22.10.2009Ehe & Familie

Anregungen für Verlobte (65) – Abtreibung XIII

3. Neue Lebensperspektive: Gehorsam und Gemeinschaft

Nachdem wir jemandem zur Sündenerkenntnis und zum -bekenntnis weiterhelfen konnten und sie (und ihr betroffener Partner) auch zu dem Bewusstsein gefunden haben, dass der Herr Jesus sie immer noch liebt, geht es darum, eine neue Lebensperspektive zu schaffen. Es gibt ein Leben nach einer schlimmen Sünde und einem tiefen Fall.

David hat das erlebt, nachdem er Unzucht und Ehebruch mit Bathseba begangen hatte. Und auch für Petrus gab es nach seiner dreimaligen Verleugnung des Herrn ein „neues" Leben. Der Dienst eines Menschen ist durch Versagen nicht (notwendigerweise) dauerhaft zerstört. David und Petrus sind dafür Beispiele, Johannes-Markus (vgl. Apg 13,5.13; 2. Tim 4,11) ist dafür auch ein schöner Hinweis.

Eine neue Lebensperspektive wird nicht dadurch geschaffen, dass man sich Gesetze auferlegt, wie zum Beispiel: „Das wird mir nie wieder passieren!" Natürlich soll eine Abtreibung nicht wiederholt werden. Und natürlich sollen wir einen entsprechenden Herzensentschluss fassen. Aber niemand wird das schaffen, der sich einfach vorhält: Das darf nicht sein - also mache ich es nicht.

Nein, wir müssen solche Gläubige ermutigen, einen Herzensentschluss wie Daniel zu fassen, dem Herrn mit ganzem Herzen nachzufolgen. Sie werden das nicht in eigener Kraft schaffen, wie wir selbst das auch nicht packen. Aber wenn sie sich auf den Herrn Jesus stützen und seine Kraft von Gott erbitten, werden sie Überwinder werden. Dazu muss die Bereitschaft gefördert werden, dem Herrn gehorsam zu sein.

Zugleich wird das nur gelingen in einem Leben der Gemeinschaft. Gemeinschaft mit Gott durch tägliches Beten und Lesen, durch gepflegte Gemeinschaft mit dem Herrn Jesus. Aber auch Gemeinschaft mit den Gläubigen ist nötig. Man darf sich dieser Gemeinschaft nicht entziehen wollen - Isolation ist immer eine Warnlampe, wenn es um unseren geistlichen Zustand geht. Daher sollten wir die gegenseitige Gemeinschaft solcher Betroffener mit uns und anderen Geschwistern sehr fördern.

 

4. Arzt und Spezialisten zu Hilfe rufen

Manchmal hinterlassen solche Fehltritte wie Abtreibung auch solche Spuren, dass sich Frauen dauerhaft Vorwürfe machen und alle Schuld bei sich suchen (wobei, wie gesagt, oft die Schuld auch bei den (Ehe-)Partnern liegt, die gedrängt haben. Da diese „Fälle" nicht selten sind, wird man mit biblischer Seelsorge zuweilen an medizinische Grenzen stoßen. Mit anderen Worten: Es kann ratsam sein, einen medizinischen Spezialisten zu Rate zu ziehen und vielleicht auch an einen solchen zu überweisen.

Leider gibt es, wie wir schon gesehen haben, viele weltliche Fachleute, die mit weltlichen und unbiblischen Methoden vorgehen. Wenn es um reine Medizin oder Psychiatrie geht, ist das weniger problematisch, als wenn es um Psychotherapien und Psychoanalyse geht. Hier liegt bei den angewendeten Methoden nahezu immer ein antichristliches und evolutionsgebundenes Weltbild vor. Daher ist hier sehr empfehlenswert, sich mit einem gläubigen Mediziner abzusprechen. Manchmal kennen sie Fachleute, die ebenfalls gläubig sind. Wenn wir hier weiterhelfen können, tun wir das gerne.

Kein Hirte sollte sich scheuen, solche Fachleute mit hinzuzuziehen. Es ist immer gut, die Grenzen des eigenen Handelns zu erkennen und dementsprechend zu handeln. Ein wunderbares Vorbild dafür ist Barnabas, auch wenn es hier nicht um eine medizinische Hilfe ging. In Apostelgeschichte 11 lesen wir, dass er in Antiochien tätig war. Er erkannte, dass seine Fähigkeiten das Bedürfnis dieser Geschwister nicht ausreichend stillen konnten. Daher suchte er Paulus, und als er ihn gefunden hatte, brachte er ihn nach Antiochien, damit Paulus dort zur Hilfe sein konnte. Das war keine Schwachheit von Barnabas - das war Größe, die für uns alle vorbildhaft ist.

 

5. Als Freund und Ansprechpartner dauerhaft zur Verfügung stehen

Ob es nötig ist, dass Fachhilfe hinzuzuziehen ist, oder ob wir Betroffenen im kleineren Kreis weiterhelfen können: Sie brauchen dauerhaft Ansprechpartner. Denn jemand, der ein Kind abgetrieben hat, wird - früher oder später - immer wieder mit Alpträumen und Selbstvorwürfen zu tun haben. Dann braucht eine solche Person Ansprechpartner, die Zeit haben zuzuhören und ermutigende Ratschläge zu geben.

Die Tatsache, dass jemand so gefallen ist, zeigt oft auch, dass er bislang keinen guten Freundeskreis hatte. Daher ist es gut, dass wir selbst als Freunde zur Verfügung stehen, aber zugleich auch einen Weg öffnen für gute Bekannt- und Freundschaften für solche Personen. Das ist keine leichte Aufgabe, weil sie Zeit und Energie nötig macht. Aber sie ist unabdingbar, um Betroffenen den Weg in die dauerhafte und vollständige Wiederherstellung zu ermöglichen. Ich wünsche jeder Betroffenen solche Freunde und Ratgeber - und uns, dass wir bereit sind, Zeit und Energie für solche Hilfe suchenden Personen zu investieren. Es lohnt sich, weil jede Freundschaft für beide Seiten segensreich ist.