28.02.2013 Versammlung / Gemeinde | Persönlicher Glaube

Personenkult

Bild: Alte/Benedikt 2.jpg

Besonders bemerkenswert, wie viel Menschen diesem Oberhaupt "zu Füßen lagen" und seinetwegen nach Rom gekommen sind. Seltsam deswegen, weil die Diener des Herrn Diener und nicht Regenten und Verehrte sein sollten. Ihr Meister hat sich nämlich während seines Lebens als Diener offenbart, nicht als Herrscher. Ein solcher Personenkult, wie er gestern zu sehen war, war unserem Herrn und Retter, Jesus Christus, völlig fern. Und der dann "emeritierte Papst" macht mit diesem Kult weiter. Auch in Zukunft will er sich als "Seine Heiligkeit" anreden lassen - was für ein Titel für einen Menschen!

Wenn vor 10 Jahren der Kardinal Ratzinger Gottesdienste feierte, erschien kaum jemand. So geht es den Kardinalen in Deutschland nämlich heute. Aber weil er Papst geworden ist, strömen Massen an Menschen zu ihm. Nicht seiner Botschaft sondern seines Amtes wegen. So auch bei seinem bemerkenswerten Abschied und Rückzug.

Das ist nichts anderes als ein Personenkult, der sich an ein Amt bindet, das es in der Bibel gar nicht gibt. Aber offensichtlich erfüllt Benedikt XVI. damit die Sehnsüchte vieler Menschen. Ihnen geht es nicht um die Inhalte, die von vielen Menschen nicht geteilt werden, oder, was zum Beispiel die Rede vor dem Deutschen Bundestag im Jahr 2011 betrifft, von den meisten vermutlich nicht verstanden werden. Aber die Aura eines Papstes ist so gewaltig, dass man keine Mühen scheut, an entfernte Orte zu pilgern. Von überall aus der Welt kam man nun, um ihn ein letztes Mal öffentlich predigen zu hören.

Das ist eine Eigenschaft, die Erlösten – egal wo und wie sie geistlich stehen – nicht fern liegt. Im 1. Korintherbrief lesen wir mehrfach, dass sie die Gläubigen hinter Menschen scharten und sie zu ihren Häuptern machten. „Ich bin des Paulus, ich aber des Apollos, ich aber des Kephas, ich aber des Christus. Ist der Christus zerteilt? Ist etwa Paulus für euch gekreuzigt, oder seid ihr auf den Namen des Paulus getauft worden?“ (1. Kor 1,12.13; vgl. 1. Kor 3,4).

Stehen nicht auch wir in Gefahr, hinter (vielleicht besonders begabten) Menschen herzulaufen, statt den Herrn Jesus als das Zentrum unseres Glaubens zu verehren? Natürlich dürfen wir Gott für seine Gaben an seine Versammlung (Gemeinde, Kirche) danken. Aber es geht um Ihn, um Christus, nicht um Menschen. Gehen wir wirklich deshalb zu Vorträgen, weil wir das Wort Gottes hören wollen, oder weil wir diesen oder jenen Bruder beeindruckend finden? Gehen wir vielleicht nicht hin, weil er ja nicht so bekannt oder berühmt ist?

Wir wollen uns selbst fragen, was uns wichtig ist. Und Gott bewahre uns vor Personenkult. Das hat nichts damit zu tun, dass wir nicht die Brüder ehren und auch die Gaben des verherrlichten Herrn dankbar annehmen sollen. Aber derjenige, der Christus nachfolt, sollte demütig sein. Das zeichnet mehr aus als jede Begabung, die ohnehin nichts anderes als ein (vorübergehendes) Geschenk des Herrn ist. Man selbst kann dafür nichts.