01.04.2003Prophetie | Persönlicher Glaube | Psalmen

Gedanken zu Psalm 63

Der gläubige Christ lebt geistlicherweise in einer ähnlich dürren Gegend, denn die Welt, die ihn umgibt, hat nichts, was die Bedürfnisse seines neuen Lebens irgendwie befriedigen könnte. In dieser Hinsicht gleicht die Welt einer Wüste.

Daher können wir die Empfindungen Davids ein Stück weit nachvollziehen und dürfen uns seine Erfahrungen zu eigen machen. Es fällt uns auf, dass in diesem Psalm, obwohl in der Wüste geschrieben, viel von Jubel, Lob und Preis die Rede ist. Wie konnte David in einem Land ohne Wasser jubeln? In diesem Psalm gibt er selbst die Antwort darauf.

Vers 1. Früh - am Morgen, im Leben, vor allem anderen

David redet mit Gott und nennt Ihn seinen Gott. Diese persönliche Beziehung zu Gott, die das Teil jedes erlösten Menschen ist, bewirkt ein Verlangen, einen Durst nach Ihm.

„Frühe suche ich dich." „Früh" kann dabei Verschiedenes bedeuten:

a) In der Frühe des Tages. Wie gut, wenn wir dem Vorbild unseres Herrn folgen, als Er hier auf der Erde lebte und wirkte. „Frühmorgens, als es noch sehr dunkel war, stand er auf und ging hinaus; und er ging hin an einen öden Ort und betete dort" (Mark. 1,35). Das Verlangen nach seinem Gott weckte Ihn und trieb Ihn früh an einen Ort, wo Er ungestört mit Ihm allein sein konnte.

b) Früh im Leben. David hatte schon in jungen Jahren eine persönliche Beziehung zu Gott, die er pflegte und wertschätzte. So konnte er vor König Saul ein schönes Zeugnis über seine „Jugenderfahrungen" mit seinem Gott ablegen und als junger Mann den Kampf mit Goliath aufnehmen (1. Sam. 17,34-37). Und welch ein Verlangen nach Gott, seinem Vater, sehen wir bei unserem Herrn, als Er noch ein Kind war! (Luk. 2,46-49).

c) Früh bedeutet sicher auch zuerst, d.h. vor allem anderen. Möge niemand von uns Gott erst dann suchen, nachdem er es überall sonst versucht hat.

Als Flüchtling in der Wüste hatte David keine Möglichkeit, zum Heiligtum Gottes zu gehen. Deshalb dieser Durst und dieses Schmachten seiner Seele nach Gott.

Wir sind nicht auf der Flucht, aber wir leben als Fremdlinge und Pilger fern von unserer Heimat, dem himmlischen Vaterhaus. Die Welt um uns her geht ohne Gott und ohne Christus voran. Sie kann in keiner Weise die tiefen Bedürfnisse unserer Herzen stillen. Deshalb sehnt sich auch unser Herz nach dem Zuhause beim Vater.

Vers 2. Bei Gott - in der Gegenwart Gottes

David weiß, wo Gott zu finden ist: im Heiligtum. Und so weilen seine Gedanken im damals materiellen Heiligtum Gottes, wo alles - die Materialien, die Geräte, die Vorhänge und die Decken eine Offenbarung von Gott ist und vom Herrn Jesus redet. Und alles wird vom Licht des Leuchters - einem Bild des Heiligen Geistes - erhellt.

Es ist gut, wenn auch wir uns oft bewusst im Heiligtum, d.h. in der Gegenwart Gottes, aufhalten. Dort werden wir unter der Leitung seines Geistes seine Wege erkennen (Ps. 77,13) und seine Größe, seine Macht und seine Herrlichkeit sehen, die oft in den Umständen des täglichen Lebens überhaupt nicht sichtbar sind. Das wird uns davor bewahren, zu fragen: Wo ist Gott, und wo ist seine Hilfe?

Vers 3. Die Güte des Herrn begleitet uns immer!

Obwohl David sich in der Wüste befindet, jubelt sein Herz. Dafür hat er zwei Gründe. Den ersten nennt er hier, den zweiten in Vers 7.

Davids Lippen rühmten den Herrn, weil er empfand, dass das Wissen, Gott meint es gut mit mir, besser ist, als einfach die äusseren Segnungen des Lebens zu haben.

