14.10.2009 1. Mose | Schöpfung

Bibelarbeit zu 1. Mose 1 und 2 (3)

Mit 1. Mose 1,3 beginnt die Beschreibung der sechs Tage, in denen Gott „den Himmel und die Erde und all ihr Heer vollendete" (1. Mo 2,1).

Schöpfungstage oder Wiederherstellungstage?

  • Finden wir in 1. Mose 1,3-31 „die Schöpfung der Erde"? In Vers 1 ist in der Tat von „Schaffen" die Rede, nicht aber ab Vers 3, wo mit Ausnahme der Erschaffung von Seeungeheuern und des Menschen andere Begriffe („machen", „werden", ...) benutzt werden. Der Ausdruck: „So wurden vollendet der Himmel und die Erde und all ihr Heer" in Kapitel 2,1 scheint sich zusammenfassend auf Kapitel 1,3-31 zu beziehen. Das schließt den Himmel (1,8) und die Erde (1,10) sowie die Himmelskörper (1,14-19) und die Bewohner der Erde (1,20 ff.) mit ein. In Kapitel 2,3 heißt es: „Und Gott ... ruhte von all seinem Werk, das Gott geschaffen hatte, indem er es machte." Insofern dürfen wir den Begriff „Schöpfung" auf das gesamte Kapitel beziehen.

  • Das Werk ab Vers 3 - also die nun genannten sechs Tage, in denen Gott die Erde „machte" - wird manchmal auch die „Wiederherstellung der Erde" genannt. Damit meint man, dass Gott das, was Er geschaffen hatte (davon liest man in Vers 1), wieder aus der Finsternis und dem Wasser hervorgeholt habe (davon liest man ab Vers 3).

  • Allerdings scheint das „machen", mit dem man es ab Vers 3 zu tun hat, nicht so sehr ein Hervorholen dessen zu sein, was schon existiert hat - Gott sagt nicht, wie das aussah, was Er in 1. Mose 1,1 geschaffen hat - sondern Gott vollbringt jetzt ein Werk, das die Erde für den Menschen bewohnbar macht. Er benutzt dazu sowohl das vorhandene Material als auch die im Universum bereits seit dem ersten Schaffen existierende Energie.

  • In diesem Sinn ist es wohl nicht verkehrt, von sieben Schöpfungstagen zu sprechen, auch wenn Vers 1 kein Teil dieser sieben Tage ist. Da Gott innerhalb dieser sieben Tage Seeungeheuer, jedes sich regende, lebendige Wesen, wovon die Wasser wimmeln, alle geflügelten Vögel und auch den Menschen „schafft", ist das ganze insgesamt sein „Schöpfungswerk". Nicht jeder einzelne Schritt besteht aus der Erschaffung von Materie, Tieren oder Menschen aus dem Nichts heraus. Gott benutzt das, was schon vorhanden ist, um daraus etwas Neues zu machen. Das kennen wir aus dem Neuen Testament: Der menschliche, sterbliche Körper des Gläubigen ist das „Samenkorn" für den Auferstehungskörper, den verherrlichten Leib eines Gläubigen (1. Kor 15,35 ff.).

 

Erster Tag: Verse 3-5: Das Licht
  • Licht ist da, bevor die Sonne gemacht wird. Dieses Licht ist ein Hinweis auf die Allmacht Gottes. So, wie das Licht das gesamte Universum erleuchtet, ist im gesamten Universum die Offenbarung Gottes zu erkennen.

  • Gott ist schon immer Licht gewesen, denn sein Wesen ist Licht. Mit dem Schöpfungswerk offenbart sich Gott. Die Sonne aber wurde nicht am ersten Tag, sondern am vierten Tag bereitet. So kam Christus nicht mit der Erschaffung dieser Erde in diese Welt, sondern erst in der Zeit, von welcher der vierte Tag symbolisch spricht: in der Fülle der Zeit, als Gott Fleisch wurde.

  • Kein menschlicher Schreiber würde von dem Hervorrufen des Lichts ohne den entsprechenden Himmelskörper, der Sonne, gesprochen haben. Gott aber tut es. Weil Er keine Sonne braucht, um Licht zu geben. Nur derjenige, der wirklich weiß, wie Er geschaffen hat, kann uns mitteilen, dass Er das Licht vor der Sonne gemacht hat - ein Hinweis auf die göttliche Inspiration dieser Verse.

