11.10.2010 Persönlicher Glaube

Mein Gewissen schlägt (nicht)

David – ein Mann mit einem empfindsamen Gewissen

Gottes Wort berichtet an zwei Stellen, dass Davids Gewissen tätig wurde. In 1. Samuel 24,6 lesen wir: „Aber es geschah danach, da schlug David das Herz, weil er den Zipfel vom Oberkleid Sauls abgeschnitten hatte; und er sprach zu seinen Männern: Der Herr lasse es fern von mir sein, dass ich so etwas an meinem Herrn, dem Gesalbten des Herrn, tun sollte, meine Hand gegen ihn auszustrecken; denn er ist der Gesalbte des Herrn.“ Gott hatte den amtierenden König Saul scheinbar in die Hand dessen gegeben, den er verfolgte: in Davids Hand. Davids Freunde sahen die Situation, in der Saul praktisch wehrlos war, als die Gelegenheit Gottes für David, sich an Saul zu rächen für dessen unerbittliche Verfolgungsjagden. Aber David tat seinem Feind Saul nichts Böses, sondern schnitt nur den Zipfel von dessen Bekleidung ab. Doch selbst das führte bei ihm zur Aktivität seines Gewissens. Denn David wusste, dass Saul der von Gott eingesetzte König war. Wie hätte er diesem Böses tun können. Hätte er dann nicht gegen Gott gehandelt?

Manchmal denke ich, dass mir ein solch empfindsames Gewissen abhanden gekommen ist. Auch wir haben einen „König“ (vgl. 1. Pet 2,13), eine Obrigkeit über uns. Diese erlässt manche unbiblische, sogar ungöttliche Gesetze. Gibt uns das ein Recht, an anderer Stelle „gegen“ diese Obrigkeit zu handeln? Die Straßenverkehrsordnung und die Steuergesetze sind nur kleine Beispiele. Das „Fuschen“ in der Schule oder in Ausbildung/Studium gehört zur gleichen Kategorie. Wir wollen uns gegenseitig ermuntern und ermahnen, mehr auf unser Gewissen zu hören. Wie Gerrid Setzer geschrieben hat – es wird durch Gottes Wort eingerahmt.

Bei David gab es noch eine zweite Gelegenheit, wo ihm das Herz schlug. „Aber David schlug das Herz, nachdem er das Volk gezählt hatte; und David sprach zu dem Herrn: Ich habe sehr gesündigt in dem, was ich getan habe; und nun, Herr, lass doch die Ungerechtigkeit deines Knechtes vorübergehen, denn ich habe sehr töricht gehandelt!“ (2. Sam 24,10). Selbst die Warnungen von Joab, seinem Heerobersten, der vermutlich ungläubig war, hatte David in den Wind geschlagen. Aber kaum hatte er sei Werk vollbracht, Israel zählen zu lassen, um dadurch die eigene Wichtigkeit auch in Zahlen messen zu können, da schlug sein Gewissen. War es zu spät? Die törichte Tag war vollbracht, aber für eine Umkehr jedoch ist es nie zu spät, so lange der Herr Jesus uns noch auf der Erde leben lässt.

Manchmal wünsche ich mir, dass ich wenigstens nach einer sündigen Tat wie David dazu komme, das Gewissen nicht weiter niederzutrampeln, sondern das Schlagen des Gewissens zum Anlass zu nehmen, Gott – und wenn nötig, Menschen – meine Schuld zu bekennen. Hat uns nicht schon öfter das Gewissen „geschlagen“, als wir im Freundeskreis, in der Versammlung (Gemeinde, Kirche), in der Familie oder auch im Beruf Dinge gemacht haben, von denen wir wissen, dass sie nicht richtig waren? Es ist immer noch Zeit für ein aufrichtiges, rückhaltloses Bekenntnis, wie wir es bei David finden. Vielleicht lässt Gott dann auch in unserem Leben die Folgen unseres Handelns bestehen, wie es bei David war, dessen Sünde sogar zum Tod von 70.000 Mann führte. Gott sei Dank – in aller Regel sind derartige Konsequenzen die Ausnahme. Ohne ein Bekenntnis gibt es keinen Weg zurück in die Freude der Gemeinschaft mit unserem Herrn.

 

Paulus und sein Gewissen ohne Anstoß vor Gott und Menschen

Auch im Leben des Apostels Paulus finden wir verschiedene Hinweise, wie er mit seinem Gewissen umging. „Darum bemühe ich mich auch, allezeit ein Gewissen ohne Anstoß zu haben vor Gott und den Menschen.“ Paulus, der für uns ein großes Vorbild in Treue und Hingabe ist, überging sein Gewissen nicht. Es war ihm wichtig, dass sein Gewissen ihn im Blick auf sein Verhalten nicht anklagen musste, sei es vor Gott oder vor den Menschen.

Dass wir vor Gott ein reines Leben führen müssen, ist uns vermutlich allen klar, auch wenn Gott für uns dadurch, dass wir Ihn nicht sehen können, oft sehr weit weg erscheint. Aber leicht können wir denken, dass das Urteil von Menschen im Blick auf unser Leben nicht so wichtig sei. Diese nehmen ja schnell an allem möglichen Anstoß. Der Apostel belehrt uns durch sein Verhalten, dass es nicht unwichtig ist, was die Menschen um uns herum über uns sagen. Unser Gewissen soll schlagen, wenn unser Leben dazu führt, dass Menschen berechtigte Vorwürfe gegen unser Verhalten, gegen unsere Worte, gegen unsere Haltung ihnen gegenüber, äußern können. Abraham und Isaak mussten das erleben, als sie jeweils ihre Ehefrau als ihre Schwester ausgaben und ungläubige Menschen in große Versuchungen brachten. Wenn ich mich aufreizend kleide, wenn ich zweideutig rede, wenn ich unbarmherzig handle, sollte mein Gewissen aktiv werden und mich davor bewahren, auf einem solchen Weg weiterzumachen.

 

Das Gewissen wird uns bis an unser Lebensende erhalten bleiben. Wohl uns, wenn wir das Gewissen durch das Wort Gottes formen lassen und uns zugleich ein waches Ohr für das Schlagen unseres Gewissens erhalten.

 

(aus: Folge mir nach - Heft 10/2010)