04.01.2010Persönlicher Glaube | Versammlung / Gemeinde

Warum … ich nicht rauche

Christliche Freiheit ist Freiheit von allem, was uns bindet - mit einer Ausnahme: Sie bindet uns an den Herrn Jesus und an das Wort Gottes. Doch leider leben wir nicht immer in dieser Freiheit. Manchmal gibt es Bindungen in unserem Leben, die im Widerspruch zur christlichen Freiheit stehen. Mit einer möchte ich mich im Folgenden beschäftigen: mit der Bindung an Nikotin 1 Nikotin ist ein „Alkaloid“ (basische, stickstoffhaltige organische Verbindungen), das vorwiegend in der Tabakpflanze vorkommt. Nikotin ist eine Droge und ein starkes Nervengift. und damit an das Rauchen.

Heute wird generell vor dem Rauchen gewarnt. Im 17. Jahrhundert dagegen wurde Tabak sogar als eine Wunderdroge deklariert. Man kann in alten Quellen lesen, Tabak verjage die Läuse, heile alle Geschwüre, Schäden und Wunden. Manche Gläubige erinnern sich an ihre Groß- oder Urgroßväter, die in den 60er Jahren ihre Zigarre am Eingang der Versammlungsräume ablegten, um sie nach der Stunde wieder anzustecken. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass die negativen gesundheitlichen Folgen zu dieser Zeit weitestgehend unbekannt waren. Das ist heute anders. Daher stellt sich für uns die Frage nach dem Rauchen auch ganz anders als vor 50 Jahren.

 

Warum rauchen Menschen?

Man könnte zunächst die Frage stellen: Warum raucht ein Mensch eigentlich? Darauf gibt es ganz unterschiedliche Antworten:

  1. Rauchen ist cool.
  2. Ich bin neugierig: Was ist das für ein Gefühl?
  3. Ich mache das nur aus Langeweile und Zeitvertreib. Später: Es hilft mir, mit dem Stress umzugehen.
  4. Es rauchen so viele - Eltern, Freunde, Vorbilder.
  5. Rauchen in Gesellschaft ist gemütlich und gehört irgendwie dazu.
  6. Rauchen gibt mir ein angenehmes Gefühl.
  7. Rauchen gehört zu meinen Freiheitsidealen.

Es gibt sicher noch viele andere Gründe, die man nennen könnte. Ich will an dieser Stelle keine Bewertung dieser Gründe abgeben, sondern im Folgenden eine Reihe von Argumenten nennen, die für mich ganz persönlich zu der klaren Entscheidung geführt haben und führen, dass ich nicht rauche(n möchte).

 

1.      Der Mensch ist ein Geschöpf Gottes - des Erhalters

Für jeden der folgenden Abschnitte habe ich ein paar Zahlen zusammengetragen. Manche sind vielen Lesern wahrscheinlich nicht neu. Der Abrundung wegen habe ich sie dennoch mit aufgeführt.

Fakten & Zahlen

Die Gefährlichkeit des Rauchens

  • Kein anderes Genussmittel ist so gefährlich wie Tabak. (Zeitschrift für Ärzte, journalMed)
  • Rund 4.000 Substanzen entstehen, wenn sich Raucher eine Zigarette genehmigen. Viele dieser chemischen Reaktionsprodukte sind ausgesprochen schädlich. Darunter befinden sich Blausäure, Toluol, Butan, Kohlenmonoxid, Chrom, Kadmium und sogar das radioaktive Polonium-210, die als krebserregend gelten. (Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft AVP, Studie Lombardi, 2007)
  • 20 Zigaretten pro Tag hinterlassen eine Kaffeetasse Teer pro Jahr in der Lunge. (Bundeszahnärztekammer BZK)
  • Tödliche Dosis bei ungefilterter und purer oraler Aufnahme: ca. 1 mg/kg Körpergewicht (in 3-5 Zigaretten enthalten). (Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch)

 