  • Wir finden hier eine Andeutung der großen geistlichen Wahrheit der Neugeburt (Joh 3). In ein zerstörtes Leben (die Erde wurde durch den Fall Satans zerstört - ein Bild davon, dass der Mensch durch den Sündenfall sein Leben zerstörte), das hoffnungslos in der Finsternis ohne Gott liegt, pflanzt Gott in seiner göttlichen Liebe die Kenntnis seiner Gegenwart ein. Das Licht ist im Neuen Testament immer wieder ein Hinweis darauf, dass Menschen eine Kenntnis von Gott und eine Beziehung zu Ihm haben: „Denn der Gott, der sprach: Aus Finsternis leuchte Licht, ist es, der in unsere Herzen geleuchtet hat zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi" (2. Kor 4,6; vgl. auch 1. Pet 2,9; Eph 5,8). Die neue Geburt eines Menschen wird durch das Wort Gottes bewirkt („Und Gott sprach", Vers 3). Das unterstreicht auch 1. Petrus 1,23: „Die ihr nicht wiedergeboren seid aus verweslichem Samen, sondern aus unverweslichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes."

  • Licht wird von der Finsternis getrennt. Hier haben wir das erste Mal das Thema „Absonderung" oder „Heiligung" in der Bibel. Der Himmel wird von der Hölle, der Tag von der Nacht geschieden. Absonderung ist kein ewiger Gedanke Gottes, das heißt, Absonderung ist erst durch den Eintritt der Sünde in diese Welt nötig geworden. Eigentlich ist das Ziel Gottes Einheit. Diese Einheit ist seit dem Eintritt der Sünde in diese Welt aber nur noch möglich durch Absonderung von dem Bösen und Hinwendung zu Gott. Ich beziehe mich hier also wieder auf die geistliche Bedeutung dieses ersten Tags: Nachdem der Mensch in Sünde gefallen war (Vers 2 zeigt den Zustand im Leben des Menschen: Chaos und gottlos), war die ganze Erde befleckt von der Sünde. Dadurch wurde die Absonderung vom Bösen nötig. Wenn der letzte Feind, der Tod (vgl. 1. Kor 15,26), weggetan sein wird, wird es auch keine Absonderung mehr geben. Denn der Tod und alles, was von ihm spricht, wird hinweggetan sein. Dann wird die göttliche Einheit für Menschen in Ewigkeit bestehen.

  • Wenn Gott Licht in das Herz von Menschen leuchten lässt, bestrahlt das Licht die Finsternis (die Sünde), die dort ist. Zugleich ist es ein Lichtstrahl göttlicher Gnade, der einen Menschen rettet. Dann vertreibt das Licht die Finsternis. Wenn ein Lichtstrahl in einen Raum fällt, ist der Raum erleuchtet, die Finsternis vertrieben.

  • Hier haben wir die erste Erwähnung von Abend und Morgen. Interessant, dass Gott von Anfang an so rechnet und den Tag mit dem Abend beginnen lässt, wie wir es aus der jüdischen Tagesrechnung kennen, nicht erst als die Menschen geschaffen wurden, die sich dann nach dieser Zeitrechnung gerichtet haben.

  • Es gibt keinen Grund, dieses Mal den Ausdruck „Tag" als einen längeren Zeitraum zu verstehen (wie zum Beispiel beim „Tag des Herrn"). 2. Mose 20,11 bestätigt das, denn Gott spricht zu den Israeliten von sechs Tagen - und die Israeliten kannten nur eine Art von Tagen: diejenigen, die 24 Stunden umfassen.
Zweiter Tag: Verse 6-8: Die Ausdehnung (Wasser-Himmel/Luft)
  • Die „Himmelskugel" bzw. das Firmament, die Atmosphäre, wird geschaffen. Das ist die hier genannte Ausdehnung. Sie liegt zwischen den für den Menschen sichtbaren Himmeln und dem Wasser auf dem Erdboden. Bis hierher ist nichts auf der Oberfläche der Erde außer den Wassern, die alles bedecken.

