13.03.2009Gute Botschaft | Persönlicher Glaube

Der Amoklauf in Winnenden – warum?

Warum?

Manchmal hört man: Warum-Fragen sind einem Christen nicht gestattet. Aber das ist schlicht Unsinn. Auch in der Bibel finden wir manche Warum-Frage. Und wir können nicht sagen, dass Gott diese kritisiert.

Aber wir müssen auch zugeben - wie es heute morgen ein Seelsorger angesichts dieser furchtbaren Tat sagte: Wir können diese Frage einfach nicht beantworten. Wir müssen es auch nicht. Manchmal ist es richtig, angesichts solcher Tragödien einfach die Frage zu stellen (oder sich diese anzuhören), ohne darauf eine Antwort zu suchen.

Es hilft uns auch nicht, die (vielleicht bessere) Frage zu stellen: Wozu? Früher oder später werden wir sicher zu dieser Frage vordringen. Aber wenn man sich nur ein wenig vorstellt, das eigene Kind, der eigene Ehepartner wäre unter den Opfern: Mit einer billigen Antwort und Erklärung wäre man nicht nur unzufrieden. Man würde sich schlicht abwenden.

 

Beten

Was wir in solchen Situation immer tun dürfen, ist beten. Wir sollten nicht denken, dass wir schnelle Antworten erhalten. Wir sollten nicht meinen, dann würde es sofort Licht im Dunkel geben. Aber wir dürfen uns auf Stellen wie Philipper 4,6 stützen: „Lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden; und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und euren Sinn bewahren in Christus Jesus."

Diese Erfahrung kann man nur ganz persönlich mit Gott machen. Es wäre zu billig, das Gebet nur als einen Strohhalm zu verstehen. Es wäre aber auch verkehrt zu sagen, das Gebet sei KEIN Strohalm. Gott ist heute unendlich barmherzig. Er reicht uns die Hand.

 

Wo war Gott?

Vielleicht fragen manche: Wo war Gott, als dieser Amokläufer unterwegs war. Die Antwort ist schlicht: Er hat es gesehen, Er hat es sogar gewusst. Er hat es nicht verhindert. Warum? Wir wissen es nicht.

Wir sollten uns aber nicht hinreißen lassen, Gott die Schuld zu geben. Wenn es gut läuft, sind wir verantwortlich. Wenn eine Katastrophe passiert, ist es Gott. Nein, so einfach dürfen wir es uns nicht machen. Wir wollen uns aber auch als Christen eingestehen, dass wir keine Antwort haben auf diese Warum-Frage. Gott kann verhindern, denn Er ist Gott. Er kann eingreifen, denn Er ist Gott.

Eins wissen wir: Wenn Gott immer eingreifen würde, wenn Böses hier auf der Erde passiert, dann lebte keiner mehr von uns. Denn es gibt keinen Menschen, der nicht auch Böses getan hat. Zu Recht sind wir erschüttert angesichts dieser Morde, auch noch von einem so jungen Menschen. Aber wir wollen nicht vergessen, dass dieses Böse im Keim auch in jedem von uns steckt.

 

Warum-Fragen

Ist uns Gläubigen die Warum-Frage eigentlich erlaubt? Ich denke ja. Denn aus Philipper 4,6 wissen wir, dass wir Gott, unserem Vater, alles sagen dürfen. Auch unsere Fragen.

Auf der anderen Seite ist mir aufgefallen, dass es bis auf zwei Ausnahmen im Neuen Testament keine solchen Warum-Fragen zu geben scheint. Das ist sich auch nicht ohne Bedeutung!

Aber im Alten Testament finden wir einige Glaubensmänner, die derartige Warum-Fragen stellten.

 

Glaubensmänner fragten: Warum?

Hiob stellte beispielsweise in seinen Leiden diese Frage. Auch der Psalmist fragte sich, warum Gott ihn vergessen hat (42,9). Jeremia fragt sich und Gott mehrfach dieses Warum. Und auch Habakuk versteht manche Wege Gottes nicht und fragt: Warum? (1,3.13). So könnte man fortfahren.

Wenn ich schreibe, dass die Warum-Frage sicher auch heute gestattet ist, dann brauchen wir - wie gesagt - nicht zu glauben, dass wir sofort eine Antwort darauf bekommen. Zuweilen öffnet Gott den Schleier über seine Wege, die göttlich groß und damit höher als unsere Gedanken sind. Dann lässt Er sich herab, uns „Erklärungen" zu geben. Aber viele unserer Fragen werden wir wohl erst im Himmel beantwortet bekommen.

Wichtig ist, dass wir trotzdem nicht an der Treue, Güte und Liebe Gottes zweifeln. Denn diese ist über unsere Umstände erhaben.

 

Und im Gespräch mit Ungläubigen?

Es ist im Übrigen nicht ganz leicht, ungläubigen Menschen, die in einem solchen „Warum-Fall" Anklage gegen Gott erheben, zu überzeugen, dass Gott gerecht und gütig ist. Es ist wahr, dass wir sie auf der einen Seite darauf hinweisen können, dass Gott, wenn Er nicht in Liebe, sondern nur in Gerechtigkeit handeln würde, jeden Menschen heute mit dem Tod strafen müsste. Denn es gibt keinen Gerechten auf der Erde.

Auf der anderen Seite hilft es nichts, sich auf eine Diskussion über die Warum-Frage einzulassen. Denn wir selbst haben oft keine Antwort darauf. Gott hat immer eine Antwort, auch wenn Er sie uns nicht immer (sofort) gibt. So fragten die Menschen damals den Herrn Jesus (Johannes 9), warum der Mensch in Blindheit geboren wäre. Ob er (was wegen der Geburtsblindheit absurd ist) oder seine Eltern gesündigt haben. Die Antwort des Herrn ist auch heute in unseren Fällen noch gültig: Damit die Werke Gottes an ihm offenbart würden - damit Gott verherrlicht wird.

 

Christus allein!

Und damit bin ich bei dem einzigen, in jeder Hinsicht berechtigten „Warum", das diese Erde gehört hat. Dieses wurde von unserem Retter ausgerufen, als Er am Kreuz hing: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"

Wir verstehen gut, dass unsere Sünden und Sünde eine Antwort auf dieses „Warum" ist. Aber jeder Erlöste weiß zugleich, dass diese Antwort viel zu schmal ist. Die Antwort auf dieses „Warum" werden nur der Herr Jesus selbst und der Vater und der Geist Gottes verstehen. Wir stehen staunend da und beten an!