19.07.2006 Lebensbilder

Heijkoop, Hendrik Leendert 1906 - 1995

Bruder Hendrik Leendert Heijkoop wurde am 25. September 1906 als das zehnte Kind einer gottesfürchtigen Familie in den Niederlanden geboren. In den frühen Morgenstunden des 31. August 1995 wurde er nach einem Leben voller Aufopferung im Alter von 88 Jahren von unserem Herrn in Seine Herrlichkeit heimgeholt, um dort bei Christus zu sein. Die Beisetzung fand unter starker Anteilnahme von Geschwistern aus vielen Ländern am 6. September 1995 in Winschoten, Holland, statt. Seine Todesanzeige stand unter folgendem Bibelwort: „Ich habe Lust, abzuscheiden und bei Christo zu sein, denn es ist weit besser“ (Philipper 1,23).

Seine Jugend

Im frühen Jugendalter fand er nach langen und tiefen Seelenübungen Frieden mit Gott. Er schreibt selbst darüber:

„Als ich siebzehn Jahre alt war, schenkte mir Gott die Gewissheit, dass meine Sünden vergeben waren, doch hatte ich da noch keinen Frieden. Ich befand mich zu der Zeit in dem Zustand von Römer 7. Als ich dann neunzehn Jahre alt war, bekam ich Frieden mit Gott und lernte kennen, was es heißt, in Christo zu sein, und dass es für solche keine Verdammnis gibt (Römer 8,1). Zum ersten Mal in meinem Leben war ich glücklich und wusste, dass, wenn ich sterben würde, nicht in die Hölle käme. Dann zeigte der Herr mir die Notwendigkeit, mich täglich wenigstens eine Stunde lang mit Gottes Wort zu beschäftigen. In Winschoten, wo ich wohnte, war zu der Zeit keine Versammlung. Als ich einundzwanzig Jahre alt war, kamen zwei Brüder, die Baptisten waren, und fragten mich, ob wir nicht zusammen eine Wortbetrachtung haben könnten. Da die beiden anderen in Gottes Wort noch weniger Bescheid wussten als ich, musste ich der Lehrer sein. Ja, und dann zwang mich der Herr – nicht gegen meinen Willen –, viel die Bibel zu studieren, so dass ich mein anderes Studium aufgab, um mich nur noch mit dem Wort Gottes zu beschäftigen. Ich erinnere mich noch gut an die wunderbaren Abende, wo ich oft mein Lesen unterbrechen musste, um zuerst zu danken, ja, Gott für die Wahrheiten anzubeten, die so ganz neu und frisch für mich waren. Ich lernte den unendlichen Reichtum kennen, den wir als Gläubige haben, und auch die unendliche Herrlichkeit des Herrn Jesus zu betrachten.“

Schon früh begehrte Bruder Heijkoop also, dem Herrn in der Verkündigung und Lehre des Wortes Gottes vollzeitlich zu dienen. Das Studium des Wortes war von jener Zeit an seine Hauptbeschäftigung und seine größte Freude. Gern erzählte er gelegentlich schmunzelnd, dass es wohl ab und zu vorkam, dass er bei seinen nächtlichen Studien die Füße in einen kalten Eimer Wasser stellte, um die Müdigkeit zu überwinden. Er hatte ein feines Empfinden dafür, was es bedeutete, ein Verwalter der kostbaren Wahrheiten bezüglich der Versammlung Gottes zu sein. Wie oft hat er darauf hingewiesen, dass die Kenntnis des Wortes Gottes aber nur zur wahren Erkenntnis der Gedanken Gottes führen kann, wenn die Studien mit ernstem Gebet begleitet sind.

Die wirtschaftlichen Umstände erlaubten es ihm nicht, eine höhere Schulbildung zu erlangen, und so blieb dem jungen Hendrik Heijkoop nur der Weg, neben der beruflichen Ausbildung zum Steuerberater, der er ursprünglich nach eigenem Bekunden „durchaus nicht“ werden wollte, sich autodidaktisch seine erstaunliche Allgemeinbildung, aber besonders seine breite Kenntnis des Wortes Gottes anzueignen.

Der Beginn seines Dienstes

Kaum zwanzig Jahre alt, führte sein beruflicher Weg ihn nach Winschoten, wo er mit einigen einfachen Geschwistern als Zeugnis der Versammlung Gottes am Orte zusammenstand, deshalb aber auch schon in jungen Jahren gefordert war, am Dienst des Wortes mitzuhelfen. Nachdem der Herr über die Jahre Wachstum schenkte und in Winschoten ein blühendes Zeugnis entstanden war, konnte Anfang der 1960er-Jahre mit der Winschotener Konferenz begonnen werden, wo die Herrlichkeiten Christi und die Segnungen für Seine Versammlung Jung und Alt in segensreicher Weise vorgestellt wurden.

