22.08.2011Epheser | Versammlung / Gemeinde

Die Einheit des Geistes bewahren

Wir finden dort:
  1. Das Murren der Hellenisten gegen die Hebräer (Apg 6).
  2. Die Aufnahme der Gläubigen aus Samaria (Apg 8).
  3. Die Bekehrung der ersten Heiden – Kornelius und seiner Freunde (Apg 10.11).
  4. Der Streit über das Halten des Gesetzes Moses durch die Nationen (Apg 15).

In jedem Fall sehen wir, wie die spaltenden Kräfte, die am Werk waren, geprüft und besiegt wurden, und ein kurzer Überblick wird auch für uns heute nicht ohne Nutzen sein.

Zwei Dinge fallen dabei besonders auf und müssen sorgfältig unterschieden werden: Erstens die Weisheit Gottes, die in Vorsehung hinter den Kulissen wirkte, und zweitens die Gnade und Weisheit der Apostel und ersten Christen als dem menschlichen Element bei der Sache.

Das erstere können wir nur mit Bewunderung betrachten und beten, dass auch heute, wo die Spaltung traurigerweise schon geschehen ist, die gleiche Vorsehung trotzdem noch für die Heiligen Gottes tätig sein möge. Dass letztere lasst uns beachten und mit geübten Gewissen verinnerlichen, damit wir schließlich erkennen, wie wir die Einheit des Geistes besser im Band des Friedens bewahren können (Eph 4,3). Wir werden dabei wieder neu erleben, wie diese von Gott inspirierten Schriften nützlich sind „zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit“ (2. Tim 3,16).

1. Das Murren der Hellenisten

Alle an diesem Streit Beteiligten waren von Geburt Juden. Sie unterschieden sich nur in der Erziehung und Tradition. Die Hellenisten oder griechisch sprechenden Juden, deren Vorfahren sich seit langem außerhalb der Grenzen Palästinas aufhielten, hatten natürlich eine andere Sicht der Dinge als die hebräisch sprechenden Juden, die im Land unter der sorgfältigen Obhut eines strengen Regimes gewesen waren. Argwohn konnte leicht aufkommen und wurde sofort geäußert. Der Streitpunkt war von absolut profaner Natur.

Das Wirken der Vorsehung Gottes wird ist in diesem Fall nicht klar erkennbar. Die menschliche Seite ist jedoch deutlich genug. Wir wollen drei Dinge hervorheben. 

Erstens behandelten die Apostel das Problem, sobald es erkennbar wurde. Sie warteten nicht erst bis es sich vergrößerte und ausbreitete. „Siehe, ein kleines Feuer, welch einen großen Wald zündet es an!“ (Jak 3,5).

Zweitens ließen sie sich nicht von einer Meinungsverschiedenheit von ihrer großen Aufgabe abhalten, mit dem Wort zu dienen, sondern legten die Verantwortung für eine gottgemäße Lösung auf die ganze Versammlung.

Drittens erkannten die Gläubigen darin eine Gelegenheit, ihr Interesse an diesen Hellenisten, die ja mehr oder weniger Fremde in ihrer Mitte waren, auszudrücken und zu bestätigen und wählten daher Männer als Aufseher, deren Namen darauf schließen lassen, dass sie vornehmlich zu den griechisch sprechenden Juden gehörten. Selbstlosigkeit hatte gesiegt. Der Argwohn war zerstreut.

2. Die Arbeit in Samaria

Zwar war hier keine Uneinigkeit erkennbar, es war eher ein Fall von Vorbeugung als von Heilung. Die Antipathie zwischen Juden und Samariter hatte eine lange Tradition. Stellen wie 2. Könige 17,24-41 und Johannes 4 geben uns Licht darüber. Im Licht dieser Stellen stellt man leicht fest, welche gefährlichen Fragen der sehr erfolgreiche evangelistische Dienst des Philippus aufkommen lassen konnte. Einerseits mochte die Versammlung in Jerusalem wünschen, eine echte Verbindung mit Gläubigen aus dem Bereich ihrer verachteten Rivalen zurückzuweisen. Andererseits wäre es für die samaritische Versammlung nur zu natürlich gewesen, ihre eigenen Gefühle zu nähren und es abzulehnen in irgendeiner Weise von der Autorität der Apostel in Jerusalem geleitet zu werden. Auf diese Weise hätte es früh zu einem Trennungsskandal in Form einer samaritischen „Versammlung“ und einer Jerusalemer „Versammlung“ kommen können.

Im Gegensatz zu der ersten Begebenheit, wird in diesem Kapital hauptsächlich das Wirken der Vorsehung Gottes erwähnt. Philippus predigte, viele glaubten und wurden getauft, doch der Heilige Geist wurde noch nicht gegeben. Der gewöhnliche Ablauf wurde in diesem Fall außer Kraft gesetzt und erst, nachdem die zwei Apostel dazukamen mit Gebet und Auflegen der Hände – dem Symbol der Einsmachung der Apostel und der Gläubigen aus Jerusalem mit den Gläubigen in Samaria – wurde der Heilige Geist gegeben. Durch diese einfache Variation von Gottes Seite kam es weder für die jüdischen Gläubigen in Frage, die samaritischen nicht anzuerkennen, noch für die samaritischen Gläubigen, ihre Unabhängigkeit von den jüdischen zu erklären.

Was die menschliche Seite betrifft, müssen wir nur bemerken, dass die Apostel der Leitung Gottes unterworfen waren. Sie versuchten nicht, natürlichen Vorurteilen freien Lauf zu lassen, indem sie die Vorgehensweise des Philippus verurteilten, noch verstanden sie die Abwesenheit der Gabe des Geistes als Grund, das ganze Werk in Samaria herabzuwürdigen oder sogar überhaupt nicht anzuerkennen. Sie beugten sich der souveränen Gnade Gottes und wählten aus ihren Reihen zwei aus, die zu den obersten Häuptern der Apostel zählten, um nach Samaria zu gehen – Petrus und Johannes.

