09.04.2003Persönlicher Glaube | Prophetie

Biblischer Krieg?

Natürlich muss ein kurzer Artikel manches offen und beiseite lassen. Es geht auch an dieser Stelle nicht darum zu entscheiden, ob die Ermordung und Versklavung von Millionen Menschen durch den Irakischen Machthaber Saddam Hussein schlimmer ist als der vom amerikanischen Präsidenten George W. Bush initiierte Krieg, der außerdem eine humanitäre Katastrophe ausgelöst hat. Wir wollen schlicht fragen, was die Bibel zum Thema „Krieg“ zu sagen hat.

Im Krieg sterben „unschuldige“ Menschen

Zunächst müssen wir festhalten, dass heute bei jedem Krieg Menschen sterben, die keinen Anlass für einen Krieg gegeben haben. Das betrifft Menschen im Irak genauso wie viele Menschen in zahlreichen Bürgerkriegen Afrikas, in Afghanistan oder bei den Terroranschlägen am 11. September 2001 in den USA. Diese Menschen leiden, weil Machthaber, Politiker oder Terroristen Wege gehen wollen, die anderen Politikern nicht annehmbar erscheinen und von diesen nicht geduldet werden.


Angesichts der in den öffentlichen Medien besonders beachteten Kriege wie zum Beispiel im Irak vergessen wir leicht, dass gerade in Afrika seit Jahrzehnten Tag für Tag Menschen sterben müssen – nicht weil sie verhungern, sondern weil sie in Kampfhandlungen getötet werden. Auch und vor allem in diesen wenig beachteten Kriegen sterben viele Menschen, die keine Verantwortung für den Krieg tragen.


Gott gab im Alten Testament den Auftrag zum Krieg

Das war in den alttestamentlichen Kriegen anders. Dort sehen wir, dass Gott dem Volk Israel und seinen Führern wie Mose oder dem König David unmittelbar Anweisungen gegeben hat, Krieg zu führen. Wir müssen dabei natürlich unterscheiden, dass das Volk Israel teilweise einen Verteidigungskampf führte, weil es angegriffen wurde (z.B. in 2. Mo 17,8 von dem Volk der Amalekiter), häufig jedoch auch einen Angriffskampf unternahm. Dann war jedoch der Grund, dass die jeweiligen Völker nicht bereit gewesen waren, ihre Ungerechtigkeiten zu bekennen. Die Menschen wollten im Bösen, in Götzendienst und Hurerei, verharren (vgl. 3. Mo 18,24.25).

Wir müssen bedenken, dass die Staatsform Israels nicht „demokratisch“ war – Herrschaft des Volkes – sondern theokratisch, d.h. Gott selbst herrschte durch die von Ihm eingesetzten Herrscher. Damit regierte Gott in einer direkten Weise und richtete das Böse häufig unmittelbar. Wenn also das Volk Israel nicht nach den Vorschriften Gottes handelte, griff Gott ein, indem Er andere Völker benutzte, die das Volk Israel gefangen nahmen. Dann sandte Er Propheten (Ri 2,16), die das Volk wieder zu Gott zurückbringen sollten.

Das Volk Israel, das die Kriege Gottes zu führen hatte, war also nicht besser als die umliegenden Nationen. Aber Gott hatte in der allein Ihm zustehenden souveränen Auswahl dieses Volk für ganz besondere Beziehungen zu Ihm bestimmt. Um so größer war auch die Verantwortung dieses Volkes, Gott gemäß zu handeln. Wenn das Volk nun selbst Ungerechtigkeit praktizierte, so sandte Gott andere Nationen, die Krieg gegen Israel führen sollten, um es zu besiegen (vgl. Jer 1,14.15). Das bekannteste Beispiel sind die Babylonier, die Israel einnahmen und zerstörten. Aber jeder Kriegsführer war Gott gegenüber verantwortlich. Wenn sie Gott nicht gehorchten, wurden sie selbst kurze Zeit später ebenfalls gerichtet. So erging es Babel, Medien/Persien, Griechenland, dem Römischen Reich und vielen anderen.