Er nutzte seine Freizeit, um unter Gläubigen in den Niederlanden und Deutschland mit dem Wort Gottes zu dienen. Damals gebrauchte der Herr ihn zum ewigen Segen vieler. Viele wurden durch seinen Dienst bekehrt und kamen zum Glauben an den Heiland. Der Herr hatte durch ihn auf wunderbare Weise die Bekehrung sehr vieler Menschen im Norden Hollands gewirkt. Er vermochte sich sehr zu freuen, wenn ein einfacher Bruder mit einem aufrichtigen Herzen dem Herrn beim Brotbrechen dankte. Wenn er einer Zusammenkunft beiwohnte, stand er nicht einfach auf und diente am Wort, sondern wartete immer auf den Herrn. Die Brüder erwarteten, dass er auf Grund seiner Gabe immer sprechen könne, doch wenn der Herr ihm kein Wort gegeben hatte, sagte er dies und blieb dann still. Insbesondere seine Beiträge bei der Winschotener Konferenz, aber auch auf den jährlichen Konferenzen in Zürich, Berlin, Dillenburg und Hückeswagen waren immer reich und von Christus und der Aussicht auf die nahe bevorstehende Wiederkunft des Herrn erfüllt. Er war manchmal schwer zu übersetzen, doch dem von ihm Gesagten fehlte es nie an sittlicher und geistlicher Kraft. Hörer (und Übersetzer) konnten leicht zu Tränen bewegt werden, wenn er die Reichtümer der Gnade und Barmherzigkeit Gottes vorstellte. Die Person, das Opfer und das herrliche Werk Christi in all seinen herrlichen Aspekten standen in seinen Vorträgen im Mittelpunkt. Häufig strahlte sein Antlitz, wenn er über den Herrn Jesus sprach. Dann zeigte sich seine große Liebe zu seinem Herrn und Heiland, dem er mit allen seinen Gaben und Kräften zu dienen begehrte.


Die Kriegsjahre 1939-1945

Vor dem Zweiten Weltkrieg (1939-45) und während der Kriegsjahre ermahnte er die deutschen Brüder, ihre Absonderung vom politischen Leben in Deutschland beizubehalten und sich nicht an der Verfolgung der Juden zu beteiligen. In den Jahren des Versammlungsverbotes in Deutschland von 1937 bis 1945 wuchs eine besondere Verbundenheit und ein großes Vertrauen zwischen Bruder Heijkoop und Otto Müller sen., Otto Bubenzer sen., Paul Schwefel und anderen Brüdern, die dem BfC entgegentraten. Die gemeinsame Verfolgung durch die Nazis nahm für Bruder Heijkoop besonders dramatische Züge an, als er wegen seiner persönlichen Hilfe für einen jüdischen Klienten während der frühen Kriegsjahre in das Konzentrationslager Vught bei Eindhoven eingeliefert und zum Tode verurteilt wurde. Schon nach Tagen wurde Bruder Heijkoop mit Magenbeschwerden ernstlich krank. Er benötigte an solch einem Ort alle seine Kraft und schrie zum Herrn um Hilfe. Er konnte nicht verstehen, warum er so viel leiden musste. Seine Gesundheit kehrte allmählich wieder, und er wurde wieder zur Zwangsarbeit gezwungen. Der Herr ließ ihn in den Augen seiner Bewacher Gnade finden, und ihm wurde die Verantwortung für die Herstellung elektronischer Erzeugnisse bei Philips übertragen (deren Fabrik zum Zentrum der Sklavenarbeit gemacht worden war). Nach etwa achtzehn Monaten wurde ein Offizier auf ihn aufmerksam, der sich erinnerte, dass er, kurz nachdem er eingekerkert worden war, nicht aufgefunden werden konnte. Ihr Plan war es gewesen, dass Heijkoop liquidiert werden sollte (vielleicht in Auschwitz im heutigen Polen). Wiederum griff der Herr mit einer ernstlich vorgebrachten Bitte von Herrn Philips ein, so dass dieses Todesurteil nicht ausgeführt wurde. Hiernach bat einer der Klienten von Bruder Heijkoop aus der Zeit vor dem Krieg den Freund seiner Tochter, einen jungen deutschen Offizier, die Freilassung seines Rechnungsprüfers zu ermöglichen. Der junge Offizier fälschte törichterweise die Unterschrift seines Vorgesetzten und gewährleistete so die Befreiung unseres Bruders. Der junge Mann bezahlte mit seinem Leben hierfür, doch die Lage im von den Deutschen besetzten Holland war dergestalt, dass Bruder Heijkoop nicht erneut verhaftet wurde. Im Rückblick auf diese schwere und entbehrungsreiche Zeit vermochte er gleichwohl zu sagen: „Und doch waren das mit die kostbarsten Jahre meines Lebens; damals habe ich meinen Herrn auf eine ganz besondere Art und Weise kennengelernt.“


Sein Bericht Gottes Werk in Zelle und Konzentrationslager

Im Folgenden geben wir seinen Bericht „Gottes Werk in Zelle und Konzentrationslager“ in den ersten Nummern von Aus dem Wort der Wahrheit aus den Jahren 1946 und 1947 wieder, um einen lebendigen Eindruck von der Verfolgung der Gläubigen, aber auch vom geistlichen Leben in dieser Leidens- und Bewährungszeit zu vermitteln:

„Aus Anfragen wurde mir deutlich, dass verschiedene gerne etwas über das geistliche Leben in den Gefängnissen und Konzentrationslagern hören würden. In einigen Zeitschriften ist zwar schon etwas darüber geschrieben worden, aber nicht alle haben das gelesen. Ich möchte darum etwas davon erzählen, sowohl aus meinem persönlichen Leben als auch dem, was ich gesehen und gehört habe.

