25.06.2010Versammlung / Gemeinde

Zusammenkünfte zum Thema Versammlung III (Plainfield, 1896)

Ein Kreis der Gemeinschaft 1 Eine Anmerkung der Herausgeber dieser Seite zum Thema "Kreis der Gemeinschaft" oder "Kreis von Versammlungen". Es gibt zu diesem Thema sehr hilfreiche Bemerkungen von Frank B. Hole: Versammlungsgrundsätze, S. 44 ff. Gerne wird nur auf zwei, drei Hinweise dieser ausführlichen Überlegungen zum Thema "Kreis von Versammlungen" verwiesen, die dann die eine oder die andere "Seite" von Überzeugungen in dieser Sache bestätigen sollen. Wir halten einen "Kreis von Versammlungen" nicht für richtig, "weil wir an etwas weitaus Größeres denken als an einen Kreis von Versammlungen, nämlich an die wahre Kirche (Versammlung) Gottes" (S. 51). "Was wir in der Praxis finden, ist, dass auch sie [die den Gedanken an einen Kreis von Versammlungen zugunsten von Unabhängigkeit usw. aufgegeben haben] nicht von einer Art Kreis loskommen können" (S. 52). Wir dürfen den Gedanken an eine gemeinsame Verantwortung, die nicht auf den Ort beschränkbar ist, nicht aufgeben. Aus diesem Grund haben wir auch diesen Teil der Serie "mitveröffentlicht", weil die Grundsätze der Verantwortung einer örtlichen Versammlung, wie sie im Neuen Testament vorgestellt und hier ausgedrückt werden, unabhängig von der Frage nach einem "Kreis" zu überdenken sind.

Ein Kreis der Gemeinschaft ist eine Notwendigkeit. Wenn wir keinen hätten, wie könnten wir dann die Ordnung verwirklichen, die durch den Apostel Paulus für das Haus Gottes aufgestellt worden ist? Auf derselben Grundlage, auf der wir ein örtliches Zusammenkommen anerkennen, müssen wir auch (an-)erkennen, dass man weltweit auf einer biblischen Grundlage zusammenkommen kann. Es handelt sich nicht um ein bloßes Bündnis. Wir schließen keinen Bund auf der Grundlage bestimmter Paragraphen miteinander. Wir sind einfach bemüht, gemeinsam den Weg im Gehorsam gegenüber Gottes Wort zu gehen. Manche haben Einwände gegen den Ausdruck „Kreis der Gemeinschaft". Aber oft sind es dieselben, die auch sagen: „Die Grundlage des einen Leibes" ist sektiererisch.

 

Nennt es, wie ihr wollt; der Ausdruck mag sich ändern, aber die Wahrheit darüber findet sich im Wort Gottes. Dieser Kreis ist die einzige praktische Darstellung des Leibes Christi. Das Gegenteil davon ist Unabhängigkeit, und Unabhängigkeit in dieser Weise möchte Gott in einem Geschöpf nicht vorfinden. Wenn es keine allgemeine Zucht gäbe, also eine, die alle Zusammenkommen in ihrer Auswirkung betrifft, dann gibt es überhaupt keine. Deshalb ist es notwendig, Fleiß anzuwenden, um „die Einheit des Geistes zu bewahren in dem Band des Friedens" (Eph 4,3).

 

Einheit des Leibes - Einheit des Geistes

Wenn wir dies täten, um die „Einheit des Leibes" zu bewahren, müssten wir jedes Glied des Leibes Christi anerkennen und aufnehmen, egal was für einen Lebenswandel es führt. Aber indem wir „die Einheit des Geistes" bewahren, handeln wir für den gesamten Leib, und Zucht ist dabei kein Hindernis, sondern trägt helfend dazu bei. Der Tisch des Herrn hat damit zu tun, dass wir uns versammeln. Wir erkundigen uns nicht nur, ob ein Mensch gewisse Kennzeichen von Gottesfurcht und Moral hat, sondern auch, ob er Verbindungen mit Menschen hat, die in Bezug auf Gott falsch stehen. In Tagen des Verfalls müssen wir umso mehr der Gerechtigkeit folgen, und wir können nicht Personen in die Gemeinschaft am Tisch des Herrn aufnehmen, die im Begriff stehen, Grundsätze anzugreifen, die Gott zu unserer Führung gegeben hat.