Rauchen und Krankheitsgefahren inkl. Todesfolge

  • Die gesundheitlichen Folgen von Nikotin sind höher als die von Alkohol und Adipositas (Fettsucht). (WHO-Studie)
  • 50-75 % der langjährigen Raucher sterben an den Folgen des Tabakkonsums. Das sind allein in Deutschland pro Tag im Schnitt 383 Personen und damit ebenso viele, wie bei einem Jumboabsturz ums Leben kommen würden. Zum Vergleich: Bei Verkehrsunfällen sterben „nur" bis zu 20 Menschen/Tag.
  • Im Jahr 2001 gab es angabegemäß 24 Millionen Zigarettenraucher in Deutschland. Jährlich 80.000-90.000 Menschen von ihnen litten in diesem Jahr an Herzkreislauf-Erkrankungen und 30.000 Menschen an Bronchial-Karzinomen. (AVP)
  • 40 % der Raucher entwickeln während ihres Lebens eine chronische Bronchitis. (Studie Pelkonen, 2008)

Rauchen und Krebserkrankungen

  • Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums gelten mehr als 90 Stoffe im Tabakrauch als krebserzeugend. Forscher weisen zudem darauf hin, dass es keine untere, unbedenkliche Wirkungsschwelle für Tabakrauch gibt. Auch kleine Mengen können schädlich sein. (Deutsches Krebsforschungszentrum, DKZ)
  • Das Rauchen von einer bis sieben Zigaretten pro Tag verdoppelt das Risiko für Speiseröhrenkrebs. Bei Menschen, die zugleich Alkohol trinken und rauchen, erhöht sich das Risiko um den Faktor 12. (WHO)
  • Rauchen spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von bösartigen Parotis-Tumoren (Speicheldrüsenkrebs) und von Mundhöhlenkrebs. (Studie Sadetzki, 2008)
  • Das Rauchen verursacht 85 % des Lungenkrebses bei Männern und 70 % bei Frauen. (Studie Kabir, 2007)

Der Christ als Geschöpf Gottes

Die Bibel gibt uns keine direkten Hinweise auf das Rauchen bzw. Gottes Urteil über das Rauchen. Das muss uns einerseits vorsichtig machen. Andererseits nennt die Bibel auch andere Dinge nicht, die wir in der heutigen Zeit kennen (Computersucht, Depression, Abtreibung). Dennoch können wir aus manchen Grundsätzen der Bibel deutlich erkennen, wie Gott Verhaltensweisen beurteilt. So auch, denke ich, im Blick auf das Rauchen.

Gott hat den Menschen in seinem Bild und vollkommen erschaffen (vgl. 1. Mo 1,26.31). Der Herr Jesus trägt alle Dinge durch das Wort seiner Macht (Heb 1,3), so dass sie bestehen bleiben können. Gott ist zudem „ein Erhalter aller Menschen, besonders der Gläubigen" (1. Tim 4,10).

Daraus ergibt sich ein ganz grundsätzlicher Gedanke: Wenn ich bedenke, dass Rauchen nicht erst zum Zeitpunkt einer Sucht zerstörerisch auf die Gesundheit des Menschen wirkt, Gott aber den Menschen erhält, kann ich für mich nur schlussfolgern, dass Rauchen im Widerspruch zu Gottes Gedanken als Erhalter und Schöpfer eines gesunden Menschen steht. Ich persönlich kann es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, so gegen Gottes rettende und heilende Gedanken zu verstoßen. Denn würde ich nicht sündigen, wenn ich meinen Körper freiwillig und bewusst zerstörenden Elementen aussetzte, wo Gott mich doch bewahren möchte?

Vielleicht denkt der eine oder andere, dass es doch Raucher gegeben hat und gibt, die 100 Jahre alt geworden sind. Nun ist die Tatsache von Gottes Bewahrung nicht an eine bestimmte Lebenserwartung geknüpft. Gott kann uns sogar bewahren, selbst wenn wir leichtsinnig leben oder uns bewusst Gefahren aussetzen. Das aber sollte für mich kein Argument sein, mich freiwillig Gefahren auszusetzen.