Im Oktober 1942 wurde ich verhaftet und im Polizeibüro in Winschoten eingesperrt. Am folgenden Nachmittag wurde ich mit einigen anderen im Auto nach Groningen gebracht. Unterwegs mussten wir kurz warten, weil ein Reifen zu wenig Luftdruck hatte, und gerade in diesem Augenblick ging ein Bruder vorbei, mit dem ich noch einige Minuten sprechen konnte. Wir vergessen die Wirklichkeit der Bruderbande schon einmal, doch in solchen Augenblicken zweifeln wir nicht daran. Unser Herz sagt uns, dass sie bestehen (1. Johannes 5,1; Apostelgeschichte 28,15).

In Groningen wurden wir beim Scholtenshaus, dem berüchtigten Büro des Sicherheitsdienstes, abgeliefert und abends von dort aus in die Haftanstalt gebracht. Dort wurde uns bis auf einen Taschenkamm alles abgenommen, nämlich Uhr, Geld, Fotos, Papiere und, was am allerschlimmsten war, auch meine Bibel. Danach wurden wir in eine Zelle gebracht. Ich hatte „Einzelhaft“ und musste somit allein bleiben. Mir war es verboten, zu lesen, zu arbeiten und etwas aus der Kantine zu kaufen. Der Wächter, der mich dorthin brachte, war ein junger Mann; so wie ich später hörte, war er reformiert. Er war sehr freundlich und versicherte mir, dass die Wächter alles Mögliche täten, um es uns so angenehm wie möglich zu machen. Dies schien tatsächlich wahr zu sein. Das Beste war jedoch, dass er mir versprach, eine Bibel mitzubringen. Ich musste diese nach Gebrauch wegstecken, damit sie nicht direkt gesehen werden konnte, und falls sie doch gefunden wurde, dann würde er sich auf den Standpunkt stellen, dass die Bibel zum Zelleninventar gehörte. Zwei Tage später erhielt ich sie. Ich habe die Freundlichkeit dieses Wächters, die ich gerade in jenem Augenblick so nötig hatte, niemals vergessen.

Die ersten vier Wochen habe ich danach in dieser Zelle verbracht. Im Ganzen war ich glücklich. Nicht immer. Die Furcht vor den Verhören und die Sorge für mein „Zuhause“ hatten schon einmal die Oberhand. Doch Gottes Nähe erlebt man nie so sehr wie in den Schwierigkeiten. Und das Lesen des Wortes Gottes vermittelt eine tiefe, ruhige Freude, die stärker ist als alle Schwierigkeiten. Zum Bibellesen hatte ich die Zeit, und ich habe sie glücklicherweise auch dafür gebraucht. In der Regel las ich fünf bis acht Stunden am Tag. Als das Leseverbot aufgehoben wurde, konnte ich auch andere Bücher bekommen. Doch schon bald machte ich davon keinen Gebrauch mehr. Die Bibel wurde mir zu kostbar, und ich gönnte mir die Zeit nicht, um andere Bücher zu lesen, außer einem einzigen Reisebericht. Ich betrieb kein eigentliches Bibelstudium. Das hatte ich zu Hause jahrelang mit sehr viel Freude für mein Herz getan. Hier jedoch las ich betend zunächst das Erste Buch Mose und dann im Neuen Testament von Matthäus Eins an immer weiter, ohne mit anderen Stellen zu vergleichen und ohne zu versuchen, die tiefe Bedeutung von allem zu verstehen. Ich ließ das Wort auf mich einwirken und blieb bei dem ersten Eindruck stehen; die wunderbare Gnade und Liebe, die in all den Taten und Worten Gottes und des Herrn Jesus zu sehen sind; Seine Herrlichkeit, die nicht verborgen bleiben konnte, auch wenn Er Seinen Weg in Niedrigkeit ging; Seine Sorge für alle Umstände usw. Und später die herrlichen Segnungen, die in den Paulusbriefen zu finden sind. Gerade das brauchte mein Herz in jener Zeit. Und was das Ergebnis war, zeigt sich aus dem folgenden Zitat aus einem Brief, den ich in der Zelle geschrieben habe: "Mir geht es bestens. Ich versuche nach Matthäus 6,34; Römer 12,12 und Philipper 4,4+6 zu leben und erfahre Vers 7 („Der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und euren Sinn bewahren in Christo Jesu“). Ich kann fünf bis acht Stunden im Wort lesen, und das macht mich so glücklich! Es gibt mir eine solche Ruhe und Freude, die nicht auszusprechen ist. Dadurch kann ich viel singen. Bei den zwei Mal 25 Minuten Lüften am Tag singe ich beinahe die ganze Zeit, und auch in meiner Zelle. Gestern sang ich beim Lüften: „All den Weg leitet mich mein Heiland“, und da pfiff ein anderer mit.“

Das kann allein Gottes Gnade in einem schwachen Menschenherzen wirken. Und die Erfahrungen von Dutzenden anderen Gläubigen, mit denen ich sprach, sind dieselben. Eine Gruppe junger Menschen aus Meppel, die zum Tod verurteilt waren, saßen in Scheveningen in der Zelle. Als sie wussten, dass sie am folgenden Tag erschossen würden, haben sie die Nacht gemeinsam mit Gebet, dem Singen von Lobliedern und der Verkündigung des Evangeliums an diejenigen verbracht, die in den Nachbarzellen saßen. Ein anderer zum Tode Verurteilter, der nahe bei ihnen in einer Zelle saß, hat es beschrieben und die Chance gesehen, dass sein Brief aus dem Gefängnis gebracht würde. Er selbst ist kurz darauf standrechtlich erschossen worden, aber sein Abschiedsbrief und das Zeugnis der Mitgefangenen lassen erkennen, wie Gott in den vier Monaten, die zwischen der Verkündung und der Vollstreckung des Todesurteils lagen, sein Herz gestärkt und ihm Freude gegeben hat.

