02.05.2003Josua | Versammlung / Gemeinde | 1. Korinther

Können wir durch unsere Verbindungen verunreinigt werden?

Israel hat gesündigt

Als Achan bei der Einnahme Jerichos trotz der klaren Anweisung Josuas etwas von dem Verbannten für sich nahm, sagte Gott in Josua 7 zum Führer des Volkes: „Israel hat gesündigt" (V 11). Diese Aussage ist jedoch nicht gleichbedeutend mit: „Es gibt Sünde in Israel", wie leider manchmal behauptet wird. Gott erklärte: „Israel hat gesündigt." Er machte das Volk verantwortlich.

Tatsächlich erlitt Israel wegen dieser Sache bei Ai eine empfindliche Niederlage. Gott sagte auch nicht: „Israel ist verunreinigt"; denn es ging um die Frage der Verantwortung und nicht einfach um Verunreinigung. Obwohl Israel nichts von dieser Sünde wusste, würde Gott es dem Volk gesagt haben, wenn es Ihn vor dem Feldzug nach Ai gefragt hätte.

Gemeinschaftliches Selbstgericht ist gefragt

Die große Wahrheit dieser Stelle heißt also: Gott erwartet von den Gläubigen, dass sie die Sünde derer, mit denen sie Gemeinschaft haben, als ihre eigene empfinden und sich daher gemeinschaftlich im Selbstgericht verurteilen. Dieser Punkt wird aber von der Allgemeinheit derart ignoriert, dass gewöhnlich nur einige wenige dies persönlich erkennen, wie z.B. Esra (Kap. 9); Nehemia (Kap. 9) und Daniel (Kap. 9).

Als Daniel betete, sagte er nicht, es gebe Sünde in Israel, sondern: „Wir haben gesündigt." Obwohl er persönlich nicht durch Sünde verunreinigt war, fühlte er die Sünde Israels als seine eigene und bekannte sie als solche.

Der Herr Jesus ist unser vollkommenes Vorbild

Aber weit über Esra, Nehemia und Daniel steht das wunderbare Beispiel des Herrn Jesus. Er war absolut ohne Sünde, und doch bekannte Er die Sünden Israels als ob sie seine eigenen gewesen wären (Ps. 69,5). Und nicht nur das! Er trug sie am Kreuz, als wären sie seine eigenen. Wunderbare Gnade!

In ähnlicher Weise sollten die Gläubigen heute den traurigen Zustand der Sünde und des Niedergangs der Versammlung als verantwortliches Zeugnis Gottes in der Welt sehen. Wir sollten dies als unsere eigene Sünde empfinden und sie auch vor Gott bekennen, denn wir gehören ebenfalls zum christlichen Zeugnis, obwohl wir nicht mit allen Gläubigen gottesdienstliche Gemeinschaft haben können.

Anderseits sollten wir unsere Verantwortung für den Zustand derer fühlen, mit denen wir uns in praktischer Gemeinschaft befinden, seien wir nun viele oder wenige, und sollten uns über jede Sünde, die unter uns vorkommen mag, im Selbstgericht vor Gott verurteilen. Und wie die Korinther sind auch wir verantwortlich, ernste Fälle von moralisch und lehrhaft Bösem, das in unserer Mitte auftauchen mag, zu richten.

Verantwortung für Verbindungen

Im Neuen Testament wird die Frage der Verunreinigung durch Verbindungen selten erhoben, und wir brauchen sie auch nicht zu stellen. Aber die Frage der Verantwortung in unseren Verbindungen wird doch betont. So wird in 1. Korinther 5 tatsächlich nicht gesagt, dass die Versammlung in Korinth durch die Sünde des einen Mannes verunreinigt worden sei. Aber die Korinther werden für diese Tatsache verantwortlich gemacht und aufgefordert, den alten Sauerteig auszufegen.

Es geht nicht darum, ob einzelne in jener Versammlung ungetrübte Gemeinschaft mit dem Herrn genossen. Es hat sicher solche gegeben, aber sie waren trotzdem verantwortlich, mit der Versammlung zu handeln und den Fehlbaren hinauszutun.

Wir sind verantwortlich!

Es wird manchmal behauptet, die äußeren Verbindungen, die jemand habe, spielten keine Rolle, weil man nur von innen durch sein eigenes Herz verunreinigt werden könne. Aber das ist ein armseliges Argument. Lassen wir die Frage der Verunreinigung ganz beiseite, denn Gott weiß, ob jemand innerlich verunreinigt ist oder nicht. Aber die Schrift besteht ausdrücklich auf der Verantwortung im Blick auf unsere Verbindungen.

„Seid nicht in einem ungleichen Joch mit Ungläubigen. Denn welche Genossenschaft hat Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis? Und welche Übereinstimmung Christus mit Belial? Oder welches Teil ein Gläubiger mit einem Ungläubigen? Und welchen Zusammenhang der Tempel Gottes mit Götzenbildern? Denn ihr seid der Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: Ich will unter ihnen wohnen und wandeln, und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein. Darum geht aus ihrer Mitte hinaus und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt Unreines nicht an, und ich werde euch aufnehmen" (2. Kor. 6,14-17).

Wir sondern uns von Menschen UND Grundsätzen ab

Wir sollen uns nicht nur von Ungläubigen absondern, sondern auch von verkehrten und bösen Grundsätzen, wie sie in vielen christlichen Gruppen festgehalten werden. Jeder Gläubige ist verantwortlich, solche Gruppen zu verlassen. Wenn er die Verbindung damit aufrechterhalten will, ist er dem Wort ungehorsam. Wie kann so jemand in die Gemeinschaft am Tisch des Herrn aufgenommen werden?

Lasst uns nicht vergessen, dass andere uns aufgrund unserer äußeren Verbindungen beurteilen, genauso wie die Menschen damals jene beurteilten, die den Götzen geopfertes Fleisch aßen. Sie betrachteten solche als mit den Götzen in Verbindung stehend (1. Kor. 8,9.10).

Daher, obwohl wir nicht wissen, in welchem Maß einzelne verunreinigt sein mögen oder wie weit sie die Gemeinschaft mit dem Herrn genießen (Gott weiß es), sind wir verantwortlich, die Verbindungen von jemand zu prüfen, bevor wir ihn in die Gemeinschaft am Tisch des Herrn aufnehmen.

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Mit freundlicher Genehmigung des Beröa Verlages

Halte Fest Jahrgang 1999 - Seite: 71