 

Wir haben die verschiedenen Systeme nicht notwendigerweise deshalb verlassen, weil die Personen dort böse waren, sondern weil sie die Anweisungen seines Wortes verleugneten und sich mehr oder weniger in einem Joch mit Ungläubigen befanden. Wir müssen heute bei der Aufnahme mehr Sorgfalt anwenden als je zuvor. Die Verdorbenheit von Lehre und Moral hat außerordentlich zugenommen, und überall gibt es den Ruf nach Neutralität. Es besteht in verstärktem Maß die Notwendigkeit der Unterweisung in Gottes Wort im Hinblick auf diese Dinge.

 

Recht im Blick auf den Tisch des Herrn

Jeder Christ hat in gewisser Weise das Anrecht, am Tisch des Herrn zu sein. Aber nicht in jedem Fall ist er berechtigt, daran zu sitzen. Seine Wege, seine Verbindungen oder sein Seelenzustand können ein Hindernis sein. Es wäre nicht richtig, dass wir Personen, die am Sonntagmorgen hereinkommen, einfach so am Brotbrechen teilnehmen lassen. Es ist eine Frage der Aufnahme, und wir sind verantwortlich aufzunehmen oder abzuweisen. Wir nehmen einander auf, wie auch Christus uns zu Gottes Herrlichkeit aufgenommen hat (Röm 15,7). Dies regelt die Aufnahme, aber die Herrlichkeit Gottes gebietet uns oft abzuweisen. Es ist Liebe zu den Seelen derer, die falsch stehen, sie abzuweisen, weil nicht nur die Gläubigen verletzt, sondern auch ihre eigenen Seelen ernstlich verletzt und verhärtet werden können.

 

Wenn nicht völlig nachlässig gehandelt wird, erfordert die örtliche Versammlung mehr oder weniger weit gefasst den Gedanken eines Kreises der Gemeinschaft. Gemeinschaft bedeutet Gemeinsamkeit der Interessen und des Urteils. Wo dies nicht existiert, ist wahre Gemeinschaft unmöglich. Wenn dieser Grundsatz in der örtlichen Versammlung wahr sind, so gilt dies genauso in einem breiteren Kreis und muss sogar für jeden gelten, der das kostbare Vorrecht der Gemeinschaft genießen möchte. Es ist zu befürchten, dass wir diese unermessliche Segnung nicht richtig wertschätzen, sonst würden wir vorsichtiger handeln. Die Herzen des Volkes des Herrn sind füreinander empfänglich, und ihr Vertrauen ist bedingungslos. Wir teilen unseren Kummer und unsere Freuden miteinander. Die Liebe ist ungehindert in all ihren Ausübungen. Alles, was in der Familienbeziehung lieblich und gesegnet ist, ist in dem Wort „Gemeinschaft" eingeschlossen. Wie sorgfältig sollte diese dann vor dem Missbrauch durch unredliche Personen geschützt werden, die sich des Vertrauens, das in sie gesetzt wird, nicht würdig erweisen.

 

Wir sollten auf der anderen Seite unsere Verantwortung erkennen, das praktisch zu verwirklichen, was im Wort Gottes enthalten ist. Lasst uns unsere Gedanken nicht abschwächen, was diese höchst wichtige Sache angeht. Ist es nicht gesetzlich zu denken, dass jeder Christ sofort aufgenommen werden muss, da ihm andernfalls Unrecht geschieht? Wir sprechen einer Person nicht ab, Christ zu sein, wenn wir ihr die Gemeinschaft am Tisch des Herrn nicht sofort ermöglichen. Aber wir sollten immer bestrebt sein, jedem die kostbaren Dinge Christi zu vermitteln, mit dem wir in Kontakt kommen. Das Brotbrechen sollte dem vollsten Ausdruck der Gemeinschaft, der darin verkörpert wird, vorbehalten sein.

 

In Zeiten von zwei oder drei

Da die biblischen Grundsätze eindeutig sind, wird notwendigerweise die Wahrheit betreffs des Kreises der Gemeinschaft eingeführt. In der Gnade des Herrn kommen zwei oder drei in seinem Namen zusammen und haben seine Zustimmung, so zu handeln. Ihre Gemeinschaft ist echt und schriftgemäß. Angenommen zwei oder drei andere würden sich auf dieselbe Weise, vielleicht in derselben Straße, versammeln, wäre es dann richtig, die anderen zu ignorieren? Wenn der Herr sagt, dass keine Spaltung in dem Leib sein soll, sind wir nicht verantwortlich, bemüht zu sein, dies zu verwirklichen. Wer wäre dann für ihr Getrenntbleiben zur Rechenschaft zu ziehen? Nur das, was Christus verunehrt, das heißt nicht schriftgemäß ist, stellt einen ausreichenden Grund dar, sich nicht gemeinsam zu versammeln. Andernfalls wäre ein Getrenntbleiben eine Spaltung.

