18.11.2008Versammlung / Gemeinde

Zucht in der Versammlung (Gemeinde) 5: Ausschluss

Die Fragen, die wir in diesem Themenkomplex zu beantworten suchen, sind die Folgenden:

  1. Zucht in der Versammlung (Gemeinde) - worum geht es?
  2. Ausschluss - was bedeutet der Ausschluss? Was heißt das praktisch?
  3. Wer muss ausgeschlossen werden? Wann muss ausgeschlossen werden?
  4. Warum muss ausgeschlossen werden? Wer schließt aus?
  5. Wann kann ein Ausgeschlossener wieder zugelassen werden?
  6. Was für ein Werk muss der Herr in der örtlichen Versammlung tun, die ausschließen muss?
  7. Was ist, wenn jemand ausgeschlossen war, dann Buße tut über den Zustand und die dem Zustand zugrunde liegende(n) Tat(en), nicht aber das Zusammenkommen wieder besuchen möchte, an dem er früher teilnahm?
  8. Was muss die örtliche Versammlung tun, wenn jemand sich zurückgezogen hat aus der Gemeinschaft und erst danach in Sünde gefallen ist?
  9. Was ist zu tun, wenn eine solche Person wieder zurückkommt oder zurückkommen will?
  10. Wie kann eine solche Person wieder zugelassen werden?

Die Fragen 1 bis 4 haben wir in den letzten Folgen behandelt, jetzt geht es um:

Wann kann ein Ausgeschlossener wieder zugelassen werden?

Neben der Notwendigkeit, der Heiligkeit Christi, unseres Passahs, zu entsprechen, verfolgen die Gläubigen bei einem Ausschluss auch immer das Ziel, dass derjenige, der ausgeschlossen werden muss, durch diese Zucht zur Einsicht kommt und seinen sündigen Zustand erkennt, ihn vor Gott und Menschen bekennt, um wieder neu in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen werden zu können.

Damit ist schon eine wesentliche Voraussetzung genannt, die ein Ausgeschlossener erbringen muss. Er muss Buße über seinen sündigen Zustand tun. Beim Ausschluss geht es nicht nur um eine konkrete Sünde. Die ist immer der Anlass für einen Ausschluss. Aber die Sünde offenbart einen bösen Zustand, der aus einem Gläubigen einen „Bösen" macht (1. Kor 5,13). Daher ist das Verhalten der örtlichen Versammlung (Gemeinde, Kirche) auch nicht dem Gutdünken Einzelner anheim gestellt. Wir müssen Stellung beziehen, weil jemand, der die Gemeinschaft am Tisch des Herrn und darüber hinaus pflegt (vgl. 1. Kor 10,16.17), durch seinen sündigen Zustand die ganze örtliche Versammlung verunreinigt.

Wenn eine solche Person nun ausgeschlossen worden ist, ist sie draußen (vgl. 1. Kor 5,12.13). Sie hat keine Ansprüche mehr, kein Recht darauf, angehört zu werden oder Gemeinschaft einzufordern. Es ist gut und richtig, dass eine solche Person, nachdem sie ihre Sünden eingesehen hat, wieder an der Wortverkündigung teilnimmt. Aber niemand kann mir einer solchen Person Gemeinschaft pflegen oder Umgang haben (vgl. 1. Kor 5,11.13). Sie wird sich daher auch niemandem aufdrängen. Sie wird auch keinen Anspruch auf ein Gespräch erheben. Sie kann es nicht, weil sie „draußen" ist. Sie wird und muss abwarten, bis die Geschwister den Eindruck gewinnen, dass der Herr ein Werk in ihrer Seele vollbringen konnte.

Wenn dieser Eindruck entsteht, haben die Geschwister die Pflicht, das Gespräch mit einer solchen ausgeschlossenen Person zu suchen. Sie selbst kann aber darauf nicht pochen. Sie hat keine Rechte der Gemeinschaft, so lange sie „draußen" ist.

Ein Ausgeschlossener muss also zunächst einmal seinen sündigen Zustand erkennen. Dann wird er, wenn der Herr an seiner Seele ein Werk ausführen konnte, Buße tun. Paulus nennt das „Traurigkeit" haben (2. Kor 2,7). Es muss sich um eine wirkliche innere Umkehr handeln, um eine moralische Beugung darüber, dass man den Herrn Jesus verunehrt und die örtliche Versammlung belastet hat.

Dieser Traurigkeit muss ein Bekenntnis folgen (vgl. 1. Joh 1,9). Dieses Bekenntnis wird man zuerst vor Gott haben und aussprechen. Aber da die örtliche Versammlung die Autorität zum „Binden und Lösen" hat (vgl. Mt 18,18), reicht dies nicht aus. Auch vor der örtlichen Versammlung muss ein solches Bekenntnis ausgesprochen werden. Erst wenn diese die Sünden von einer ausgeschlossenen Person „löst", ist sie wirklich frei von der Sünde und wird wieder in die Gemeinschaft der örtlichen Versammlung aufgenommen.

Die Schrift kennt auch nichts anderes, als die sofortige Wiederaufnahme in die Gemeinschaft der örtlichen Versammlung. Das schließt das Brotbrechen mit ein. Dabei setzen wir natürlich immer voraus, dass das Bekenntnis echt und aufrichtig ist und auch als solches erkennbar ist. Ein Geständnis ist kein Bekenntnis, sondern nur ein Nennen dessen, was ohnehin bekannt ist. Ein Bekenntnis kommt aus einem traurigen Herzen, das darüber trauert, was es getan hat.

Damit einher geht natürlich auch, dass man von den Sünden lässt, die man zuvor begangen hat. Ansonsten wäre ein derartiges Bekenntnis ohne Wert und unglaubwürdig.

Wenn dann die örtliche Versammlung einem solchen „Bösen" vergibt (vgl. 2. Kor 2,7), dann ist er kein Böser mehr sondern ein Bruder, der in der Gemeinschaft der Geschwister herzlich willkommen ist. Gott hat ein Werk vollbracht, das durch echte Umkehr gekennzeichnet ist. Was für ein Wunder der Gnade!