Dass Gott uns auch körperlich bewahren möchte, lesen wir auch in 1. Thessalonicher 5,23: „Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und euer ganzer Geist und Seele und Leib werde untadelig bewahrt bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus." Wenn Gott selbst als Gott des Friedens dazu beiträgt, dass auch mein Leib untadelig, ohne Flecken, beim Kommen des Herrn Jesus bewahrt wird, habe ich dann nicht die Verantwortung, mein Teil dazu beizutragen, so viel in meiner eigenen Verantwortung steht, dass ich meinen Körper nicht unter falschen Einfluss stelle? Wir sollen nicht in ständiger Angst über unsere Gesundheit leben und nur noch auf diese schauen. Aber ich sehe meine Verantwortung doch darin, verantwortungsbewusst mit meinem Leben zur Verherrlichung Gottes umzugehen.

Der Heilige Geist als Bewohner des Körpers des Erlösten

In 1. Korinther 6 beschreibt Paulus in anderem Zusammenhang den großen Wert unseres Körpers in geistlicher Hinsicht. Wir lesen dort: „Wisst ihr nicht, dass euer Leib der Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt, den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euer selbst seid? Denn ihr seid um einen Preis erkauft worden; verherrlicht nun Gott in eurem Leib" (1. Kor 6,19.20). Kann ich wirklich Gott in meinem Leib verherrlichen, wenn ich ihn der Zerstörung preisgebe oder zumindest der Gefahr der Zerstörung aussetze, den Leib, den Gott bewahrt und durch seine heilige Gegenwart in der Person des Heiligen Geistes wertschätzt? Das Bewusstsein, dass der Geist Gottes in mir wohnt, lässt mich zurückschrecken vor dem Rauchen. Hoffentlich auch vor vielen anderen sündigen Handlungen ...

Zum Nachdenken & helfen

  • Vielleicht kennst du das Problem, dass man mit Statistiken alles beweisen kann. Es wurden einmal Pfarrer gefragt: „Darf man beim Beten rauchen?" Die Antwort war fast einhellig: „Nein!" Eine andere Gruppe von Pfarrern wurde gefragt: „Darf man beim Rauchen beten?" Die Antwort der meisten: „Ja!" - Bete doch zu dem Herrn Jesus, bevor du eine Zigarette in die Hand nimmst. Er wird dir die Kraft geben, sie wieder wegzulegen.
  • Ich las jetzt von einem Experiment, das mit ungesund essenden und mit rauchenden Arbeitnehmern durchgeführt worden ist. Ihnen wurde nicht verboten zu rauchen, sondern die Unternehmensleitung machte mit ihnen sportliche Übungen. Automatisch aßen sie vergleichsweise weniger und rauchten auch seltener.

 

2.      Rauchen zieht andere in Mitleidenschaft

Fakten & Zahlen

  • Allein das Passivrauchen am Arbeitsplatz kostet nach Einschätzung der EU-Kommission 2.500 Nichtraucher pro Jahr das Leben. Ein Nichtraucher, der mit einem Raucher zusammenlebt, hat Untersuchungen zufolge ein um 30 % erhöhtes Risiko, an Lungenkrebs oder Herzleiden zu erkranken. (EU-Kommission)
  • Tabakrauch in Innenräumen ist, auch wenn es durch die aktuellen Nichtraucherschutzgesetze stark eingeschränkt worden ist, nicht nur eine Belästigung, sondern eine Gesundheitsgefährdung mit möglicher Todesfolge. An den Folgen des Passivrauchens sterben in Deutschland jährlich etwa 2.140 Nichtraucher infolge einer koronaren Herzkrankheit, 770 Nichtraucher an Schlaganfall, 50 Nichtraucher an chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen und 260 Nichtraucher an Lungenkrebs. (BZK)
  • Jährlich werden über 170.000 Neugeborene bereits im Mutterleib den Schadstoffen des Tabakrauchs ausgesetzt. Eine einzige Zigarette beschleunigt beim Embryo den Herzschlag um 10-20 Schläge pro Minute. (BZK)
  • Kinder von Rauchern sind schädlichen Stoffen weit stärker ausgesetzt als vielfach gedacht. Die gefährlichen Rückstände aus dem „blauen Dunst" halten sich zum Beispiel in Wohnräumen (Oberflächen, Teppiche) lange, selbst wenn diese nach dem Rauchen gelüftet werden. (Studie Winickoff, 2008)

