23.06.2011 Persönlicher Glaube

Was heißt bibeltreu?

Während Michael Kotsch die Bibel „Gottes inspiriertes, irrtumsloses Wort“ nennt, hält Andreas Malessa den Begriff „unfehlbar“ für die Bibel für ungeeignet. Diese sei kein „papierner Papst“ als ein in sich schlüssiges Gesetzbuch sondern bestehe aus 66 Büchern und Briefen aus rund 1.200 Jahren. „Gott ist unfehlbar – die Menschen, denen er sein Wort anvertraut hat, müssen es nicht sein“, sagte er. So wie man die Bibel in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts „vor ihren eiskalten Verächtern“ in Schutz nehmen musste, müsse man sie heute „manchmal vor ihren glühenden Verehrern schützen“. Kotsch dagegen erachtet die Bibel als Überlieferung dessen, was Gott als für uns entscheidend erachtet hat. Bibelteile, die nicht zum heutigen Denken passten, dürften nicht relativiert oder weggelassen werden. Doch man dürfe auch nicht alle Befehle Gottes für das Volk Israel als Anweisungen für Christen begreifen.

Was ist für Dich, für mich „bibeltreu“? Glauben wir noch an die verbale Inspiration der Bibel? „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit“ (2. Tim 3,16). Natürlich ist nicht unsere Übersetzung „inspiriert“ – und in dem überlieferten Text gibt es (wenn man sich die verschiedenen Manuskripte anschaut) ein paar offene Fragen über den ursprünglichen Originaltext . Diese Abweichungen in den vorliegenden Manuskripten sind aber derart gering, dass man sich auf den hebräischen, aramäischen und griechischen Text gut verlassen kann. Wer dann eine vernünftige Übersetzung verwendet (wie zB die Elberfelder usw.), hat wirklich „die Bibel“ in Händen.

Wenn ich aber anfange, einzelne Aussagen des Neuen Testaments als zeit- oder ortsgebunden festzulegen, hört es mit der Bibeltreue schnell auf.

Derzeit wird ja unter sogenannten „bibeltreuen“ Gemeinden sehr intensiv diskutiert, welche Rolle die Frau in der Gemeinde (Versammlung) aktiv einnehmen kann nach Gottes Wort. Wenn man auf diesem Sektor Abstriche von der dauerhaften Gültigkeit biblischer Belehrungen macht, öffnet man eine Tür, die man nicht mehr verschließen kann. Vor einiger Zeit wies jemand mit Recht auf folgenden Sachverhalt hin. Wenn man die Rolle der Frau, wie sie der Apostel Paulus in seinen Briefen (1. Timotheus, 1. Korinther) zeigt, als orts- und zeitgebunden hinstellt, wird man keine Argumente mehr haben, andere biblische Belehrungen über Moral (wie zum Beispiel, dass die Bibel das Ausleben von Homosexualität Sünden nennt) als bindend zu verteidigen. Dann ist die Abwendung von der Schrift unausweichlich.

Deshalb wollen wir in keiner Weise und in keinem Punkt von den Belehrungen der Schrift abweichen. Natürlich fragen wir uns immer, was der jeweilige Schreiber in seinem Kontext (zeitlich, regional) zu sagen hatte. Und natürlich sind die Belehrungen, die Gott in der Zeit des Volkes Gottes unter Gesetz gegeben hat, andere, als die Er in der Zeit der Gnade gibt. Aber das nimmt nichts weg von unserer Verantwortung, Gottes Wort auch wörtlich zu nehmen. Wir dürfen uns keine Ausflüchte suchen, wo wir unseren Eigenwillen ausleben wollen.