30.06.2010Versammlung / Gemeinde

Zusammenkünfte zum Thema Versammlung IV (Plainfield, 1896)

Zusammenkommen der Versammlung

Das zentrale und wichtigste Zusammenkommen der Versammlung ist natürlich das Brotbrechen. Seine Einfachheit als ein Gedenken an den Tod Christi verstärkt die Heiligkeit, die es in der glückseligen Feierlichkeit der Gegenwart des Herrn kennzeichnen sollte. Preis und Anbetung werden es sicherlich prägen, aber nicht bloß die persönliche Anbetung, sondern die gemeinschaftliche Danksagung der Versammlung unter der Kraft und Leitung des Heiligen Geistes. Es ist der Platz der glückseligen Freiheit des neuen Menschen, nicht aber der fleischlichen Energie oder Nachlässigkeit. Das Singen von Liedern ist eine liebliche Übung an ihrem Platz, aber es bedarf der Einsicht und der Mäßigung in ihrer Anwendung. Ein Lied vorzuschlagen, um die Stille aufzulösen oder um seiner persönlichen Verantwortung nachzukommen, ist nicht der Sinn der Sache und verkehrt. Lasst uns keine Furcht vor Augenblicken der Stille haben, die eine heilsame Übung hervorrufen, und lasst uns gewarnt sein vor ungeziemender Hast, welche die religiöse Welt kennzeichnet, von der wir umgeben sind: „Harre auf den Herrn" (Ps 27,14).

Während das Volk des Herrn frei ist von der Furcht, welche die Gesetzlichkeit begleitet, sollte es sich davor hüten, sich seinem Tisch mit ungerichteter Sünde oder in einem Zustand der Nachlässigkeit und Leichtfertigkeit zu nahen. Ernst, Bedächtigkeit und ein Geist unter der Zucht Gottes sind die passenden Begleiterscheinungen einer Freude, die umso tiefer ist, je weniger überschwänglich sie auftritt.

Es braucht kaum hinzugefügt zu werden, dass dieser heilige Schauplatz kein Ort für das Eindringen von Fragen der Zucht und Schwierigkeiten ist, die in der Versammlung anstehen mögen. Mit solchen Angelegenheiten sollte man sich bei einer passenden Gelegenheit befassen, damit die Herzen ohne Ablenkung frei sind, um mit dem Herrn beschäftigt zu sein. Dann wird Anbetung die Folge sein. Ein glücklicher Zustand beim Brotbrechen sorgt für Segen und Erbauung in den anderen Zusammenkünften.

Die Zusammenkommen zur Auferbauung und zum Gebet

Wenn nach bestimmten Schriftstellen gefragt werden, die uns etwas über die Zusammenkommen zur Auferbauung und zum Gebet sagen, so gibt uns Hebräer 10,25 eine allgemeine Ermahnung, was das Zusammenkommen angeht. Verschiedene Bedürfnisse erfordern Gebet, wovon wir in Apostelgeschichte 12,12 und 2,42 Beispiele finden. Die Gläubigen brauchen Unterweisung, was die Stunde zur Wortbetrachtung auf treffende und einfache Weise bietet. Wir dürfen in dieser Haushaltung nicht erwarten, bestimmte Anweisungen in Bezug auf Einzelheiten der Versammlungsstunden zu finden. Die Anwesenheit und Leitung des Heiligen Geistes füllt diese Stelle aus. Wenn eine Handlung mit dem Wort Gottes in Übereinstimmung ist und offensichtlich der Erbauung dient, brauchen wir keine weitere Autorisierung dafür zu fordern. Das Wort Gottes zieht bestimmte eindeutige und klar definierte Grenzen. Der Heilige Geist sollte ungehindert wirken können, welchen Kanal Er benutzen möchte. Die einfache Anweisung: „Alles geschehe zur Erbauung" (1. Kor 14,26.40), ist ausreichend.

Die Wortbetrachtung

Das Zusammenkommen zur Wortbetrachtung ist sehr geeignet für ein schwaches Volk, das sich keiner großen Dinge rühmen und keine Redegewandtheit aufweisen kann, während es gleichzeitig gerade die Nahrung und Unterweisung liefert, welche die Gläubigen brauchen. Wenn Abhängigkeit von Gott und eine angemessene Sorgfalt vorhanden ist, wird die schwächste Gemeinschaft von Gläubigen die Stunde zur Wortbetrachtung als großen Segen empfinden. Es erscheint in der Regel am besten, sich ganze Bücher, wie etwa ein Evangelium oder einen Brief, vorzunehmen und regelmäßig durchzugehen, statt hier und da ein Kapitel zu betrachten. Spezielle Themen würde natürlich eine Ausnahme darstellen. Lange Diskussionen, insbesondere über Dinge, die nicht von allgemeinem Interesse sind, sollten vermieden werden. Punkte, die im Moment zu schwierig erscheinen, sollte man aufheben, bis man mehr Klarheit bekommen hat.