 

Der Christ und seine Umgebung

Als Christen leben wir nicht isoliert in dieser Welt. Wir haben eine Umgebung. Da ist zunächst unsere eigene Familie. Ich werde als Mann aufgefordert, meine Ehefrau zu lieben (vgl. Eph 5,25). Liebe sucht, die wahren Bedürfnisse der Ehefrau kennenzulernen und zu stillen. Ist es wirklich Liebe, wenn ich meiner Frau abgestandenen Tabakgeruch hinterlasse und sie gesundheitlich sogar mitgefährde?

Als Vater habe ich den Auftrag, meine Kinder „in der Zucht und Ermahnung des Herrn aufzuziehen" (Eph 6,4). Das Wort „Aufziehen" wird in Kapitel 5,29 mit „nähren" übersetzt. Ist das „Vorbild" des Rauchens positive Nahrung für meine Kinder? Ist es ein Beitrag dazu, sie zum Herrn Jesus zu ziehen und zu erziehen?

Paulus schreibt an die Römer in dem praktischen Teil, in dem es um das Verhältnis der Gläubigen zu ihrer Umgebung geht: „Die Liebe sei ungeheuchelt. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten ... Segnet ... seid bedacht auf das, was ehrbar ist vor allen Menschen ... Lass dich nicht von dem Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten" (Röm 12,9.14.17.21). Bin ich wirklich zum Segen meiner Mitmenschen und meiner Mitgläubigen, wenn ich rauche? Gesundheitlich schadet das Rauchen ja schon mir selbst, dann aber auch meinen „Mitrauchern". Es ist nicht zum Nutzen meiner Umgebung. Mit einem Wort: Ich habe den Eindruck, dass ich meiner Umgebung nichts Gutes mit Rauchen tue, sondern eher schade. Daher möchte ich gerne auf das Rauchen verzichten, so angenehm der Geschmack auch sein mag.

Geschwister zu Fall bringen?

Ich kenne Geschwister, die das Rauchen schon immer abgelehnt haben, und zwar nicht nur aus Gründen der Tradition. Diese Geschwister stehen mir, was die Wahrheit über die Versammlung (Gemeinde) betrifft, sehr nahe. Wenn ich ihnen jetzt dadurch, dass ich das Rauchen tolerierte oder praktizierte, zu einem Anstoß würde, so dass sie die gegenseitige Gemeinschaft am Tisch des Herrn (1. Kor 10.11) ablehnen, bin ich dann nicht dafür verantwortlich, dass sie, was diesen wesentlichen Teil der Wahrheit betrifft, zu Fall kommen? 

Zum Nachdenken & helfen

  • „Alles ist erlaubt, aber nicht alles ist nützlich; alles ist erlaubt, aber nicht alles erbaut. Niemand suche das Seine, sondern das des anderen ... wie ich mich in allen Dingen allen gefällig mache, indem ich nicht meinen Vorteil suche, sondern den der Vielen, damit sie errettet werden" (1. Kor 10,23.24.33).
  • Liebe sucht das Wohl des anderen.

 

