14.11.2011Persönlicher Glaube | Versammlung / Gemeinde

Was der Papst zu zentralen Themen sagte

Der Glaube der Christen beruhe „nicht auf einer Abwägung unserer Vor- und Nachteile“, so Joseph Ratzinger, das Oberhaupt der Römisch-Katholischen Kirche. Nur durch tieferes Hineindenken und -leben in den Glauben wachse die Einheit der Kirche. Benedikt XVI. wollte damit sagen, dass man Glauben nicht verhandeln kann, auch den gemeinsamen Glauben von Römisch-Katholischer Kirche und Evangelischer Kirche Deutschlands (EKD) nicht. Das ist in der Tat ein wesentlicher Punkt. Glaube muss eine Grundlage haben. Diese kann nicht in Kompromissen oder Verhandlungen liegen, sondern allein in dem ewigen Wort Gottes, das wir in Händen halten dürfen.

Eine weitere Aussage zu dieser Grundlage lässt dann aber aufhorchen: Die grundlegende Einheit bestehe darin, dass „wir an Gott, den Allmächtigen, den Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde glauben“. Diesen lebendigen Gott zu bezeugen, sei „unsere gemeinsame Aufgabe in der gegenwärtigen Stunde“. Was meint der Papst mit „den Vater“ in diesem Zusammenhang. Die zentrale Offenbarung Gottes in der heutigen Zeit, also in Christus Jesus, ist nicht, dass Er der Allmächtige ist – so sprach Er zu Abraham. Auch nicht, dass Er der Schöpfer ist – auch wenn das absolut essentiell ist. Er ist unser Gott und Vater in dem Herrn Jesus. Das ist die Offenbarung Gottes in der Gnadenzeit. Vater – in dem Zusammenhang, in den Ratzinger diesen Titel stellt, ist eine allgemeine Aussage, die auch für das Volk Israel gilt. Denn für das Volk war Er der Vater. Das aber wäre keine christliche Offenbarung.

Bemerkenswert sind auch die Aussagen Benedikt XVI. zur charismatischen Bewegung. Er mache sich Sorgen über den weltweiten Vormarsch „neuer Bewegungen“, das heißt Pfingstkirchen und kirchlich unabhängige charismatische Gruppen. Vor diesen neuen Formen des Christentums stünden die Konfessionskirchen oft ratlos da. Tatsächlich gibt es in einigen Regionen und auch in unserem Land zum Teil wachsende charismatische Gemeinden. Da diese äußeren Erscheinungen wie angebliche Krankenheiliungen und sogenanntes Sprachenreden (es handelt sich fast immer um ein Lallen ohne Inhalte, daher auch Zungenreden genannt) das Fleisch des Christen ansprechen, also die Sucht nach Befriedigung des Ich, lassen sich viele Menschen und auch etliche Christen dadurch anlocken. Haben wir als Christen, die nüchtern und wachsam sein wollen, dem etwas entgegenzusetzen? Nur dann, wenn unser Glaube authentisch und durch geistliche Kraft gekennzeichnet ist. Wir müssen bereit sein, vor den Augen der Menschen klein zu sein. Die Versammlung (Gemeinde, Kirche) in Philadelphia war das. Um sie herum waren große Kirchen wie Sardes, das nach außen hin den Namen hatte, dass sie lebte, und Laodizea, die viel von sich redete. Aber Philadelphia bestach nicht durch äußerlich Auffallendes, sondern durch innere Weihe für den Herrn und geistliche Kraft. Damit mag man nicht viele Menschen erreichen. Aber diejenigen, die dem Wort Gottes gehorsam sein wollen, werden dafür ein Auge bekommen – früher oder später. Dann aber muss auch unser Leben zu unseren Worten und vor allem zum Wort Gottes passen. „Du hast eine kleine Kraft, und du hast mein Wort bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet“ (Off 3,8).