Der Herr Scholtens, der Direktor der Christlichen Bildungsanstalt in Groningen, saß 1942 gleichzeitig mit mir gefangen. Die letzte Zeit saß er mit fünf oder sechs anderen in einer Gemeinschaftszelle. Er erzählte mir später, und andere haben es mir bestätigt, dass er regelmäßig mit ihnen betete und las und das Gelesene besprach, und wie Gott das segnete. Als wir zusammen nach Amersfoort gebracht wurden, hörte ich ihn auf einem Gleis in Groningen zu einem Familienangehörigen sagen: „Gott ist gut!“

Und auch Ungläubige haben es bezeugt, wie Gott in der Zelle durch Sein Wort an ihren Herzen gewirkt hat.

Amersfoort

Am 20. November wurden wir mit vierzehn Mann aus der Haftanstalt zu Groningen zum PDA (Polizeilichen Durchgangslager Amersfoort) gebracht. Ich will nicht länger beim Empfang und der Behandlung der Juden verweilen. Übrigens sind der Zustand und die Atmosphäre des PDA 1942 nur von solchen zu begreifen, die es selbst mitgemacht haben.

Eines der Dinge, die mich in den ersten Tagen am meisten trafen, war die Behandlung der Juden. Ihr Zustand war noch schlechter als derjenige der übrigen Gefangenen. Die deutsche Lagerverwaltung und die Wächter konnten keinen Juden sehen, ohne auf ihn loszuschlagen, und auch niederländische Gefangene, die zu einer Aufgabe im Lager ermächtigt worden waren, machten hierbei mit, um die Gunst der Lagerverwaltung zu erlangen oder in ihr zu bleiben. Ich habe gesehen, wie verschiedene von ihnen Juden zu Tode prügelten oder in den Stacheldrahtzaun warfen, wo diese dann von den Wächtern angeschossen wurden, um langsam zu sterben. Niemals habe ich die Antwort Gottes auf ihre Herausforderung: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder“ (Matthäus 27,25) so in all ihrer Schrecklichkeit empfunden wie in diesen ersten Tagen. Herr Scholtens und ich haben viel darüber gesprochen. Und von selbst kamen unsere Gespräche dann auf Ihn, der all das Leid der Misshandlung, des Hasses und der Verachtung gekannt hat, und zwar noch viel tiefer, als wir es je erfahren könnten (Hebräer 12,2.3).

Obwohl ich gut wusste, dass wir in eigener Kraft nichts vermögen und auch auf den Herrn vertraute, kam auf dem Weg zum Lager doch wohl der Gedanke bei mir auf: Andere kommen doch gut davon, du wirst auch wieder durchkommen. Du bist stark und gesund, warum also nicht? Als ich ein paar Wochen da war, ließ der Herr mich erkennen, dass Er allein bewahren kann und dass Vertrauen auf eigene Kraft und eigenes Können Torheit ist. Während eines der berüchtigten Appelle jenes Winters verlor ich drei- oder viermal das Bewusstsein. Durch Gottes Führung wurde ich in die Krankenbaracke aufgenommen, wo sich zeigte, dass ich ein Magengeschwür bekommen hatte. Menschlich gesehen war mein Zustand sehr bedenklich. Wie jeder andere Neuling hatte ich in den ersten paar Wochen ungefähr ein Pfund pro Tag abgenommen. Nun wurde dies durch das Fieber und dadurch, dass ich das wenige Essen, das wir bekamen, nicht mehr vertragen konnte, noch schlimmer. Obwohl mich der Herr vor einer aufsässigen Haltung bewahrte, kam doch schon einmal die Frage auf, warum dies alles nötig war. In Seiner Gnade hat der Herr mir, neben den oben genannten Gründen, später in Vught noch eine weitere Antwort gegeben. Dort konnte ich insgeheim in meinen Akten nachsehen lassen, und mir wurde klar, dass darin stand, dass ich in ein berüchtigtes deutsches Konzentrationslager geschickt werden sollte. Durch meine Krankheit ist das nicht weiter verfolgt worden. Der Herr Scholtens ist in dieser Zeit wohl dorthin transportiert worden und war innerhalb eines Monats gestorben.