3. Die Bekehrung des Kornelius

Hier finden wir einen Augenblick, der noch kritischer war als der vorhergehenden, da die Empfindungen der Juden in Bezug auf die Nationen wesentlich ausgeprägter waren als gegenüber den Samaritern.

Die Handlungen der Vorsehung Gottes waren vielfältig: Die Botschaft des Engels an Kornelius; das Gesicht, das Petrus sah; die Gabe des Geistes unmittelbar nach der Annahme des Evangeliums, ohne dass die Taufe stattgefunden hatte, wie es auch bei den Juden in Apostelgeschichte 2 gewesen war, und wodurch es den Juden unmöglich war, wie groß ihre natürlichen Vorurteile auch gewesen sein mögen, den Gläubigen aus den Nationen die Taufe und formelle Aufnahme zu verweigern. All dies zeigt uns, wie Gott am Werk war, und die Ereignisse so lenkte, dass jedes Hindernis, dass einer gründlichen Vereinigung von Juden und Nationen zu dem einen Leib Christi hätte im Wege stehen können, beseitigt wurde.

Auf der menschlichen Seite fällt besonders das Handeln des Petrus auf, der „etliche der Brüder von Joppe“ mitnahm (Apg 10,23) – „diese sechs Brüder“ (Apg 11,12).

Durch dieses weise Vorgehen stellte er nicht nur sicher, dass ausreichend Zeugen bestätigen konnten, was wirklich passierte, sondern er ließ auch nicht den Verdacht aufkommen, hinter dem Rücken seiner Brüder zu handeln. Es war nichts Heimliches, kein Versuch, eine heikle Frage unabhängig von der Gemeinschaft seiner Brüder klären zu wollen.

Die Wirkung davon sehen wir in Apostelgeschichte 11. Als bestimmte Brüder mit extrem eingeschränkten Sichtweisen bei der Konferenz in Jerusalem Schwierigkeiten aufbrachten, war die Beweislage so schlüssig, dass sie am Ende das Werk Gottes unter den Nationen anerkannten und Ihn dafür verherrlichten.

4. Der Streit über das Gesetz

Dies war vielleicht die gefährlichste Krise von allen. Obwohl Menschen aus den Nationen in die Gemeinschaft und die Vorrechte der Versammlung aufgenommen waren, gab es doch viele jüdische Gläubige, die ein judaisierte oder gesetzestreue Form des Christentums aufrecht erhalten und deshalb die Bekehrten aus den Nationen judaisieren wollten. Dies wurde von Paulus und seinen Mitarbeitern entschieden abgewiesen.

Galater 2,1-5 wirft Licht auf diese Begebenheit und zeigt wie kompromisslos Paulus war, weil er sah, dass die lebendige Wahrheit auf dem Spiel stand. Die Stelle zeigt auch das Handeln der Vorsehung Gottes, da Paulus „zufolge einer Offenbarung“ wegen dieser Sache nach Jerusalem hinaufzog. Die Versammlung in Antiochien ordnete an, „dass Paulus und Barnabas und etliche andere von ihnen zu den Aposteln und Ältesten nach Jerusalem hinaufgehen sollten“, doch hinter den Kulissen stand die Offenbarung an Paulus als ausschlaggebender Faktor.

Auf der menschlichen Seite fallen uns drei Dinge auf:

Erstens der Gehorsam von Paulus und seinen Begleitern gegenüber der Offenbarung. Ihr natürliches Empfinden mochte es als aussichtslos betrachten, sich zur Klärung einer Frage – von der sie wussten, wie extrem wichtig sie war – in die Stadt senden zu lassen, in der der Einfluss ihrer Gegner so groß war. Sie stellten alle natürlichen Empfindungen und Kalküle zurück und gehorchten.

Zweitens wurde eine freie und nüchterne Diskussion zugelassen. Beide Standpunkte konnten frei geäußert werden. Es gab keine Versuche, zu punkten, indem man sich auf ein Niveau herabließ, wie man es schon mal von Anwälten in Gerichtsverhandlungen berichtet wird. Es entstand viel Wortwechsel, wie Vers 7 sagt. Die Wahrheit ist herrlich und hält jeder Überprüfung stand.

Schließlich beruft sich Petrus auf Fakten und Jakobus beruft sich auf die Schrift und fällt dann sein Urteil, das sich auf beides gründete, und dem sich alle Anwesenden anschlossen. Die Fakten und die Schrift, die die Fakten interpretierte trugen den Sieg davon. Es gab keinen Einspruch. Die Sache war schlüssig und alle beugten sich dem Urteil.

Ist es nicht offensichtlich, dass die Geschichte der Versammlung durch die Jahrhunderte hindurch völlig anders verlaufen wäre, wenn ähnlich weise Vorgehensweisen, begleitet von ähnlichen Wünschen, die Einheit der Heiligen Gottes als Glieder des Leibes Christi zu bewahren, dem Vorbild der ersten Christen gefolgt wären?

Und ist es nicht ebenso offensichtlich, dass die Verantwortung, die Einheit des Geistes zu bewahren, immer noch bleibt, obwohl die Geschichte der Versammlung so voll von Versagen und Zerrissenheit ist, und dass diese Schriftstellen helfen, uns weise zu machen zur Rettung vor weiteren Spaltungstendenzen?

[Dieser Artikel wurde in deutscher Übersetzung zuerst auf www.bibelstudium.de veröffentlicht.]