  • Gott macht nun eine Teilung zwischen diesen Wassern und der Luft über ihnen. Zwischen dem Himmel und der Erde ist die Luft, die Atmosphäre, die Himmel und Erde trennt.

  • Damit komme ich zur geistlichen Anwendung. Am ersten Tag sahen wir, wie das Licht das Chaos offenbarte und neues Leben schenkte. Jetzt sehen wir, dass die zweite Trennung von Himmel und Erde den Gegensatz offenbart, der zwischen dem Ruin der gefallenen Natur und dem neuen Leben von Gott existiert. Es gibt Wasser „oben" und Wasser „unten": „Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch [unten], und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist [oben]" (Joh 3,6). So haben wir hier sinnbildlich die beiden Naturen in dem Leben eines Gläubigen. Die neue Natur ist „Geist" (Joh 3,6; Röm 8,16), die alte Natur, das Fleisch, existiert jedoch ebenfalls noch in unserem Leben. Aber der Mensch ist bereits von Neuem geboren. Das ist die Unterscheidung, von der Paulus in Römer 7 ausführlich spricht.

  • Dadurch, dass die Wasser oben über den Wassern der Erde sind, zeugen sie von der Überlegenheit des Geistes in dem Leben eines Gläubigen. „Die, die nach dem Geist sind, sinnen auf das, was des Geistes ist ... So denn, Brüder, sind wir Schuldner, nicht dem Fleisch, um nach dem Fleisch zu leben, denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, ao werdet ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, ao werdet ihr leben" (Röm 8,5.12.13). „Der Geist selbst bezeugt mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind" (Röm 8,16).
Dritter Tag: Verse 9-13: Erde - Meere
  • Jetzt geht es um den Erdboden. Das trockene Land kommt aus der „See". Das Wasser sammelt sich an einer Stelle (wobei die durch Wasser bedeckte Fläche viel größer ist als die Fläche der Erde) und macht Platz für die Erde. Auf der Erde beginnt sich die Vegetation in verschiedenen Farben auszubreiten.

  • Dieser Tag umfasst zwei Teile, die „gut" waren: das Bilden der Erde und das Hervorbringen von Frucht.

  • Zunächst geht es um die Bildung der Erde, des Erdbodens. Dazu wird die Erde von den Wassern getrennt - eine dritte Trennung und Absonderung, die nötig war, um Menschen das Leben auf der Erde zu ermöglichen. Sie hat bis heute Bestand.

  • Es ist auffallend, dass das Werk Gottes von Anfang an ein Werk der Absonderung war. Licht-Finsternis, Himmel-Erde, Erde-Wasser. Das ist auch im geistlichen Bereich so. Gottes Werk der Gnade hat diesen trennenden Charakter. Das Licht des Lebens wird von dem umgebenden Tod getrennt (Licht-Finsternis). Die neue Natur wird von der alten unterschieden (Himmel-Erde). Und dieses neue Leben soll nun in und auf der Erde sichtbar werden, und zwar in einer Weise, welche die Kraft des Lebens zeigt (Erde-Wasser). So erscheint das trockene Land. Mit anderen Worten: Auferstehungsleben wird sichtbar, wie die Erde aus den Wassern hervorkommt.

  • Drei ist die Zahl der göttlichen Fülle (Dreieinheit), aber auch der Auferstehung (Christus ist am dritten Tag auferstanden). Das neue Leben in dem Gläubigen wird sichtbar. Das ist der erste Teil des dritten Tages. Wenn aber dieses Leben sichtbar wird, dann kann man es an den Früchten erkennen (vgl. Mt 7,20). So erkennen wir hier die Früchte des Lebens.

  • Wie eintönig wäre das Leben (die Erde), wenn es nicht die Farben und Vielgestaltigkeit des Grases, der Blumen, der Sträucher gäbe. „Jetzt aber, von der Sünde freigemacht und Gott zu Sklaven geworden, habt ihr eure Frucht zur Heiligkeit, als das Ende aber ewiges Leben" (Röm 6,22).

  • Das Auferstehungsleben zeigt sich also und wird durch Frucht und Wachstum sichtbar. Gehorsam, Demut, Hingabe, Sanftmut werden mehr und mehr offenbar - um ein paar Beispiele zu nennen (vgl. Gal 5,22.23).
Vierter Tag: Verse 14-19: Die Lichter am Himmel
  • Jetzt nimmt die Sonne ihren Platz in Bezug auf die Erde ein. Auch der Mond, der die Nacht „beherrscht" und die Sterne werden an ihren Platz im Universum gesetzt.

