17.12.2009 Buchbesprechungen | Persönlicher Glaube

Die Schwachen tragen von Samuel Pfeifer (Buchrezension)

Die Schwachen tragen- Psychische Erkrankungen und biblische Seelsorge

(von Samuel Pfeifer)

Der Autor dieses Buches, Dr. Samuel Pfeifer, ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Seit 1988 ist Samuel Pfeifer Chefarzt der psychiatrischen Klinik Sonnenhalde in Riehen bei Basel. Ein besonderes Anliegen ist ihm das Zusammenwirken von Medizin und christlichem Glauben, Therapie und Seelsorge.

In seinem Buch „Die Schwachen tragen" beschreibt und behandelt Pfeifer drei Oberthemen:

a)      Psychiatrie im Wandel

b)      Bilder kranker Seelen

c)      Die Kranken tragen

Im ersten Teil geht es dem Facharzt darum, Vorurteile gegen psychiatrische Behandlungen abzubauen. Dieses Thema ist deshalb von großer Wichtigkeit, als Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie oft in einen Topf geworden werden. Zu Unrecht. Pfeifer erklärt zunächst diese drei Disziplinen und geht dann auf die vier wesentlichen Schulen der Psychotherapie ein. Auch wenn diese Modell von Menschen entwickelt worden seien, die einem Gott-loses Menschen und Denksystem anhingen, könnte man das Gute ihrer Methoden behalten und in der Psychotherapie einsetzen. Dazu entwickelt Pfeifer eigene, neue Behandlungsmodelle. Dabei macht er deutlich, dass Psychiatrie ein medizinisches Fachgebiet ist, Psychologie ein ungeschützter Begriff für alle, die sich um das Innere des Menschen kümmern. In der Psychotherapie wird versucht, mit bestimmten Methoden den psychischen Problemen von Menschen entgegenzuwirken.

In dem aus meiner Sicht besonders hilfreichen zweiten Teil gibt der Schweizer Autor einen Überblick über neurotische Störungen. Er behandelt besonders die Zustände von Angst, Zwang und Hysterie. Im Anschluss darangibt er einen Überblick über verschiedene Ausprägungen von Depressionen und die Möglichkeit der Seelsorge und von Therapieren, Hilfe zu leisten. Daran schließt sich ein längerer Abschnitt über Schizophrenie an, der deutlich macht, dass längst nicht alle an Schizophrenie erkrankten Menschen dauerhaft krank bleiben (müssen).

Im dritten Teil appelliert Pfeifer an uns alle und besonders an Seelsorger, sich der Kranken anzunehmen und weist darauf hin, dass besonders bei schweren psychischen Erkrankungen und Depressionen die Seelsorge allein nichts ausrichten kann. Sie muss unabdingbar mit einer medizinischen Behandlung verbunden werden. Diese Warnung, allein auf geistliche Hilfe zu setzen, ist vor dem Hintergrund mancher falschen Versprechungen, sieh einfach auf Gott und alles wird besser, sehr angebracht. Bei starken Depressionen beispielsweise sind vom Arzt verschriebene Medikament nicht schädlich und führen auch nicht zu einer Medikamentenabhängigkeit, sondern helfen bei der Gesundung. Oder hätte schon jemand - ein Beispiel des Buches - einem Zuckerkranken gesagt, dass das Insulin, das er sich regelmäßig spritzen muss, ihn abhängig macht? Nein - es ist ein wesentlicher Baustein zu einem Leben in vergleichsweiser Gesundheit.

Insgesamt ist das 200 Seiten umfassende Buch gut zu lesen und gibt einen nützlichen Überblick über psychische Erkrankungen und Hilfsmöglichkeiten im seelsorgerlichen Bereich, zeigt zugleich aber deren Grenzen auf, die wir respektieren müssen. Was mich an diesem Buch und anderen Büchern stört, ist der Rückgriff auf säkulare, ungöttliche Psychotherapie-Methoden, von denen man das Gute übernehmen soll. Was in einem materiellen Bereich möglich sein mag, ist in dem Bereich, wo es um die Psyche, also die Persönlichkeit des Menschen geht, aus meiner Sicht unmöglich. Wie soll ich jemandem in seiner Persönlichkeit helfen mit Gott-losen Modellen, wo ein wesentlicher Charakterzug des Menschen seine Beziehung zu Gott ist? Aus diesem Grund lehne ich die auch in diesem Buch positiv beurteilten Teile der Psychotherapie grundsätzlich ab. Abgesehen davon ist dieses Buch jedoch wirklich empfehlenswert.