20.06.2013 Persönlicher Glaube | Fragen und Antworten

In Sünde leben – trotzdem gerettet?

Frage:

Lieber Manuel!

Ich bekomme eure Zeitschrift „Folge mir nach". Sehr oft hat sie mir in verschiedenen Fragen geholfen. Ganz besonders helfen mir die Themen bei „Bibel praktisch". Aber diesen Monat hat mir ein Thema sehr zu schaffen gemacht. Es war die Geschichte von Sam. Für mich sieht es so aus, dass Sam gar kein Christ war. Es heißt doch: „Niemand kann zwei Herren dienen", warum schreibt ihr dann im letzten Satz, dass er im Paradies ist? Ich kann das irgendwie nicht zusammen bringen. Klar kann es sein, dass er vielleicht doch noch die Möglichkeit hatte, Buße zu tun. Aber man kann doch nicht sagen, dass Sam im Paradies ist. Das hat mich irgendwie verwirrt.

Vielleicht verstehe ich das auch nicht ganz.

Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du mir das erklären könntest.

Liebe Grüße,

A.L.

Antwort:

Liebe A.,

herzlichen Dank für Deinen Brief und Deine Ermunterung für unsere Arbeit.

Ich kann nachvollziehen, dass Dir einige Aussagen in diesem Artikel kritikwürdig erscheinen. Gerade im Blick auf den Lebensweg eines jungen Menschen, der bekannt hat, sich zum Herrn Jesus bekehrt zu haben, bei dem aber zeitweise nicht viel oder gar nichts von diesem Leben zu sehen ist, muss man vorsichtig formulieren. Es erscheint seltsam, dass jemand, der durch Drogen in einer Sucht lebt und sogar darin umkommt, doch errettet sein soll, also im Paradies ist. Vielleicht ist der Schlusssatz über das Paradies ohne weitere Erklärung auch irreführend; jedenfalls wäre es fatal, wenn Christen dadurch den Eindruck gewännen: Es reicht, sich als Kind bekehrt zu haben - dann kann ich leben, wie ich will. Ein solches Bekenntnis wäre grundsätzlich in Frage zu stellen. Ein Erlöster möchte dem Herrn Jesus nachfolgen und nicht ein Leben führen, das dem eines Ungläubigen gleicht.

Du zitierst den Herrn Jesus in der Bergpredigt, der ausdrücklich deutlich macht, dass niemand zwei Herren dienen kann. „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon", also dem Geld. Das sind die Aussagen Jesu. Es ist dabei zu bedenken, dass der Herr Jesus in der Bergpredigt immer wieder „schwarz-weiß" spricht. Er zeigt also Grundsätze auf und illustriert sie an Extremen. Dafür gibt es mehrere Beispiele - eines ist der Abschnitt, der Ihrem Zitat unmittelbar vorausgeht. In Kapitel 7,18 lesen wir: „Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte bringen, noch kann ein fauler Baum gute Früchte bringen." Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass auch an einem gesunden Baum die Früchte faul und schlecht, unbrauchbar und unnütz, sein können. Widerspricht der Herr Jesus also hier der Lebenserfahrung der Jünger? Nein, Er will ihnen im übertragenen Sinn zeigen, dass das neue Leben in einem bekehrten Menschen nur Gutes hervorbringt (auch wenn es leider wahr ist, dass ein Christ immer noch sündigen kann, ja sündigt - aber darum geht es dem Herrn an dieser Stelle nicht).

So spricht der Herr auch im Blick das Leben eines Christen: Wer meint, er könne Gott dienen und zugleich noch eigene Lebensziele verfolgen (Karriere, Reichtum usw.), der wird früher oder später merken, dass er ganz unglücklich wird. Wer entschieden für den Herrn leben möchte, kann nicht zugleich hinter dem Geld herlaufen. Das wäre ein direkter Widerspruch zu konsequenter Nachfolge.

Wer kann Echtes von Falschem unterscheiden?

Ich komme auf Sam zurück. Er gehört zu der Kategorie von Menschen, von denen der Apostel Paulus einmal spricht: „Der Herr kennt die sein sind; und: Jeder, der den Namen des Herrn nennt, stehe ab von der Ungerechtigkeit" (2. Tim 2,19). Wir leben in einer Zeit, in der es Christen gibt, die ein solches Leben führen, dass wir sie nicht als Gläubige erkennen können. Aber der Herr kennt sie doch - Er sieht nämlich, ob jemand zwar Buße getan und sich bekehrt hat, leider aber falschen Einflüssen erlegen ist und dadurch nicht eindeutig als Jünger Jesu zu erkennen ist.

Dafür gibt es zwei tragische Beispiele in der Bibel: Lot ist eines davon. Wenn man seine Geschichte im Alten Testament liest (1. Mose 11-19), kommt man nicht auf die Idee, dass er wirklich gläubig war. Die beiden letzten „Taten" dieses Gläubigen, von denen uns Gottes Wort berichtet, sind Handlungen der Schande, ausgelöst durch Alkohol und Frauen, seine eigenen Töchter, die mit ihm in Inzucht und Hurerei zusammenkommen (1. Mo 19). Nur durch Petrus erfahren wir: „Und wenn er [Gott] den gerechten Lot rettete, der von dem ausschweifenden Wandel der Frevler gequält wurde (denn der unter ihnen wohnende Gerechte quälte durch das, was er sah und hörte, Tag für Tag seine gerechte Seele mit ihren gesetzlosen Werken)" (2. Pet 2,7.8). Sam war jemand wie der in 1. Mose beschriebene Lot - leider gibt es noch mehr davon.