  • Christus ist das Licht (vgl. Joh 8,12), die Sonne (vgl. Mal 3,20), die alles erleuchtet. Wir sind aus der Finsternis in das Königreich des Sohnes seiner Liebe gebracht worden (Kol 1,13).

  • Geistlicherweise haben wir hier das, was dem ganzen Leben des neuen Menschen seinen Charakter, seine Kraft und seine Ausrichtung gibt. Von Anfang an verankerte Gott alle Segnungen zentriert in Christus (der Sonne). Das zeigt Gott bildlich am vierten Schöpfungstag. Die überragende Herrlichkeit Christi konnte jedoch erst gesehen werden, nachdem Er in der Fülle der Zeit auf die Erde gekommen, gestorben war, das Werk erfüllt und sich zur Rechten Gottes gesetzt hatte. Er ist derjenige, der den Heiligen Geist auf diese Erde gesandt und die Versammlung gebildet hat. Christus ist der Anziehungspunkt unserer Zuneigungen: „Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so sucht, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes" (Kol 3,1).

  • Der Mond scheint nachts - aber er reflektiert das Licht der Sonne. Verbunden mit Christus „scheint" die Versammlung in der Nacht.

  • Die Sterne sind die Himmelslichter, die scheinen (Phil 2,15). Wir können sie als ein Symbol des einzelnen Gläubigen verstehen, aber auch als einen Hinweis auf das gläubige Volk Israel, das künftig wieder erstrahlen wird (vgl. 1. Mo 15,5; 2. Mo 32,13). Die Sterne zeigen den Himmel in seiner vollständigen Ordnung.

  • Was die geistliche Belehrung betrifft, so sollen wir nicht nur Frucht bringen, sondern zugleich auch als Lichter scheinen, die aus dem Himmel kommen und himmlisches Licht verbreiten. Christus als die Sonne prägt dann dieses Leben eines Gläubigen.
Fünfter Tag: Verse 20-23: Wasser/Himmel (Luft)
  • Die Wasser wimmeln jetzt von Leben, und Vögel fliegen in der Luft.

  • Am 5. Tag hat Gott die „niedrige" Schöpfung gemacht, am 6. kommt die „höhere", der Mensch.

  • Geistlicherweise sprechen die Seen und Meere von der ruhelosen, gefallenen Natur, die sich in dem Menschen befindet, und von der Welt, in der wir leben: „Die Gottlosen sind wie das aufgewühlte Meer, denn es kann nicht ruhig sein, und seine Wasser wühlen Schlamm und Kot auf. - Kein Friede den Gottlosen!, spricht mein Gott" (Jes 57,20.21). Die alte Natur im Gläubigen bietet wie das aufgewühlte Meer alles im Kampf gegen das neue Leben auf. Gerade hier können wir als Kinder Gottes zeigen, dass wir neues Leben besitzen und Frucht hervorbringen.

  • Wasser ist auch ein Symbol von Leiden, die über Menschen kommen (vgl. Ps 42,8). Die Leiden, durch die der Christ in dieser Welt hindurchgehen muss, der Widerstand Satans und die Tatsache, dass wir uns da befinden, wo alles im Widerspruch zum Leben des Glaubens ist, stellt uns vor große Herausforderungen. Gerade unter solchen Umständen dürfen wir die Charakterzüge des göttlichen Lebens offenbaren. „Wir rühmen uns auch der Trübsale, da wir wissen, dass die Trübsal Ausharren bewirkt, das Ausharren aber Bewährung ..." (Röm 5,3).

  • Bei der Ausdehnung des Himmels - also der Luftatmosphäre - kann man auch an den Widerstand durch „den Fürsten der Gewalt der Luft, des Geistes, der jetzt wirksam ist in den Söhnen des Ungehorsams" denken (vgl. Eph 2,2). Was für ein Widerstand wird durch Satan bewirkt!

  • Ist es nicht wahr, dass gerade in Zeiten von Prüfungen besondere Frucht im Leben vieler Gläubiger hervorgekommen ist? Gerade deshalb finden hier das Wimmeln der vielen lebendigen Wesen, der Fische und der Vögel.

