02.05.2003Persönlicher Glaube | Römer

Von Gott verstoßen: Auserwählung

"Auserwählt nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters"

"Wie leicht gehen wir mit menschlichen Erwägungen an das Wunder der Gnade Gottes heran, um es uns irgendwie erklärbar zu machen! Doch das ist letzten Endes nichts anderes als Unglaube. Manche haben sich nämlich die Auserwählung auf Seiten Gottes so vorgestellt, dass Gott in seiner Allwissenheit eben das Tun der Menschen voraussieht und dann aufgrund dieser Kenntnis seine Auswahl trifft. Zur Begründung wird gewöhnlich auf 1. Petrus 1,1-2 verwiesen, wo wir die Worte "auserwählt nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters", finden. Doch mit dieser Stelle kann man nicht ein derart passives, unbeteiligtes Vorherwissen Gottes beweisen. Weder der zwanzigste Vers in demselben Kapitel noch der 29. Vers in Römer 8, wo jeweils das entsprechende Verb "vorherwissen" oder "zuvor
erkennen" vorkommt, geben solch einem Gedanken Raum. Viel eher weisen sie auf eine gewisse Aktivität Gottes in seinem zuvor erkennen hin. auch bezieht sich dieses Vorherwissen oder zuvor erkennen Gottes in beiden Stellen auf Personen (einmal auf Christus selbst, einmal auf die Gläubigen), nicht aber auf ihr Verhalten oder ihren Zustand. Die Erwählung ist im Ratschluss Gottes, nicht im Tun des Menschen begründet.

Unser Schriftabschnitt in Römer 9 lehrt uns genau dasselbe. Esau hatte noch nichts Böses getan, Jakob noch nichts Gutes, um Gott irgendeinen Anlass oder Grund zu seinem Handeln mit ihnen zu liefern. Der Anlass zu seiner Auswahl lag ganz allein im Willen Gottes begründet und in seiner Souveränität, mit der Er seinem Willen Geltung zu verschaffen weiß. Lassen wir das so, Geliebte, und glauben wir einfach, was Gottes Wort sagt! Dann sind wir auf der richtigen Seite und werden vor falschen Vorstellungen über Gott bewahrt, und auch davor, Ihm etwas Ungereimtes zuzuschreiben.

Gibt es eine Zuvorbestimmung zum Bösen?

Natürlich hat der Satz "Den Jakob habe ich geliebt, aber den Esau habe ich gehasst" vielen Schwierigkeiten gemacht, auch manchen Kindern Gottes. Mancherlei Fragen türmen sich im Herzen auf. Dann gibt es also doch so etwas wie eine Zuvorbestimmung zum Bösen, zum Untergang, zum Verlorengehen? Was konnte dieser bedauernswerte Mann schließlich dafür, wenn sein Weg ihn immer mehr von Gott wegführte, da Gott ihn doch von Anfang an gehasst hat? Wenn Gott den einen auserwählt, verstößt Er dann nicht zwangsläufig den anderen?

Wollen wir Gott auf die "Anklagebank" setzen?

Ich weiß nicht, ob uns allen beim Lesen dieser Frage bewusst geworden ist, dass wir mit dem Nachhängen solcher Gedanken bereits den schriftgemäßen Boden verlassen und die Grenzen, die uns die Gottesfurcht zieht, überschritten haben. Das ist es gerade, wovor ich in dieser Schrift warnen möchte. Unversehens und wohl auch unbewusst versuchen wir nämlich mit derartigen Gedankengängen, Gott auf die "Anklagebank" zu setzen., als sei Er nicht gerecht. Das steht uns jedoch in keiner Weise zu." ... (S. 28-30)

"Sowohl Israel als auch der Pharao waren böse. Wenn es einfach nur um die Gerechtigkeit gegangen wäre, hätte Gott sie beide verdammen und richten müssen. Aber es war sein Wille, die einen zu begnadigen. Kann Ihm dies jemand verwehren? Und es war gleichermaßen sein Wille, den anderen zu verhärten. Ist Er darin ungerecht? Beides ist der Ausdruck der Souveränität Gottes. ER ist frei, so zu handeln, sei es in Gnade oder im Gericht. Das müssen wir unbedingt anerkennen, wenn wir uns nicht gegen Gott versündigen wollen." (S. 39)

Die Souveränität Gottes und die Verantwortlichkeit des Menschen

"Wenn sich die Sache mit der Souveränität Gottes so verhält, lautet also der Einwand, dass Gott völlig souverän nach seinem Willen handelt, warum tadelt Er dann noch den Menschen, der doch gar nicht in der Lage ist, diesem Willen zu widerstehen? Hinter diesem plausible klingenden Einwand verbirgt sich indes der Versuch, sich mit dem Hinweis auf die Souveränität und den Vorsatz Gottes aus der eigenen Verantwortlichkeit wegzustehlen und die eigene Sünde zu entschuldigen.

Es ist immer unheilvoll, die beiden Linien miteinander zu vermischen - die Souveränität Gottes und die Verantwortlichkeit des Menschen. Die eine ist so wahr wie die andere, und die Schrift lehrt uns beide Seiten. Wenn Gott souverän ist, seinen willen zu tun, dann ist der Mensch noch lange nicht aus seiner Verantwortlichkeit entlassen, dass er seinem eigenen Willen folgt." (S. 40)