17.02.2010Fragen und Antworten | Matthäus

Zweimal Abend hintereinander?

Frage:

In Matthäus 14 lesen wir in Vers 15 und noch einmal in Vers 23: „Als es aber Abend geworden war". Warum wird es hier zu zwei unterschiedlichen Zeitpunkten am selben Tag gesagt?

 

Antwort:

Es ist wirklich erstaunlich, dass diese beiden aufeinander folgenden Begebenheiten - die Speisung der 5.000 und die Schiffsüberfahrt der Jünger - mit demselben zeitlichen Hinweis eingeleitet werden: „Als es aber Abend geworden war". Dass diese beiden Ereignisse an demselben Abend stattfanden, kann man dem „sogleich" in Vers 22 entnehmen, das einen direkten zeitlichen Bezug der Schifffahrt zu dem Vorherigen herstellt. Zudem werden beide Begebenheiten auch in Markus 6 zusammengefügt - auch dort verbunden mit einem „sogleich" (Vers 45).

Markus präzisiert die Zeit der Speisung mit: „Und als es schon spät geworden war" (Vers 35). Lukas sagt: „Der Tag aber begann sich zu neigen" (vgl. Lk 9,12). Offenbar fand die Speisung der 5.000 am späten Nachmittag statt; die Überfahrt startete dann am Abend irgendwann nach 18 Uhr. Tatsächlich schließt das Wort, das im Grundtext für Abend steht, die Zeit ab ungefähr 15 Uhr ein, so dass jeweils der textliche Zusammenhang deutlich machen muss, ob mit „Abend" der späte Nachmittag oder die Zeit ab 18 Uhr gemeint ist. Wahrscheinlich bezieht sich beispielsweise der Ausdruck „zwischen den zwei Abenden" auf die Zeit zwischen 15 Uhr und Sonnenuntergang - also auf einen Zeitraum, den wir heute teilweise Nachmittag nennen.

Dennoch bleibt die Frage bestehen, warum Matthäus im Unterschied zu Markus und Lukas auch bei der Speisung von „Abend" spricht. Dazu sollte man bedenken, dass viele Ereignisse im Matthäusevangelium nicht nur als Tatsachenberichte wiedergegeben werden, sondern zugleich eine vorbildliche Bedeutung besitzen. Die Speisung der 5.000 Männer zuzüglich Frauen und Kinder ist ein Hinweis auf den Segen des 1.000-jährigen Friedensreiches. Wenn die Juden den Herrn Jesus damals als Messias angenommen hätten, wäre diese herrliche Segenszeit sofort angebrochen. Ihr Hass gegen Christus und das Verwerfen des Königs vonseiten des Volkes Israel führte jedoch dazu, dass diese kurze Segenszeit des Wirkens des Herrn sehr schnell dem Ende zuging, wie bei dieser Speisung der Tag zu Ende ging und es Abend wurde.

Der Inbegriff dieses Abends war dann, dass der Herr Jesus auf den Berg ging, um zu beten (ein Bild davon, dass Er nach vollbrachtem Werk am Kreuz in den Himmel auffuhr und sich dort für die Seinen verwendet (vgl. Heb 7,25)), während Er seine Jünger auf eine Reise an das gegenüberliegende Ufer sandte. Das ist ein Bild davon, dass der Herr Jesus seine Jünger sozusagen alleine hier auf der Erde zurückließ mit dem Auftrag, Zeugen für Ihn zu sein. Diese Zeit ihres Zeugnisses auf der Erde wird mit einer Schifffahrt verglichen. Das ist die heutige Zeit - sie wird moralisch mit einer Nacht verglichen. Wenn die Jünger das andere Ufer erreichen werden (Mt 14,34), wird der Herr Jesus sein damals schon angekündigtes Friedensreich aufrichten und Segen für die ganze Erde bringen (Verse 34-36). Zuvor jedoch wird Er seine Versammlung (Gemeinde, Kirche) zu sich entrücken, genauso wie Petrus von seinem Herrn den Auftrag erhielt: „Komm!" (Vers 29). Wenn der Herr Jesus dann zu seinem irdischen Volk Israel zurückkehren wird, werden wir mit Ihm kommen, so wie auch Petrus zusammen mit seinem Herrn in das Schiff stieg.

Bewundernswert, wie der Heilige Geist mit einfachen Geschehnissen solch präzise prophetische Bilder skizziert!

<a href=http://www.folgemirnach.de target=_blank>(aus: Folge mir nach - Heft 2/2010)</a>