30.05.2009 Matthäus | Persönlicher Glaube

Die Barmherzigen

Gnade und Barmherzigkeit sind nicht dasselbe. Wenn es um die Seite Gottes zu uns geht, sind beide Tugenden einmal verglichen worden: Durch die Gnade bringt Gott uns aus unserem verlorenen Seelenzustand in den Himmel an sein Vaterherz. Er erhebt uns zu sich. In der Barmherzigkeit kommt Gott in unseren elenden Zustand zu uns und hilft uns darin. Er erniedrigt sich und lässt sich zu uns herab.

Gott hat uns gegenüber diese Barmherzigkeit im Herrn Jesus ausgeübt. Es ist die „herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, in der uns besucht hat der Aufgang aus der Höhe" (Lk 1,78). Petrus sagt das an anderer Stelle so: „Gepriesen sei der Gott und Vater unsers Herrn Jesus Christus, der nach seiner großen Barmherzigkeit uns wiedergezeugt hat zu einer lebendigen Hoffnung" (1. Pet 1,3). Barmherzigkeit in Vollkommenheit ist das Kreuz auf Golgatha! Barmherzigkeit als aktives Prinzip seines Handelns in einer Welt der Sünde ist der Standpunkt Gottes.

Jetzt sind wir aufgefordert, anderen in Barmherzigkeit zu begegnen. Das, was wir an uns erfahren haben, sollen wir selbst aktiv tun. So werden wir praktisch zu Nachahmern Gottes (Eph 5,1), nicht nur in Liebe, sondern auch in Barmherzigkeit. Wir spiegeln die göttliche Natur auf dieser Erde wieder. Wir offenbaren wer Gott ist und wie Er handelt.

Derjenige, der anderen gegenüber Barmherzigkeit übt, wird diese selbst ebenfalls erfahren. Es gibt niemanden, der immer auf der Höhe seines Glaubenslebens ist. Daher haben wir alle auch untereinander Barmherzigkeit nötig. Wohl dem, der geübt ist, anderen gegenüber in Liebe zu handeln. Nicht von oben herab, sondern in einer dienenden Gesinnung. Er wird solche Liebe ebenfalls erfahren.