3.      Rauchen à Sucht à Sklaverei

Fakten & Zahlen

  • Der Begriff Sucht leitet sich von dem Verb siechen (noch gebräuchlich in „dahinsiechen" = immer kränker werden) ab und bezeichnet eine Krankheit, die der ärztlichen Hilfe bedarf. Ein Suchtverhalten wird erklärt mit der wiederholten und regelmäßigen Einnahme eines auf die Seele (psychotrop, auf das Bewusstsein) einwirkenden Stoffs. In Deutschland sind etwa 70-80% der Raucher tabakabhängig (das sind 8-9 Millionen Männer und 5-6 Millionen Frauen), etwa 17 % der Raucher sind stark abhängig. (AVP)
  • Heidelberger Forscher haben in einer Untersuchung festgestellt, dass von 1.528 aktiven Rauchern 76 % versucht hatten, aufzuhören, 55 % schon mehrfach. Von Diabetes- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen Betroffene hatten schon 89 % vergeblich versucht (u.a. Herzinfarkt, Schlaganfall, Hirndurchblutungsstörung), mit dem Rauchen aufzuhören, obwohl ihnen das wegen ihrer Erkrankung dringend empfohlen wurde. (Uni Heidelberg)
  • Sowohl psychologisch wie neurobiologisch gibt es Parallelen zwischen Tabakabhängigkeit und anderen Suchterkrankungen. Als Indizien für eine Suchterkrankung gelten: Steigerung der Toleranzschwelle im Laufe der Raucherkarriere [Vergiftung wird immer weniger empfunden], Entzugserscheinungen beim Nicht-Rauchen, Verlust der Kontrolle über den Konsum. Neurobiologen weisen das experimentell im Gehirn nach. So zeigen Tests, dass der Tabakkonsum zu einer Veränderung von Nikotinrezeptoren im Hirn führt. (Deutsches Ärzteblatt)
  • Tabak ist, was seine Entzugserscheinungen betrifft, nicht mit Kaffee zu vergleichen. Es gibt zwar auch Kaffeesucht. Dabei klingen Entzugserscheinungen jedoch im Regelfall nach zwei Tagen ab. Zudem ist die Einnahme von vier Tassen Kaffee pro Tag normalerweise unbedenklich. (Studie Juliano, 2004)

Beherrscht werden

Paulus schreibt den Korinthern von christlicher Freiheit: „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich. Alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von keinem beherrschen lassen" (1. Kor 6,12). Alles - damit sind irdische Dinge und Genüsse gemeint, die in sich selbst nicht weltlich und damit böse sind. Kann man das Rauchen bei „alles" einordnen, auch wenn man um seine Schädlichkeit weiß?

Was das Beherrschen betrifft, wird deutlich, dass viele Raucher - jedenfalls in diesem Punkt - von ihrer Zigarette oder anderen Nikotin-Zuführern beherrscht werden. Sie besuchen die Zusammenkünfte der Gläubigen und schaffen es, diese eine Stunde ohne Stängel etc. zu überstehen. Aber sobald sie den Versammlungsraum verlassen haben oder zu Hause angekommen sind, stecken sie sich ihre Zigarette an. Sie können nicht anders. Ist das nicht Sünde, wenn ich in diesem Punkt direkt im Widerspruch zu 1. Korinther 6,12 handle?

Aus der Sklaverei der Sünde zum Sklaven Gottes

„Denn als ihr Sklaven der Sünde wart, da wart ihr frei von der Gerechtigkeit. Welche Frucht hattet ihr denn damals von den Dingen, über die ihr euch jetzt schämt? Denn ihr Ende ist der Tod. Jetzt aber, von der Sünde freigemacht und Gott zu Sklaven geworden, habt ihr eure Frucht zur Heiligkeit, als das Ende aber ewiges Leben. Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn" (Röm 6,20-23).

Natürlich denkt Paulus hier nicht an das Rauchen. Das gab es damals nicht. Paulus behandelt hier das Thema Sünde und Sklaverei in sehr prinzipieller Weise. Aber wenn ich die Ausdrücke hier lese - Sklaverei, Frucht, schämen, das Ende ist der Tod [dabei geht es natürlich nicht direkt um den physischen Tod], freigemacht, Frucht zur Heiligkeit, ewiges Leben - dann gibt es doch manche Parallelen für das Leben von Rauchern. Paulus schreibt den Gläubigen in Rom: „Gott aber sei Dank, dass ihr Sklaven der Sünde wart, aber von Herzen gehorsam geworden seid dem Bild der Lehre, dem ihr übergeben worden seid!" (Röm 6,17). Möge das auch bei mir wahr sein - nicht nur im Blick auf das Rauchen.

Ein letzter Punkt zu diesem Abschnitt: Könnte ich mit gutem Gewissen jemandem predigen, dass Jesus Christus einen Menschen freimacht, wenn ich selbst in einer Sache dauerhaft gebunden bin? Ich fürchte, dass man mir eine solche Predigt gar nicht abnehmen wird, da sie ohne Glaubwürdigkeit ausgesprochen würde, wenn ich selbst dem Rauchen anheim fallen würde. Wie könnte ich als ein Gebundener überzeugend von Freiheit und Freimachen sprechen?

