Mose 19,23 und anderen Stellen heißt es, dass die ersten drei Erntejahre nach Einzug des Volkes Israel nach Kanaan, was die eigene Pflanzung betrifft, als „unbeschnitten" galten, als unrein, so dass das Volk Israel nicht von diesen Früchten essen durfte. Sie wurden dadurch daran erinnert, dass die Erde und die Anstrengungen des Menschen unter dem Fluch des Sündenfalls standen, auch wenn Gott eine Ausnahme zuließ: Nach Josua 5 durften die Israeliten von dem Getreide des Landes essen.

Aus Hesekiel 44,7.9 lernen wir, dass die Beschneidung auch im 1.000-jährigen Reich wieder unter dem Segen Gottes durchgeführt wird, wenn das Volk Israel seine Sünden (Götzendienst und die Verwerfung ihres Messias) bekannt haben und umgekehrt sein wird, so dass es wieder Gottes Volk sein wird.

Beschneidung des Herzens

Nun war die Beschneidung ein Bund Gottes mit Abraham und seinen Nachkommen. Auch der Herr Jesus hat sich diesem äußerlichen Ritual unterzogen (Lk 2,21), denn Er war ein Nachkomme Abrahams (vgl. Mt 1,1). Aber war die Beschneidung einfach als äußerliche Handlung gedacht? Nein! Wir können ganz grundsätzlich sagen, dass alle Vorschriften für das Volk Israel, selbst wenn sie sich auf Äußerliches bezogen, zugleich immer auch eine innere Bedeutung hatten. Da Menschen aber das Innere oftmals nicht beurteilen können, beschränkt sich Gott bei der Einführung von Geboten oft auf die äußerliche Vorschrift. Später aber macht Er deutlich, dass es Ihm auch um die Gesinnung und die innere Haltung ging. In seinen Augen kommt diese sogar immer zuerst. So auch im Blick auf die Beschneidung.

In 3. Mose 26 finden wir eine Rede Gottes an das Volk Israel, in der das Abweichen und der Niedergang im Volk Israel vorhergesagt werden. Dann heißt es: „Wenn dann ihr unbeschnittenes Herz sich demütigt und sie dann die Strafe ihrer Ungerechtigkeit annehmen, so werde ich meines Bundes mit Jakob gedenken; und auch meines Bundes mit Isaak und auch meines Bundes mit Abraham werde ich gedenken ..." (V. 41.42).

Gott wollte also nicht allein äußerlich ein Eigentumsvolk haben, das Ihm gehörte, sondern Er beanspruchte das Herz seines Volkes. Es war sein Wunsch, dass die Israeliten sich innerlich auf seine Seite stellten und sich von den bösen Praktiken und dem Götzendienst der Heiden trennten (vgl. auch 5. Mo 30,6).

Damit sind wir dann auch bei der geistlichen Bedeutung der Beschneidung für uns. Gott hat uns ja nicht umsonst diese Gebote an sein irdisches Volk Israel im Alten Testament mitgeteilt. Er stellt uns zwar nicht unter diese Gesetze. Wir haben also nicht den Auftrag, uns äußerlich beschneiden zu lassen. Das wird dadurch deutlich, dass man dieses Gebot vergeblich in Apostelgeschichte 15,19.20 sucht, wo die Gebote genannt werden, die auch für Christen in der heutigen Zeit gelten.

Aber Gott illustriert mit der Beschneidung eine christliche Wahrheit. Diese finden wir in den christlichen Lehrbriefen des Neuen Testaments.