Bibeln gab es im Lager nahezu gar nicht. Es war dort auch streng verboten, eine zu besitzen, und auch unter den Gefangenen gab es Verräter. Die eine Bibel hatten, gingen folglich sehr vorsichtig damit um und liehen sie nur vertrauten Personen aus. Unter ihnen gingen sie allerdings von Hand zu Hand; der eine hatte sie eine Stunde, ein anderer zwei usw. Als ich ein paar Wochen in der Krankenbaracke lag, bekam ich zum ersten Mal eine. Die Art und Weise, wie ich den Eigentümer kennen lernte, war eigenartig. Im Waschraum, wo morgens die 300 bis 400 Bewohner der Krankenbaracke sich waschen mussten, hörte ich, dass jemand einen anderen darauf hinwies, dass Gott alle Dinge lenkt. Als Beweis nannte er ein paar Texte. Ich nannte dann den ersten Abschnitt von Sacharja 6. Ein oder zwei Tage später erkannte der Sprecher mich im Waschhaus wieder und fragte, wie ich das gemeint hätte. Er hatte den Abschnitt gelesen, verstand jedoch nicht, wie ich ihn mit seiner Bemerkung in Zusammenhang hatte bringen können. Dadurch wusste ich, dass er eine Bibel hatte und erhielt sie schon bald für ein paar Stunden zum Lesen. Ein unsagbarer Reichtum, wenn man einige Wochen ohne auskommen musste. Der Eigentümer der Bibel war ein niederländisch-reformierter Prediger aus der Provinz Groningen, der damals schon monatelang in Amersfoort gewesen und dadurch akklimatisiert war. In den Wochen nach unserer ersten Bekanntschaft bis zum 7. Januar 1943, als sie freigelassen wurden, hatte ich eine große Achtung vor ihm und seinen Kollegen, mit denen er zusammenarbeitete, bekommen. Sie sind für viele in jenen dunklen Tagen im Dezember 1942 zum Segen gewesen. Sie hatten gehofft, vor den Weihnachtstagen nach Hause gehen zu dürfen und waren sehr enttäuscht, als dies nicht möglich war. Nach den Festtagen sagten sie jedoch, dass sie froh wären, dass Gott sie dort gelassen hätte, denn sie waren in dem Dienst, den sie in jenen Tagen für Ihn tun durften, besonders gesegnet.

Religiöse Zusammenkünfte waren streng verboten. Dennoch wurden sie in einigen Baracken, wo die Saalleiter (Gefangene) dem nicht feindlich gegenüberstanden, jeden Sonntag abgehalten, und in der Krankenbaracke noch häufiger. Angesichts der drohenden Gefahr waren sie immer klein, mit fünf bis fünfzehn Personen als Teilnehmern, und fanden zwischen den Betten statt, so dass die Menschen bei Gefahr leicht wegkommen konnten. Gewöhnlich wurde gebetet, ein Abschnitt vorgelesen und etwas darüber gesagt und dann wieder gebetet. Insgesamt ungefähr eine Viertelstunde lang. Natürlich wurde nie dazu gesungen. Das Interesse war immer groß, aber angesichts der Gefahr wurden nur vertrauenswürdige Personen dazu eingeladen. Insbesondere an den Weihnachtstagen des Jahres 1942 haben viele derartige Zusammenkünfte stattgefunden.

Daneben sprachen wir in der Krankenbaracke regelmäßig mit den Patienten. Wir taten das meistens jeder auf seinem eigenen Saal, denn offiziell durfte man nicht in einen anderen Saal kommen. So ging ich, als ich aus dem Bett aufstehen durfte, jeden Morgen an den Bettpatienten vorbei. Damals habe ich den Segen des Konzentrationslagers kennen gelernt. Mit Dutzenden Menschen habe ich gesprochen, von den höchsten zu den niedrigsten Gesellschaftsschichten, sowohl mit Katholiken als auch mit Protestanten, sowohl mit Gläubigen als auch mit Namenschristen, ja auch mit Gottesleugnern. Keiner von diesen allen weigerte sich, über den Herrn Jesus zu sprechen. Nicht dass sie alle glaubten oder annahmen, was wir sagten. Aber es hat sich doch, soweit ich mich erinnern kann, niemand geweigert, darüber zu sprechen. Dort fielen alle Dinge weg, auf die der Mensch sich so gern stützt: Reichtum, Position, Wissen, Aussehen, Umgebung, Verwandtschaft usw. Und als dann unter der erniedrigenden Behandlung und den schrecklichen Umständen die Maske des so genannten Anstandes wegfiel und die wahre Natur des Menschen zum Vorschein kam, wurden sein Selbstbewusstsein und seine Selbstachtung erschüttert. Und wenn noch Krankheit mit der Aussicht, dort sterben zu müssen, hinzukam, dann war der Hochmut meistens gebrochen. Wie dankbar waren sie oft, wenn sie ihr Herz ausgeschüttet hatten und wir dann gebetet hatten, ob ich ein paar Texte aufgesagt hatte oder bei den etlichen Malen, wo ich eine Bibel oder ein Neues Testament hatte und daraus etwas vorlas.

Sicher sind nicht alle zur Bekehrung gekommen, und bei einigen, die das wohl bekannten, habe ich später, als sie frei waren, ein Fragezeichen setzen müssen. Aber daneben habe ich überzeugende Beweise von der Wirksamkeit des Geistes Gottes gesehen. Ein treffendes Beispiel dafür will ich nennen. Ein Herr von etwa 60 Jahren, von dem mir später bekannt wurde, dass er ein sehr bekannter Journalist war, wurde nach einem Aufenthalt von etwa 6 Monaten in sehr ernstlich krankem Zustand zu uns hineingebracht. Er hatte gehofft, in Kürze nach Hause zu kommen, und das hatte ihn auf den Beinen gehalten. Nun dachte er, dass er hier sterben müsse. Er erzählte mir, dass er römisch-katholisch erzogen worden sei, dass er und seine Frau sich seit ihrer Jugend jedoch um nichts mehr gekümmert hätten. Nun hörte er aufmerksam zu, als ich über den Herrn sprach oder ihm vorlas, und er erkannte, dass ein Leben ohne den Herrn ein verlorenes Leben war. Eines Morgens erzählte er sehr bewegt, dass er einen Brief von seiner Frau bekommen hätte. Ohne dass sie etwas von ihm wusste, schrieb sie, dass sie den Herrn kennen gelernt hätte und drängte ihn dazu, sich Gott zuzuwenden.

