12.12.2008 Ehe & Familie | Fragen und Antworten

Emanzipation: ein paar Nachfragen

Liebe Redaktion,

herzlichen Dank, dass ihr das wichtige Thema „Emanzipation" aufgegriffen habt. Es ist sicherlich von großem Wert, wenn wir immer wieder unser Herz auf unsere Wege richten. Erlaubt mir aber trotzdem einige Anmerkungen zu den Thesen in diesem Artikel:

Bitte geht auf das Thema Empfängnisverhütung näher ein. Ich denke, dass es richtig ist, im Zusammenhang mit dem Thema Emanzipation diese Frage anzuschneiden. Aber ist die Entscheidung für oder gegen ein Kind nicht eine Sache beider Partner? Wie ist das Thema Empfängnisverhütung generell zu beurteilen? Gibt das Wort Gottes in dieser Frage eine deutlich Verhaltensvorgabe?

Warum erwähnt ihr das Thema Abtreibung als sicheres Indiz einer falschen Einstellung auf der Seite der Frau allein? Spielt nicht der Partner in diesem Prozess eine sehr gewichtige Rolle? Oder konkreter gefragt: Ist eine Abtreibung ohne die Zustimmung und in vielen Fällen den Druck des Partners und des sozialen Umfelds überhaupt denkbar?

„Die Hose wird mehr und mehr modern für Frauen. Sie ist das äußere Signal, dass Frauen im Bezug auf Männer gleichberechtigt sein wollen." Ist diese Beurteilung nicht zu pauschal? Gibt es nicht sehr viele Frauen, die ihr Verhalten sofort ändern würden, wenn das Warum? nur ausreichend deutlich präsentiert würde?

Diese Fragen sind meines Erachtens. zur Ergänzung des Themas wichtig. Wenn es euch gut erscheint, dann beantwortet bitte diese Fragen.

Liebe Grüße

Euer M. R.

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Lieber M.,

herzlichen Dank für Deine Mail und die Anregungen zu einer Reihe von Punkten meines Artikels über „Emanzipation".

Empfängnisverhütung

Dieser und auch andere von Dir genannte Punkte sind der „Zeitleiste" meines Artikels entnommen. Ziel war nicht, die einzelnen Themen umfassend zu erörtern. Daher ist es nachvollziehbar, dass Fragen entstehen. In dem Artikel ging es konkret um die Einführung der „Pille". Sie ist Beispiel für das Ziel von Ehepaaren bzw. Frauen, ein möglichst selbstständiges und freies Leben zu führen.

Das Thema Empfängnisverhütung oder Familienplanung wird im Allgemeinen, wie Du schreibst, unter Christen nicht in der Öffentlichkeit diskutiert. Gibt es dazu in der Bibel Hinweise?

  1. Wir finden nach meinem Verständnis zunächst die Aufforderung an Adam und Eva: „Seid fruchtbar und mehr euch" (1. Mo 1,28). Diese Aufforderung wird später, nach dem Sündenfall und der Flut, auch an Noah wiederholt (1. Mo 9,1). Diese Hinweise, die bis heute Gültigkeit haben, zeigen uns, dass wir uns als Ehepaar und Eltern darauf freuen dürfen, von Gott Kinder geschenkt zu bekommen. Dass Er manchmal andere Pläne mit dem Leben eines Ehepaars hat, ist eine andere Sache. Als Verheiratete sollen wir, was unsere „Verantwortung" betrifft, diesem Auftrag folgen: „Seid fruchtbar und mehrt euch ..."
  2. Allerdings finden wir in der Schrift auch andere Hinweise, die wir als Ergänzung zu diesem grundsätzlichen Gebot Gottes verstehen sollten. Dazu gehört zum Beispiel: „Ihr Männer ..., wohnt bei ihnen [den Frauen] nach Erkenntnis als bei einem schwächeren Gefäß, dem weiblichen, ihnen Ehre gebend" (1. Pet 3,7). Wir Männer werden hier also aufgefordert, die physischen und psychischen Fähigkeiten unserer Ehefrauen realistisch einzuschätzen. Wenn eine bis an ihre Grenzen belastete Frau mit ihrem Ehemann intim zusammen ist und dabei immer in der Angst lebt, schon wieder, sagen wir zum fünften Mal, schwanger zu werden, wird sie die eheliche Gemeinschaft nicht als etwas Schönes empfinden können. Es ist keine „Liebe" vonseiten des Mannes, seine Ehefrau in diesen Dingen zu überfordern. Denn Liebe sucht nicht das ihre, sondern das Wohl und die Freude des Ehepartners. Diese Gedanken sollten also ebenfalls erwogen werden. Sie dürfen jedoch nicht als Freibrief verstanden werden, die eigene Freiheit genießen zu wollen. Denn 1. Mose 9,1 bleibt gültig.

Abtreibung

Du hast recht, dass dieses Thema durchaus nicht allein in die Verantwortung von Frauen fällt. Da der Artikel aber in diesem Teil speziell die Emanzipation der Frau thematisierte, stand deren Verantwortung im Vordergrund. Tatsächlich sind es, wie Du zu Recht schreibst, oft die männlichen Partner, die auf eine Abtreibung dringen, gerade, wenn es sich um eine uneheliche Beziehung handelt. Auch der Einfluss des Umfelds trägt zu dieser Entscheidung bei. Wir wissen, dass es eine Vielzahl von Gründen gibt, warum sich eine Frau entscheidet, ungeborenes Leben zu töten. Damit dies - besonders unter Christen - nicht geschieht, sollten Ehepaare und vertrauenswürdige Geschwister vorhanden sein, die von Frauen in deren Not angesprochen werden können.

Die Hose als Frauenkleidung

Ob das Urteil, dass die Hose das äußere Signal dafür ist, dass Frauen in Bezug auf Männer gleichberechtigt sein wollten, zu pauschal ist, überlasse ich dem Leser. Wohlgemerkt, ich habe das auf die 70'er Jahre bezogen. Dass sich eine Frau von einem Mann stärker unterscheiden kann, wenn sie einen ordentlichen Rock etc. anzieht, wird vermutlich niemand in Zweifel ziehen. Ob man andererseits heute noch davon sprechen kann, dass die Hose nur zur Männerkleidung zählt, ist eine andere Frage.

Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob es in praktischen Punkten in erster Linie um eine ausreichende „Begründung" geht. Nehmen wir einen ganz anderen Punkt, der im Unterschied zur Frage, ob die Hose nach wie vor ausschließlich Männerkleidung ist, klar in der Schrift behandelt wird: das lange Haar der Frau (vgl. 1. Kor 11). Ich habe den Eindruck gewonnen, dass diese Belehrung von vielen Christinnen (sicher auch durch die Unterstützung von uns Männern) zur Seite geschoben wird. Geht es bei diesen praktischen Fragen wirklich darum, ausreichende Belehrung sicherzustellen, oder geht es um die persönliche Gesinnung?

Ein gottesfürchtiges Herz wird sich fragen, wie es den Herrn Jesus ehren kann. Dazu bedarf es oftmals keiner ausführlichen Argumentation - der wir uns gerade gegenüber jungen Menschen allerdings nie verschließen wollen -, sondern einer allein auf den Herrn Jesus ausgerichteten Haltung. Leider spielen in unserem Leben oft ganze andere Motive eine Rolle. Wenn wir uns gegenseitig helfen könnten, aus Liebe zu unserem Retter ein Leben der Hingabe für Ihn zu führen, würden sich viele Lebensfragen leichter klären.

Herzliche Grüße

Dein Manuel