  • Darüber hinaus sind die vielen verschiedenen Populationen (Gewimmel lebendiger Wesen [Seelen], Vögel, Fische) auch ein Bild der vielen verschiedenen Gläubigen, die als Folge des Werkes Christi und unter den vielerlei Verfolgungen - nicht zuletzt durch Satan und seine „Seeungeheuer" - von Gott als „lebendige Seelen" gezählt und nicht vergessen werden.

  • Hier in Vers 21 treffen wir zum zweiten Mal auf das Wort „schaffen", in einer anderen Hinsicht als in Vers 1. Hier geht es nicht darum, dass aus dem Nichts heraus geschaffen wird, denn Materie war längst vorhanden, sondern dass etwas ganz Neues entsteht. In Vers 27 finden wir das bei der Schaffung des Menschen noch einmal.
Sechster Tag: Verse 24-31: Die Erde wird bevölkert
  • An diesem Tag wird die Erde von Tieren bevölkert, dann wird der Mensch geschaffen.

  • Auch dieser Tag wird wieder - wie der dritte Tag - in zwei Teile gegliedert. Erst die Tiere, dann der Mensch. Der Mensch wird als Haupt der Schöpfung geschaffen. Er wird hier nicht in moralische Beziehungen gestellt, - das ist Kapitel 2 - sondern als Haupt dieser Schöpfung erschaffen. Er - nicht die Tiere - sollte Gott hier auf der Erde repräsentieren. Daher wird Er das Bild Gottes genannt.

  • Und er sollte Gott gleich sein in dem Sinn, dass er einen Geist besaß, der fähig war, Gott zu kennen. Der Mensch ist „sein Geschlecht" (Apg 17,28). Das ist eine Gleichheit in moralischer und geistiger Hinsicht, die es dem Menschen ermöglicht, Gott zu kennen, mit Ihm in Verbindung zu treten und mit Ihm Gemeinschaft zu pflegen. Wenn diese Fähigkeit aber durch die Sünde verdorben wird, gleicht der Mensch den Tieren, ja fällt unter die Tiere, weil er Gott nicht verherrlicht und sich bewusst von Gott abgewandt hat - das ist schlimmer, als nie von Gott gewusst zu haben (vgl. Röm 1,21-24). Aber eigentlich ist der Mensch das Bild und die Herrlichkeit Gottes (1. Kor 11,7). Herrlichkeit ist offenbarte Vorzüglichkeit. So hat Gott den Menschen erschaffen.

  • Diese Erschaffung des Hauptes der ersten Schöpfung - des ersten Menschen - lässt unsere Gedanken geradewegs zu dem zweiten Menschen gehen: zu Christus (1. Kor 15,47), der das Bild des unsichtbaren Gottes ist (Kol 1,15). Der Herr Jesus ist nicht geschaffen worden, sondern Er ist der Schöpfer. Von Ihm lesen wir nicht, dass Er im Gleichnis Gottes wäre; Er ist Gott. Er ist der, der in dem Moment, als Er in die Schöpfung eintrat, den Platz des Hauptes über die Schöpfung einnahm. So ist der erste Mensch ein Bild des zweiten.

  • Dass der Mensch nicht „gemacht" sondern „geschaffen" wurde, zeigt seine Einzigartigkeit und seine Vorrangstellung innerhalb der ersten Schöpfung. Nachdem der Mensch in Sünde gefallen war und in allem versagt hatte, ist Gott selbst in diese erste Schöpfung eingetreten. Als ihr Schöpfer musste Er auch in der ersten Schöpfung die absolute Vorrangstellung einnehmen - daher wird Er der „Erstgeborene aller Schöpfung" (Kol 1,15) genannt. Er ist aber zugleich das Haupt der zweiten Schöpfung, der Auferstehungswelt. Als der „Erstgeborene aus den Toten" ist Er ihr Erstling, einzigartig, und hat in allem den Vorrang.

  • Der erste Mensch - Adam - ist also ein Bild von Christus. Mann und Frau zusammen (Vers 27) zeigen uns die Beziehung zwischen den Menschen und somit die Einführung der menschlichen Familie. Sie sind zusammen ein Bild der himmlischen, geistlichen Familie Gottes, die zur zweiten Schöpfung gehört, besonders aber von Christus und der Versammlung (vgl. Eph 5,32). Das wird in 1. Mose 2 noch deutlicher.