Auch wir dürfen wissen, dass die Gnade oder Güte des Herrn in allen Umständen über unserem Leben steht. So können wir uns allezeit im Herrn freuen, und das ist weit mehr, als zufrieden zu sein, solange gute Lebensumstände herrschen.

Vers 4. Ein ständiges Lob in unserem Leben?

Nicht alle Gläubigen loben Gott während ihres ganzen Lebens. Wir alle wissen, wie schnell unser Lob verstummen kann. Und doch wäre es das Teil aller Erlösten, den Herrn zu preisen während ihres Lebens. Doch dies bedingt ein ununterbrochenes Weilen in seiner Gegenwart (Ps. 84,4).

Verse 5.6. An Christus genug zu haben - das ist das Ziel

Der Durst nach Gott scheint David manchmal auch nachts wach gehalten zu haben. Wenn er in diesen schlaflosen Stunden über Gott nachsann, dann wurde er ganz froh, denn er hatte völlig genug an seinem Gott. Seine Seele war ganz befriedigt.

Ein solcher Herzenszustand entspricht im Neuen Testament dem der Väter in Christus. Von ihnen heisst es in 1. Johannes 2,13: „Ich schreibe euch, Väter, weil ihr den erkannt habt, der von Anfang an ist." In der Familie Gottes zeichnen sich die Väter im Glauben dadurch aus, dass ihnen der Herr Jesus, der als ewiger Gott wahrer Mensch geworden ist und in dem sich Gott ganz offenbart hat, völlig genügt. Mehr als Ihn brauchen sie nicht.

Vers 7. Geschützt in der Hand des Christus

Hier gibt uns David den zweiten Grund für den Jubel in seinem Herzen an. Der Herr hat ihm in der Not geholfen. Nun jubelt er, weil er sich unter seinem Schutz geborgen und in Sicherheit weiß.

Sind wir schlechter dran als David? Keineswegs! Lesen wir doch wieder einmal Römer 8,3 1 -39, und denken wir über unser bisheriges Leben nach! Haben wir nicht schon oft die Wahrheit dieser Verse erfahren?

Vers 8. Das Rezept für ein jubelndes Herz

Dieser Vers spricht von Vertrauen in Gott und enthält das Rezept für ein jubelndes Herz.

David sagt zu seinem Gott: „Meine Seele folgt dir unmittelbar nach." In der Nachfolge hinter dem Herrn Jesus her darf es keinen Abstand zwischen dem Meister und dem Jünger geben. Nichts Störendes darf sich zwischen uns und den Herrn Jesus schieben. Dann kann uns nichts von Ihm ablenken und kein Fehltritt wird die Gemeinschaft mit Ihm trüben.

Ganz ähnlich ist es beim Wandel mit Gott. Wir wandeln nur dann wirklich mit Ihm, wenn wir das gleiche Ziel wie Er verfolgen und auf dem gleichen Weg wie Er und in seinem Schritttempo vorangehen. Dann werden wir erfahren, wie Gott in jeder Lage für uns ist und seine Hand uns aufrecht hält.

In deiner Nähe bin ich glücklich,
in deiner Nähe glaubensfroh,
in deiner Nähe wiegt die Trübsal,
die Not, der Kummer lang nicht so.

In deiner Nähe kann ich siegen
und leiden, ja, selbst sterben hier
Doch wie wird alles schwer und düster
geh, Herr ich einen Schritt von Dir!
W.G.

Verse 9-11. Niemand kann dem Eigentum des Herrn schaden

Auch wenn dies die Worte eines Gläubigen des Alten Testaments sind und wir sie nicht ohne weiteres auf uns übertragen können, dürfen wir doch daraus ableiten, dass kein Feind und keine widrigen Umstände denen wirklich zu schaden vermögen, die Gottes Eigentum sind (Röm. 8,33-39).

Bald einmal wird der Herr Jesus seine Macht und seine Herrlichkeit - die der Gläubige bereits im Heiligtum betrachtet hat öffentlich entfalten. Es wird zur Freude all der Seinen sein.

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Mit freundlicher Genehmigung des Beröa-Verlages
Halte Fest Jahrgang 1999 - Seite: 267