07.06.2012Jeremia

Jeremia – Hintergrund, Berufung, und Botschaft

Der Prophet Jeremia - Hintergrund 
Bitte lies die ersten 10 Verse von Jeremia 1.

Fertig gelesen? Also gut. Jeremia lebte in einem Ort mit Namen Anatot (oder Anathoth). Auf der Karte kann man sehen, dass Anatot nicht weit von Jerusalem entfernt lag (etwa 5 km). In Anatot wohnten Priester. Dort wuchs Jeremia auf. 
Weiter hast du in den ersten Versen von Jeremia 1 gelesen, dass Jeremia zur Zeit des Königs Josia und seiner Nachkommen wirkte: Josia, Jojakim und Zedekia werden hier erwähnt (Verse 2 und 3). Zedekia war der letzte König von Juda; während seiner Regierungszeit ging das Reich Juda unter.

Im 9. Jahr der Regierung dieses gottlosen Königs Zedekia zog der feindliche babylonische König Nebukadnezar (zum dritten Mal) gegen Jerusalem in den Krieg. Er „erschlug ihre Jünglinge mit dem Schwert im Haus ihres Heiligtums: ... Und alle Geräte des Hauses Gottes, die großen und die kleinen, und die Schätze des Hauses des Herrn, und die Schätze des Königs und seiner Obersten: Alles brachte er nach Babel. Und sie verbrannten das Haus Gottes und rissen die Mauer von Jerusalem nieder; und alle seine Paläste verbrannten sie mit Feuer, und alle seine kostbaren Geräte verderbten sie. Und die vom Schwert Übriggebliebenen führte er nach Babel hinweg" (2. Chr 36,17-20).

Jeremia's Kindheit und Jugend

Als Jeremia geboren wurde (um 647 v.Chr.), regierte der gottlose König Manasse. Er vergoss sehr viel unschuldiges Blut. Auch brachte er das Volk dazu, den Götzen zu dienen. Er trieb es so schlimm, dass Gott in einem Vergleich mit einem bösen, heidnischen Volk sagen musste: „Er hat Böses getan, mehr alles, was die Amoriter getan haben, die vor ihm im Land waren" (2. Kön 21,11). Gott kündigt an, dass Er Jerusalem richten muss („Ich werde Jerusalem auswischen, wie man eine Schüssel auswischt" - 2. Kön 21,13). 

Als Jeremia noch ein Kind war, starb der König Manasse. Dessen Sohn Amon, der Nachfolger auf dem Thron wurde, war leider nicht besser. Nach 2-jähriger Regierung wurde er durch einen Aufstand ermordet. Doch merkwürdigerweise war sein Sohn Josia ganz anders. Er tat, „was recht war in den Augen des Herrn; und er wandelte auf allen Wegen seines Vaters David" (2. Kön 22,2). Sicher hast du schon von der großen Erweckung gehört, die durch diesen jungen König in Gang kam: Das Haus Gottes wurde renoviert, das Buch des Gesetzes wurde „per Zufall" wieder gefunden - und gelesen, und Josia lieβ das Land von den Götzen reinigen.
Allerdings war der Zustand im Volk immer noch schlecht. Götzendienst war an der Tagesordnung 1 Schon zur Zeit Hiskias (einige Jahre vor Jeremias Geburt) wurden in mehreren Gebieten Israels die Läufer verlacht, als sie zum Passah und zur Umkehr einluden (2. Chr 30,10). Unter Manasse und Amon war es kaum besser geworden. Einige Jahre später, im 13. Jahr Josias, begann Jeremia seinen Dienst. Es war erst im 18. Jahr Josias, dass das Buch des Gesetzes im Tempel wieder entdeckt wurde und daraufhin der weit verbreitete Götzendienst (weitgehend) abgeschafft wurde: s. 2. Könige 22,8-23,10 und 2. Chronika 34,33. . In dieser Zeit wurde Jeremia von Gott berufen, ein Prophet zu sein. Noch war er sehr jung (man nimmt an, dass er etwa 20 Jahre alt war).

