05.05.2013 Matthäus | Gute Botschaft

Staub abschütteln

Die erste Aussendung der 12 Jünger trägt jüdischen Charakter. Die Apostel sollten in ein Dorf oder eine Stadt gehen und nachforschen, ob diese würdig ist. Das heißt nichts anderes, als dass sie prüfen sollten, ob die Menschen dieses Ortes bereit wären, die Predigt des Königreiches der Himmel anzunehmen und ein Leben der Gottesfurcht zu führen. Wenn sie dies täten, würde der Herr sie als „würdig" bezeichnen.

Wenn die Menschen einer Stadt nun nicht bereit wären, die Botschaft der Apostel anzunehmen, sollten die Jünger den Segen des Friedens von dieser Stadt wegnehmen. Die Apostel würden den Segen gewissermaßen wieder mitnehmen, bis sie an einen Ort kämen, der des Segens würdig wäre. Aber nicht nur das. Sie sollten aus dem Haus und der Stadt hinausgehen und den Staub als ein Gericht von ihren Füßen schütteln.

Das Gericht, das aus diesen Worten spricht, mag für uns Europäer nicht sehr deutlich sein. Aber durch das Schütteln des Staubes von den Füßen wurde einer solchen Stadt Gericht angekündigt. Sie hatte als Ganzes ihre Chance verspielt, das war damals den Lesern des Evangeliums sofort klar. So war die Aussendung der Zwölf nicht nur eine Verkündigung und Wunderwirkungs-Sache. Sie war auf direkte Weise mit Gericht verbunden.

Eine solche Gerichtsoffenbarung wird heute niemand aussprechen, der das Evangelium verkündigt. 1 Natürlich sage ich damit überhaupt nicht, dass wir nicht in der Verkündigung des Evangeliums auch von Gericht sprechen sollen. Wir müssen den Menschen deutlich machen, dass dann, wenn sie das Evangeium nicht annehmen, Gericht auf sie wartet. Aber wir haben keine Autorität zu sagen, dass sie von nun an unter dem ewigen, unabwendbaren Gericht stehen und die gute Botschaft nicht mehr annehmen können. Das war eine Autorität, die allein die Apostel damals hatten, allerdings, wie der Zusammenhang auch in Apostelgeschichte 13 deutlich macht, im Blick auf das Volk der Juden (in einem Haus, einer Stadt), nicht, was eine einzelne Seele betrifft. Selbst wenn die gute Botschaft von einer einzelnen Person nicht angenommen wird, beten wir weiter darum, dass die Worte im Gedächtnis der Menschen haften bleiben, um irgendwann später doch im Gewissen aufgenommen zu werden. Und doch bleibt bestehen: Wer das Evangelium ablehnt, ruft letztendlich das Gericht Gottes über sich herbei. Und das sagen wir auch, dass einen Menschen, der die gute Botschaft ablehnt, das ewige Gericht Gottes erwartet.

Wie gut, dass heute noch Gnadenzeit ist, so dass man vor diesem ewigen Gericht gerettet werden kann.

 


Fußnoten:

1 Natürlich sage ich damit überhaupt nicht, dass wir nicht in der Verkündigung des Evangeliums auch von Gericht sprechen sollen. Wir müssen den Menschen deutlich machen, dass dann, wenn sie das Evangeium nicht annehmen, Gericht auf sie wartet. Aber wir haben keine Autorität zu sagen, dass sie von nun an unter dem ewigen, unabwendbaren Gericht stehen und die gute Botschaft nicht mehr annehmen können. Das war eine Autorität, die allein die Apostel damals hatten, allerdings, wie der Zusammenhang auch in Apostelgeschichte 13 deutlich macht, im Blick auf das Volk der Juden (in einem Haus, einer Stadt), nicht, was eine einzelne Seele betrifft.