 
Die Regierungsform Gottes wechselt im Neuen Testament

In der Zeit des Neuen Testaments hat sich nun die „Regierung Gottes“ geändert. Denn nachdem Gott selbst Mensch geworden ist, um das Volk Israel (und auch uns) von dem ewigen Tod zu retten, Jesus Christus aber als Messias und Retter abgelehnt, ja ermordet worden ist (Apg 2,23), hat Gott die Art seiner Regierung verändert. Er herrscht jetzt nicht mehr direkt und unmittelbar, sondern in seiner Vorsehung nur noch indirekt. Das nennt Matthäus das „Reich der Himmel“. Die Regierung findet nicht mehr sichtbar, sondern verborgen statt. Damit ist auch verbunden, dass Gott kein irdisches Volk auf dieser Erde hat, das in seinem Auftrag Kriege ausführen könnte. Es gibt somit niemanden, der sich auf Gottes Weisung berufen könnte, Kriege führen zu sollen. Erst recht keine religiösen „Kreuzzüge“ – sie sind die Erfindung des Menschen, unter der Führung des Teufels. Nicht umsonst wird der Teufel „der Fürst dieser Welt“ (Joh 12,31; 16,11), der „Fürst der Gewalt der Luft“ (Eph 2,2) und der „Gott dieser Welt“ (2. Kor 4,4) genannt.

In diesem Zusammenhang wollen wir nicht vergessen, dass die Demokratie durchaus nicht die von Gott gewollte oder „gewählte“ Regierungsform ist. Natürlich sind wir dankbar, dass wir nicht unter einem Militärregime oder Diktator leben. Und dafür dürfen wir Gott auch danken. Es war aber nie Gottes Absicht, dass sich Menschen selbst ihre Regierung aussuchen – genauso wenig, dass Menschen die Macht kriegerisch an sich reißen. Denn in der ganzen Schrift finden wir, dass Autorität von oben eingesetzt wird. Aber selbst in einer demokratischen oder diktatorischen Regierung gilt in unseren Tagen: „Es gibt keine Obrigkeit, außer von Gott, diejenigen aber, die bestehen, sind von Gott eingesetzt“ (Röm 13,1). Das ist mehr, als dass Gott Regierungen nur zulässt! Nein, sie sind von Ihm eingesetzt – auch Saddam Hussein, auch George W. Bush, auch Gerhard Schröder. Aber es heißt nicht, dass diese Machthaber auch das tun, was vor Gott gerecht und friedlich ist. Diese Machthaber müssen – wie jeder Mensch – einmal vor Gott Rechenschaft ablegen für ihr Tun. Und Menschen, die eine solche Machtfülle besitzen, haben zweifellos höhere Verantwortung als andere Menschen.

Staaten haben Autorität – in ihrem eigenen Territorium

Nun haben Regierungen Macht – Autorität. „Wer sich daher der Obrigkeit widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes; die aber widerstehen, werden ein Urteil über sich bringen. Denn die Regenten sind nicht ein Schrecken für das gute Werk, sondern für das böse. Willst du dich aber vor der Obrigkeit nicht fürchten? ... Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zum Guten. Wenn du aber Böses verübst, so fürchte dich, denn sie trägt das Schwert nicht umsonst; denn sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe für den, der das Böse tut“ (Röm 13,2-4).

Die jeweiligen Regierungen tragen das Schwert – so ist es von Gott bestimmt. Der Begriff des Schwertes macht klar, dass Regierungen notfalls auch Gewalt benutzen sollen, um Gesetze durchzusetzen. Bedeutet das, eine Regierung könne auch Krieg in Erwägung ziehen, wenn es notwendig erscheint? Ich glaube nicht. Denn die Kompetenz eines Staates ist begrenzt auf sein Staatsgebiet. Das machen die Folgeverse in Römer 13 deutlich, wenn es zum Beispiel um Steuern geht. Regierungen haben also Kompetenz – aber nur über ihr eigenes Staatsgebiet. Das ist in Gottes Wort immer so: Wenn Gott einem Menschen oder einer Gruppe von Menschen Autorität überträgt, so hat diese Gewalt immer eine klar festgelegte Begrenzung. In diesem Fall ist es das Staatsgebiet.