Am Weihnachtsabend erhielt einer der oben genannten Prediger von dem Barackenführer die Erlaubnis, eine Weihnachtsgeschichte zu erzählen, solange es nicht das Weihnachtsevangelium war. Er hat eine Kindergeschichte erzählt, in der doch das Evangelium gebracht wurde. Anschließend haben wir beide noch ein Lied gesungen. Alle hörten aufmerksam zu, viele mit Tränen in den Augen.

Diese Wochen in der Krankenbaracke des Lagers Amersfoort gehören mit zu den glücklichsten Zeiten meines Lebens. Das Bewusstsein der Gemeinschaft Gottes und der Tatsache, dass ich von Ihm gebraucht wurde, und gleichzeitig das Sehen der Kraft des Wortes Gottes gaben mir eine Freude ins Herz, die durch nichts zerstört werden konnte.

Vught

Am 13. Januar 1943 wurden wir mit mehr als 250 Mann von Amersfoort nach Vught gebracht. In jenem Augenblick wussten wir nicht, wo wir hingingen. Wie immer gingen in Amersfoort die wildesten Gerüchte um, die zwischen einem „Vernichtungslager“ in Deutschland und einem neuen Lager in den Niederlanden variierten. Bei jeder Äußerung und Tat der SS wurde ausführlich besprochen, ob wohl eine Schlussfolgerung über den Bestimmungsort des Transports zu ziehen war. Wir bekamen ein Stück Brot für unterwegs mit. Trotz des Hungers fanden wir es schlimm, dass es mindestens zweimal so groß war wie unsere gewöhnliche Tagesration. Das deutete auf eine weite Reise hin, also außerhalb der Niederlande. Als wir im Zug saßen, achteten wir wieder ängstlich auf die Richtung. Nach Utrecht, also nicht nach Deutschland. Eine allgemeine Erleichterung machte sich breit. So kamen wir nach Vught. Nach einem Marsch von einer knappen Stunde, angetrieben von den Gewehrkolben der SS, kamen wir im Lager an. Es war in der Tat ein neues Lager und noch lange nicht fertig. Wir waren die ersten niederländischen Gefangenen. Am vorherigen Tag waren zwanzig Berufsverbrecher aus deutschen Lagern angekommen. Diese hatten den besonderen Auftrag, den Niederländern „Ordnung“ beizubringen. Wenn sie es gut machten, sollten sie freigelassen werden. Sie haben dem Befehl in der Tat „gut“ Folge geleistet, was besonders im ersten halben Jahr Hunderten Gefangenen das Leben gekostet hat. Bei uns begann es so, dass sie eine Leibesvisitation durchführten und uns alles, was sie fanden, abnahmen, ob wertvoll oder wertlos, sogar das Essbesteck. So wurde ich ein Exemplar der „Kurzen Erklärung über das Dritte Buch Mose“, das ich in Amersfoort bekommen hatte und unter meinen Kleidern trug, los.

Die Umstände in Vught waren in den ersten Monaten viel schlechter als in Amersfoort. Nicht nur, weil es noch weniger zu essen gab. Dazu kam, dass die deutschen Kapos den ganzen Tag versuchten, mit Knüppeln ein mörderisches Arbeitstempo vorzugeben, vor allem in den ersten Tagen. Am schlimmsten war jedoch, dass wir auch abends und nachts keine Ruhe hatten. Es war unmöglich, mit ein paar Männern auch nur eine Zeit lang abseits zu sitzen und über geistliche Dinge zu sprechen. Am ersten Tag begegnete ich bereits ein paar gläubigen Predigern, die unter mir schliefen. Am zweiten oder dritten Tag traf ich Bruder Hans Jr. aus Eindhoven. Im Allgemeinen musste sich unser geistlicher Kontakt jedoch auf eine einzelnes Wort, einen Händedruck oder ein ermutigendes Nicken beschränken. In einer der ersten Wochen war ich dabei, als einer dieser Prediger ein paar Faustschläge ins Gesicht bekam, weil er kurz mit einem SS-Mann gesprochen hatte. Er hatte diesem SS-Mann das Evangelium gebracht, und ein deutscher Gefangener hatte das gesehen. Alle, die geistliche Leitung ausüben konnten, wurden systematisch verfolgt. So kam schon an einem der ersten Tage ein Befehl, dass Prediger und Geistliche nur in die schwersten Außenkommandos eingeteilt werden durften. Aber auch in diesen Tagen konnten wir Gottes Hand sehen. Einige Wochen später kam der Befehl aus Berlin, dass sie überhaupt keine Arbeit verrichten durften, es sei denn, dass sie es von sich aus täten.

