28.04.2003Ehe & Familie

Anregungen für Verlobte (16) - wann „muss" man heiraten?

„Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind? Soll ich denn die Glieder Christi nehmen und zu Gliedern einer Hure machen? Das sei ferne! Oder wisst ihr nicht, dass der, welcher der Hure anhängt, ein Leib mit ihr ist? ‚Denn es werden’, spricht er, ‚die zwei ein Fleisch sein’" (1. Korinther 6,15-16). Der Unterschied, der von dem Geist Gottes zwischen dem sexuellen Verkehr mit einer Hure und dem eins sein in der Ehe gemacht wird, ist auffallend. Einerseits „ein Leib", andererseits „ein Fleisch". Offenbar umfasst das „ein Fleisch" deutlich mehr als das „ein Leib".

„Ein Leib" ist nicht „ein Fleisch"!

Bei dem sexuellen Verkehr außerhalb der Ehe – die Bibel nennt diese schlimme Sünde Hurerei – gibt es eine überaus enge Verbindung. Aber sie betrifft nur den Körper, den Leib. Die Verbindung in der Ehe – ein Fleisch – umfasst dagegen sowohl den Körper als auch die Seele und den Geist. So jedenfalls sieht es Gott, selbst wenn wir in der Praxis unseres Lebens vielleicht wenig Seele und Geist und allein auf den erotischen, sexuellen Verkehr in der Ehe aussind. Ich hoffe, dass diese Unterscheidung bereits deutlich macht, dass sexueller Verkehr durchaus keine Ehe ausmacht, dass sexueller Verkehr aber Teil einer Ehe ist.

Nun stellt sich die Frage, was zu tun ist, wenn vorehelicher Geschlechtsverkehr vorgekommen ist. Und bevor wir (beim nächsten Mal) über die Frage nach der Heirat sprechen, soll hier zunächst einmal erörtert werden, was an erste Stelle zu tun ist!

Bekenntnis vor Gott und Menschen ist gefragt!

Zunächst einmal ist ein Bekenntnis vor Gott und dem Menschen angesagt. Wir müssen uns bewusst werden, dass wir eine wirklich schreckliche Sünde begangen haben. „Wer aber hurt, sündigt gegen seinen eigenen Leib. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib der Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt, den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euer selbst seid? Denn ihr seid um einen Preis erkauft worden; Verherrlicht nun Gott in eurem Leib" (1. Korinther 6,19-20). Wer nicht bekennt, kann keinen inneren Frieden mit Gott finden – ich gehe jetzt davon aus, dass du von Neuem geboren bist und mit ganzem Herzen an den Herrn Jesus glaubst!


Aber es ist auch ein Bekenntnis vor der Person nötig, mit der Du Geschlechtsverkehr hattest. Denn auch gegen sie hast Du gesündigt, indem du ihr etwas von ihrer Würde weggenommen hast! Denn die Bibel macht ganz klar, dass die Freude des intimen Verkehrs in die Ehe gehört. Sonst könnten wir das Gebot des Paulus nicht verstehen: „Wenn sie sich aber nicht enthalten können, so lasst sie heiraten, denn es ist besser zu heiraten, als entbrannt zu sein" (1. Korinther 7,9). Und diese Würde hast Du Dir und der anderen Person genommen.

Und dann?

Dann stellt sich jedoch auch die Frage, wie mit der Beziehung an sich weiterzuverfahren ist. Häufig höre ich dann: Ich kann mich von dieser Person nicht mehr trennen, ich habe Verantwortung für sie. Mal abgesehen davon, dass diese Partnerin/dieser Partner das häufig nur für eine begrenzte Zeit so sieht – denn er/sie hat häufig schon mit wechselnden Partnerschaften gelebt – stellt sich auch für uns selbst die Frage, ob das nicht fleischliche Motive sind, weil man von diesem Menschen einfach nicht lassen will. Denn eine gewisse längerfristige (wenigstens erotische) Zuneigung ist ja der Anlass für den Geschlechtsverkehr, wenn man einmal von dem so genannten One-Night-Stand (welch ein Perversion der Geschenke Gottes! – hoffentlich auch aus unserer Sicht und nicht mit besonderem Reiz [gedanklich, gefühlsmäßig, körperlich] verbunden) absieht.

Entscheidend ist, dass man dann nicht in einer Hysterie oder voreiligen Tat Dinge tut, die man im nachhinein bereuen wird. Wie viele auf solche einem Boden des Schuldgefühls geschlossenen Ehen hatten katastrophale Wirkungen – für die Eheleute, für die Kinder, und für die ganze Umgebung. Daher ist sehr anzuraten, sich nicht nur mit den jeweiligen Eltern zusammenzusetzen – sie sind ja letztlich zu einem Teil des Problems geworden – sondern auch ein seelsorgerlich arbeitendes Ehepaar hinzuzunehmen. Eine solche „externe" Sicht kann einen zurück „auf den Teppich" bringen und einen etwas neutraleren Standpunkt einnehmen lassen.

Zu welchen Ergebnissen man dann kommen mag, wollen wir das nächste Mal betrachten.