Dann gibt es noch ein zweites Beispiel: Das ist Demas. Er war eine Zeitlang ein Mitarbeiter von Paulus (vgl. Phlm 24). Wenn man bedenkt, dass der Apostel nicht bereit war, mit einem Gläubigen zusammenzuarbeiten, der Hingabe im Dienst vermissen ließ, obwohl er sicher gläubig war (Johannes Markus, vgl. Apg 15,37), dürfen wir davon ausgehen, dass auch Demas ein bekehrter Christ war. Sonst hätte Paulus keine Freiheit gehabt, zusammen mit Demas für den Herrn tätig zu sein. Aus 2. Timotheus 4,10 aber wissen wir, dass er den jetzigen Zeitlauf liebgewonnen hatte, also ein weltliches Leben führte, nicht mehr entschieden mit dem Herrn Jesus.

Zeichen des neuen Lebens

Bei Sam kommt aber hinzu, dass neben seiner furchtbaren Bindung an Drogen und seinem sündigen Leben in Hurerei (Unzucht) auch Zeichen wahren Lebens zu sehen waren. Kannst Du Dir wirklich vorstellen, dass ein unbekehrter Mensch Interesse hat, einen Ungläubigen für den Herrn Jesus zu gewinnen? Sam hat seiner Großmutter, die ungläubig war, kurz vor ihrem Lebensende das Evangelium auf so eindringliche Weise vorgestellt, dass sie sich bekehrt hat. Solch ein Herz für Ungläubige hat nur ein echter Christ. Leider gibt es auch bei Christen Bindungen an Sünde, bei denen man wieder rückfällig wird. Ist es nicht seltsam, dass wir gerade das bei dem Vorbild des Glaubens, bei Abraham finden? Er hatte einmal seine Frau verleugnet und einen Tadel erhalten. Dennoch lesen wir in 1. Mose 20, dass er ein zweites Mal in diese Sünde fiel - als Gläubiger.

Natürlich bleibt am Ende wahr, dass nur der Herr genau weiß, wer neues Leben besitzt und damit bekehrt ist. Und insofern muss man sehr vorsichtig sein, beurteilen zu wollen, ob jemand im Paradies ist (wie ich das geschrieben habe), oder es kategorisch auszuschließen. Aber manche Früchte im Leben eines Menschen zeigen doch, ob jemand wirklich bekehrt ist oder nicht. Und wer sich einmal bekehrt hat, bleibt immer ein erlöster Mensch: „Ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben" (Joh 10,28). Dieses Heil, diese Errettung, kann man nicht verlieren, auch wenn man ein Leben wie Lot führt, das Gott verunehrt. Dennoch bleibt bestehen, dass der Herr die Heilsgewissheit, die es wirklich gibt, in Johannes 10 solchen Schafen zusichert, welche die Stimme des guten Hirten hören und Ihm folgen. Wer das grundsätzlich nicht tut, geht verloren und hat nie das Heil in Christus besessen.

Gott sagt mir nicht: „Du bist ja bekehrt, also ist es egal, wie Du lebst." Er fordert mich im Neuen Testament immer wieder auf: „Du bist ein Christ - also lebe auch als Christ! Und wenn du das nicht tust, dann bist du auf dem falschen Weg." Das aber bedeutet nicht, dass ein Kind Gottes wieder verloren gehen könnte, dass Gott jemand, der zu seiner Familie gehört, wieder aus der Familie wirft.

Ich selbst habe einige Kinder, die durchaus nicht immer lieb und gehorsam sind. Aber auch wenn sie Böses tun, bleiben sie meine Kinder. Selbst, wenn sie sich von mir abwenden, bleiben sie immer meine Kinder. Das gilt auch für uns in unserer Beziehung zu Gott. Wer Jesus Christus einmal aufrichtig als Retter angenommen und Ihm seine Sünden bekannt hat, gehört in Ewigkeit zu seiner Familie. Gott sei Dank!

Wenn Du zu diesem Thema weitere Hinweise suchst, dann kannst Du sie in zwei Artikeln finden, die in „Folge mir nach" im Jahr 2006 (Heft 7 und Heft 8) veröffentlicht worden sind. Sie sind im Internet unter www.folgemirnach.de zu lesen oder herunterzuladen. Dazu gibt es auch ein gutes Buch: „Anker der Seele" (von Gerrid Setzer), das beim Herausgeber von FMN bestellt werden kann.

Ich hoffe, dass Dir diese Gedanken weiterhelfen. Sonst frage bitte noch einmal nach!

Herzliche Grüße im Herrn Jesus

Manuel

(aus: Folge mir nach - Heft 6/2013)