Nun leben wir heute in einer Zeit, in der Gefahren für einzelne Staaten nicht nur innerhalb des jeweiligen Staates entstehen – und auch nicht nur durch Streitmächte entstehen, die sich auf die Grenzen eines Staatsgebietes zubewegen. Durch die technologischen Mittel ist es auch dem Terrorismus möglich geworden, von entfernten Staaten und mit nur wenigen Menschen „in ein fremdes Staatsgebiet“ einzudringen. Dabei ist nicht nur an Nuklearwaffen oder militärische Anschläge zu denken. Allein die moderne Informationstechnologie (Stichwort Internet) bietet gewaltige Möglichkeiten. Es ist nicht ganz einfach zu beurteilen, ob die Bibel einen in diesem Sinn geführten vorbeugenden Angriff einer Regierung erlaubt. Zudem ist fraglich, ob der so genannte Irak-Krieg überhaupt in diese Kategorie einzuordnen ist.

Hinzu kommt, dass die Frage nach Gottes Willen ohnehin von den wenigsten Regierungen dieser Welt gestellt wird. Und immer wieder fällt auf, dass Menschen gewillt sind, bei großen Gegnern vor-sichtig und zurückhaltend zu sein – vielleicht sogar Gnade zu üben, während man bei eigentlich weniger einflussreichen Machthabern weniger Erbarmen zeigt. Man lese vor diesem Hintergrund auch einmal 1. Samuel 24 und 25 – Davids Feinde Saul und Nabal.

Krieg kennt nicht „gut“ und „böse“

Das Denken in „Achsen des Guten“ und „Achsen des Bösen“ ist darüber hinaus vollkommen unangebracht. Denn was ist der Maßstab, ob ein Land zur einer der beiden „Achsen“ gehört? Kann allein die Frage gestellt werden, ob ein Staat Terroristen Unterstützung bietet? Oder müsste man nicht in gleichem Maß nach der „Moral“ in einem Land fragen? Welcher Staat könnte dann wirklich noch zu einer „Achse des Guten“ gezählt werden? Wenn wir an den vorherigen Präsidenten der USA, Bill Clinton, denken, oder wenn wir die derzeitige Regierung in Deutschland betrachten: Das Urteil wäre eindeutig. Es ist unsinnig, die Welt mit solchen Werturteilen einteilen zu wollen. Denn die Bibel macht deutlich, dass der Mensch von Natur sündig ist (Röm 3,9-19). Und das trifft in gleichem Maß auf die Regenten der Völker zu.


Insofern wird im übrigen auch kein Krieg in der Lage sein, die Menschen zu verändern und zu verbessern. Wenn man jetzt manchmal lesen konnte, dass die USA im Irak eine demokratische Ordnung einführen wollen, dann mag man überhaupt bezweifeln, dass sie dazu angesichts der existierenden Kultur des Landes/der Region in der Lage sein werden. Aber eines ist von vornherein ausgeschlossen: Die Hoffnung, dass die Menschen in diesem Land zu besseren Menschen werden. Das kann allein Gott in der Seele jedes Einzelnen bewirken. Aber genauso, wie die Menschen in Deutschland durch äußerliche Einflüsse nicht moralisch besser geworden sind, wird das auch nicht im Irak der Fall sein.

Und niemand sollte sich der Illusion hingeben, dass mit diesem Krieg der Frieden in der Region einkehren wird. Der prophetische Teil der Bibel macht deutlich, dass es gerade in und um Israel zu großen Kriegen kommen wird. Der Irak ist Teil des Herrschaftsbereichs, der in der Bibel unter Assyrien (dazu gehören auch Syrien, Jordanien, Libanon und Teile der Türkei und des Iran) bzw. dem König des Nordens gefasst werden. Und man lese z.B. Jesaja 10.19.28; Daniel 11,40-45; Micha 5,4.5, um nur einige Stellen zu nennen. Irak wird weiter bestehen – und letztlich gegen das jüdische Volk und den kommenden Messias, Jesus Christus, Krieg führen.