  • Der Mensch ist also das krönende Schöpfungswerk Gottes. Er herrschte über die sichtbare Schöpfung. In der neuen Schöpfung ist Christus, der zweite Mensch vom Himmel - die Krone.

  • Die geistliche Bedeutung dieses Tages besteht darin, dass der Christ die himmlischen Segnungen genießt (in 1. Mose 1 sind die Tiere auf der Erde auch davon ein Symbol) und lebende und bleibende Frucht für Gott hervorbringt. Der Erlöste wird an diesem Tag in vollem geistlichen Wuchs gesehen (Mann). Das kann man mit 1. Johannes 2,14 verbinden: „Ich habe euch, Väter, geschrieben, weil ihr den erkannt habt, der von Anfang an ist" - das ist der Herr Jesus. Er allein macht den Lebensinhalt eines geistlichen Vaters in Christus aus. Paulus schreibt den Kolossern (vgl. auch Eph 4,13.15), dass „ihr den neuen [Menschen] angezogen habt, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Bild dessen, der ihn erschaffen hat" - also nach Christus (vgl. Kol 3,10; 1,16). Oder: „Wir alle aber, mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauend, werden verwandelt nach demselben Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch den Herrn, den Geist" (2. Kor 3,18).
Siebter Tag: Kapitel 2, Verse 1-3: Himmel & Erde: Ruhe
  • Nach der Arbeit kommt die Ruhe. Das ist bei Gott so. Er hat sein Schöpfungswerk am siebten Tag vollendet; und Er ruhte an diesem Tag von seinem Werk.

  • Bis heute ist diese Ruhe - geistlicherweise - noch nicht da: „Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke" (Joh 5,17). Solange die Sünde in der Welt ist, kommt Gott nicht zur Ruhe, sondern wirkt auf die Errettung von Menschen hin. So sagte der Herr Jesus vor seinem Werk am Kreuz auf Golgatha. Zwar hat Er dieses Werk vollbracht, dennoch ruht Er nicht, bis Er auch sein Königreich in die Hände Gottes übergeben hat (1. Kor 15,28) - das ist erst am Ende des 1000-jährigen Friedensreichs.

  • Die Ruhe Gottes ist ein Bild des 1000-jährigen Friedensreichs, in dem Christus regieren wird und Ruhe bringen wird.

  • Bei diesem Tag wird kein Abend und kein Morgen erwähnt. So geht dieses Friedensreich in die Ewigkeit über, wo Friede und Gerechtigkeit nicht mehr herrschen müssen, sondern wohnen werden (2. Pet 3,13; vgl. Jes 32,1).

  • Nach Hebräer 4,9 steht die „Ruhe" noch aus - eben beginnend im 1000-jährigen Reich. Dann wird der Ratschluss Gottes erfüllt sein. Nach Römer 8,21 ist das der Augenblick, wo auch die Schöpfung freigemacht sein wird von den Belastungen der Sünde. Jesaja 65,17 spricht hier von „neuem Himmel" und „neuer Erde" (nicht zu verwechseln mit dem neuen Himmel und der neuen Erde aus Offenbarung 21,1, wo nicht auf den Beginn des 1.000-jährigen Reiches Bezug genommen wird, sondern auf den ewigen Zustand). Im 1000-jährigen Reich wird die Erde voll Erkenntnis des Herrn sein, seine Ruhestätte wird Herrlichkeit sein (Jes 11,9.10). Bis heute gilt noch für die Erlösten: „Macht euch auf und zieht hin! Denn dieses Land ist der Ruheort nicht" (Micha 2,10).

  • Manche Ausleger denken beim siebten Tag allerdings daran, dass er - ohne Abend und Morgen - ein direktes Bild der Ewigkeit, des Vaterhauses, ist. Dann würde der sechste Tag, an dem der Mensch - ein Bild von Christus - den Erdboden betritt, vom 1.000-jährigen Friedensreich sprechen.
<a href=http://www.folgemirnach.de target=_blank>(aus: Folge mir nach - Heft 10/2009)</a>