01.06.2010Dienst | Menschliches Zusammenleben | Versammlung / Gemeinde

Zum Rücktritt des Bundespräsidenten

1.      Respekt vor Autoritäten

Der zurückgetretene Bundespräsident Horst Köhler hat seinen Rücktritt damit begründet, dass dem Amt des Bundespräsidenten nicht der notwendige Respekt entgegengebracht worden wäre.

Es ist interessant, dass nicht nur unter Christen der Respekt vor Autoritäten abhanden zu kommen scheint. Aber auch dort ist es so. Immer wieder hört man, dass man nicht vor Personen sondern vor dem Wort Gottes, vor der Wahrheit, Respekt habe. Man müsse dann gehorchen und folgen, wenn alles in Übereinstimmung mit Gottes Wort gesagt und getan werde. Gemeint ist: Wenn man selbst dieser Meinung ist. Nicht mehr Personen billigt man Autorität zu, sondern nur der Wahrheit, wie man sie selbst als richtig erachtet.

Was aber sagt uns Gottes Wort? „Wir bitten euch aber, Brüder, dass ihr die erkennt, die unter euch arbeiten und euch vorstehen im herrn und euch zurechtweisen, und dass ihr sie über die Maßen in Liebe achtet, um ihres Werkes willen" (1. Thes 5,12.13).

Wir wollen uns fragen: Tun wir das? Hat der Respekt für von Gott gegebene Brüder, die Er mit moralischer Autorität ausgestattet hat, noch einen Platz in unserem Leben?

2.      Aufgaben bei Kritik nicht aufgeben

Eine andere Sache ist es, dass wir - ich rede nicht vom Bundespräsidenten! - unsere Aufgaben nicht hinschmeißen können, wenn es Kritik an uns oder am Inhalt unsers Dienstes oder am Auftreten im Dienst geht. Es hat einmal jemand gesagt, dass der, der in einer mehr oder weniger großen Öffentlichkeit auftritt, Kritik auch ertragen können muss.

Unser Auftraggeber ist kein Mensch, auch keine örtliche Versammlung, auch keine irgendwie zusammengestellte Brüderschar, sondern einzig und allein unser Herr. Wenn Er dir einen Auftrag gibt, dann bist du Ihm verantwortlich, diesen Auftrag auch auszuführen. Jede Kritik muss Anlass sein, darüber nachzudenken, ob man den richtigen Dienst in der richtigen Art und Weise mit den richtigen Inhalten und Mitteln betreibt. Aber den Dienst sollen wir ausführen, den der Herr uns gegeben hat.

Paulus hat viel Kritik einstecken müssen - von den Korinthern, von den Galatern usw. Aber er wäre nie auf die Idee gekommen, seinen Dienst deshalb zu verlassen. Ich hörte einmal, dass mehrere Brüder zusammen einen Dienst taten. Dann kam es, dass einer von ihnen Gegenstand von Kritik wurde und seinen Dienst aufgeben musste. Obwohl die anderen Brüder vorher klar sahen, dass sie diesen Auftrag hatten, solidarisierten sie sich mit diesem Bruder und gaben ihren Dienst auf. Schade! Denn wer war eigentlich ihr Auftraggeber?

Der Apostel Paulus sagt einmal Archippus: „Sieht auf den Dienst, den du im Herrn empfangen hast, dass du ihn erfüllst" (Kol 4,17). So wollen auch wir uns nicht entmutigen lassen, sondern in Treue und Gehorsam Gott gegenüber, in bewusster Hingabe und Rücksichtnahme, unseren Dienst erfüllen, bis Er kommt.