15.07.2012Ehe & Familie | Persönlicher Glaube

Familie und Tag des Herrn

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Papst Benedikt XVI. bezeichnete die Familie als „lebenswichtig“ für die Gesellschaft. Nach Gottes Schöpfungsplan sei sie „der bevorzugte Ort, an dem der Mensch heranwachsen und das rechte Menschsein lernen kann“. Ihr Beitrag für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen sei unerlässlich: „Tun wir also alles, um auch heute ein familienfreundliches Klima zu schaffen, und beten wir um gute Familien und ihren Zusammenhalt!“ Im Blick auf die Wirtschaft warnte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche vor einer „einseitigen Logik des eigenen Nutzens und des maximalen Profits“. Sie schade den Familien und damit der Gesellschaft insgesamt. Der Papst rief auch zum Schutz des Sonntags auf: „Liebe Familien, verliert trotz der beschleunigten Rhythmen unserer Zeit nicht den Sinn für den Tag des Herrn!“ Dieser sei vergleichbar mit einer Oase, in der man innehalte, „um die Freude der Begegnung zu verkosten und unseren Durst nach Gott zu stillen“.

Nun sollten wir als Christen nicht von einem „bevorzugten“ Ort für das Heranwachsen des Menschens sprechen, sondern von dem Ort, den Gott vorgesehen hat. Natürlich kann es vorkommen, dass ein Elternteil zum Beispiel durch eine Krankheit oder einen Unfall stirbt. Aber Gott hat nicht umsonst den Menschen „männlich und weiblich“ geschaffen (1. Mo 1,27), verbunden mit dem Auftrag sich zu mehren und damit eine Familie zu gründen (1. Mo 1,28), wenn Gott Kinder schenkt. Stehen wir auch im 21. Jahrhundert, wo alle Moral am Scheideweg ist, noch zu dieser biblischen Sichtweise? Auch unter Christen kann es dazu kommen, dass man aus Gründen des Lebensstandards die Überzeugung zur Seite räumt, dass die Ehefrau und Mutter ihren Platz zu Hause hat, um für den Ehemann und die Kinder da zu sein (Tit 2,4). Das, was leider auch unter Christen in Frankreich schon viele Jahrzehnte üblich ist, nämlich das Kinder möglichst früh in Betreuungseinrichtungen abgegeben werden, damit die Mutter wieder Geld für die Familie (und den Staat) erwirtschaften kann, ist inzwischen auch nach Deutschland hinübergeschwappt.

Was den Sonntag betrifft, so werden die meisten Familien froh sein, ihn noch zu „besitzen“. Bis auf Arbeitskräfte, die gar nicht anders können, als am Sonntag zu arbeiten (Ärzte, Krankenschwester, Schichtarbeiter, Busfahrer ...): Nutzen wir diesen Tag als den dem Herrn gehörenden Tag (Off 1,10)? Leider hört man immer wieder, dass aufstrebende Arbeitnehmer den Samstag als Familientag deklarieren, um den Sonntag nach dem Morgengottesdienst wieder in die Karriere zu stecken. Das war nie die Absicht Gottes. Wie gesagt, es gibt medizinische ... Berufe, wo es nicht anders geht. Wenn man aber meint, man müsse diesen Tag „auf die Arbeit“ gehen, und letztlich verfolgt man nur eigene Karrierepläne, dann hat man das Geschenk Gottes nicht verstanden. Der Tag des Herrn kann ein herrlicher Tag sein. Er kann aber auch zu einer Sklaverei werden ...