Zum Nachdenken & helfen

  • Man kann leicht versuchen, sich bei einer Sucht dadurch zu entschuldigen, dass es ja auch andere Süchte gibt: Kaffee, ungesundes Essen, Sport, usw. Und das ist auch so. Aber wir wollen keinen Vorwand suchen, die Sucht, mit der wir zu tun haben, dadurch zu entschuldigen, dass wir mit dem Finger auf andere zeigen.
  • Der Herr Jesus möchte jeden, der von einer Gebundenheit betroffen ist, frei machen (vgl. Joh 8,36). Wenn du diesen festen Glauben an den Herrn Jesus hast, dann bitte Ihn, dir die Kraft und Entschiedenheit zu schenken. Doch auch dann, wenn uns dieser Glaube fehlt, gibt uns unser Herr nicht auf. Er kann auch medizinische Hilfestellungen dazu benutzen, uns von Gebundenheit zu befreien.

4.      Unser Leib - ein Gott wohlgefälliges Schlachtopfer?

Fakten & Zahlen

  • Die rund 16-19 Millionen Raucher lassen sich ihre Sucht zusammen 20 Milliarden Euro im Jahr kosten. (BZK)
  • Zudem weiß man, dass eine der häufigsten Formen beginnenden Drogenkonsums das Rauchen eines Joints ist: Man mischt den Stoff unter Tabak und raucht auf diese Weise Drogen. (Bundesgesundheitsministerium)

Bevor ich noch kurz ein paar Worte zum Freiwerden von der Knechtschaft des Rauchens schreibe, soll am Ende der Beurteilung des Rauchens noch unser Auftrag als Christen stehen. Paulus schreibt den Gläubigen in Rom: „Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer, was euer vernünftiger Dienst ist" (Röm 12,1). Kann ich beim Rauchen guten Gewissens sagen, dass ich meinen Körper zu einem Gott wohlgefälligen Schlachtopfer zur Verfügung stelle? Das soll der Anspruch Gottes an mein Leben sein und bleiben.

Eine ähnliche Ermahnung enthält 1. Korinther 10,31: „Ob ihr nun esst oder trinkt oder irgendetwas tut [raucht ...], tut alles zur Ehre Gottes". Ich selbst kann mir nicht vorstellen, „zur Ehre Gottes" oder „im Namen des Herrn" (vgl. Kol 3,17) zu rauchen. „Und alles, was immer ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus, danksagend Gott, dem Vater, durch ihn."

Zum Nachdenken & helfen

  • In vielen Ländern der Welt ist es unter Christen nicht einmal denkbar, zu einem „Stängel" (Zigarette, Zigarillo, Zigarre) oder zur Pfeife zu greifen. In Deutschland, den Niederlanden und einigen anderen Ländern ist das anders. Nun kann das Kriterium für uns nicht allein lauten: Was tun die anderen (oder was tun sie nicht)? Dennoch, so sagte mir vor kurzem jemand, sei es eigenartig, dass Mediziner, Gesundheitsbehörden, Schulen und selbst die Regierungen in Deutschland sagen: Rauchen zerstört die Gesundheit, und er fügte betroffen hinzu, nur für die Christen in Deutschland stelle diese Gesundheitszerstörung „christliche Freiheit" dar.
  • Wer Not mit einer Gebundenheit wie dem Rauchen hat, sollte sich bewusst Pläne machen, wie er eine Zeit, in der diese Lust aufkommt, besonders für einen konkreten Dienst für den Herrn Jesus nutzen kann. Solche Aufgaben können für eine Zeit die Gedanken fesseln und vom Rauchen wegbringen.

