09.12.2009 Persönlicher Glaube | Menschliches Zusammenleben

Wenn Vorbilder straucheln

Der Sturz

Der Sturz des Post-Chefs, dessen Haus unter großem Medienecho nach Akten wegen Steuerhinterziehung durchsucht wurde, erregte großes Aufsehen. Das ausgerechnet die Vorzeige-Bischöfin der Evangelischen Kirche Deutschlands, Margot Käßmann, sich von ihrem Mann scheiden ließ, verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Und man könnte fortfahren in dieser Liste: Bekannte Persönlichkeiten, die in Wirtschaft, Religion und Politik vielen Menschen bekannt sind, geraten ins Straucheln. Manches Weltbild gerät ins Wanken. Zeitungen titeln: Wo bleibt die Moral?

Unabhängig davon, dass die Medien Zerrbilder kreieren: Dieses Thema hat zwei Seiten. Da geht es zum einen um Konsequenzen für diejenigen, die solche Vorbilder sind, ob sie es sein wollen oder nicht. Das ist für diesen Artikel nicht der Fokus. Es gibt auch eine zweite Seite. Wie können sich junge Christen verhalten, wenn ihre Vorbilder vom Podest fallen?

Das Anlehnen an Vorbildern

Junge Menschen orientieren sich an Vorbildern, das ist ganz natürlich. Und wenn Timotheus aufgefordert wird: „Sei ein Vorbild der Gläubigen in Wort, in Wandel, in Liebe, in Glauben, in Keuschheit" (1. Tim 4,12), so gab es eben solche, die ihn zum Vorbild nahmen oder nehmen konnten. An anderer Stelle schreibt Paulus sehr ähnlich: „Seid zusammen meine Nachahmer, Brüder, und seht hin auf die, welche so wandeln, wie ihr uns zum Vorbild habt" (Phil 3,17).

Dennoch fällt auf, dass die Schrift letztlich nur den Herrn Jesus als Vorbild, nämlich als vollkommenes Vorbild, stehen lässt: „Lernt von mir..." (Mt 11,29) und: „Denn auch Christus hat ... euch ein Beispiel hinterlassen" (1. Pet 2,21). Seinem Beispiel dürfen wir folgen und Ihm nachfolgen. Er ist ein vollkommenes Vorbild, das nie versagt hat oder gestrauchelt ist. Wenn der Apostel Paulus sagt: „Seid meine Nachahmer, wie auch ich Christi" (1. Kor 11,1), dann ist er Vorbild, weil er selbst Christus als Vorbild folgt.

Hinzu kommt, dass, wenn auch Menschen als Vorbilder dienen können, der Schreiber des Hebräerbriefes dazu sagt: „Gedenkt eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet haben, und, den Ausgang ihres Wandels anschauend, ahmt ihren Glauben nach" (Heb 13,7). Das zeigt, dass wir vor allem solchen Vorbildern nachfolgen sollen, die bereits beim Herrn sind. Der Ausgang ihres Lebens zeigt, ob sie wirklich dauerhaften, praktischen Glauben hatten. Diesen Glauben sollen wir nachahmen, nicht ihre persönlichen Eigenschaften oder gar äußerliche Merkmale.

Lebenden Vorbildern zu folgen birgt leicht eine Gefahr in sich: Diese können in ihrem Leben noch irren. Und wenn sie es tun, was dann? Leider gibt es manche Beispiele, wo gerade junge Menschen von einem Führer im Volk Gottes (verständlicherweise) sehr beeindruckt waren. Ihm wollten sie gerne folgen. Dann aber verließ dieser Führer, ohne dass sie es merkten, den geraden Weg und irrte von der Wahrheit ab. Was passierte mit den Christen, die diesen Führer als Vorbild ansahen oder sogar verehrten? Sie gingen mit in die Irre. Manchmal hatten nur wenige die Kraft, das Wort Gottes als oberste Autorität über ihr Leben auch praktisch anzuerkennen und daher einen anderen Weg als die irrenden Vorbilder einzuschlagen.

Ein wahrer Führer

Ein wahrer Führer des Volkes Gottes zeichnet sich dadurch aus, dass er nicht hinter sich, sondern hinter Christus her zieht. Das tat Paulus. Er wies auf Christus hin. Deshalb konnte er sagen: „Seid meine Nachahmer, wie auch ich Christi" (1. Kor 11,1). Wahre Jünger Christi werden sich daher durch das Straucheln eines Vorbildes nicht von der Nachfolge hinter dem Herrn Jesus her abhalten lassen.

Das ist gerade für junge Menschen von großer Bedeutung. Je jünger man ist, desto weniger ist die eigene Überzeugung bezüglich des Glaubensweges hinter dem Herrn Jesus her schon gefestigt. Natürlich wollen wir immer korrekturfähig bleiben, auch wenn jemand bereits einen festen Stand im Herrn Jesus hat. Eine feste Glaubensüberzeugung und die Bereitschaft, den eigenen Lebensweg anhand des Worte Gottes zu überprüfen, schließen sich also nicht gegenseitig aus.

Schon bei jungen Menschen möchte der Herr Jesus eine feste Überzeugung über das persönliche und gemeinsame Glaubensleben bewirken. Da diese aufgrund des Alters und der sich noch bildenden Persönlichkeit bei jungen Menschen noch keine tiefen Wurzeln haben kann, ist es wichtig, dass ein junger Mensch seine Blicke auf den Herrn Jesus fixiert, nicht so sehr auf geistliche Vorbilder, so sehr sie einem auch im Glaubensleben weitergeholfen haben.

Halte Dich daher an den Herrn Jesus und sein Wort. Das heißt nicht, dass Du Hilfsquellen wie nützliche Bibelauslegungen und aktuelle Vorträge vernachlässigen solltest. Und natürlich dürfen wir uns an Vorbildern wie den Thessalonichern orientieren, die durch ihre Liebe und Glaubensenergie allen Gläubigen in Mazedonien und Achaja ein Vorbild waren (vgl. 1. Thes 1,7).

Aber häng Dich nicht emotional zum Beispiel an Deinen Jugendstundenleiter oder einen Bruder, der Dir manche geistlichen Impulse gegeben hat, auch wenn er für Dich ein geistlicher Vater geworden sein mag und Du Deinem Herrn dafür auch danken darfst. Immer dann, wenn Du merkst oder darauf hingewiesen wirst, dass es eine Diskrepanz zwischen seiner Belehrung und der Bibel gibt - es geht hier nicht um praktisches Versagen oder Schwachheit, sondern um konkreten Ungehorsam Gottes Wort gegenüber -, sollte das Wort Gottes für Dich Vorrang haben. So schwer es im konkreten Fall für Dich persönlich auch sein kann. Du kannst Dich und Deinen Lebensweg auch nicht mit dem Versagen von Vorbildern entschuldigen.

Kraft und Entschiedenheit, den Blick auf den Herrn Jesus gerichtet - das bewahrt vor Straucheln.

(aus: Folge mir nach - Heft 12/2009)