10.11.2009Buchbesprechungen | Persönlicher Glaube | Menschliches Zusammenleben

Zurück ins Leben - Die Geschichte einer Depression von Don Baker: Buchrezension

Zurück ins Leben - Die Geschichte einer Depression

von Don Baker und Emery Nester

Kann ein Pastor, der anerkanntermaßen von dem Herrn Jesus begnadet ist und einen nützlichen Dienst in seiner Gemeinde tut, depressiv werden? Was geht eigentlich in einem solchen Pastor vor, wenn er depressiv geworden ist und er in ein Krankenhaus - „Station 7E" - geht, das er zuvor als Pastor besucht hat, um den dort behandelten Menschen Mut zuzusprechen? Dieser Frage geht Don Baker in seinem Buch „Zurück ins Leben - die Geschichte einer Depression" nach.

Es geht mir an dieser Stelle nicht um die Frage, ob es biblisch ist, dass eine Ortsgemeinde einen Pastor hat. Oder ob es nach der Schrift überhaupt verschiedene Gemeinden gibt. An anderer Stelle habe ich versucht, deutlich zu machen, warum der Pastor (Hirte) einen überörtlichen Dienst ausführt, während der Ältestendienst von mindestens jeweils zwei Brüdern auf den Ort beschränkt ist. Und dass das Neue Testament nur eine weltweite Versammlung (Gemeinde, Kirche) kennt, die aus allen Erlösten besteht. Jede Versammlung (Gemeinde) daneben oder darinnen, getrennt von anderen Gemeinden und Erlösten, ist in diesem Sinn Sektiererei. Aber darum geht es mir hier nicht.

Es ist lohnenswert, sich die Frage zu stellen, wie wir darauf reagieren (würden), wenn ein begabter Diener des Herrn auf einmal in eine Depression verfällt. Was ist unser erster Gedanke? Vielleicht wie bei den Freunden Hiobs darüber nachzudenken, was wohl für ein Versagen, ein Fehler, eine Sünde, eine notwendige Prüfung bei dem entsprechenden Bruder „angesagt" ist?

Don Baker war Pfarrer in einer gut funktionierenden Gemeinde. Er arbeitete mit viel Eifer und Einsatz, mit wenig Freizeit und viel Hingabe. Und dann wurde er psychisch krank. Das war für ihn ein Horror. Was würden die anderen von ihm denken? Durfte er diese Schwäche als Pastor einer Gemeinde, für die er verantwortlich war, überhaupt haben? Während ihn die Gemeinde über die Krankenzeit trug (und bezahlte), hieß es dann am Ende: Noch 6 Wochen Lohn - dann ist es vorbei. Arbeitslosigkeit als Pastor - das war für ihn eine unvorstellbare Welt. Gott hatte aber auch mit Don Baker einen Weg zum Guten, und er fand eine neue Stelle im Dienst für seinen Herrn.

Nach diesem beeindruckend geschriebenen Bericht aus der Perspektive Bakers kommt ab Seite 97 der zweite Autor, Emery Nester, zu Wort. Als Seelsorger und Therapeut war er ein wesentlicher Baustein für die Gesundung, Wiederherstellung und geistliche Reifung von Don Baker. Nester klärt in dem zweiten Teil des Buches über Grundzüge von Depressionen auf und zeigt, wie man als Familie und in der örtlichen Gemeinde helfen kann - und wie nicht. Dass es oftmals notwendig ist, einen Arzt mit hinzuzuziehen, der die entsprechenden und unabdingbaren Medikamente verschreibt und aus medizinischer oder psychiatrischer Sicht begleitet. Emery Nester geht auch auf das Phänomen ein, dass Menschen in Depressionen über Selbstmord nachdenken und sogar dazu fähig werden, Selbstmord zu begehen. Zum Schluss - eigentlich überraschend - zeigt Nester auf, dass sogar ein Therapeut depressiv werden kann. Niemand sollte meinen, er sei über diese - meistens vorübergehende - Krankheit erhaben. Jeder Erlöste brauche einen „Seelsorger" - einen Freund im besten Sinn, bei dem er sich aussprechen kann. Jemand, der für ihn als Ventil tätig ist, um einen Überdruck an Ärger, Unmut und Problemen los zu werden.

Das Buch ist interessant geschrieben und sehr hilfreich, um das Phänomen - heute oft „Problem" - Depression besser zu erfassen. Es dient dazu, wenn man persönlich betroffen sein sollte, die richtige Perspektive zu erhalten: „Es wird ihnen wieder besser gehen. Es wird eine Weile dauern, aber es wird Ihnen wieder besser gehen." Dieses Buch hilft auch solchen, die in ihrer Familie oder in der Versammlung mit depressiven Menschen zu tun haben. Es bewahrt vor allem davor, auf depressive Menschen herabzuschauen. Man selbst könnte der nächste sein, der von einer Depression betroffen ist. Auch das biblische Beispiel von Hiob wird aufgegriffen.

„Herr, vor dir ist all mein Begehr, und mein Seufzen ist nicht vor dir verborgen. Mein Herz pocht, verlassen hat mich meine Kraft; und das Licht meiner Augen, auch das ist nicht bei mir" (Ps 38,10.11).