Jeremias Berufung

Gott sagt diesem jungen Mann, dass Er ihn schon vor dessen Geburt (!) zum Prophetendienst berufen hatte:  „Ehe ich dich im Mutterleibe bildete, habe ich dich erkannt, und ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt: Zum Propheten an die Nationen habe ich dich bestellt" (Jer 1,5). Noch bevor Jeremia Gutes oder Böses tun konnte, hatte Gott ihn ausgesucht. So war es auch bei Paulus gewesen (Gal 1,15).
Als Jeremia den Auftrag bekam, war der Jubel bei ihm sicher groß - so könnte man meinen. Doch Jeremia reagiert ganz anders. Er weiß, welch eine schwere Aufgabe ihm bevorsteht, und er nimmt diese nicht leicht. So sagt er: „Ach, Herr, Herr! Siehe, ich weiß nicht zu reden, denn ich bin jung" (Jer 1,6).
Aber das ändert nichts an Gottes Plan. Im Gegenteil: Gott sucht sich gern Leute aus, die nicht viel von sich selbst halten (wie auch Mose und Gideon), und oft auch solche Leute, von denen die Menschen nicht viel halten (wie David). Deshalb wiederholt und bekräftigt Er seinen Auftrag: „Da sprach der Herr zu mir: Sage nicht: Ich bin jung; denn zu allen, wohin ich dich senden werde, sollst du gehen, und alles, was ich dir gebieten werde, sollst du reden"  (Jer 1,7).
Gott macht also keine Abstriche. Die ganze Botschaft sollte Jeremia bringen, und zwar ohne Wenn und Aber, an allen Orten, wohin Gott ihn senden würde. Um ihn für diese Aufgabe zu ermuntern, gibt Gott diesem jungen Mann eine besondere Verheißung:  „Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir, um dich zu erretten, spricht der Herr". Diese vier Worte („ich bin mit dir") zählen mehr als alles andere, für Jeremia und auch für uns.  
Was nun geschieht, ist äußerst bemerkenswert: Gott streckt seine Hand aus und berührt den Mund Jeremias (Jer 1,9a). Was das bedeuten soll, sagt Gott gleich dazu: „Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund" (Jer 1,9b). Genau das macht einen echten Propheten aus. Er bekommt Worte von Gott, die er treu an die Menschen weitergeben muss. In Jeremias Fall war die Botschaft zuerst eine negative: Es ging darum, „auszurotten und niederzureißen und zu zerstören und abzubrechen" (Jer 1,10). Allerdings sollte dann eine positive Botschaft folgen: „um zu bauen und um zu pflanzen".

Jeremias Botschaft
Nun lies bitte den Rest von Jeremia 1 (Verse 11 bis 19). Dann merkst du, dass Gott Jeremia zwei Dinge zeigt:

  • einen Mandelstab und
  • einen Topf mit siedendem Wasser.

Beide hatten eine wichtige Bedeutung für Jeremias Auftrag: Der Mandelbaum ist der erste Baum, der nach dem Winter blüht. Daher heißt er im Hebräischen der Wachsame. So sagt Gott „Du hast recht gesehen; denn ich werde über mein Wort wachen, es auszuführen" (Jer 1,12). Wie wichtig dieser Mandelstab in Bezug auf Jeremias Botschaft sein würde, werden wir noch sehen.
Zweitens zeigt Gott Jeremia „einen siedenden Topf, dessen Vorderteil gegen Süden gerichtet ist". Dieser Topf bedeutete Unglück, und zwar von Norden her. Jeremia würde immer wieder davor warnen müssen, dass die Babylonier kommen würden (ihr Reich befand sich überwiegend nördlich von Juda), das Land einnehmen und die Juden gefangen wegführen würde (s. z. B. Jer 25,8-11). Diese Botschaft wurde nicht gern gehört. Die falschen Propheten, die „schönes Wetter machten", waren weitaus beliebter. Aber Jeremia war treu. Er brachte die Botschaft, die Gott ihm aufgetragen hatte. Und dieser Teil seiner Botschaft ging noch zu Jeremias Lebzeiten in Erfüllung. Gott hatte darüber gewacht (der „Mandelstab").
Das alles war sehr erschreckend. Wo war nun der positive Teil seiner Botschaft (s. oben:  „um zu bauen und um zu pflanzen")? Dene gab es tatsächlich. Man könnte Jeremias Botschaft etwa so zusammenfassen:

