03.04.2003 Persönlicher Glaube | Dienst | 2. Korinther

Goldene Äpfel in silbernen Prunkgeräten - wahre Herzensgröße

Und nachdem er entwickelt hat, was dieser Dienst wirklich war, sucht er jetzt ein Zerreißen der Bande zu verhindern, die sich durch diesen Dienst zwischen den Korinthern und ihm selbst mit der Kraft des Heiligen Geistes geknüpft hatten. "Nehmet uns auf, wir haben niemand unrecht getan." Er ist besorgt, er könnte die Gefühle der Korinther verletzen, die von ihrer Verirrung zurückgekommen waren und wieder die alten Zuneigungen zu dem Apostel hatten und so auch in der rechten Beziehung zu Gott standen.

"Nicht zur Verurteilung rede ich; denn ich habe vorhin gesagt, dass ihr in unseren Herzen seid, um mit zu sterben und mit zu leben. Groß ist meine Freimütigkeit gegen euch, groß mein Rühmen eurethalben; ich bin mit Trost erfüllt, ich bin ganz überströmend in der Freude bei all unserer Drangsal" (2. Kor 7,3.4).

Paulus offenbart das Herz eines Dieners

Der Apostel entwickelt jetzt nicht die Grundsätze des Dienstes, sondern offenbart das Herz eines Dieners, alles, was darin vorgegangen war hinsichtlich des Zustandes der Korinther. Man wird sich erinnern, dass er Troas verlassen hatte, weil er dort Titus nicht fand, der ihm die Antwort auf seinen ersten Brief an die Korinther bringen sollte, Und dass er sich nach Mazedonien begab, ohne Korinth zu besuchen. Aber auch da hatte sein Fleisch keine Ruhe. Er war bedrängt auf alle Weise: von außen Kämpfe, von innen Befürchtungen. Doch Gott, der die Niedrigen tröstet, tröstete ihn dort durch die Ankunft des Titus, den er mit soviel Beunruhigung erwartet hatte, und nicht nur durch die Ankunft des Titus, sondern auch durch die guten Nachrichten, die dieser von Korinth brachte.

Die Freude des Apostels verscheuchte alle Traurigkeit, denn das Verlangen seines Herzens war, mit ihnen zu leben und zu sterben. Er sah die sittlichen Früchte der Wirksamkeit des Heiligen Geistes: ihre Sehnsucht, ihre Tränen, ihren Eifer um ihn, und sein Herz wendet sich ihnen wieder zu, um durch den Ausdruck seiner Liebe alle Wunden zu verbinden, die sein erster Brief in ihren Herzen geschlagen hatte, so notwendig diese auch gewesen sein mochten.

Innere Qualen bei Paulus um die Korinther

Nichts ist rührender als der Streit im Herzen des Apostels Paulus zwischen der Notwendigkeit, die er gefühlt hatte, ihnen wegen ihres früheren Zustandes streng und gewissermaßen mit kühler Autorität zu schreiben, und den Gefühlen, die ihm jetzt, da die gewünschte Wirkung hervorgebracht war, fast eine Rechtfertigung für den Schmerz diktierten, den er ihnen bereitet hatte. "Wenn ich euch", sagt er, "durch den Brief betrübt habe, so reut es mich nicht", obwohl dies in der Tat einen Augenblick der Fall gewesen war; denn er sah, dass der Brief sie, wenn auch nur für eine Zeit, betrübt hatte.

Jetzt aber freute er sich, nicht darüber, dass sie betrübt worden, sondern dass sie zur Buße betrübt worden waren. Welch eine zärtliche Besorgnis, welch ein Herz für das Wohl der Heiligen! Wenn die Korinther jetzt seinetwegen Eifer offenbarten, so hatte er ihnen wahrlich Gelegenheit und Beweggrund dazu gegeben. Er fand keine Ruhe, bis er Nachricht von ihnen erhielt; nichts nahm seine Beunruhigung weg, weder offene Türen, das Wort zu verkündigen, noch Drangsale. Er hatte ein wenig bedauert, den Brief geschrieben zu haben, aus Furcht, er möchte sich das Herz der Korinther entfremdet haben, und jetzt, obwohl der Gedanke, sie betrübt zu haben, ihn noch schmerzt, freut er sich darüber, dass ihre Betrübnis Gott gemäß gewesen war und deshalb Buße bewirkt hatte.

