26.10.2009Versammlung / Gemeinde | Persönlicher Glaube | Dienst

Vergeben und vergessen? von Don Baker - Buchbesprechung

Es geht an dieser Stelle nicht darum, die biblische Wahrheit über die Versammlung (Gemeinde, Kirche) zu betonen, nach der es solch eine Organisation gar nicht geben kann. Das Neue Testament kennt keinen örtlichen Gemeindeleiter, ein Leitungsteam etc. Aber das haben wir an anderer Stelle bereits ausgeführt.

Im Blick auf dieses Buch geht es mir um zwei Erkenntnisse, die mir wesentlich erscheinen. Der eine Punkt ist sehr traurig, der andere sehr ermutigend. Beginnen wir mit dem traurigen ...

13 Jahre in Sünde gelebt - aber nicht aus der Gemeinde ausgeschlossen

Als ich das Buch las, konnte ich kaum fassen, dass hier ein äußerst ernsthafter Pastor Baker, der wirklich die biblische Wahrheit über Gemeindezucht anwenden wollte, der Meinung war, das Bekenntnis des gefallenen Greg reiche aus, um den Ausschluss aus der praktischen Gemeinschaft der Gemeinde nach 1. Korinther 5,13 zu vermeiden. Dabei muss man wissen, dass Greg über 13 Jahre hinweg mit 10 verschiedenen Frauen Ehebruch getrieben hatte. Damit gehörte er - leider - genau in die Kategorie, von der 1. Korinther 5,11 spricht. Er war in dem Zustand eines Hurers oder Unzüchtigen. Er hatte die Dinge auch nicht von sich aus bekannt, sondern war wie Achan (Jos 7) erst durch Bloßstellung zu einem Geständnis geführt worden.

Ich zweifle nicht an, dass die Einsicht Gregs aufrichtig war. Sein weiteres Leben beweist das. Aber wie konnte Pastor Don Baker alle möglichen Stellen in die Überlegung zu diesem Fall einbeziehen - und das ist sehr ehrenvoll, dass er wirklich das Neue Testament auf diesen Fall anwenden wollte! - wo 1. Korinther 5 so klar und eindeutig spricht. Es wurden Zuchtmaßnahmen im Fall von Greg eingesetzt - er durfte nicht mehr in dem Leitungsteam mitarbeiten, und noch viele andere Punkte wurden ihm auferlegt. Aber war das genau das, was die Bibel uns als passende Maßnahme der örtlichen Gemeinde vorstellt?

Wodurch hatte sich die Versammlung in Korinth als an der Sache rein erwiesen (2. Kor 7,11)? Durch den Ausschluss des Hurers aus 1. Korinther 5. Der Ausschluss ist eine harte Maßnahme - er sollte uns immer schwer fallen. Aber Gott kann - wie in diesem Fall der Korinther - eine solche harte Maßnahme gerade dazu verwenden, denjenigen wieder zurück in die praktische Gemeinschaft zu bringen.

Ich habe selten einen solch klaren Fall geschildert bekommen wie den im Buch von Don Baker. Umso trauriger macht es, dass heute so wenig Klarheit darüber besteht, dass wir die Verantwortung haben, die Versammlung (Gemeinde) Gottes, was ihre praktische Darstellung auf der Erde betrifft, sauber und rein zu erhalten. Manchmal geht das leider nicht anders als durch den Ausschluss. Sind wir es der Ehre und Heiligkeit Gottes nicht schuldig, dann so zu handeln? Nicht aus Hass gegenüber dem Bösen, der in Sünde lebt, sondern aus Liebe und Gehorsam unserem Herrn gegenüber.

Volle Wiederherstellung ist möglich

Das außerordentlich ermutigende an dem in Don Bakers Buch geschilderten Fall ist, dass es wirklich Wiederherstellung gibt. Und zwar nicht nur eine teilweise, sondern eine vollständige. Wie in dem Buch zu Recht geschrieben, ist es eine äußerst schwierige Sache, eine „Leitungsperson", die über 13 Jahre in Sünde gelebt hat, wieder auf einen reinen, sauberen Weg zu führen. Es ist allein schwer, eine Ehefrau zu finden, die trotz dieser Demütigungen treu zu ihrem Mann hält.

Wir dürfen die Gefahren in dem Dienst von Dienern des Herrn nicht übersehen. Wenn es um Seelsorgearbeit geht und sie mit Frauen zu tun haben, stehen sie in einer ständigen Gefahr. Ob wir für sie beten? Hier haben wir ein Beispiel, wo jemand - auch wenn nicht auf biblische Art und Weise mit ihm gehandelt worden ist, weil man ihn nicht aus der praktischen Gemeinschaft der Versammlung ausgeschlossen hat, wie wir das aus 1. Korinther 5 deutlich lernen, sondern weiter Kontakt und Gemeinschaft mit ihm gepflegt hat, statt ihn ganz der Zucht Gottes zu überlassen und darauf zu warten, dass Gott selbst ein Werk in seiner Seele bewirken konnte - er doch durch die Gnade Gottes und die Liebe seiner Mitgeschwister und seiner Familie zur Umkehr, zur Einsicht, zur Einkehr und zu einem Neuanfang mit seinem Herrn gekommen ist.

Wir wünschten uns mehr von diesen vollständigen Wiederherstellungen! Es gibt kaum etwas Schöneres, als solch eine Wiederherstellung zu erleben. Möge es in diesem Sinn (!) noch viele Gregs geben.