Am Rande sei erwähnt, dass eine Entscheidung des so genannten Uno-Sicherheitsrates für die (biblische) Berechtigung eines Krieges nicht von Bedeutung ist. Warum nicht? Aus 1. Petrus 2,13.14 wissen wir, dass es verschiedene Ebenen von Regierungen gibt. Es gibt auf dieser Erde Oberherren und „Unterherren“. Das kennen wir ja auch in Deutschland. Ein willkürlicher Staatenbund, der bestimm-ten Staaten (wie hier den USA, Russland, Frankreich etc) mehr Rechte (z.B. Vetorechte) gibt als anderen, auf deren Kosten die mächtigeren Staaten Entscheidungen treffen können, findet jedoch keine Grundlage in einer biblischen Staatsordnung.

Man könnte jetzt geneigt sein, sich der Meinung der Regierungen anzuschließen, die für eine friedliche Lösung im Irak eingetreten sind. Aber auch das wäre absurd. Auf der einen Seite wurde in der letzten Zeit sehr deutlich, dass es ebenfalls nur eigene Machtinteressen waren, um zum Beispiel der Weltmacht USA eine Niederlage zuzufügen. Auf der anderen Seite sehen wir in Offenbarung 6,2, also zu Beginn der kommenden Gerichtsperiode, wo die Gläubigen der Gnadenzeit bereits im Himmel sein werden, dass ein Herrscher auftreten wird, der jedem Land den Frieden „auferlegt“ (er reitet ein weißes Pferd). Und doch ist er nur ein betrügerischer Nachahmer des Herrn (Offb 19,11) – ja letztlich ein Feind Gottes. So erweisen sich auch heute solche vermeintlichen Friedensabsichten fast immer als Stütze der eigenen Machtposition, um unabhängig von Gott zu regieren.


Die Bergpredigt

Das bisher Gesagte sollte deutlich machen, dass das Neue Testament zu keinem einzigen Krieg aufruft. Hier möchte ich noch kurz auf ein anderes Argument eingehen, das immer wieder zu hören ist: Die Worte des Herrn in der so genannten Bergpredigt verböten ohnehin jede Kriegshandlung. Verwiesen wird auf Verse wie: „Ich aber sage euch: Liebt euere Feinde, und betet für die, die euch verfolgen ...“ (Mt 5,44). Ich hoffe, dass durch die Auslegung von Römer 13 deutlich geworden ist, dass sich dieser Vers in Matthäus 5 nicht auf Regierungen oder Staaten anwenden lässt. Denn dann würden wir zu einem chaotischen und anarchischen Zustand kommen, in dem jeder tut, was er will. Nein, die Regierungen haben von Gott den Auftrag, für Recht und Ordnung zu sorgen – und dieses auch durchzusetzen.

Wir persönlich sind jedoch aufgerufen, das Wohl unserer Feinde zu suchen. Wenn uns jemand Übles will oder tut, so sollen wir nicht Böses mit Bösem vergelten, sondern das Böse durch das Gute überwinden (Röm 12,21). Das gilt für unsere persönliche Haltung – und danach sollen wir auch unser Leben führen. Wer diese Haltung jedoch als „Grundgesetz“ eines Staates propagiert, kann sich nicht auf die Bibel stützen, denn er würde einen Staat in die Irre führen. Und Gott hat den Regierungen das Schwert in die Hand gegeben.

Und doch hat uns Christen dieses Wort viel zu sagen. In FMN 6/2002 (S. 4) wurde schon darauf hingewiesen, dass ein Christ nicht in die Politik gehen kann – ein Christ ist Bürger des Himmels und wird daher nicht einmal sein Wahlrecht einsetzen. Wie viel weniger kann er sich in eine Situation begeben, wo er über den Tod eines anderen Menschen bestimmen will?

In diesen Tagen waren einige Artikel zu lesen, die davon berichteten, dass George W. Bush praktizierender Christ ist, täglich betet und in der Bibel liest – ja sogar die Kabinettssitzungen mit Wort und Gebet eröffnet. Das gibt uns zu denken, wenn wir unser eigenes Leben ansehen. Und wir wollen vorsichtig sein, ihn zu verurteilen, wenn wir auch im Licht der Bibel seine Kriegshandlungen kritisch besehen müssen. Aber wir wollen vor allem für uns die richtigen Konsequenzen ziehen. Welch ein Glück, dass wir wissen dürfen, dass auch heute Gott alle Fäden in seiner Hand hält. Wenn auch Menschen regieren – wir dürfen Gott als den alleinigen wirklichen Machthaber (1. Tim 6,15) bewundern.

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