 

5.      Der Weg zum Freiwerden

  • Die Bundesärztekammer weist darauf hin, dass Tabakabhängikeit nicht allein durch reine Willensanstrengungen oder Gruppengespräche zu beheben ist. Verkannt werde, dass es sich bei der Mehrzahl der Raucher um Abhängigkeitserkrankte handle, die körperliche Entzugserscheinungen, starken Drang zum Tabakkonsum und eingeschränkte Kontrollfähigkeit über Beginn, Beendigung und Menge des Konsums hätten. (BÄK)
  • Mit anderen Worten: Raucher, die regelmäßig rauchen, benötigen - bis auf Ausnahmen - medizinische Hilfe, um vom Rauchen loszukommen. Sonst hören sie 137 Mal mit dem Rauchen auf ...

 

Eigentlich müsste hier jemand Hilfestellungen geben, der entweder selbst Raucher gewesen ist, oder der Mediziner ist. Beides trifft auf mich nicht zu. Daher halte ich meine Hinweise hier sehr kurz. Ich kann aber Kontakte zu medizinisch bzw. pharmazeutisch ausgebildeten Fachleuten weitergeben, die gerne auf dem Weg zum Nichtrauchen mithelfen.

  1. Wer vom Rauchen frei werden möchte und das mehrfach erfolglos versucht hat, muss sich zunächst ehrlich eingestehen, dass er offenbar ein echtes Problem hat, das er selbstständig nicht lösen kann. Aber bitte an dieser Stelle nicht resignieren und dann das Problem verdrängen! „Dem Glaubenden ist alles möglich" (Mk 9,23).
  2. Ein zweiter Schritt besteht darin, das Problem beim Namen zu nennen und es zu bekennen. Nach Jakobus 5,16 sollte man darin seine Umgebung, zum Beispiel seine Familie und die Kinder einbeziehen.
  3. Dann ist es nötig, einen Herzensentschluss zu fassen, um von Abhängigkeiten frei zu werden (vgl. Dan 1,8; Spr 28,13). Dazu gehört auch, sich radikal von allen Raucherutensilien zu trennen und auch das wegzutun, was an das Rauchen erinnert.
  4. Ohne einen Arzt werden die meisten Raucher nicht von ihrer Sucht freiwerden. Es gibt solch willensstarke Menschen, die es ohne Hilfe von außen geschafft haben. Die meisten schaffen es nicht, weil die körperliche und psychische Abhängigkeit derart weit geht, dass man zunächst chemische Ersatzmittel benötigt, zudem auch eine ärztliche Begleitung.
  5. Man braucht ggf. eine positive Begleitung durch die Familie oder einen Freund und jedenfalls das kontinuierliche persönliche Gebet und das von Freunden, um in der Zeit der Gefahr (vgl. Jak 1,15) Ablenkung zu erfahren und Kraft zu erhalten, von dieser Sucht zu lassen.

Das alles ist kein Spaziergang, sondern sicher mit mancher Mühe verbunden. Der Weg in eine Sucht ist viel leichter und oft schneller gegangen als der Weg heraus. Dieser ist jedoch mit dem Segen Gottes verbunden.

Als Christen dürfen wir auf Gott vertrauen, der uns immer helfen wird, wenn wir Ihn darum bitten. Der Herr Jesus hat einmal gesagt: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Jeder, der die Sünde tut, ist der Sünde Knecht. Der Knecht aber bleibt nicht für immer im Haus; der Sohn bleibt für immer. Wenn nun der Sohn euch frei macht, werdet ihr wirklich frei sein" (Joh 8,34-36). Wenn der Herr Jesus mich von der Macht Satans befreien kann, dann mit Sicherheit auch von der Sucht nach Nikotin. Oftmals ist dazu auch medizinische Hilfe nötig. Aber der Herr befreit uns, wenn wir Ihn darum bitten, Ihm vertrauen und Ihm alles zutrauen. Wer wenn nicht Er kann uns frei machen? „Bei Gott sind alle Dinge möglich" (Mk 10,27). Er wünscht, dass wir die christliche Freiheit in unserem Leben kennen und sie dazu nutzen, Ihm Freude zu bereiten.

(aus: Folge mir nach - Heft 1/2010)


Fußnoten:

1 Nikotin ist ein „Alkaloid“ (basische, stickstoffhaltige organische Verbindungen), das vorwiegend in der Tabakpflanze vorkommt. Nikotin ist eine Droge und ein starkes Nervengift.