  • Gottes Volk hat schwer gesündigt.
  • Immer wieder hatte Gott sie gewarnt (der Satz „frühe mich aufmachend und suchend" oder ähnlich kommt immer wieder in diesem Propheten vor 2 Jer 7,13.25; 11,7; 25,3.4 usw..
  • Deshalb werden Feinde kommen (aus Babylon), und Jerualem erobern. Widerstand hat keinen Sinn.
  • Die Feinde werden dem Volk Israel (von dem ja nur noch zwei Stämme im Land waren), das Land abnehmen.
  • ABER:
    • Die Gefangenschaft wird nach 70 Jahren zu Ende gehen.
    • Gott wird Israel das Land wieder zurückgeben.
    • Gott wird einen neuen Bund machen mit Israel und Juda.
    • Unter diesem Bund wird Israel wieder gesegnet werden, und zwar in ihrem Land Kanaan (Jer 31,31 ff.).
    • Das wird deshalb möglich sein, weil Gott alle Verantwortung übernimmt: Der neue Bund zwischen Gott und seinem Volk lautet immer wieder „ich will" an Stelle von „du sollst" (wie es im Alten Bund der Fall gewesen war).

Was Jeremia noch nicht beantworten konnte war die Frage, wie es möglich ist, dass Gott einen neuen Bund macht und Israel wieder segnet, obwohl das Volk Ihn doch verlassen und verunehrt hatte. Wie kann Gott diese Schuld vergeben? Jahrhunderte lang war diese Frage unbeantwortet geblieben. Erst als Christus kam, wurde dieser Schleier gelüftet, und zwar von Ihm selbst. So sagte er zu seinen Jüngern: „Dieses ist mein Blut, das des neuen Bundes, das für viele vergossen wird" (Mk 14,24). Noch heute erinnern wir uns an dieses Blut, wenn wir das Gedächtnismahl feiern (1. Kor 11,25). Mit uns Christen wurde und wird kein Bund geschlossen, weder persönlich noch mit der Versammlung, sondern nur „mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda" (Jer 31,31). Aber die Grundlage für diesen Bund kennen wir schon heute: das vergossene Blut Christi. Er hat sein Leben gegeben. Dadurch haben wir alle Segnungen bekommen - und der Tag wird kommen, wo auch das Volk Israel durch dieses vergossene Blut gesegnet werden kann, so wie der leidende Prophet Jeremia es angekündigt hatte. Gott wird auch hier darüber wachen, dass sein Wort in Erfüllung geht (der „Mandelstab").

Jeremias wurde damals oft wenig oder gar kein Glaube geschenkt. Viele ärgerten sich über seine Botschaft. So wurde er bekämpft und beschimpft, verlacht und verfolgt, geschlagen und eingekerkert. Nicht umsonst wurde dieser eher zaghafte und leidende Mann - der später auch die Klagelieder schrieb - unter dem Namen „der weinende Prophet" bekannt. Doch mehr dazu im nächsten Kapitel.  

(aus: Folge mir nach - Heft 6/2012)

Fußnoten:

1 Schon zur Zeit Hiskias (einige Jahre vor Jeremias Geburt) wurden in mehreren Gebieten Israels die Läufer verlacht, als sie zum Passah und zur Umkehr einluden (2. Chr 30,10). Unter Manasse und Amon war es kaum besser geworden. Einige Jahre später, im 13. Jahr Josias, begann Jeremia seinen Dienst. Es war erst im 18. Jahr Josias, dass das Buch des Gesetzes im Tempel wieder entdeckt wurde und daraufhin der weit verbreitete Götzendienst (weitgehend) abgeschafft wurde: s. 2. Könige 22,8-23,10 und 2. Chronika 34,33.

2 Jer 7,13.25; 11,7; 25,3.4 usw.