Wenn wir einfältig sind, dann sehen wir Gottes Fürsorge für die Seinen in Tausend Fällen. Auch in Vught sahen wir sie in unzählbaren Dingen, jeder in seinem eigenen Leben. Aber auch in Dingen, die uns alle betrafen. Als wir am 13. Januar dort ankamen, wurden uns die zwei dünnen Decken, die wir aus Amersfoort mitgebracht hatten, weggenommen, und wir mussten ohne jegliche Bettdecke schlafen. Zu dieser Zeit lag dort Schnee, und es fror stark. Eine Woche später bekamen wir eine wieder zurück. Die meisten hatten keinen Mantel und keine Unterkleidung, oder nur Lumpenzeug. Jeden Tag hatten wir drei Appelle, die zusammen gewöhnlich ein paar Stunden dauerten, und die meisten mussten weiter den ganzen Tag draußen an der frischen Luft arbeiten. In den Monaten Januar, Februar, März sind wir jedoch zwei- oder dreimal von Regen durchnässt worden. Das Wetter war seit der Woche, wo wir in Vught ankamen, so mild und trocken, dass es jedem auffiel. Ich sprach einmal mit einem ungläubigen Arzt darüber, als wir nebeneinander auf dem Appellplatz standen, und sagte, dass wir darin doch Gottes gute Fürsorge für uns sehen könnten, weil es doch eigentlich unnatürlich war. „Man kann es beinahe nicht anders nennen“, antwortete er. Doch kurz darauf fügte er noch hinzu: „Aber die beiden vorherigen Winter waren gerade so fürchterlich streng, und auch wenn wir noch nicht gefangen saßen, gab es doch andere, die es waren.“ Das ungläubige Herz gebraucht gerade die stärksten Beweise der Güte Gottes und Seiner Erhörung der Gebete Seiner Kinder, um seinen Unglauben zu rechtfertigen. (Hier endet der Bericht von Bruder Heijkoop in Aus dem Wort der Wahrheit.)

Während der ersten Tage seiner Freiheit, als Bruder Heijkoop nichts anderes als die Kleider, die er am Leibe trug, besaß, hörte er deutlich, wie der Herr ihm zeigte, dass nunmehr die Zeit gekommen war, um sich im Glauben an Sein Werk zu begeben. In kurzer Zeit sorgte der Herr nicht nur dafür, dass unser Bruder finanziell unabhängig werden konnte und mit bedeutendem Vermögen gesegnet wurde (was er ausschließlich dem Werke des Herrn zur Verfügung stellte; in seiner persönlichen Anspruchslosigkeit war er seiner Umgebung stets ein Vorbild), sondern auch dafür, dass eine riesige Literaturarbeit mit weit reichenden Auswirkungen und zum Segen für viele Gläubige begonnen werden konnte.

Der Herr gab ihm viele Gelegenheiten zum Dienst außerhalb Hollands, namentlich in Nordamerika (insbesondere Kanada), Spanien, Großbritannien, der Schweiz und Deutschland. Bald nach dem Zusammenbruch der Naziherrschaft konnte auch der Kontakt zu dem neu erstehenden Zeugnis der Versammlung in Deutschland hergestellt werden. Heijkoop verließ sich sehr auf die Leitung des Heiligen Geistes und reiste so umher, wie der Herr ihn führte. So tat er einen wichtigen Reisedienst zur Ernährung der Schafe Christi. In erster Linie wird man seiner unter den „Brüdern“ als eines Lehrers des Wortes Gottes gedenken. Einige Zeit seines Lebens verbrachte er in einem eigenen Haus in Vevey am Genfer See; in den 1960er-Jahren half er den Versammlungen in der französischsprachigen Schweiz, als ein bekannter Lehrer unter den „Brüdern“ von den Adventisten die Irrlehre von der „bedingten Unsterblichkeit“ der Seele und der Vernichtung der Gottlosen angenommen und für einige Verwirrung in den Zeugnissen gesorgt hatte.

Manchmal, so erzählte er, waren deutsche Brüder zu ihm gekommen und entschuldigten sich für die Behandlung, die er vonseiten der Nazis erfahren hatte. Seine Antwort war, dass sie sich für nichts zu entschuldigen hätten. Wenn sie auf dem Pfad der Fremdlingschaft gewandelt seien, abgesondert von der Welt und ihrer Politik, dann hätten sie an der Boshaftigkeit der Regierung jener Zeit keinen Anteil gehabt. Aber wenn sie das Hitler-Regime auf irgendeine Weise unterstützt hätten, seien sie sicher verantwortlich und sollten es sogleich dem Herrn bekennen. Dies war eine deutliche Veranschaulichung dessen, warum ein guter Kriegsmann Jesu Christi sich nicht in die Angelegenheiten dieses Lebens verwickeln sollte. Die Beteiligung an der Politik bringt die Verantwortung der Teilhabe an den Sünden anderer mit sich.

Er gab eine niederländische Monatszeitschrift unter dem Titel Uit het Woord der Waarheid („Aus dem Wort der Wahrheit“), deren Zielsetzung es war, einfach und grundsätzlich die Hauptwahrheiten des Christentums zu behandeln und die Grundlagen des Zusammenkommens der Gläubigen zu studieren, zusammen mit der vor allem das prophetische Wort behandelnden Beilage „De Morgenster“ („Der Morgenstern“) über vierzig Jahre lang heraus. Außerdem verfasste er eine ganze Anzahl Bücher, die fast alle noch erhältlich sind und wovon Briefe an junge Menschen wohl mit ca. zwei Millionen Exemplaren Gesamtauflage die größte Verbreitung gefunden haben wird (in Albanisch, Armenisch, Bulgarisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Hindi, Holländisch, Kroatisch, Malayalam, Norwegisch, Punjabi, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Spanisch, Tagalog, Tamil, Telugu usw.).

