27.01.2008 Persönlicher Glaube | Dienst | Lukas

Jüngerschaft auf die Probe gestellt

Du kannst Ihm nicht nachfolgen, wenn du das Los nicht mit dem teilen willst, der nicht hat, wo Er sein Haupt hinlegen kann. Um ein Zuhause in dieser Welt zu haben, gehst du besser zu den Vögeln des Himmels, die ein Nest haben, oder zu den Füchsen, die eine Höhle bewohnen, als zu dem Sohn des Menschen. Die Menschen sollten nicht zu Ihm kommen als Dem, der ihre Wünsche erfüllen würde, sondern zu dem, dessen Teil allgemeine und vollständige Verwerfung war.

Wer Ihm nachfolgt, kann nicht mit Bequemlichkeit und Ruhe rechnen. Schon bei seiner Geburt sehen wir das. Jeder fand einen Platz in der Herberge, nur für Ihn gab es keinen Raum. Wer den finden wollte, den die Engel priesen und verherrlichten, musste die Krippe aufsuchen.

“Folge mir nach” – ich stehe an der ersten Stelle

Dann sprach der Herr zu einem andern: “Folge mir nach.” Der erste erwartete etwas von Christus, indem er Ihm nachfolgen wollte. Hier tauchen nach der Aufforderung des Heilandes Bedenken auf. So ist es immer mit uns Menschen, sobald wir gerufen werden, haben wir allerlei Bedenken anzumelden.

Der erste, der zu Ihm sagte: “Ich will dir nachfolgen, Herr”, fühlte keine Schwierigkeiten. Der Herr Jesus musste sie ihm aufzeigen.

Der andere, der vom Herrn in seine Nachfolge gerufen wurde, wollte zuerst noch seinen Vater begraben. Dann wollte er kommen. Der Herr musste zu ihm sagen: “Lass die Toten ihre Toten begraben.” Du musst sie verlassen und mir nachfolgen, um das Reich Gottes zu verkündigen.

Wir können wohl behaupten, die Dinge dieser Erde hätten keine Macht mehr über uns. Sobald wir sie aber aufgeben müssen, spüren wir, wie sehr wir daran hangen.

Ein Vater hat natürlicherweise den ersten Anspruch an uns. Das war vor allem bei den Juden so. Aber Christus sagt: Ich erhebe Anspruch an dich aufgrund des Lebens, das ich dir gebe, und dadurch werden alle irdischen Bande zweitrangig. Es geht um eine Frage des Lebens inmitten des Todes. Das Wörtchen “zuvor” bedeutet, dass dieser Mann etwas über Christus stellte. Es ist, als ob er sagte: Es gibt etwas, das ich höher achte als deine Berufung. Der Tod war in diese Welt gekommen und zu allen Menschen durchgedrungen.

Es war bestimmt richtig, dass der Mann seinen Vater begraben wollte. Wenn es aber um das Leben und die Frage der Erlösung ging, um verloren gehen oder gerettet werden, musste er sich selbst aufgeben und willig Dem nachfolgen, der das Leben gibt.

“Ich will nachfolgen” – ohne zurückzuschauen

Wieder ein anderer sagte: “Ich will dir nachfolgen, Herr; zuvor aber erlaube mir, Abschied zu nehmen von denen, die in meinem Hause sind.” In dem zweiten Fall hieß es eigentlich: Wenn ich meinen ersten Zuneigungen nachgekommen bin, werde ich dir nachfolgen. Hier beim dritten Menschen zeigt es sich, dass diejenigen, die zu Hause zurückblieben, in seinem Herzen noch einen großen Platz einnahmen. Er fühlte, dass er mit ihnen brechen musste, aber sein Herz zögerte noch.

Darauf antwortete der Herr: “Niemand, der seine Hand an den Pflug gelegt hat und zurückblickt, ist geschickt zum Reiche Gottes.”

Ist das Kreuz unser Motiv?

Natürliche Zuneigungen sollen wohl vorhanden sein. Ja, es ist gerade ein Kennzeichen der letzten Tage, dass diese immer mehr verschwinden, dass die Menschen eigenliebig und ohne natürliche Liebe sind (2. Tim 3,1-5). Aber wenn wir die Kraft haben, uns selbst zu beurteilen, werden wir finden, dass wir allerlei Entschuldigungen vorbringen, die ihren Ursprung in den natürlichen Zuneigungen haben. Wenn aber Christus in unserem Leben nicht der Erste ist, wird er bald der Letzte sein, weil der Glaube nicht betätigt wird.

Die Frage ist, ob wir leben und auf das Kreuz blicken, und ob wir verstehen, was es uns sagt. Das Kreuz nimmt den Schleier weg und lässt uns den ganzen Aufbau der Welt sehen. Und wenn wir verstehen, welch ein Urteil das Kreuz über alles, was in der Welt ist, fällt, über das, was in uns und außerhalb von uns ist über unsere Bande der Zuneigung mit ihr, dann erkennen wir, dass wir dies alles loslassen müssen. Wir sehen am Kreuz aber auch Christus und seine Liebe, die zu uns ausgeht. Diese Liebe übersteigt alles. Vor ihr müssen alle irdischen Zuneigungen verblassen und weichen.

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Entnommen aus: Halte Fest Jahrgang 1988 - Seite: 159
Mit freundlicher Genehmigung des Beröa-Verlages