22.08.2012Persönlicher Glaube

100 gute Werke?

Als Beispiele für diese „guten Werke" nennt diese hessische, freikirchliche Gemeinde, dass sie auf Parkplätzen Ausschau nach abgelaufenen Parkscheinen hielten und diese neu lösten, damit die Wagenbesitzer kein Strafmandat bekamen. Andere Gemeindemitglieder backten spontan einen Kuchen für Bekannte, halfen im Haushalt oder vertraten Mitarbeiter des Kindergottesdienstes am Sonntag, damit diese einmal selbst am Gottesdienst teilnehmen konnten. Über alle Aktionen wurde im Gemeindezentrum informiert. Sie seien als ein „stiller Dank" - auch an Gott - gedacht gewesen. In einem Festgottesdienst wurden die Gemeindemitglieder aufgefordert, sich immer wieder zu fragen, was Gott durch sie zum Wohl der Stadt tun wolle.

Nun stellt sich theologisch die Frage, ob „eine Gemeinde" überhaupt gute Werke tun kann. Zum einen spricht die Bibel nur von einer, von der Gemeinde (Versammlung, Kirche), die aus allen Erlösten besteht (z.B. Eph 4,4). Somit ist das Vorhandensein von einer Gemeinde (getrennt von anderen christlichen Gemeinden) schon ein Irrweg, der niemals aus Gottes Sicht „gut" sein kann. Aber nehmen wir einmal an, es handle sich um die örtliche Gemeinde (der weltweiten Gemeinde Gottes auf der Erde). Was für ein „gutes Werk" kann dann „die Gemeinde" tun? Was zeigt uns die Bibel als „Aufgabe" der Gemeinde?

Wenn man den „guten Werken" - dieser Ausdruck kommt oft im Neuen Testament vor - einmal nachspürt, wird man feststellen, dass er sich immer auf einzelne Personen bezieht, nie auf die örtliche oder weltweite Versammlung (Gemeinde). Es gibt allerdings eine Aufgabe, die mit der Gemeinde verbunden wird: Nach Matthäus 18 löst sie und bindet sich - nämlich Sünde von oder auf solche(n), die praktische Gemeinschaft in der örtlichen Versammlung verwirklichen (wollen). Das heißt, die örtliche Versammlung ist dafür verantwortlich, solche in die Gemeinschaft und damit auch zum Brotbrechen aufzunehmen, die in Lehre und Moral persönlich und in ihren Verbindungen als Kinder Gottes rein sind. Das ist eine ganz wesentliche, ja die Aufgabe der örtlichen Gemeinde. Wird nicht gerade hier heutzutage oft sehr lasch gehandelt? Was ist mit jungen (und nicht mehr so jungen) Menschen, die intim zusammenleben: Wird hier noch Gemeindezucht ausgeübt? Das wäre in Gottes Augen wirklich ein gutes Werk!

Und was kann die Gemeinde bzw. die Erlösten (von Mitgliedern ist im Neuen Testament nicht die Rede, wohl von Gliedern des einen Leibes, der Versammlung) zum Wohl der Stadt tun? Wenn man bedenkt, dass die Stadt wie das Land zu der Welt gehören, von welcher der Herr Jesus sagt, dass die Gegenwart des Heiligen Geistes auf der Erde der Beweis ist, dass sie unter Gericht steht (Joh 16,8.11), dann ist das einzige, was wir tun können: das Evangelium verkündigen. Das allerdings sollten wir mit ganzer Energie tun. Wer meint, diese Welt - oder ihre Städte - verbessern zu können, zum Wohl dieser Städte handeln zu sollen, stellt sich gegen Gott und auf die Seite einer unter Gottes Gericht stehenden Welt.

Wir wollen nicht einfach kritisieren, sondern das Gute für uns erkennen und tun: Das beste Werk, das wir tun können für unsere Mitmenschen ist, als Lichter in der Welt in Liebe zu leben, um sie zum Herrn Jesus zu ziehen. Wenn soziale Handlungen wie ein Parkschein oder Kuchen dazu helfen können, und wenn diese aus Liebe geschehen, mögen wir sie tun. Aber das Zentrum unserer Anstrengung muss die Seele des Menschen sein, seine Bekehrung. Hier wollen wir uns motivieren, mit mehr Energie für Christus tätig zu sein.