 

Die einfache Wahrheit, dass der Leib Christi einer ist und nur an verschiedenen Orten durch Entfernung getrennt ist, ist ein einfacher Leitfaden. Wenn es nicht die Entfernung gäbe, die uns trennt, würden wir nicht alle zusammen sein? Wenn schriftgemäße Gründe für eine Trennung existieren, was für eine ernste Angelegenheit ist es dann, etwas zu vereinigen, was Gott getrennt hat. Hier haben wir sofort den Kreis der Versammlungen. 1. Korinther 10,16.17 und 1. Korinther 14,33 zeigen, dass die Ordnung, auf welcher der Apostel in Korinth im Gehorsam gegenüber der Anordnung des Herrn bestand, die Ordnung war, von der er ihnen versichern konnte, dass sie auch in den Versammlungen an anderen Orten existierte.

 

Mit dem Ausdruck „die Grundlage des einen Leibes" ist gemeint, dass wir bemüht sind, gemäß jener Wahrheit in Beziehung zueinander und zu anderen Versammlungen zu handeln. Dies ist das Bestreben, die Einheit des Geistes in dem Band des Friedens zu bewahren (Eph 4,3). Wie schmal der Weg auch sein mag - da die Grundsätze Gottes für die Gesamtheit gelten, ist deren Aufrechterhaltung das Beste für die ganze Versammlung. Es muss einen Kreis der Gemeinschaft geben (was in Wirklichkeit eine Anzahl von Zusammenkommen meint, die dieselbe Wahrheit festhalten und in Übereinstimmung mit denselben göttlichen Grundsätzen handeln), damit wir die Dinge verwirklichen können, die uns miteinander verbinden. Es ist wirklich eine Einheit, die das Wort Gottes durch den Heiligen Geist herstellt. Die einzige Alternative ist Unabhängigkeit, was durch und durch gegen Gottes Gedanken ist. Es ist die größte Anmaßung zu erklären, dass wir für uns selbst unabhängig von unseren Brüdern an anderen Orten handeln wollen. Sie zerstört jedes Vertrauen - nicht nur in die Zusammenkommen, sondern auch in die Kraft des Geistes Gottes, sie zu lenken und zu leiten. Das ist höchst ernst.

 

Nachbarzusammenkommen und weiter entfernte Zusammenkommen

Mehrere Gegenstände von großer praktischer Bedeutung erwachsen aus dieser Wahrheit. Jede Versammlung ist für jene verantwortlich, die örtlich mit ihr verbunden sind, sowie für den Zustand anderer Versammlungen, mit denen sie sich in Gemeinschaft befindet. Deshalb werden Empfehlungsbriefe ausgestellt und empfangen. Diese bestätigen den Überbringer und sichern ihm zu, empfangen zu werden (Röm 16,1; 2. Kor 3,1.2; 8,23). Der Brief bedeutet einfach, dass die Person, die an einem Ort aufgenommen wurde, im Blick auf die ganze Versammlung Christi aufgenommen wurde. Dieses Schreiben gibt Zeugnis vom gottesfürchtigen Lebenswandel er betreffenden Person. Man sollte sich davor hüten, auf solche Briefe zu verzichten, gerade in Tagen wie den jetzigen. Auf der anderen Seite sollte er nicht leichtfertig ausgestellt werden. Der Empfehlungsbrief ist nicht von einem Einzelnen, sondern von der Versammlung, und er wird nicht zu Einzelnen gesandt, sondern zu der Versammlung, welche die Person aufnimmt.

 

Wenn eine örtliche Versammlung irrt

Aus dieser wichtigen Wahrheit eines Kreises der Gemeinschaft ergibt sich auch die Annahme jeder gewöhnlichen Zucht in jeder örtlichen Versammlung. Zum Beispiel wird die Handlung der Versammlung in A von allen Versammlungen anerkannt, die sich in Gemeinschaft mit der Versammlung in A befinden. Wenn es schwerwiegende Fragen gibt, besteht das Heilmittel nicht darin, sich der Sache aus der Ferne anzunehmen, sondern in allem auf A zu verweisen. Wenn immer noch Schwierigkeiten bleiben, soll ein Appell geschehen, jedoch nicht von A, sondern an A, damit die Frage dort geordnet würde. Wenn sich herausstellen sollte, dass A eindeutig falsch steht und so eigenwillig ist, dass es sich dem Wort Gottes nicht beugen will, wäre eine Trennung von A als Versammlung der rechte Gang der Dinge. Diese wäre dann aus dem Kreis der Gemeinschaft ausgeschieden.

