25.02.2010Dienst | Persönlicher Glaube

Mit eigenen Fehlern in der Öffentlichkeit umgehen

Seit gestern schlägt das Thema „Margot Käßmann und ihre Fahrt in alkoholisiertem Zustand" hohe Wellen in den Medien. Offenbar hat die geschiedene EKD-Vorsitzende eine rote Ampel überfahren, und das in extrem alkoholisiertem Zustand und mit einem Begleiter im Auto. In der Öffentlichkeit wurde intensiv darüber diskutiert, ob dieses Versagen zwangsläufig dazu führen müsse, dass sie ihr Amt in der Evangelischen Kirche Deutschland niederlegen müsse - was sie ja inzwischen getan hat. Das aber ist für uns nicht von Interesse, vor allem auch deshalb nicht, weil die Bibel ein solches Amt ohnehin nicht kennt.

Wichtiger für uns ist jedoch, was wir aus dem Umgang mit einem solchen Versagen lernen, das in der Öffentlichkeit stattgefunden hat. Wir wollen zunächst die Worte von Jakobus bedenken: „Seid nicht viele Lehrer, meine Brüder, da ihr wisst, dass wir ein schweres Urteil empfangen werden; denn wir alle straucheln oft" (Jak 3,1.2). Wir wollen zunächst einmal Demut lernen, wenn wir es mit Fehlern anderer zu tun haben. Derjenige, der andere belehrt und kritisiert, sollte sich bewusst werden, dass er selbst im Glashaus sitzt. Denn wer müsste nicht zugeben, dass er oft strauchelt?

Ein Hauch von Hochmut - und es geht sehr schnell bergab mit uns. Wer hätte nicht schon erlebt, dass nachdem er eine andere Person kritisiert hat, er kurze Zeit später in dieselbe Falle gelaufen ist. Und je öffentlicher die Kritik, um so größer oft das eigene Versagen. Nicht, dass wir uns keinen klaren Blick für ein Leben in praktischer Gerechtigkeit im Unterschied zu Sünde bewahren sollten. Im Gegenteil. Aber lasst uns bei uns selbst mit der Kritik beginnen, damit nicht der Blick auf den Splitter das Bewusstsein des Balkens verhindert.

Nun ist der EKD-Ratsvorsitzenden aber ein Fehler in der Öffentlichkeit unterlaufen. Das ist für eine Person, die Vorbildfunktion besitzt, umso gravierender, als sie nicht nur in ihrer Beziehung zu Gott gesündigt hat, sondern auch noch zum Schaden derer ist, die auf sie schauen.

Das wollen wir zunächst einmal auf uns selbst anwenden. Letztlich ist jede Sünde, die wir begehen, nicht nur eine Frage zwischen uns und unserem himmlischen Vater, sondern hat auch mit unserem Verhältnis zu unseren Geschwistern zu tun, mit denen wir zu tun haben. Wir sollten nicht denken, dass alles im Verborgenen ist und bleibt, womit wir es zu tun haben. Und wir packen uns zunächst an die eigene Nase. Wer eine Seite im Internet hat oder in irgendeiner Weise in der Öffentlichkeit steht, hat eine „noch höhere" Verantwortung als andere. Hier zu versagen hat weit schlimmere Folgen, als wenn - sagen wir - ein Kind sündigt. Ist uns das immer bewusst?

Margot Käßmann hat ihren Fehler öffentlich bekannt und ist von ihrem Amt zurückgetreten. Das verdient Respekt. Denn wir wollen uns selbst fragen, ob wir dazu bereit sind, nicht nur vor Gott, sondern auch vor unseren Mitgeschwistern - und falls notwendig, vor unseren Mitmenschen - ein solches Bekenntnis abzulegen. Es ist klar - es geht nur um solche Vorfälle, die in der Öffentlichkeit geschahen bzw. von öffentlicher Relevanz sind. Wenn dem aber so ist, bedarf es auch einer Korrektur in der Öffentlichkeit. Wie leicht können wir das bei anderen klar erkennen, und übersehen doch, dass auch wir selbst möglicherweise einen solchen Schritt tun müssen.

Ein solches Bekenntnis muss aber nicht notwendigerweise damit verbunden sein, von einem Dienst, den der Herr uns anvertraut hat, auch (dauerhaft) Abstand zu nehmen. Bei Petrus sehen wir, dass es auch anders gehen kann. Mindestens zweimal hat er öffentlich versagt. Aber der Herr Jesus hat ihn dennoch auch in der Öffentlichkeit weiter benutzt. Vielleicht wurde er sogar auch dadurch, dass er sich selbst kennenlernen musste, zu einem besonderen Instrument in der Hand Gottes. Bei Johannes Markus sehen wir etwas Ähnliches. Nachdem er zunächst die Dienstgemeinschaft mit Paulus und Barnabas aufgegeben hatte (Apg 13) und somit ein unnützer Diener war, konnte er später das Evangelium des vollkommenen Dieners schreiben: das Markusevangelium.

So wollen auch wir äußerst vorsichtig sein, für andere beurteilen zu wollen, wie sie handeln müssen, wenn sie (sichtbar) versagt haben. Wir ziehen für uns selbst die Lehre, dass wir uns mehr der Verantwortung bewusst werden, auch für andere zu handeln, und dass wir dann, wenn wir öffentlich versagen, dazu auch ein entsprechendes Bekenntnis ablegen.