11.11.2008Versammlung / Gemeinde

Zucht in der Versammlung (Gemeinde) 4: Ausschluss

Die Fragen, die wir in diesem Themenkomplex zu beantworten suchen, sind die Folgenden:

  1. Zucht in der Versammlung (Gemeinde) – worum geht es?
  2. Ausschluss – was bedeutet der Ausschluss? Was heißt das praktisch?
  3. Wer muss ausgeschlossen werden? Wann muss ausgeschlossen werden?
  4. Warum muss ausgeschlossen werden? Wer schließt aus?
  5. Wann kann ein Ausgeschlossener wieder zugelassen werden?
  6. Was ist, wenn jemand ausgeschlossen war, dann Buße tut über den Zustand und die dem Zustand zugrunde liegende(n) Tat(en), nicht aber das Zusammenkommen wieder besuchen möchte, an dem er früher teilnahm?
  7. Was muss die örtliche Versammlung tun, wenn jemand sich zurückgezogen hat aus der Gemeinschaft und erst danach in Sünde gefallen ist?
  8. Was ist zu tun, wenn eine solche Person wieder zurückkommt oder zurückkommen will?
  9. Wie kann eine solche Person wieder zugelassen werden?

Die Fragen 1 und 2 haben wir in der letzten Folge behandelt, jetzt geht es um:

Warum muss die örtliche Versammlung handeln und jemanden ausschließen?

Es gibt mehrere Gründe, warum die örtliche Versammlung handeln muss:

  1. Ein wenig Sauerteig durchsäuert die ganze Masse (1. Kor 5,6): Sünde, die nicht gerichtet wird, die nicht bekannt wird, die geduldet wird in der örtlichen Versammlung, breitet sich aus wie Sauerteig. Und dann ist dauerhaft Sünde in der Versammlung, die mit einem reinen Herrn Jesus Christus praktisch verbunden ist. Das passt nicht zusammen. Denn damit kann sich der Herr Jesus nicht verbinden.
  2. Fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seiet, wie ihr ungesäuert seid (1. Kor 5,7): Die Versammlung ist ihrer Stellung nach rein. Das, was sie ist, soll sie auch praktisch sein und darstellen. Nur durch das Ausfegen der Sünde und hiermit der Person, die sich mit dieser Sünde identifiziert, bewahrt ihren sauberen Zustand, der ihrer Stellung entspricht.
  3. Denn auch unser Passah ist geschlachtet worden (1. Kor 5,7): Im Alten Testament stand das Schlachten des Passahlamms in direkter Verbindung mit dem Fest der ungesäuerten Brote. Das ist auch in der geistlichen Erfüllung dieser beiden alttestamentlichen Feste so. Christus, der Reine, ist geschlachtet worden. Daher müssen diejenigen, für die Er gestorben ist, seiner Heiligkeit entsprechen. Nur so kann Er sich praktisch mit ihnen verbinden.
  4. Dieser Vers zeigt auch noch etwas anderes – vielleicht der wichtigste Punkt in dieser Aufzählung – daher in der Mitte auch sehr passend: Das Dulden von sündigem Zustand inmitten der Versammlung verunehrt den Herrn Jesus und beleidigt Ihn aufs Tiefste. Gerade unserer Sünden wegen ist Er gestorben. Wie können wir dann eine solche Sünde inmitten der Versammlung zulassen, wegen der Er drei Stunden lang von Gott verlassen wurde?
  5. Darum lasst uns Festfeier halten, nicht mit altem Sauerteig, auch nicht mit Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit Ungesäuertem der Lauterkeit und Wahrheit (1. Kor 5,8): Das Leben der Gläubigen ist eine Festfeier. Diese passt nicht zu Sauerteig, der ein Symbol ungerichteter Sünde ist, sondern nur zu Lauterkeit und Wahrheit. Diese aber würde beschmutzt, wenn Sünde in der Versammlung geduldet wird.
  6. Ihr solltet vergeben und ermuntern (2. Kor 2,7): Der Herr hat immer die Wiederherstellung einer solchen Person im Auge. Sein Wunsch ist, dass ein Gläubiger, der Sünde in seinem Leben zulässt und diese nicht richtet, zur Einsicht kommt, damit ihm die Versammlung (und damit auch Er) vergeben kann.
  7. Ihr habt in allem bewiesen, dass ihr an der Sache rein seid (2. Kor 7,11): Wenn Sünde zum Zustand eines Christen wird, kann sich die Versammlung nur dann rein erhalten, wenn sie diesen Menschen aus ihrer Gemeinschaft ausschließt. Wenn sie das nicht tut, beschmutzt sie sich und wird selbst unrein.

Es gibt noch eine zweite Überlegung, warum die Versammlung handeln muss. Aus 1. Korinther 11,28 wissen wir, dass jeder Gläubige sich ganz persönlich prüfen muss, ob er sic hin Übereinstimmung mit den biblischen Belehrungen über das Leben des Christen und das Brotbrechen befindet.

Aus 1. Korinther 10,17 aber lernen wir, dass die Gemeinschaft der Gläubigen heute einen Höhepunkt am Tisch des Herrn (Vers 21) durch das Essen von dem einen Brot hat. Denn da haben wir Gemeinschaft miteinander. Eine solche Gemeinschaft zu pflegen bedeutet auch, dass man an dem teilhat, was den anderen betrifft, sowohl zum Guten als auch zum Schlechten. Wenn also jemand mit offenbarer Sünde sein Leben führt, habe ich auch damit Gemeinschaft. Daher ist es nicht gleichgültig, mit wem man Gemeinschaft pflegt. Daher haben wir auch Verantwortung füreinander. Das wird zuweilen kollektive Verantwortung oder Prüfung genannt. Es reicht also nicht aus, dass ich meine, passend für die Gemeinschaft zu sein. Auch diejenigen, mit denen zusammen ich das Brot breche, müssen dem beipflichten. Wenn nun jemand sein Leben durch Sünde prägen lässt, sind die anderen gefordert, ihn aus dieser praktischen Gemeinschaft auszuschließen, weil sie sonst mit ihm und damit mit der Sünde Gemeinschaft hätten.

Wer schließt aus?

Es stellt sich noch eine weitere Frage: Wer schließt eigentlich aus der Gemeinschaft aus?

In 1. Korinther 5,13 lesen wir: „Tut den Bösen von euch selbst hinaus.“

Nicht ein Einzelner, nicht eine Familie, nicht eine Brüder- oder Schwesternschaft schließt aus, sondern die örtliche Versammlung als solche. Diese sprach Paulus hier an, diese ist auch heute noch gefordert. Diejenigen also, die ihre Verantwortung in der örtlichen Versammlung sehen, als Versammlung (Gemeinde, Kirche) zusammenzukommen, um die in dem Neuen Testament genannten Gedanken zu verwirklichen und den Herrn zu ehren. Das werden in dem örtlichen Zusammenkommen hoffentlich alle am Brotbrechen teilnehmenden Geschwister sein.