 

Zu sagen, es gebe keine Schriftstelle für das Abschneiden einer Versammlung, ist gleichbedeutend damit zu sagen, es gebe keine Schriftstellen zur Trennung vom Bösen. Es braucht kaum gesagt zu werden, dass die größte Sorgfalt angewandt werden sollte und jedes Mittel, um ein solch äußerstes Vorgehen zu verhindern, erschöpft sein muss, aber der Schritt kann notwendig sein.

 

An anderem Ort aufgenommen werden?

Wenn sich eine Person aus irgendeinem Grund nicht in Gemeinschaft befindet mit der Versammlung, mit der sie örtlich verbunden gewesen ist, und sich in einer anderen Versammlung vorstellt, würde es für größte Verwirrung sorgen, ihn dort einfach aufzunehmen. Sie sollte an ihre örtliche Versammlung verwiesen werden, wo ihre Angelegenheiten zuerst in Ordnung gebracht werden müssen. Das mag bisweilen schmerzhaft sein und erfordert ein gewisses Maß an Festigkeit, aber es ist ein echter und einfacher Schutz vor Verwirrung und Schlimmerem. Junge Versammlungen oder solche, in denen es wenig Erfahrung mit Schwierigkeiten gibt, sind dieser Gefahr besonders ausgesetzt. Es ist zu befürchten, dass sie von solchen, die jede Einheit zerstören wollen, oft als geeignetste Orte ausgewählt werden, um Fuß zu fassen. Von diesem günstigen Angriffspunkt aus setzen sie ihr Werk der Zerstörung fort.

 

Noch einmal sei gesagt, dass es eine höchst wichtige Sache ist, so zu handeln. Wo Fragen aufgekommen sind, welche die Versammlung als eine Gesamtheit betreffen, ist es höchst offensichtlich, dass keine örtliche Versammlung es unternehmen sollte, diese zu klären, weder für sich selbst noch für die Gläubigen in der Gesamtheit, bis nicht die ausgiebigste Gelegenheit bestanden hat, dass alles von jedem erwogen wurde, und genügend Zeit gewährt wurde, um Widerspruch zum Ausdruck zu bringen. Dies wird jene Einheit der Handlung sicherstellen, die für jede wahre Gemeinschaft unerlässlich ist, und zugleich das Hilfsmittel einer höchst heilsamen Übung in Geduld, Gebet und Liebe geltend machen.   

 

Es mag noch ein Wort hinzugefügt werden, was die Aufnahme von Personen angeht, die aus Gemeinschaften von Christen hinausgetan worden sind oder mit ihnen Schwierigkeiten hatten. In der überwältigenden Mehrheit der Fälle sollten solche Personen nicht aufgenommen werden, bis die Angelegenheiten mit jenen abgeklärt worden sind, mit denen sie früher in Gemeinschaft waren. Es sind viele Schwierigkeiten entstanden, wenn dies vernachlässigt wurde.


Fußnoten:

1 Eine Anmerkung der Herausgeber dieser Seite zum Thema "Kreis der Gemeinschaft" oder "Kreis von Versammlungen". Es gibt zu diesem Thema sehr hilfreiche Bemerkungen von Frank B. Hole: Versammlungsgrundsätze, S. 44 ff. Gerne wird nur auf zwei, drei Hinweise dieser ausführlichen Überlegungen zum Thema "Kreis von Versammlungen" verwiesen, die dann die eine oder die andere "Seite" von Überzeugungen in dieser Sache bestätigen sollen. Wir halten einen "Kreis von Versammlungen" nicht für richtig, "weil wir an etwas weitaus Größeres denken als an einen Kreis von Versammlungen, nämlich an die wahre Kirche (Versammlung) Gottes" (S. 51). "Was wir in der Praxis finden, ist, dass auch sie [die den Gedanken an einen Kreis von Versammlungen zugunsten von Unabhängigkeit usw. aufgegeben haben] nicht von einer Art Kreis loskommen können" (S. 52). Wir dürfen den Gedanken an eine gemeinsame Verantwortung, die nicht auf den Ort beschränkbar ist, nicht aufgeben. Aus diesem Grund haben wir auch diesen Teil der Serie "mitveröffentlicht", weil die Grundsätze der Verantwortung einer örtlichen Versammlung, wie sie im Neuen Testament vorgestellt und hier ausgedrückt werden, unabhängig von der Frage nach einem "Kreis" zu überdenken sind.