Wenn der Einwand der Eintönigkeit gegen die Wortbetrachtung erhoben wird, muss die Antwort sein, dass dies nicht am Wort Gottes, sondern an uns selbst liegt. Abhilfe wird nicht dadurch geschaffen, dass man die Stunde zur Wortbetrachtung vernachlässigt, sondern dadurch, dass unser Interesse neu angeregt wird. Wenn jene, die im Werk des Herrn beschäftigt sind, häufiger Wortbetrachtungen halten würden, könnte ein Beispiel gegeben werden und so dazu ermutigt werden, dies fortzuführen. Es besteht in dieser Hinsicht ein großer Bedarf an einer Wiederbelebung unter dem Volk des Herrn.

 Die Gebetsstunde

Wo es ein Gefühl von Not, aber zugleich einen Glauben gibt, der auf Gott zählt, wird es keine Schwierigkeiten bezüglich der Gebetsstunde geben. Wirklichkeit und Einfachheit sollten sie kennzeichnen. Es muss notwendigerweise die größte Freiheit für die Leitung des Geistes vorhanden sein, sei es in dem zusammenhängenden Gebet des geistlichen „Vaters" oder in den bruchstückhaften Äußerungen des „Kindes". Es ist unangebracht eines der beiden Gebete zu kritisieren. Die jungen Gläubigen sollen ermuntert werden, ihre Bedürfnisse frei in der Gebetsstunde auszudrücken.

Wo die wirkliche Energie des Heiligen Geistes gegenwärtig ist, wird kein Raum für Eintönigkeit sein. Möge Gott in seiner Gnade sein Volk zu vielem Gebet erwecken.

In 1. Korinther 14. lesen wir von einer Versammlungsstunde, die wir offenes Zusammenkommen nennen wollen, an dem alle unter schriftgemäßen Einschränkungen teilnehmen dürfen. Oft, wenn sich keiner zu einer längeren Ansprache in der Lage sieht, können mehrere in hohem Maße zur Erbauung sprechen.

Dies ist von einer Evangelisationsveranstaltung und einem Lehrvortrag zu unterscheiden, die sich vollständig in der Hand dessen befinden sollten, der die Verantwortung dafür übernimmt.

Der Bereich der Frau

Das Werk des Herrn war in der Zeit der Apostel einfach und formlos. Es ging nicht darum, Hallen zu mieten und Leute einzuladen, sondern man ging zu ihnen hinaus. Doch nur die Minderheit hat die Gabe, öffentlich predigen. Das große Werk, das Seelen für Gott gewinnt, besteht darin, sich persönlich mit ihnen zu beschäftigen. Hier können sich Schwestern so frei und hingebungsvoll einsetzen wie jeder andere. Das Werk von Haus zu Haus ist ein echter Bereich für Frauen, weil sie oft dort Zutritt haben, wo Männer ihn nicht haben. Wo immer man in der Schrift Frauen findet, die auf öffentliche Weise hervortreten, ist dies immer böse, oder es setzt Versagen beim Mann voraus. Es gibt nichts, wovon sie ausgeschlossen ist, außer vom öffentlichen Dienst und von Führerschaft. Philippus‘ Töchter weissagten in ihrem Haus. Wenn Frauen das Herz der Menschheit sind, sehen wir ihren Aufgabenbereich. Anna hielt im Tempel nicht vor einer Menschenmenge eine Predigt, sondern sprach persönlich zu den Menschen. Im Zuge der Arbeit an der Stiftshütte spannten die Frauen Ziegenhaar und Byssus, während Männer das öffentliche Werk taten.

Als Debora Israel in einer Zeit des Niedergangs richtete, heißt es dennoch in Richter 4,5, dass die Kinder Israel zu ihr hinaufkamen. Und obwohl es ihr Glaube war, der Barak ermutigte, führt sie nicht die Armee an. Zeiten des Niedergangs werden dadurch sichtbar, dass Frauen in Erscheinung treten. Gott ist souverän, aber wir sollten in allem seinem Wort gehorchen, auch, was die Stellung der Frau betrifft.