Inspiration und Erfahrung

Er schreibt ihnen einen Brief gemäß der Kraft des Heiligen Geistes. Vorher, als er den Zuneigungen seines Herzens hingegeben war, sehen wir den Apostel nicht in der gleichen Energie der Inspiration, die ihm jenen ersten Brief diktiert hatte, den die Geistlichen als die Gebote des Herrn erkennen mussten. Sein Herz hatte bei dem Gedanken an die Folgen dieses Briefes gezittert, solange er keine Nachrichten erhielt.

Es ist sehr interessant, den Unterschied zwischen der Persönlichkeit des Apostels und der Inspiration zu sehen. Im ersten Brief an die Korinther sehen wir, wie der Apostel unterscheidet zwischen dem, was er als das Ergebnis seiner Erfahrung sagt, und den Geboten des Herrn, die durch ihn mitgeteilt werden (Kap. 7). Hier im zweiten Brief finden wir den Unterschied zwischen der Inspiration und der Erfahrung selbst. Ganz seinen Gefühlen hingegeben, hatte Paulus gefürchtet, die Korinther verloren zu haben durch die Anstrengung, die er gemacht hatte, um sie wiederzugewinnen.

Inspiriert oder menschlich

Die Form des Ausdrucks, dessen sich der Apostel bedient, zeigt, dass sich dieses Gefühl nur für einen Augenblick seines Herzens bemächtigt hatte; aber die Tatsache, dass er dieses Gefühl gehabt hatte, zeigt klar den Unterschied, der zwischen Paulus als Mensch und Paulus als inspiriertem Schreiber besteht.

Jetzt ist er völlig befriedigt. Der Ausdruck des innigen Interesses, das er an den Korinthern nimmt, ist ein Teil seines Dienstes und zugleich eine kostbare Unterweisung für uns. Sie zeigt uns, in welcher Weise das Herz an die Ausübung dieses Dienstes herantritt. Wir sehen hier, wie anpassungsfähig diese mächtige Kraft der Liebe ist, wenn es darum geht, die Herzen durch den passenden Ausdruck dessen, was im eigenen Herzen ist, zu gewinnen und zu erweichen.

Ein Herz voll Liebe

Wenn das Herz mit Liebe erfüllt ist, wird sie sicher in dieser Weise zum Ausdruck kommen, falls es der Gelegenheit angemessen ist; denn eine innige Liebe gibt sich gern ihrem Gegenstand zu erkennen, und zwar, wenn möglich, in ihrer ganzen Kraft und Fülle. Es gibt einen Schmerz, der das Herz verzehrt; aber ein Gott gemäß betrübtes Herz ist auf dem Weg zur Buße.

Wahre Herzensgröße spricht nicht leicht über Gefühle, weil sie an andere und nicht an sich selbst denkt, aber sie fürchtet sich auch nicht, darüber zu reden, wenn die Gelegenheit dazu sich darbietet, weil sie eben an andere denkt und in ihren Zuneigungen einen bestimmten Zweck, eine tiefe Absicht im Auge hat, die jede Regung dieser Zuneigungen beeinflusst und regelt. Und das Christentum verleiht Herzensgröße; außerdem ist es seiner Natur nach vertrauensvoll, und das gewinnt und gibt ungesucht einen Einfluss, den diese Herzensgröße nicht sucht, weil sie selbstlos ist. Sein wahres Verhältnis zu den Korinthern hielt der Apostel zu ihrem Wohl aufrecht.