18.03.2013Persönlicher Glaube

Starke Frauen

An eine dieser „unbekannten" Frauen möchte ich erinnern. Wir kennen ihren Namen nicht. Ihre Situation war alles andere als angenehm, und in diesen Umständen zeigt sie etwas von ihrer Beziehung zu Gott, was uns erstaunen lässt.

Die Situation

Zur Situation, in der die Frau lebte: Israel wohnte in dem Land, das Gott ihnen versprochen hatte. Aber sie taten nicht das, was Gott von ihnen wollte, deshalb ging es drunter und drüber. Jeder tat, was recht war in seinen Augen. Das galt nicht nur für das „einfache" Volk. Nein, es zog sich durch alle Schichten hindurch. Auch die Priester, die das Bindeglied zwischen dem Volk und Gott sein sollten, hielten sich nicht an Gottes Vorschriften.

Auch die Moral war auf einem Tiefpunkt angekommen, sexuelle Verfehlungen an der Tagesordnung. Sogar hier stachen die Priester negativ hervor.

Die Frau, um die es in diesem Artikel geht, war mit so einem Priester verheiratet. Das, was wir von Pinehas (so hieß ihr Mann) in den Kapiteln 2 bis 4 des ersten Buches Samuel lesen, ist erschütternd. Drei Zitate mögen das verdeutlichen:

„Und die Söhne Elis [das war der Hohepriester und Vater von Pinehas] waren Söhne Belials, sie kannten den HERRN nicht" (1. Sam 2,12).

„Und die Sünde der Jünglinge war sehr groß vor dem Herrn, denn die Leute verachteten die Opfergabe des Herrn" (1. Sam 2,17).

„Und Eli war sehr alt; er hörte alles, was seine Söhne ganz Israel taten, und dass sie bei den Frauen lagen, die sich scharten am Eingang des Zeltes der Zusammenkunft" (1. Sam 2,22).

Die Ehefrau Pinehas'

Die Situation für die Ehefrau von Pinehas war also alles andere als rosig. Alle Leute sahen das Verhalten ihres Mannes: Untreue in seinen beruflichen Aufgaben, religiöses Fehlverhalten, sexuelle Sünden.

Und was machte die Frau- Sie blieb bei ihrem Mann, lebte auch in einer ehelichen Beziehung mit ihrem Mann (wir lesen, dass sie schwanger war). Aber sie hatte einen Blick für die Dinge des Herrn. Auf den letzten Punkt möchte ich gleich noch einmal eingehen.

Zunächst einmal das: Wie reagiert Gott auf dieses offensichtliche Fehlverhalten der religiösen Führer des Volkes Gottes- Er kündigt Gericht an und führt es auch aus. Israel zieht in den Kampf und wird besiegt. Dabei wird die Bundeslade (das Zeichen für die Gegenwart Gottes) von den Feinden erobert. Die beiden Söhne Elis sterben, also auch Pinehas, und auch Eli stirbt.

Als die Frau von Pinehas davon hört, setzen die Wehen bei ihr ein, sie gebiert einen Sohn und stirbt bei der Geburt. Wichtig erscheint mir hier die Reihenfolge der Nachrichten, die sie hört und welche bei ihr eine ganz bestimmte Reaktion auslösen. In diesem kurzen Bericht sehen wir etwas von der geistlichen Einsicht dieser Frau.

Die Reaktion der Ehefrau von Pinehas

„Und als sie die Nachricht hörte, dass die Lade Gottes genommen und dass ihr Schwiegervater und ihr Mann tot wären, da sank sie nieder und gebar, denn ihre Wehen überfielen sie" (1. Sam 4,19).

„Und sie nannte den Knaben Ikabod, indem sie sprach: Die Herrlichkeit ist von Israel gewichen!, weil die Lade Gottes genommen war, und wegen ihres Schwiegervaters und ihres Mannes. Und sie sprach: Die Herrlichkeit ist von Israel gewichen, denn die Lade Gottes ist genommen!" (1. Sam 4,21-22).

  1. „Die Lade Gottes genommen": Das Zeichen der Gegenwart Gottes und die Bestätigung, dass Gott in der Mitte des Volkes wohnte, wurde von den Feinden weggenommen. Gott „verließ" in gewisser Weise sein Volk. Das stand bei dieser Frau an erster Stelle. So schlimm die Umstände ihres Lebens und des Verlustes des Ehemanns auch waren, den Blick für die Dinge des Herrn hatte sie nicht verloren. Ja, sie hatte sogar einen entschieden klareren Blick dafür als ihr Mann (wenn er überhaupt einen hatte). Es wäre nicht verwunderlich, wenn eine Frau in einer solchen Situation mit allen „geistlichen Dingen" nichts mehr hätte zu tun haben wollen. Bei ihr war es anders. Dass Gottes Herrlichkeit von Israel gewichen war, war überaus schrecklich für sie.
  2. „Der Hohepriester [ihr Schwiegervater] war tot": Der höchste Repräsentant Gottes auf der Erde und das Bindeglied zwischen dem Volk und Gott war tot. Ohne den Hohenpriester war kein Gottesdienst mehr möglich. Der Zugang zu Gott war versperrt. Denn auch die beiden ersten Nachfolger von Eli waren im Gericht Gottes umgekommen.
  3. „Ihr Mann war tot": Ja, auch diese Nachricht trug zu ihrem Entsetzen bei. Sie hatte für ihren Mann, der ihr so viel Leid zugefügt hatte, immer noch Empfindungen.
  4. „Ikabod, denn die Herrlichkeit ist von Israel gewichen": Was für einen Eindruck und was für einen Schmerz hat diese Tatsache bei ihr hervorgerufen. Gott sorgt dafür, dass durch die Namensgebung des Kindes auch in der nächsten Generation an die Empfindungen dieser Frau erinnert wurde. Darüber hinaus hat Gott dieser Frau in seinem Wort ein „Denkmal" gesetzt, so dass wir heute noch davon profitieren können.

Konsequenzen aus dem Glauben dieser Frau

Diese Frau, von der uns noch nicht einmal der Name bekannt ist, kann uns beeindrucken. In unserer Zeit, in der

  • Frauen möglichst selbstständig und unabhängig leben wollen, statt gerne die Stellung einzunehmen, die Gott der Frau zugedacht hat,
  • nicht Ausharren, sondern Weglaufen das Normale ist,
  • sich Schwestern häufig auf die geistlichen Qualitäten der Brüder verlassen, statt sich selbst mit Gottes Wort zu beschäftigen,
  • materielle statt geistliche Dinge wichtig sind,
  • die Familie statt Gott an erster Stelle steht,

können wir von dieser Frau lernen. Die Männer bei der Frage, welches Verhalten sie gegenüber ihren Frauen und auch in geistlichen Dingen an den Tag legen. Die Frauen, ob sie eine eigene Überzeugung in Bezug auf geistliche Dinge haben, unabhängig davon, welche Hilfe sie an ihrem Mann (oder an Brüdern in der örtlichen Versammlung) haben.               

(aus: Folge mir nach - Heft 3/2013)