Das vielseitige Arbeitsfeld für Schwestern

Es gibt ein großes und abwechslungsreiches Feld für Frauen, das im Neuen Testament aufgezeigt wird. Frauen dienten dem Herrn mit ihrer Habe (Lk 8,3), überbrachten den Jüngern seine Botschaft von der Auferstehung (Lk 24,9), machten Ihm ein Abendessen und salbten seine Füße (Joh 12,2.3). Sie machten Kleider und waren reich an guten Werken (Apg 9,36), sie öffneten ihre Häuser für das Gebet (Apg 12,12), beherbergten Gottes Diener (Apg 16,14; Röm 16,2), dienten Gott mit Gebet (Lk 2,37) und vieles mehr.

Was Personen beunruhigt hat, ist die Vorstellung, dass alles als öffentlicher Dienst geschehen muss. Dies liegt auf einer Linie mit dem Gedanken, dass alle Gaben des Dienstes in einer Person vereinigt sein sollten. Eines der allerbesten Werke in Indien ist das so genannte Zenana-Werk, 1 Anmerkung der Übersetzer: Zenana heißt übersetzt „Frauengemach" und bezeichnet den Wohnbereich der muslimischen und hinduistischen Frauen in Indien. das von Frauen inmitten von Frauen getan wird.

Was die Teilnahme der Schwestern an öffentlichen Zusammenkünften angeht, so ist die Sache sehr einfach. Schwestern sollten nicht die Stellung von Lehrern einnehmen. Der Mann ist eher der Geist der Menschheit, und die Frau das Herz. Das Herz ist nach außen hin nicht sichtbar. Der Kopf zeigt sich dagegen nach außen und ist damit öffentlich sichtbar. Die Fähigkeit der Frau steht außer Frage, ihr Bereich ist aber das Private. Dies ist die eigentliche und wahre Gesinnung einer Schwester.

Der häusliche Bereich

Der häusliche Kreis ist der Ort, wo die Frau in ihrer Fähigkeit und Nützlichkeit ihr Licht leuchten lässt. Ohne dies zu vernachlässigen stehen ihr viele glückliche und gesegnete Arbeitsfelder offen. In der Rastlosigkeit des Zeitalters, in dem wir leben, besteht die Tendenz, die Frau immer mehr aus ihrem eigentlichen Umfeld herauszudrängen, wobei alle - der Mann, sie selbst und die Familie - die Verlierer sind. Sogar die Welt selbst beginnt sich über die öffentliche Stellung der Frau zu beschweren, die zur Vernachlässigung der Fürsorge für die Familie führt. 2 Anmerkung der Übersetzer: Es gilt zu beachten, dass dieser Artikel Ende des 19. Jahrhundert geschrieben wurde. Das Ergebnis zeigt sich in den vernachlässigten Söhnen und Töchtern. Was die führende Stellung des Ehemanns betrifft, so wird man normalerweise finden, dass der Ehemann, der selbst einen Platz in Unterordnung unter den Herrn einnimmt, im Allgemeinen wenig in Bezug auf die mangelnde Unterordnung der Ehefrau zu beklagen hat. Die Schrift sagt: „Ihr Männer, liebt eure Frauen" (Kol 3,19), nicht: „Gebt ihnen Befehle", damit sie euch gehorchen.

Was die Teilnahme von Frauen an Zusammenkünften betrifft, die sich mit Zuchtfragen beschäftigen, so besteht keine Notwendigkeit, die Schrift zu verletzen. Wenn ihr Zeugnis erforderlich ist, kann es abgelegt werden. In diesem Zusammenhang müssen wir uns daran erinnern, dass das Gewissen der Schwestern genauso geübt und geachtet werden muss wie das der Brüder. Es wird keine Schwierigkeit darin bestehen, ihr Urteil bekannt zu machen. Vielleicht kann gerade die Notwendigkeit, die Ansicht der Schwestern zu ermitteln, eine unangemessene Eile verhindern, im Zuge derer man die Dinge in einer einzelnen Sitzung zu einer Entscheidung treiben will. Fälle, die für alle offensichtlich sind, würden natürlich nicht einen solchen Aufschub erfordern.


Fußnoten:

1 Anmerkung der Übersetzer: Zenana heißt übersetzt „Frauengemach" und bezeichnet den Wohnbereich der muslimischen und hinduistischen Frauen in Indien.

2 Anmerkung der Übersetzer: Es gilt zu beachten, dass dieser Artikel Ende des 19. Jahrhundert geschrieben wurde.