Seine Bücher und Broschüren

Im Einzelnen erschienen von Bruder Heijkoop folgende Bücher und Broschüren im Niederländischen bzw. Deutschen (hier ohne zeitliche Reihenfolge angegeben):

Der Platz des Zusammenkommens für die Gläubigen; Der Heilige Geist; Der Brunnen Lachai-Roi; Der Sohn Gottes, der mich geliebt hat; Briefe an junge Menschen; Der erste Brief des Petrus; Die Opfer. Vorträge 1968-70; Die Opfer. Die geistliche Bedeutung der Opfer im Alten Testament; Das Buch Ruth; Die Zukunft nach den Prophetien des Wortes Gottes; Themenreihe Auf dass Er uns zu Gott führe mit folgenden Vorträgen: Wer ist Gott und wer der Mensch (1), Buße und neue Geburt (2), Rechtfertigung und Frieden mit Gott (3), Befreiung und Errettung (4), Versiegelung (5), Ewiges Leben (6), Leitung des Heiligen Geistes (7), Auserwählung (8); Der Brief an Philemon; Der Brief an die Epheser; Aus dem Wort der Wahrheit. Gesammelte Vorträge, 5 Bände: Gebetsheilungen, Zungenreden, Zeichen und Wunder im Lichte der Schrift; Der Judasbrief; Die Versammlung des lebendigen Gottes; Was sagt die Bibel über die Zukunft? Was sagt die Bibel über die Versammlung? Fragenbeantwortungen.

Er wirkte überall auf die weitest mögliche Verbreitung von Bibeln (insbesondere der ausgezeichneten englischen Übersetzung von Bruder Darby) und gesunder auslegender Literatur hin. Die Verbreitung seiner Schriften in Indien führte zu Kontakten mit den Brüdern Ronny Fernandes in Bombay und K. Yohan in Tenali, deren Pflege und Weiterführung auf Bruder Heijkoops Wunsch von Brüdern in Deutschland übernommen wurde.

Als Sektierer den Verkauf ihrer Ausgabe der Gesammelten Schriften John Nelson Darbys an alle außerhalb ihres eigenen exklusiven Kreises verbaten, brachte Bruder Heijkoop es fertig, dass genügend Exemplare für alle Interessenten zu einem niedrigen Preis gedruckt wurden. Es gab eine Zeit, wo nur sehr wenige Brüder in Europa ein Set besaßen, doch verfügten bis zu den frühen 1980er-Jahren die meisten, die im Leben der Versammlungen aktiv waren, über eines. Ebenso ließ er 1969 die von William Kelly herausgegebene Bibelstudienzeitschrift Bible Treasury (1856-1920) nachdrucken, womit den jüngeren Brüdern international der Zugang zum Schriftgut der bewährten Schreiber des vergangenen Jahrhunderts eröffnet wurde. 1995 hat die von ihm gegründete Stiftung Uit het Woord der Waarheid in Zusammenarbeit mit den Verlagen Chapter Two, London, und GBV, Dillenburg, einen weiteren Nachdruck im Hinblick auf die Bedürfnisse in unseren Heimatländern, besonders aber auch in den Missionsgebieten und dem nun weit geöffneten Ostblock, vollzogen. Die Auslieferung erfolgte wenige Tage vor seinem Heimgang. Es ist auch sein großes Verdienst, dass er weitere Schriften englischer Brüder aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf eigene Kosten neu herausgegeben hat, wie z.B. einige Werke von William Kelly, Charles Henry Mackintosh und George Vicesimus Wigram.

Die östlichen Staaten und die Missionsländer der Dritten Welt lagen so sehr auf seinem Herzen, dass Tausende und Abertausende Bücher dort vertrieben wurden. Er erfreute sich daran, zu sehen, wie das Evangelium von der Gnade Gottes sich weithin verbreitete. Heutzutage leben sehr viele Menschen nach den Wahrheiten, welche seine Bücher aus der Heiligen Schrift auslegen. Leider wenden sich in manchen Gegenden viele von der Wahrheit ab. Einmal sagte er, dass dort, wo das Licht am hellsten geschienen hatte, wir nunmehr das größte Abweichen und die größte Finsternis sehen. Er bezog sich damals auf England, doch leider könnten diese Worte heute auch auf die Niederlande angewandt werden.

In den letzten paar Jahren seines Lebens wurde er von einer äußerst schwachen Gesundheit und einem auf Grund der Alzheimer-Krankheit am Ende völligen Gedächtnisschwund geplagt. Er erkannte zuletzt beinahe niemanden mehr; er sprach nicht mehr und wurde immer unerreichbarer. Es war traurig, ihn, der einst solch einen scharfen Verstand und tiefe Einsicht in die Heilige Schrift hatte, so sehr seiner geistigen Kräfte beraubt zu sehen. Heijkoop lebte mit seiner Ehefrau in einem von den „Brüdern“ verwalteten Altenheim in Bonn-Mehlem, Deutschland, wo er liebevoll gepflegt wurde. Das Ehepaar hatte keine Kinder. Sein Heimgang war von dem Dank an unseren Herrn dafür begleitet, dass Er solch eine Gabe für Seine Versammlung erweckt und ihn aus seiner müden und schwachen Hülle heraus ins Paradies entlassen hatte.

Diese biographische Skizze zeigt nur ein wenig von dem, was der Herr in diesem Diener gegeben hat. Nun darf er Den schauen, von Dem er oft mit bewegter Stimme in die überfüllten Säle hineingerufen hat: „... den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat“ (Galater 2,20). Möge es uns gewährt sein, dass auch wir dem Herrn in treuem Gehorsam folgen, bis Er für uns alle in den Wolken wiederkommen wird. „Gedenket eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet haben, und, den Ausgang ihres Wandels anschauend, ahmet ihren Glauben nach“ (Hebräer 13,7).