Die geistliche Bedeutung der Beschneidung

  1. Kolosser 2,11: „In dem [in Christus] ihr auch beschnitten worden seid mit einer nicht mit Händen geschehen Beschneidung, in dem Ausziehen des Leibes des Fleisches, in der Beschneidung des Christus, mit ihm begraben in der Taufe ..."
    Der Apostel Paulus unterscheidet hier deutlich die äußerliche Beschneidung von der inneren: Christen werden nicht mit Händen beschnitten, sondern haben Anteil an der „Beschneidung des Christus". Das ist nicht die buchstäbliche Beschneidung, als Er acht Tage alt war, sondern deutet auf seinen Tod am Kreuz hin, als Gott „die Sünde im Fleisch verurteilte" (Röm 8,3). Als Er starb, sind auch wir gestorben, die wir an den Herrn Jesus glauben (Kol 3,3), denn wir sind mit Christus gestorben (vgl. Röm 6,8). Und am Kreuz wurde bei uns alles das abgeschnitten, was zum „Leib des Fleisches" gehört, was uns zugerechnet worden ist, als wir das Werk Christi im Glauben für uns in Anspruch genommen haben. In dem wir teilhaben an der Beschneidung des Christus, haben wir den „Leib des Fleisches" ausgezogen. Damit ist nicht unsere alte Natur (das Fleisch) gemeint, die wir immer noch haben, sondern die „Maschinerie" des Fleisches, die nur Sünde hervorbringen kann. Der Stellung nach stehen wir jetzt nicht mehr als Sünder vor Gott „in der Vorhaut unseres Fleisches" (Kol 2,13), sondern als solche, die in Christus sind, mit Ihm begraben und mitauferweckt mit Ihm.
    Beim Israeliten wurde nur ein Teil des Fleisches abgeschnitten - sonst hätte der ganze Israelit sterben müssen. Dieser Teil spricht aber symbolisch von dem Ganzen: Gott hat überhaupt nichts von dem alten Menschen, dem Charakteristikum des ungläubigen Menschen, gebrauchen können. Daher hat Er die gesamte „Maschinerie" der Sünde des Menschen, der Jesus Christus als Retter angenommen hat, gerichtet und in den Tod gebracht.
  2. Philipper 3,3: „Denn wir sind die Beschneidung, die wir durch den Geist Gottes dienen und uns Christi Jesu rühmen und nicht auf Fleisch vertrauen."
    Gott möchte nicht, dass wir nur stellungsmäßig, das heißt grundsätzlich in den Augen Gottes, keine Beziehung mehr zu der Sünde haben. Es ist sein Wunsch, dass wir auch in unserem täglichen Leben verwirklichen, mit Christus gestorben zu sein und keine Beziehung mehr zur Sünde wahrzunehmen. Dazu gehört auch das Bewusstsein, dass unser religiöses Fleisch, also eigene Anstrengungen, Gott zu gefallen und vermeintliche Gerechtigkeiten wie Abstammung und eine gewisse Entschiedenheit im Blick auf Gottes Anordnungen, keinen Wert vor Gott haben. Wir sollen nicht auf das Fleisch vertrauen, das nichts anderes tut, als zu sündigen, und uns selbst zu rühmen, sondern uns auf Christus und die Kraft des Heiligen Geistes stützen.
    Wir sollten uns in unserem täglichen Leben bewusst sein, dass aus unserer alten Natur, dem Fleisch, nichts Gutes hervorkommt. Es ist und bleibt böse. Stattdessen sollen wir dem neuen Leben durch gute Nahrung und die richtigen Beziehungen die Möglichkeit geben, in der Kraft des Geistes Gottes aktiv zu werden. Das werden wir nur schaffen, wenn wir auf den Herrn Jesus blicken, wie Er jetzt verherrlicht zur Rechten Gottes ist - und wie Er damals auf der Erde zur Ehre Gottes gelebt hat. Wenn ich zudem auf das Kreuz sehe, wie Er dort für jede einzelne Sünde, die ich begangen habe, leiden musste, werde ich die Sünde verabscheuen und dem Herrn wirklich nachfolgen wollen.

Diese praktische Seite der Beschneidung finden wir auch noch an anderer Stelle: Wir sollen „allezeit das Sterben Jesu am Leib umhertragen, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib offenbar werde" (2. Kor 4,10). Oder: „Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind: Hurerei, Unreinheit, Leidenschaft, böse Lust und Habsucht, die Götzendienst ist ... Jetzt aber legt auch ihr das alles ab: Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung, schändliches Reden aus eurem Mund, belügt einander nicht, da ihr den alten Menschen mit seinen Handlungen ausgezogen und den neuen Menschen angezogen habt" (Kol 3,5-11). Wenn wir in unserem täglichen Leben immer diese Triebe des alten Menschen in das Licht des Kreuzes Jesu bringen und uns damit bewusst machen, dass Er dafür sterben musste, werden wir geistlicherweise als Beschnittene leben.

(aus: Folge mir nach - Heft 7/2013)

Fußnoten:

1 Vgl. Moderne Wetenschap in de Bijbel, Drs. Ben Jobrink, S. 78. Wir selbst haben vor Jahren bei einem Kind das Zungenband durchtrennen lassen müssen. Dieser Eingriff geschah „zufällig" am achten Tag. Die Kinderärztin war total überrascht, dass es keine Blutung gab.

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